23.9.04

Pennys Wochenrückblick Folge 5: Sehr geehrter Herr Spengemann, nageln sie mir die Nase und begatten mich untenrum? Gern auch umgekehrt.

Vielen wird die Situation bekannt vorkommen….vor allem, wenn man noch in der Schule, der Berufsschule oder aber in der Brutstätte staatlich subventionierter Faulheit – von einigen auch leichtfertig als „Universität“ bezeichnet – verweilt.

Wird man an diesen Plätzen mit so etwas lebensfremden wie „Hausaufgaben“ konfrontiert, setzt bei den angegriffenen Individuen meist das ein, was der Volksmund „Zombiestarre“ nennt.
Dasselbe gilt für Tests, Hausarbeiten, Abschlussprüfungen und Lernzielkontrollen und vor allem letztere Bezeichnung klingt in meinen empfindlichen Ohren immer ein bisschen faschoid.

Nun gut, der gesunde Menschenverstand flüstert einem nach Erhalt einer solchen Lebensaufgabe ein, dass man derlei Arbeit am besten schnell, adhoc und sofort erledigt, damit man sich flugs wieder den anderen Dingen des Lebens widmen kann.
Mit anderen Worten: man erklimmt den Berg, damit man es „hinter sich hat“.
Das sagt man dann immer so, als wenn einem ein Krebsgeschwür in den Hoden wächst.
So kommt man dann nach Hause und will sich tatkräftig ans Werk schmeissen, man krempelt die Ärmel hoch, setzt einen angestrengten Professorblick auf und in dem Moment macht es irgendwo in den Untiefen der Köpfe im Hippothalamus kaum hörbar „plopp“.
Die Arme heben sich langsam parallel zum Teppcih, die Augen glotzen irre in verschiedene Richtungen und die Zunge hängt leicht sabbernd heraus.
Leichenstarre eben.

So sitzt man dann eine Weile…und meist auch ein bisschen länger.
Hat man diesen Punkt eigentlich unüberwindbarer Langsamkeit in aller Langsamkeit langsam überwunden, meint man wieder, frisch ans Werk gehen zu können (inderruheliegtdiekraftblabla).
Nun schnappt man sich entschlossen einen Stift, man will lernen/Hausaufgaben machen/einen Aufsatz über die 20 verschiedenen Balztänze der Inkas schreiben (unzutreffendes streichen) und stolziert selbstbewussten Schrittes zu den Ordnern/dem Matheheft/auf ein leeres Blatt Papier zu.

Bis die Augen in die laufende, aber leise gestellte Glotze blicken.
Es macht wieder kurz „plopp“ und schon schaut man sich eine Sendung an, in der sich arme Kreaturen gegenseitig anbrüllen.
Moderiert wird dieser Unfug von Oliver Geissen.
So fängt es an.
Der Berg kann warten, an seinem Fuss wartet eine Talkshow, die einen von wichtigen Aufgaben abhalten.
Das wäre wohl alles nicht weiter problematisch, wenn es mal die letzte Ablenkung gewesen wäre, aber der Müll muss noch runter, das neue Playstation 2 Spiel schreit nach Ausprobierung und überhaupt wird es nach siebenundachtzig Monaten mal wieder Zeit, die Schränke auszumisten.
Das ganze wird noch schlimmer, wenn man sichfür eine wichtige Prüfung – so wie ich – ein paar Tage frei nimmt.

Dann potenzieren sich die Ablenkungsmanöver ins unendliche.
Gut, man könnte jetzt so affektiert sein und das ganze „Bildungsurlaub“ nennen, aber das macht einen „WHOOOOHA, Highscore geknackt“ – Ausruf auch nicht besser.
Schämen bis unter den Meeresspiegel sollte man sich, dass man sich von solcherlei Trivialitäten ablenken lässt, statt dem Ernst des Lebens gegenüberzutreten und ihm eine Tasse Kaffee anzubieten. Richtig gruselig wird es erst, wenn die Ablenkungsmanöver extreme Ausmaße annehmen.
Das ist dann der Fall, wenn man:
A) auf die Toilette geht, obwohl man gar nicht nicht muss
B) sich Essen kocht, das man gar nicht mag
C) in einer Frauenzeitschrift blättert oder
D) sich eine Live Schönheits-OP im Fernsehen anschaut.

Punkt D) soll hier noch genauer erläutert werden, denn solch ein Ereignis wurde schliesslich noch nie im Fernsehen gezeigt…bis letzte Woche.
Da wurden die zu kleinen Titten einer zu kleinen Frau aufgepumpt.
Exakt beim gleichen Sender, bei dem sich nachmittags die Leute bei Ollie Geissen das Schmalz aus den Ohren keifen.
Markus Lanz, seines Zeichens jungenhafter Liebhaber der gereiften Birgit Schrowange, begleitet die Patientin interviewtechnisch ins Delirium.
Man weiss nicht genau, ob es nun 240 mG Propofol oder die Fragetechnik von Lance-Boy war, welche die Patientin letztlich hat einschlafen lassen.
Spielt aber auch keine Rolle, die gute Dame war bewusstseinstechnisch auf einem anderen Kontinent.

Dann hat man ihr die Achselhöhlen aufgeschnitten und mann, war ich froh, dass die gute narkotisiert war, an dieser Stelle hätte sie bestimmt gelacht, kalte Skalpelle können heftig kitzeln.
Der Schöni-Chiri liess es sich auf jeden Fall nicht nehmen, mit seiner ganzen Hand in der von dicken Brüsten träumenden Frau herumzuwühlen, um den Brustmuskel zu lösen und zwar so lange, bis auch der letzte Fernsehzuschauer aufs Parkett gekotzt hat.
Ich hab vorher abgeschaltet und war mir nun nicht mehr so sicher, ob das Halbeinkünfteverfahren oder dicke Titten einen höheren Wert im Leben eines normal denkenden Menschen haben sollten.
Ich hab dann die Arme parallel zum Teppich gehoben, meine Augen ein wenig verdreht und die Zunge ein Stück weit raushängen lassen und in diesem Zustand bin ich dann ins Bett getorkelt.

Am Samstag bei meiner Vermögensberaterprüfung wusste ich übrigens wieder, dass dicke Titten nichts nutzen, wenn man über das Halbeinkünfteverfahren sinnieren soll.
So, nun möchte meinereiner dem Kultursender RTL nicht die ehrenvolle Absicht absprechen, dass es das äusserste Bestreben des Programmdirektors war, dem glotzenden Volke in quasi wissenschaftlicher Intention darzustellen, warum und vor allem wie jetzt so ein Brustmuskel gelöst wird.

Mitnichten.

Ich hab so was derart interessantes auch noch nicht gesehen, aber wie es mit so manch interessanten Sachen ist, bringen sie einen im Leben nicht wirklich weiter, Fussballergebnisse der Lieblingsmannschaft und die Herstellungstechnik von bunten Strohalmen haben dieselbe blöde Eigenschaft.
Der Brustmuskel wird natürlich gelöst um Platz zu schaffen für das gesellschaftskompatibel machende 250 Gramm Silikonkissen.

Markus Lanz überfiel mitten in der Sendung übrigens Religiösität und zwar mit voller Wucht von hinten, anders kann man es sich nicht erklären, wie er folgenden Gedankenpups lassen konnte:
„Herr Doktor Schnippelmann, ist es ethisch und moralisch vertretbar, dass sie und ihre Kollegen hier in Gottes Handwerk pfuschen?“
Wenn man jetzt mal bedenkt, dass Gott auch nur grobhändig mit Rippen hantiert hat, darf man sich wohl kaum über Schönheitschirurgen wundern, die Brustmuskeln umpflügen.
Eine Vorbildfunktion kann auch was schlechtes sein.

Aber auch hier ist wieder die ehrenvolle Absicht zu erkennen, aus triefendem Rotzfernsehen etwas halbwegs Anspruchsvolles auf der medialen Drehscheibe zusammenzubasteln. Hätte das ganze für sich alleine gestanden, dann hätte in zehn Tagen kein Mensch mehr über
so etwas gesprochen, weder auf Cocktailpartys, noch in der Stammkneipe ums Eck.
Aber nein, was RTL hier in liebevoller Kleinstarbeit mit zarten Händen aufgebaut hat, wurde schon nach sieben Tagen mit dem Arsch wieder umgerissen.

„BEAUTY QUEEN“ heisst die Totgeburt irgendeines irren Drehbuchautors, der vermutlich vor drei Monaten noch arbeitslos im Regen stand.
In der „Beauty Queen“ (stellt Euch vor, das ist jetzt ein Beitrag für „löwenzahn“ oder „die Sendung mit der Maus“) spielt der Carsten Spengemann mit.
Der Carsten Spengemann war seinerzeit ein erfolgreicher Moderator einer noch viiiel erfolgreicheren Fernsehsendung mit Namen „Deutschland sucht die Oberschräpe“.
Dort durfte der Carsten in jeder Sendung live und in Farbe Michelle Hunziker von oben bis unten betatschen, bis sie blaue Flecken bekam und weder das eine noch das andere sagten ihr sonderlich zu.

„Carsten“ kommt übrigens nicht von „Charisma“, weswegen es nicht weiter verwundert, das DSDS zwar erfolgreich war, dies aber zu einem grossen Anteil an anderen Personen – also Kabelträgern, Visagisten, Dieter Bohlen – lag und keinesfalls an Carsten Spengemann.
Vor Gericht konnte der Carsten übrigens genauso strunzdämlich und hyperbetroffen gucken, wie Samstagabend vor den Kameras und das fanden einige bei RTL anscheinend so toll, dass sie der Meinung waren, dass er eine eigene Serie verdient hat.
So kann man sich täuschen.
Ich möchte hier übrigens keine üblen Ringwitze machen, derlei Geschrei gab es bereits haufenweise in anderen Medien, aber wenn…ja WENN der Carsten von Peter Jackson
gecarstet worden wäre(man beachte, wie ein einzelner Buchstabe in der Lage ist, einen seltendämlichen Wortwitz zu kreieren), dann habe ich mich oft gefragt, welche Rolle er wohl bekommen hätte.

Für Frodo wäre er zu gross und für Gandalf wäre sein Bart zu klein gewesen.
Aufgrund der niederträchtigen Klauerei wäre wohl die Rolle Saurons perfekt für Carsten gewesen.
Das hätte auch den unschlagbaren Vorteil gehabt, dass der Erfolg von Herr der Ringe nicht gefährdet gewesen wäre, denn den guten Sauron sieht man in den kompletten eposhaften neuneinhalb Stunden gerade mal achtundzwanzig sekunden. Perfekto und Tres bien.

Wer weiss, DSDS hätte nicht DSDS sondern vielleicht DSDS-O geheissen…
Deutschland sucht den Super-Ork
So, genug der billigen Witzchen, kommen wir zurück in die brutale Realität.

Beauty Queen. Mit Carsten Spengemann. Hier ist jetzt Schluss mit dem „Löwenzahn“-Slang.
Als Zitat lässt sich vornewegschieben, dass man sich ehrlich wünscht, dass die damals Ringbeklaute den Carsten Spengemann zementbeschwert in irgendeinen See geschmissen hätte.
Ist aber nicht passiert.
Also…ich hab mir diese Serie angeschaut….die GANZE Serie…das ist schon vergleichbar mit Professoren, die monatelang in irgendeinem Dschungel nach der Pflanze suchen, die eine schreckliche Krankheit heilt. Die Zombiestarre vielleicht?

Das fängt bei der Musikauswahl an.
Wer Kill Bill VOL. 1 gesehen hat, wird sich an die Musik erinnern, zu der Lucy Liu mit den Crazy 88 in das Teehaus marschiert.
Tja, zur selben Melodie walkt Carsten und sein Schauspielbruder – beides Schönheitschirurgen – mit dem Restepersonal (Sägenschlepper, Narkosefuzzis etc.) in die Schönheitsklinik.
Wer da noch nicht lachend auf dem Boden liegt, befindet sich vermutlich immer noch in der Zombiestarre…doch keine Sorge, der Professor sucht und sucht….
Das erste schicke, was wir dann sehen, ist Carsten, der sich mit einer Frau in den Betten wälzt wie in einem ganz üblen Zweitklasseporno und die Kriätiff Dairäcktors von RTL waren der Meinung, dass man das in kleine Bilder stückeln kann, auf jedem eine andere Stellung und dies ergibt dann das grosse Bild.
Nach der Korpuliererei bemalt der schöne Carsten sein Bumsobjekt mit dem Lippenstift, zeichnet die Sachen ein, die er beschnippeln würde.
Schön.
Realistisch.

Carsten bewohnt in der „Beauty Queen“ ein schickes 1000 qm Haus und in der nächsten Szene sehen wir, wie morgens der unrasierte Carsten verschlafen sein Heim in Calvin Klein Unterhose verlässt, diese auszieht, Anlauf nimmt und hahaha zu Faith no Mores „I`m easy“
in seinen eigenen Privatsee springt.
Ich denke, genau das ist der Carsten Spengemann, für den Carsten Spengemann sich hält.
Zur Titelmusik von Donnie Darko steigt C.S. in eins seiner vier Autos und braust zur Arbeit.
Währenddessen braust – hach, welch Zufall – eine andere Frau unter einen Laster und als angeekelter Zuschauer meint man noch, dass diese Dame noch alles an sich hat, nur nicht mehr ihren Kopf, doch da sieht man sich doch schwer getäuscht, denn sie liegt keine Minute später schon auf Carstens OP-Tisch. Hat sonst keine inneren Verletzungen.

Hahaha.

Direkt in die Schönheitsklinik.

Hahaha.

Dass diese Frau gar keine Krankenversicherung hat, verleitet Carsten und seinen Schauspielbruder dazu, sich leidenschaftlich und idealbehaftet zu streiten, ganz nach dem Motto:
„Du operierst doch nur der Kohle wegen“
„Ja und? Irgendwie muss ich die Tanks meiner vier Autos auch voll kriegen.“

Später tanzt der Lebemann zu Limp Bizkit (Musikexperten merken, es wird immer lächerlicher) mit der nächsten Frau in der Dorfdisse, um sie ebenfalls ins Bett zu schleppen und sie am nächsten Morgen mit dem Lippenstift zu bepinseln.
Begleitet wurde das ganze übrigens von ulkigen OP Szenen, in denen Frauen mit kleinen Hämmerchen und noch kleineren Meisselchen die Nase gebrochen wurde.
Schick, das hat Stil, vor allem die Szene, in der scheinbar aus dem Nacken heraus das Unfallopfer mit kaputten Zähnen gefilmt wird.
Texas Chainsaw Massacre schon jetzt im Kabelfernsehen, wow.
Nun muss ich mich verabschieden, in die yogahafte Zombiestarre verfallen, um die nächste Folge von Beauty Queen ertragen zu können. Bevor meine Zunge auf die Tastatur sabbert, sei noch gesagt, dass Deutschlands erste Instanz in Sachen Doppelmoral – also die BILD – sich furchtbar sowohl über die Live OP als auch über Beauty Queen tierisch aufgeregt hat.
Ich meine, einer Zeitung, die noch vor Monaten einen abgeschlagenen Rebellenkopf gezeigt hat, steht das auch voll und ganz zu.
Guten Abend.

2 Comments:

Anonymous Anonymous said...

RESPEKT!
Du hast den Spengemann durchschaut.
Ich war da leider mal nicht so schnell, habe dafür eben sehr über Deine Beauty-Queen-Reszension gelacht.
Auch Kriätive dairäktors werde ich mir jetzt als feste schreibweise merke *roll ab*
SEHR GEIL; danke

19/10/06 00:31  
Blogger MrPennywise said...

"Ich war da leider mal nicht so schnell..." heisst jetzt aber hoffentlich nicht, dass Du mal eine Bezieghung zu dem Vollblutschauspieler hattest, oder etwa doch? oO

19/10/06 13:17  

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