Pennys Wochenrückblick Folge 113: Düsentriebsches Gedanken(treib)gut (1)
Zwei Erfindungen sind es, die noch getätigt werden müssen, bevor der Erdball im Angesicht einer erkalteten Sonne in ein paar Milliarden Jahren plus minus anderthalb Wochen den Geist aufgibt. Eine für den Mann und eine für die Frau, soll ja alles gerecht aufgeteilt werden.
Über die der Frau soll heut berichtet werden.
Meist sind Erfindungen dazu gedacht, das Leben der Menschen angenehmer und erträglicher zu machen. Die Atombombe und die Katzenklappe für den Kühlschrank sind da ruhmarme Ausnahmen, aber so ist es eben wie mit allen Dingen im Leben:
Durch das Sieb erfolgreicher Evolutionsprozesse fällt eine ganze Menge Schund in den Ausguss menschlichen Versagens.
Warum aber nun folgende Situation einen genialen Geist noch nie dazu veranlasst hat, sich hinzusetzen mit Schraubendreher und Lötkolben, weiß man nicht so recht.
Hier haben wir Ephie, eine Frau mitten aus dem Leben. Zahnarzthelferin aus Leidenschaft meinetwegen.
Ephie steht im örtlichen Shoppingcenter vor einem jungfräulichen Einkaufswagen, um Bioquark und Kresse für die Abendunterhaltung zu kaufen und sie weiß es ganz genau: sie hat irgendwo in dem schwarzen Loch, welches andere Menschen kühn als „Handtasche“ bezeichnen, einen Einkaufschip versteckt. Natürlich hat sie den ganzen Geldbeutel voller ein-Euro-Münzen, sie könnte sich einen ganzen Fuhrpark voller Einkauswagen leisten, wenn sie wollte, aber hier geht es ums Prinzip und das lautet:
Ich habe einen Einkaufswagenchip und ich werde ihn benutzen.
Also steht Ephie vor ihrem ausharrenden Konsumentenporsche, Rentner schieben sich brummelnd an ihr vorbei, Kinder treten ihr in die Hacken, doch Ephie registriert dies alles nicht, weil sie mit beiden Armen voll angestrengter Verzweiflung in Ihrer Handtasche wühlt. Gibt es eine Situation im Leben einer Frau, in der sie unerotischer da steht als hier?
Ich bin nicht sicher, vielleicht der schmerzverzerrte Gesichtsausdruck vor einer Drillingsgeburt oder die allwöchentliche Toilettenreinigung.
Aber viel kommt nicht mehr.
Deswegen fordert „Pennys Wochenrückblicke“ eine bahnbrechende und alles verändernde Erfindung:
Die begehbare Handtasche.
Selbstredend müsste man gleich dazu ein Gerät erdenken, welches die kleine und tragbare Tasche in Sekundenschnelle auf überdimensionale Kleiderschrankgröße aufpustet. Ein Fluxkompensator oder eine kleine Strahlenkanone, die die Frau am Halse tragen könnte, schweben mir da vor.
Dann liegen die Vorteile allerdings auf der Hand. Einmal aufs richtige Knöpfchen gedrückt, hat das Gewühle und Gekrabbel in der Tasche schnell ein Ende, man macht einfach die Tür auf und geht hinein in die Handtasche. Dort liegt der ganze Kram freilich nicht auf dem Boden herum, wie es in Handtaschen heutiger Bauart der Fall ist, nein, in begehbaren Handtaschen stehen beschriftete Ikearegale, in denen all die siebzehn Millionen Gegenstände, die eine Frau so stets bei sich trägt, einen festen Platz finden. So kann die Frau flanieren und schlendern in ihrer eigenen Handtasche und folgend raunen:
„Ah, da ist er ja, mein Einkaufswagenchip“, während sie den Einkaufswagenchip aus der Einkaufswagenchip-Schatulle herausnimmt. Dann geht’s weiter zum TaTü-Regal, schließlich läuft die Nase und da auch der Hals von kratzender Konsistenz ist, holt man sich schnell noch ein Mittelchen aus der an der Eingangstür angebrachten Reiseapotheke.
Zum Schluss noch schnell den Rock vorm mannshohen Spiegel gesichtet und gerichtet und schon kann man seine Handtasche apart und lächelnd verlassen um souverän den Einkaufswagenchip in das Konsumentengefährt zu bugsieren.
Die Situation aus heutiger Sicht hingegen lässt sich nur als unhaltbar bezeichnen. Noch daheim und vor dem Verlassen der Wohnung sind es Frauen, die drei Stunden eher aufstehen, nur um ihre Handtaschen zu packen. Da der dritte Weltkrieg ebenso jederzeit und spontan auszubrechen droht, wie das dringende Bedürfnis mit einem Mal der Fremdenlegion beizutreten, wird alles eingesteckt, was zum Überleben in freier Wildbahn von Nöten ist.
Befreundeten Handtaschenträgerinnen den Fluchtweg aufmalen? Lippenstift.
Todfeinde qualvoll strangulieren? Haargummi.
Aus dem Gefängnis ausbrechen? Nagelfeile.
Wer da als Frau nicht ordentlich vorbereitet ist, der kommt nicht mal über den eigenen Vorgarten hinaus, so einfach ist das. Hat aber auch alles seine Richtigkeit, wie sollen gestandene Frauen auch sonst einem ausgewachsenen und feuerrotzenden Drachen entgegentreten, wenn man erst mühevoll die Haarbürste aus dem Damenköfferchen heraussuchen muss? Wie soll man’s dem Ungetüm sagen?
„Kleinen Moment noch …ich…oh, hier hätte ich noch einen Reisefön, aber was soll das schon gegen einen Drach…ich…huch, ein Brillenputztuch, benötigen sie eventuell…hm…ich sehe schon, sie tragen gar keine Brille und aaaaah, hier. Die Bürste! Dann kann’s ja losgehen.“
Die Drachen, die ich so kenne aus Erzählungen und Sagen, die hätten dreimal schief gehustet und da hätte sie dann verkohlt gestanden mit ihrem Reisefön. Doch mit der begehbaren Handtasche ist das alles kein Problem, da sagt man „Moment, Herr Drache“ und verschwindet erstmal in der Tasche. Diese lässt sich – unterschiedliche Ausführungen bekloppter Designer sei Dank – auch stilecht mit Burggraben und Zugbrücke bestellen, damit’s auch recht schick wirkt beim Kampf gegen den Drachen. Statt nun mit Verbrennungen dritten Grades und mit der verbrannten Bürste als Looserin Deluxe dazustehen, kann die Frau sich nun in aller Ruhe auf den Kampf vorbereiten:
erstmal ne Aspirin einschmeißen, ein halbes Stündchen mit Meditations-CD auf den Handtaschensessel. Dann die Asbestkleidung aus dem Schrank geholt und übergeworfen. Statt nun alternativ und albern mit der Bürste auf die Drachenschuppen draufzukloppen, wird aus dem Ikearegal einfach ne Luft-Boden-Rakete angelegt und schon kann man dem Endkampf beruhigt entgegensehen. Die gleiche Rüstung kann auch bequem übergeworfen werden, wenn der Mann sich mal wieder weigert, den Marsch zur Mülltonne anzutreten. Da wird das Täschchen zur Kommandobasis.
Die Markteinführung der begehbaren Handtasche wird sich allerdings schwieriger gestalten als gedacht und hier geschrieben. Schon nach wenigen Wochen werden Einzelhändler protestieren, die Innenstadt sei voll von diesen Monstrositäten. Man könne keine Ware mehr liefern lassen. Die Krankenhäuser dagegen werden überquellen von Männern mit Platzwunden am Schädel, denn in der Eingewöhnungsphase wird es so manches maskuline Wesen in Gedanken mit voller Wucht vor eine überdimensionale Armani-Taschenschnalle rennen. Der Wohnungsmarkt bricht nebenbei auch noch zusammen, viele Frauen haben sich entschlossen, gleich in Ihrer Tasche wohnen zu bleiben, ganze Taschensiedlungen werden sich bilden, mit all den üblichen Kleinkriegsscharmützeln (hohe Hecke, meine Tasche ist viel größer als deine etc.).
Der Vorschlag, das Patent für das Aufplustern der Taschen wieder zu verbieten, stößt bei Bundeskanzlerin Guido Westerwelle auf halb taube Ohren, er würde ja gern, aber er hat schon selbst eine. Worauf sich die Frauen formieren und protestieren. Guido lehnt ab, alles bleibt wie es ist. Und somit hat jede Frau ein Recht auf eine begehbare Tasche, von der ärmsten Dame, die in einer übergroßen Pennymarkt-Tüte haust bis zur Milliardärin, die eine derart dekadent große Handtasche ihr Eigen nennen darf, dass sie für die Durchquerung nen kleinen Smart braucht und die im Notfall auch bequem als Atombunker zu nutzen ist.
Evolution ist schon was tolles…
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Über die der Frau soll heut berichtet werden.
Meist sind Erfindungen dazu gedacht, das Leben der Menschen angenehmer und erträglicher zu machen. Die Atombombe und die Katzenklappe für den Kühlschrank sind da ruhmarme Ausnahmen, aber so ist es eben wie mit allen Dingen im Leben:
Durch das Sieb erfolgreicher Evolutionsprozesse fällt eine ganze Menge Schund in den Ausguss menschlichen Versagens.
Warum aber nun folgende Situation einen genialen Geist noch nie dazu veranlasst hat, sich hinzusetzen mit Schraubendreher und Lötkolben, weiß man nicht so recht.
Hier haben wir Ephie, eine Frau mitten aus dem Leben. Zahnarzthelferin aus Leidenschaft meinetwegen.
Ephie steht im örtlichen Shoppingcenter vor einem jungfräulichen Einkaufswagen, um Bioquark und Kresse für die Abendunterhaltung zu kaufen und sie weiß es ganz genau: sie hat irgendwo in dem schwarzen Loch, welches andere Menschen kühn als „Handtasche“ bezeichnen, einen Einkaufschip versteckt. Natürlich hat sie den ganzen Geldbeutel voller ein-Euro-Münzen, sie könnte sich einen ganzen Fuhrpark voller Einkauswagen leisten, wenn sie wollte, aber hier geht es ums Prinzip und das lautet:
Ich habe einen Einkaufswagenchip und ich werde ihn benutzen.
Also steht Ephie vor ihrem ausharrenden Konsumentenporsche, Rentner schieben sich brummelnd an ihr vorbei, Kinder treten ihr in die Hacken, doch Ephie registriert dies alles nicht, weil sie mit beiden Armen voll angestrengter Verzweiflung in Ihrer Handtasche wühlt. Gibt es eine Situation im Leben einer Frau, in der sie unerotischer da steht als hier?
Ich bin nicht sicher, vielleicht der schmerzverzerrte Gesichtsausdruck vor einer Drillingsgeburt oder die allwöchentliche Toilettenreinigung.
Aber viel kommt nicht mehr.
Deswegen fordert „Pennys Wochenrückblicke“ eine bahnbrechende und alles verändernde Erfindung:
Die begehbare Handtasche.
Selbstredend müsste man gleich dazu ein Gerät erdenken, welches die kleine und tragbare Tasche in Sekundenschnelle auf überdimensionale Kleiderschrankgröße aufpustet. Ein Fluxkompensator oder eine kleine Strahlenkanone, die die Frau am Halse tragen könnte, schweben mir da vor.
Dann liegen die Vorteile allerdings auf der Hand. Einmal aufs richtige Knöpfchen gedrückt, hat das Gewühle und Gekrabbel in der Tasche schnell ein Ende, man macht einfach die Tür auf und geht hinein in die Handtasche. Dort liegt der ganze Kram freilich nicht auf dem Boden herum, wie es in Handtaschen heutiger Bauart der Fall ist, nein, in begehbaren Handtaschen stehen beschriftete Ikearegale, in denen all die siebzehn Millionen Gegenstände, die eine Frau so stets bei sich trägt, einen festen Platz finden. So kann die Frau flanieren und schlendern in ihrer eigenen Handtasche und folgend raunen:
„Ah, da ist er ja, mein Einkaufswagenchip“, während sie den Einkaufswagenchip aus der Einkaufswagenchip-Schatulle herausnimmt. Dann geht’s weiter zum TaTü-Regal, schließlich läuft die Nase und da auch der Hals von kratzender Konsistenz ist, holt man sich schnell noch ein Mittelchen aus der an der Eingangstür angebrachten Reiseapotheke.
Zum Schluss noch schnell den Rock vorm mannshohen Spiegel gesichtet und gerichtet und schon kann man seine Handtasche apart und lächelnd verlassen um souverän den Einkaufswagenchip in das Konsumentengefährt zu bugsieren.
Die Situation aus heutiger Sicht hingegen lässt sich nur als unhaltbar bezeichnen. Noch daheim und vor dem Verlassen der Wohnung sind es Frauen, die drei Stunden eher aufstehen, nur um ihre Handtaschen zu packen. Da der dritte Weltkrieg ebenso jederzeit und spontan auszubrechen droht, wie das dringende Bedürfnis mit einem Mal der Fremdenlegion beizutreten, wird alles eingesteckt, was zum Überleben in freier Wildbahn von Nöten ist.
Befreundeten Handtaschenträgerinnen den Fluchtweg aufmalen? Lippenstift.
Todfeinde qualvoll strangulieren? Haargummi.
Aus dem Gefängnis ausbrechen? Nagelfeile.
Wer da als Frau nicht ordentlich vorbereitet ist, der kommt nicht mal über den eigenen Vorgarten hinaus, so einfach ist das. Hat aber auch alles seine Richtigkeit, wie sollen gestandene Frauen auch sonst einem ausgewachsenen und feuerrotzenden Drachen entgegentreten, wenn man erst mühevoll die Haarbürste aus dem Damenköfferchen heraussuchen muss? Wie soll man’s dem Ungetüm sagen?
„Kleinen Moment noch …ich…oh, hier hätte ich noch einen Reisefön, aber was soll das schon gegen einen Drach…ich…huch, ein Brillenputztuch, benötigen sie eventuell…hm…ich sehe schon, sie tragen gar keine Brille und aaaaah, hier. Die Bürste! Dann kann’s ja losgehen.“
Die Drachen, die ich so kenne aus Erzählungen und Sagen, die hätten dreimal schief gehustet und da hätte sie dann verkohlt gestanden mit ihrem Reisefön. Doch mit der begehbaren Handtasche ist das alles kein Problem, da sagt man „Moment, Herr Drache“ und verschwindet erstmal in der Tasche. Diese lässt sich – unterschiedliche Ausführungen bekloppter Designer sei Dank – auch stilecht mit Burggraben und Zugbrücke bestellen, damit’s auch recht schick wirkt beim Kampf gegen den Drachen. Statt nun mit Verbrennungen dritten Grades und mit der verbrannten Bürste als Looserin Deluxe dazustehen, kann die Frau sich nun in aller Ruhe auf den Kampf vorbereiten:
erstmal ne Aspirin einschmeißen, ein halbes Stündchen mit Meditations-CD auf den Handtaschensessel. Dann die Asbestkleidung aus dem Schrank geholt und übergeworfen. Statt nun alternativ und albern mit der Bürste auf die Drachenschuppen draufzukloppen, wird aus dem Ikearegal einfach ne Luft-Boden-Rakete angelegt und schon kann man dem Endkampf beruhigt entgegensehen. Die gleiche Rüstung kann auch bequem übergeworfen werden, wenn der Mann sich mal wieder weigert, den Marsch zur Mülltonne anzutreten. Da wird das Täschchen zur Kommandobasis.
Die Markteinführung der begehbaren Handtasche wird sich allerdings schwieriger gestalten als gedacht und hier geschrieben. Schon nach wenigen Wochen werden Einzelhändler protestieren, die Innenstadt sei voll von diesen Monstrositäten. Man könne keine Ware mehr liefern lassen. Die Krankenhäuser dagegen werden überquellen von Männern mit Platzwunden am Schädel, denn in der Eingewöhnungsphase wird es so manches maskuline Wesen in Gedanken mit voller Wucht vor eine überdimensionale Armani-Taschenschnalle rennen. Der Wohnungsmarkt bricht nebenbei auch noch zusammen, viele Frauen haben sich entschlossen, gleich in Ihrer Tasche wohnen zu bleiben, ganze Taschensiedlungen werden sich bilden, mit all den üblichen Kleinkriegsscharmützeln (hohe Hecke, meine Tasche ist viel größer als deine etc.).
Der Vorschlag, das Patent für das Aufplustern der Taschen wieder zu verbieten, stößt bei Bundeskanzlerin Guido Westerwelle auf halb taube Ohren, er würde ja gern, aber er hat schon selbst eine. Worauf sich die Frauen formieren und protestieren. Guido lehnt ab, alles bleibt wie es ist. Und somit hat jede Frau ein Recht auf eine begehbare Tasche, von der ärmsten Dame, die in einer übergroßen Pennymarkt-Tüte haust bis zur Milliardärin, die eine derart dekadent große Handtasche ihr Eigen nennen darf, dass sie für die Durchquerung nen kleinen Smart braucht und die im Notfall auch bequem als Atombunker zu nutzen ist.
Evolution ist schon was tolles…
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2 Comments:
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nice ^^
Hihi, sehr nette Idee, das wäre mal was :-) Und außerdem hätten wir mehr Platz, um den Kram zu verstauen, den Männer einem dann doch immer noch so geben, ne!?!
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