1.10.07

Pennys Wochenrückblick Folge 114: Pisa-istisches Verlagsgetöse. Sechs, setzen!

Ist ja nicht so, dass unsere Kinder von allein doof werden.
Viele Eltern tragen da das Ihrige zu bei, wenn sie ihren Kids raten:
„Nimm immer schön die Pille, sonst muss der Olli Geissen nen Vaterschaftstest für dich bezahlen!“
Damit nun die Brut nicht strunzblöde von der Kindheit bis in die Pubertät stolpert, hat man einst vor langer Zeit das Schulsystem entworfen, eine Art Aufbewahrungsstätte für die Brüllklopse, damit Eltern nicht schon vor Vollendung des 10. Lebensjahres ihre Hosenscheißer den Drang ausschweifender Amokläufe in sich verspüren. Leider kriegen die Teppichrutscher da auch nicht alles richtig erklärt, denn die Stiftung Warentest hat’s rausgefunden:
Schulbücher sind nicht intelligenter als diejenigen die ihre Nasen reinstopfen. Das ist bedauerlich, schließlich müsste man doch erwarten können, dass gerade auf diesem Gebiet Sorgfalt herrscht. Weit gefehlt. Schlimmer als so mancher Kommafehler wirken sich aber vermutlich die inhaltlichen auf das Leben der Schüler aus.
Getreu dem Motto „Drei plus zwei ist 17, hier stehts doch“, nimmt der noch formbare Schüler von heute die falschen Infos aus dem Schulbuch auf wie ein Schwamm, der sich nicht ausdrücken lässt.

So muss er nachlesen, dass ein Experiment mit Brennspiritus ohne Sicherheitshinweise erklärt wird. Das ist schon mal doof, hat man dann keinen in der Klasse, dessen Papi einst als Held erstrahlen wollte vorm heiligen Gartengrill, was allerdings in einer mehrstündigen Hauttransplantationsoperation endete, hat man die Arschkarte gezogen. Zumindest wird das Geld für die Sonnenbank gespart, aber ob versengte Augenbrauen einem weiterhelfen bei Selbstfindung und Erkenntnis?
Dass in einem Buch für den Sturz Erich Honeckers ein falsches Datum angegeben wurde, ist da fast noch zu verschmerzen, erstens macht’s keine Schäden auf der Haut und zweitens halten vermutlich nicht wenige Siebtklässler den Ärisch Hönegga für ein Diss-Opfer von Bushido. Blöd hingegen wird’s bei der Formel, nach der sich die Alkoholkonzentration im Blut abhängig von versoffener Menge errechnen lässt. So könnte man nach besagter Formel eine ganze Flasche Schnaps in sich reinschütten und hätte trotzdem nur einen Promillewert von 0,002.
„Na, das ist doch klasse“, denkt sich Jan-Peter und macht nach der Schule erstmal nen Schwenk zur Tanke, nur um 10 Minuten später mit nem Rettungshubschrauber in die
Dumm-und-Dümmer-Klinik nach Trottelheim geflogen zu werden, wo er Bekanntschaft mit einem dicken Schlauch macht.

Christine Jesse, Sprecherin vom Cornelsen Verlag tut in so einer Situation, was alle machen, wenn sie bei einem schwerwiegenden Fehler erwischt werden: Sie redet Unsinn.
"Es ist für uns noch nicht klar ersichtlich, was als Fehler eingeschätzt wurde" und – noch viel besser – "Die didaktischen Methoden von Lehrbüchern werden von jedem sehr subjektiv wahrgenommen"
Da die Kleinwüchsigen auch alle sehr subjektiv auf Schnaps reagieren (Stühle aus Fenstern werfen, die Klassenlehrerin angraben, Koma), ist an der Aussage sogar fast was dran.
Dass ein Wal-Darm eigentlich nur 4-5-mal länger als sein Körper ist und nicht wie im Buch behauptet, bis zu 56-mal, ist allerdings Null schlimm. Wie viele Menschen bekommen in ihrem Leben einen Waldarm zu Gesicht und wer ist bitte so pervers in so einem unwahrscheinlichen Fall eines vielleicht gestrandeten und aufgeplatzten Pottwal den Zollstock rauszuholen und mit dem Finger auf die Schulbuchverlage zu zeigen?
Eben.
Die einzigen, die das interessiert, sind wütende Japaner mit stumpfen Hümmelchen, die könnten schon sauer werden, wenn der Darm nicht so lang ist, wie im Schulbuch behauptet.
„DAS MACHT MEIN POTENZMITTELGESCHÄFT KAPUTT!“, werden sie schreien.
Tja, was könnte noch alles falsch sein, vielleicht hat die Stiftung Warentest hier nur die Spitze eines sehr tiefen Eisberges gesehen? Hat ein solcher vielleicht gar nicht die Titanic aufgeschlitzt? Waren es doch Aliens? Die Russen? Der Papa von Hitler? Und was ist mit der Schwerkraft? Gibt es nicht irgendwo eine Maschine, wo man das ganze mal umkehren könnte? Die Gesichter will ich sehen, wenn die Leute was fallen lassen und sich ne Nackenstarre holen. Wo steht dieses Gerät? Und wird diese Apparatur nicht von Strom betrieben, sondern mit dem Saft von kleinen spanischsprechenden Zitronen?

Hey, wenn’s in nem Cornelsen-Buch steht, wird’s schon passen.
Zu meiner Zeit war das alles anders, da hat man noch auf Qualität geachtet, auch was Biologiebücher angeht. So ist mir der Wolfskaktus noch gut in Erinnerung, ein Kaktus komplett mit Fell überzogen, dem man in Gefangenschaft das Jonglieren mit drei Bällen beibringen konnte, wenn man ihn nur lang genug an einer Kette auf ner heißen Herdplatte tanzen ließ.
So was wird doch heutzutage gar nicht mehr gelehrt.
Welch ein Unding!

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1 Comments:

Anonymous Anonymous said...

Wiedermal traumhaft gelacht Penny :P

5/10/07 16:11  

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