4.12.07

Pennys Wochenrückblick Folge 116: "Geht ja ma gar nich!" sagen geht ja ma gar nich!

Bitte ansehen!!!!


Hallo zusammen! Ich muss mich entschuldigen. Die letzten fünf Wochen war ich zu sehr im Stress und zu wenig inspiriert, als dass ich irgendetwas Brauchbares auf den Bildschirm hätte zaubern können. Aber jetzt bin ich wieder da...wir sehen uns am 18.12. :)





Schon vor einiger Zeit hat es sich in der deutschen Sprache eingebürgert, für unerträgliche Zustände jeglicher Couleur den hübschen Satz „Das geht ja ma gar nich“ fallen zu lassen.
Das ist natürlich reichlich bequem. Statt sich mit den Unwägbarkeiten des Lebens auseinandersetzen und mit seinem Gegenüber leidvolle Diskussionen führen zu müssen, tut man es einfach mit dem bekannten Satz ab und damit hat es sich.
Bush will in den Iran eindringen? Geht ja ma gar nich.
Die Lokführer wollen mehr Geld? Geht ja ma gar nich.
Neue Staffel von DSDS? Geht ja ma…und so weiter.
Ganze Diskussionssendungen ließen sich GEZ-einsparend auf die Garzeit-Länge von einer halben Tiefkühlpizza zurechtstutzen, würden die Bedenkenträger links von Frau Illner kurz meckern und die Exekutive rechts von Frau Illner antwortet lapidar:
„Geht ja ma gar nich!“
Guten Tag, guten Weg und der TV-Zuschauer kann ne schöne Kassette in den Rekorder schieben. Oh, wobei: Videorekorder. Geht gar nich. Machen doch heutzutage alle in DVD. Und DVD wird bald auch gar nich mehr gehen, wenn Blu-Ray erstmal bezahlbar ist.
Nun, das Blöde an diesem Satz ist: Die Sachen – egal ob gut oder schlecht – gehen leider alle doch, da kann man’s verneinen, bis einem schlecht wird.

Wenn nämlich der gute alte George in den Iran will, dann macht der das und wenn die Lokführer mehr Asche wollen, dann wird auf Deutschlands Bahnsteigen schon mal engagiert gewartet. Und Dieter Bohlen? Scheidet eine DSDS-Staffel nach der anderen aus, da kann die Uno mit Sanktionen drohen, wie sie will.
Und ja, es gibt auch heute noch Menschen mit Videorekordern. .
Wenn man also gewisse Zustände, die eigentlich auf Unverständnis stoßen akzeptiert und sie nicht vermeintlich unsichtbar redet, ist schon viel gewonnen.

Umso schlimmer, dass ich – auch durch ungebremsten Gedankengang – in der letzten Woche eines besseren belehrt wurde. So stand ich dumm glotzend in der Toilette eines griechischen Restaurants, wunderte mich und dachte nur: „Geht ja ma gar nicht!“
Vielleicht hilft es, wenn man weiß, dass es sich um ein eher edles griechisches Lokal handelte oder um es mal direkter auszudrücken: es wurden keine zugeölten Speisen von OP-Licht im Verkaufstresen angeleuchtet. Nun, in SOLCHEN griechischen Etablissements findet sich auf dem Männerklo häufig ein Kondomautomat.
Kondomautomaten sind der größte Irrtum gewinnsüchtiger Automatenaufsteller. So ist es zwar ein redliches Recht, dass sie dort hängen, schließlich muss die Menschheit kollektiv vor Aids geschützt werden, auch nach Gyros-Tsatsiki-kleine-Pommes. Aber irgendwie verhält es sich mit Toilettekondomen wie mit in der Kloake gefundenen Schinkenbrötchen: man verwendet sie nicht.
Empirische Untersuchungen und eigene Erfahrungen würden es zeigen: lange Schlangen vor Kondomautomaten sind nicht zu befürchten. Da auch ein Kondomauswechselfachmann selten zu erblicken ist bei den Restaurantbesuchen, kann man nur grob mutmaßen, wie lange sich die Verhüterlis nun bereits in der Maschine befinden. Erste Horrorvorstellungen zeichnen ein grausiges Bild, dass die Präservative vor dreizehn Monaten ihr Verfallsdatum bereits um sechs Jahre überschritten haben. Und wenn so ein Automat nie aufgefüllt wird, wer will dann nicht ausschließen, dass nicht der ein oder andere Igel in so einem Kasten überwintert.
Da kann man’s auch gleich lassen mit der Verhütung und nach dem Geschlechtsverkehr in den Babymarkt laufen.
Also, Kondomautomaten sind nicht so der Hit, da ändert auch die Vagina-to-go nichts, momentan der neueste Verkaufsschlager in den Metallkisten frei nach dem Motto „wenn ich kein Gummi brauch, dann begnüg ich mich halt hiermit“.
Länger wurden die Schlangen vor dem Automaten dadurch nicht, aber gut. DIES hier war nun mal ein edleres Restaurant. Ein Automat hing trotzdem, aber nicht voller Kondome, stattdessen:
Zahnbürste und Zahnpasta.

Glotz.

Guck.

Geht ja ma gar nich denken.

An sich ist die Idee gar keine so üble. Noch weit vor der Benutzung eines Parisers kommt es meist zum Austausch flammender Küsse und stellt die Angebetete dann fest, dass sich zwischen den Schneidezähnen noch Restlamm befindet, wird so eine Latexhülle schnell überflüssig. Also hätten sie da eigentlich stehen müssen, aufgereiht am Waschbecken. Horden von Männern, die sich libidoruckartig die Hauer wienern. Überraschenderweise stand da aber niemand und der Automat sah auch noch nicht allzu abgegriffen aus.
Da kommt man ins Grübeln.
Was noch so alles nicht geht.
Plötzlich springt die Tür auf, eine Frau stolpert hinein ins Pissoir, winkt kurz ab und äußert:

„Hi, ich bin die Moni, bei uns ist’s gerad tierisch voll und die letzte freie Toilette verfügt über kein Klopapier, schlimm so was, aber was soll man machen, muss ja raus, das Zeug. Ist doch okay, oder? Na ich denke schon, ghni, ghni!“

Tja, womit wir schon bei der nächsten Sache sind, die eigentlich ma gar nich geht, aber trotzdem immer wieder passiert. Frauen auf dem Männerklo. Bitte, ohne sexistisch wirken zu wollen, ich habe größtes Verständnis, dass bei gleichzeitigem Auftreten schlechter Umstände (volle Blase, lange Schlange, Existenz in einer globalisierten und sich partout nicht entschleunigenden Welt) die Schamgrenze mancher Weiblichkeit Taubheitsgefühle bekommt und man indes an strullender Männerschar vorbeistelzt.
Aber würd’s der Busch in der freien Natur nicht auch tun?
Das würde uns Männern nämlich den Gedankengang ersparen, was die Frauenwelt wohl sagen würde, wenn wir bei ihr auf dem Klo auftauchen. Protestmärsche angeführt von Alice Schwarzer mal ausgenommen wäre die Empörung wohl nicht klein, wenn’s auf einmal hallt und schallt auf dem Frauenklo: „Udo hier, bei uns is voll, ich lass ma bei euch reinhängen!“
Würde der vermeintliche Macho durch den Wust kratzender Fingernägel, stechender Nagelfeilen und umherfliegender Lippenstifte bis zur Schüssel kommen, könnte er sich Diskussionen anhören durch das gepresste Holz der Toilettentüren.
„Hast Du das gesehen, Elfriede!“
„Ja und er trägt sogar einen Schnurrbart!“
„Ein Unding, ich werde mich bei der Geschäftsführung beschweren!“

Und genau: Von weiter weg wieder mal ein: „Geht ja ma gar nich!“
Nun, warum Frauen auf dem Männerklo weder Akzeptanz noch Widerworte finden, soll mal schön der Mario Barth rausfinden. Der kann mir dann gleich auch noch erklären, warum es immer noch Männer gibt, die T-Shirts mit bescheuerten Sprüchen spazieren tragen. Bevorzugt mit welchen, die sich mit dem Erreichen des 30. Lebensjahres beschäftigen. Welch ein Unfug, als wenn das etwas Besonderes wäre, Dreißig wird heute fast jeder, meist auch noch kerngesund. Vor ein paar Jahrhunderten, als ein simpler Schnupfen genügte, um ganze Familien auszuradieren, da wäre so ein Shirt als Totenhemd ja gar nicht schlecht gewesen.
„Alles Gute zur 30, dein erster Nieser war dein Letzter!“, so was.
Na ja, der Buchdruck war noch nicht erfunden.
Doch heute? Hackenblöde Sprüche aller Art finden sich wieder auf dem Brustkorb geschmacksverirrter Männer. Der Hackenblödeste? Bitte schön:
„Bitte, bitte sag mir wann, damit ich vorher duschen kann!“
Das verzückt natürlich die Frauenwelt, die enthusiastisch wie in der Axewerbung traubengleich und sexwillig an der Hacke des Shirtträgers klebt.
Na ja, eher nicht. Da nutzt es auch nichts, wenn man sich vorher mit einer Automatenzahnbürste die Kauleiste durchflext.
Fazit? Geht ja ma gar nicht.
Vielleicht könnte ein solcher Mann ja mal seinen Typberater anrufen, wär ja kein Problem, weil Männer mit Spruch-Shirts meist auch gleich ihr Handy in einer dieser laminierten Handygürteltaschen bei sich führen. Hinzu kommt, dass diese Männer ihr Spruchshirt in die Hose stopfen. Sonst könnte man das Handy ja nicht sehen.

Wer nun meint, dass nur die mies angezogenen Männer ma so gar nich gehn, der irrt sich holzwegartig: Selbst unter den Wohlsituierten geht es gar spinnerhaft zu. Hochmodisches Accessoire in diesem Herbst ist der Männerschal – und keiner weiß, warum. Kollektiv fette Mandeln können es nicht sein, die meisten tragen ein dünnes Hemdchen und darüber besagten Schal. Derart gedresst schlürft man(n) klebrige und sprudelnde alkoholische Getränke oder verkauft Hemden bei H&M.
Dass man so selbst als Urbayer wie ein sylterianischer Wichtigtuer ausschaut, fällt den meisten bestimmt erst in zwanzig Jahren auf, wenn sie sich die Fotos von heute anschauen, die Hand vor den vor Schreck weit geöffneten Mund halten und leise stottern: „Ich seh ja aus wie ein sylterianischer Wichtigtuer!“
Aber dann ist es halt zu spät und man muss mit dem Stigma leben.
Nun, vielleicht und eventuell gibt es ja ein Universum, welches neben unserem existiert, in dem Frauen keine Herrenklos betreten und an zahnreinigenden Mittvierzigern vorbeihuschen, die eingehüllt in Blöde-Sprüche-Shirts mit ihrem Typberater telefonieren, um die Anschaffung eines Männerschals zu diskutieren. Statt dieser wirklich netten Phantasie einer durchaus angenehmen Vorstellung nachzugeben, nölen wir aber wohl lieber:
„Noch n Universum? Geht ja ma gar nich!“
Schade eigentlich.



Ihr kennt weitere Sachen, die ma so gar nich gehn? Mailt sie mir: pennysworue@gmx.de

3 Comments:

Anonymous Anonymous said...

Sehr sher gut :´D

5/12/07 00:12  
Anonymous Anonymous said...

Das du uns nochmal so lange alleine lässt geht ja mal gar nich :ugly:

Was is eigentlich aus der Frau auf dem Männerklo geworden?^^

5/12/07 10:28  
Anonymous Anonymous said...

"Udo hier, ich lass ma bei euch reinhängen" ...ich lag am boden xDxDxD

5/12/07 22:38  

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