11.11.05

Pennys Wochenrückblick Folge 21: meine Zwangsneurose heisst Simone Hanselmann und meine Zeitersparniswurst kommt von Herta

Man kennt das ja: Wir wollen die Wohnung verlassen, nachdem wir etwas gekocht haben und dann fällt es uns siedend heiss ein…. Der Herd!
Man geht dann zurück und schaut, ob die Stätte brutzelnder Nahrungsmittel auch wirklich ausgeschaltet ist. Ganz extreme Zeitgenossen starren den Herd minutenlang konzentriert an, falls er so unverschämt sein sollte und von allein wieder anspringt.
Und die allerschlimmsten drehen die Knöpfe ein paar Mal an und aus, um auch wirklich sicher zu sein, dass nicht etwa die Kontrolllampe kaputt ist.
Das gleiche am Auto, Personen mit Zwangsneurosen laufen um ihr Gefährt herum und prüfen Türgriffe, dass es an manchen Tagen für einen schicken Halbmarathon reicht.
So verplempern einige den halben Tag und müssen Kopfschmerztabletten nehmen am späten Abend.

Dale Carnegie nennt dieses ständige Sich Sorgen-Machen in seinem Bestseller „Sorge Dich nicht, lebe“ Glibber Wibber, kleine sorgenvolle (natürlich nicht echte) Insekten, die im Kopf herumgeistern.
Abgesehen von der Tatsache, dass es verwunderlich ist, wenn jemand viele Bücher verkauft, in denen das Wort „Glibber-Wibber“ benutzt wird, heisst meine Zwangsneurose:

Simone Hanselmann.

Wir erinnern uns noch träge an das Jahr 1998, als eine Sendung namens „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ sich aufmachte, die dröge Fernsehwelt im Sturm zu überrennen.
Dort reiherte sich Simone Hanselmann als Bulimiekranke Anna von Folge zu Folge, nachdem sie sich dicke Törtchen in den Rachenbogen geschoben hatte.
Derlei soziale Fingerzeige auf gesellschaftliche Probleme in Fernsehsendungen waren mir schon immer suspekt, eine Soap muss doch nicht darauf aufmerksam machen, dass es Menschen mit Essproblemen gibt.
Ich glaube dieser Unfug fing damals in der Lindenstrasse an, als Benno Aids bekam und fortan nur noch mit schweißnassem Gesicht und blasser Nase durch die Sendung torkeln durfte.

Überhaupt, diese Soaps. Realistisch und lebensnah ist das ja irgendwie alles nicht.
In Seifenopern muss nie mal einer „groß“ auf die Toilette, „klein“ auch nicht. Ins Bad geht man nur, um sich dort vor aufdringlichen Liebhabern hinter dem Duschvorhang zu verstecken.
Verabredungen werden in ungeheuerlicher Art und Weise präzisiert:

„Sehen wir uns heute? Okay, bis dann?“

Das sollte man mal spaßeshalber im richtigen Leben ausprobieren, einfach mal mit dem besten Freund irgendwo irgendwann ein Treffen vereinbaren, da können ganz neue Lebenssituationen entstehen.
Außerdem gibt es in Soaps nur Probleme, Randalierer zerlegen eine Bar, die eine klaut, der nächste kloppt sich die Armvene frei für einen Schuss und wieder einer verliert seine komplette Werbeagentur. Probleme des Alltags wie sie ein jeder kennt.
Natürlich, so eine sorgenfreie Periode von drei bis vier Tagen würde keiner Sendung gut tun, die auf Konflikte aufgebaut ist.
Doch ich schweife ab, schließlich geht es hier um Simone Hanselmann.

Nachdem sie bei GZSZ verschwunden war (vermutlich hat sie derart abgenommen, dass sie durch einen Kulissengulli direkt durchrutschte bis zur Ostsee), hatte ich eine Weile Ruhe vor meine Zwangsneurose, bis sie in einer Sendung namens „Schulmädchen“ als kleine Zimtzicke wieder auftauchte, um dem Rest der PISA-genervten Schulwelt zu zeigen, wo der Tafelschwamm liegt.

Ich weiss ja nicht, wie es Euch geht, aber Simone Hanselmann war zum Zeitpunkt von „Schulmädchen“ bereits irgendwas um die 24 und das ist dann doch ein bisschen bedenklich.
Überhaupt, Simone Hanselmann….würde es bis heute keine Künstlernamen geben, der Name Simone Hanselmann wäre der beste Grund dafür, sie aus dem Nichts zu erschaffen.
Wer so heisst, der braucht sich über fehlenden Durchbruch nicht lauthals zu beklagen und gegen das Hollywood-Schild zu pinkeln.

Doch in dieser Woche sollte er kommen, der absolute Aufstieg von Simoha (DAS wäre doch ein schicker Künstlername für die Dame) in der absoluten Weltpremiere auf Pro Sieben, der Pilotsendung zur bahnbrechenden Serie „alles ausser Sex“!

Pro Sieben hat zum Glück nicht behauptet, dass es eine WELTpremiere sei, diesen Unsinn hat RTL mal eine zeitlang verfolgt mit germanischen Filmproduktionen, als wenn man die Eigengewächse ins koreanische übersetzt und dort ausgestrahlt hätte, aber zuallererst bitte schön in good old Germany.

Aber das macht es nicht viel besser.

Alles ausser Sex ist, so hört man es landauf und landab das deutsche Sex and the City und schon bei dieser Formulierung muss man extrem hellhörig werden, wenn man nicht kostbare 60 Minuten seines Lebens in die Tonne kloppen will.
Exkursisch muss ich festhalten, dass noch nie ein Amerikaner gesagt hat:

“Hey, wow, wir haben jetzt hier bei uns diese neue Fernsehserie und in der Zeitung steht, es sei das amerikanische gute Zeiten, schlechte Zeiten!“

Nein, wenn irgendein Trend irgendwann irgendwo hingeht, dann von drüben übern Teich hierhin zu uns.
Warum man dann aber den Serien dann derart dämliche Namen geben muss, leuchtet mir nicht ein. Vierzig Marketingstategen und Creative Director hat Pro 7 vermutlich in einen Raum gesperrt und der Oberstratege hat dann verlangt, einen furchtbar kreativen Namen für das deutsche SATC zu finden.

„Macht am besten auch was mit dem Wort „Sex“, damit auch der letzte Zuschauer weiss, worum es geht!“

Und dann kam so etwas wie „Alles ausser Sex“ dabei raus.

„Alles ausser Unterhaltung“ wär irgendwie treffender gewesen.

„Alles ausser lustig“ auch.

Denn die 60 Minuten voller Simone Hanselmann, Anette Frier und Rhea Harder hatten das Unterhaltungspotential abgehobelter Fuss-Hornhaut.
Dass die Damen am Abend zuvor bei Stefan Raab saßen, hätte uns allen Warnung genug sein sollen.
Das ganze fing harmlos an, Simoha ist Ärztin und aus einem nicht näher beschriebenen Grund dauergeil, was an sich nicht schlimm ist, wenn sie doch die Männer nicht so schikanös nach dem Akt behandeln würde mit genialen Sprüchen wie

„Hab ich Dir eigentlich meine Nummer gegeben? Nein? Gut!“!

Einen Quotenitaliener hatte man auch parat in der Sendung, einer, der ganz viel Wert auf la familia legt, Holzklampfe spielt und bis in die gegeelten Haarspitzen mit Romantik voll gepumpt ist.
Zur Liebesszene lief dann auch gleich passend ein Lied von Eros Ramazotti, weil das der einzige Sänger in Italien weit und breit ist.

Normalerweise nimmt man für so was auch gerne Quotenfranzosen, doch die gehen ja momentan anderen brennenden Leidenschaften nach.
Egal, der Quotenitaliener, dessen Name ich mir nicht gemerkt habe, bestimmt irgendwas mit Giovanni oder so, pflückt eine der Darstellerinnen eine Blume….von einer Eisenbahnschiene…kurz bevor der Zug kommt.
Na super. Allzu oft darf so eine Szene auch nicht schief gehen.

Annette Frier quiekte dagegen beim Sex wie eine nicht geölte Horrorfilm-Haustür und das Problem Nummer eins war es, dieses Gequieke ein bisschen tiefer zu gestalten.
Am Ende wurde die Hochzeit mit dem Italiener und der Darstellerin, dessen Namen ich vergessen habe verhindert, weil…ja ich weiss auch nicht mehr warum.
Ansonsten hat man am Ende noch die Erkenntnis um die Ohren geklatscht bekommen, dass „Männer ein Problem mit diesen drei Wörtern“ haben.

„Ich…Ich…ich…llll..lllllllllllll….“ stammelte der Schauspieler Annette Frier an und liebe Mädels, eins sag ich Euch, ungeachtet der Tatsache, dass dieser ganze TV-Schund witzig sein soll, wenn ihr Euch irgendwo Verhaltensweisen abschauen wollt, um den richtigen Umgang mit stotternden Männern zu lernen: schaltet niemals Pro 7 ein.
Und Simone Hanselpansel sollte sich demnächst die Narben vom Beine-rasieren überschminken lassen, die Stampfer sahen ja aus, wie eine schlecht freigekratze Windschutzscheibe im tiefsten Winter.

Eventuell ändert die Politik was, aber zu hoffen ist das nicht.

Die müssen sich nämlich momentan um andere Dinge kümmern und aufgrund der tief greifenden Personalentwicklung in den obersten Etagen sah die BILD sich gezwungen, wieder Wörter-Durchfall zu spielen und auf Seite 1 zu titeln:

Die Ossis sind jetzt die Bossis.

Und sitzen in großen Schlossis? Futtern Cabanossis? Reiten auf schicken Rossis?
Hey, wenn man nur ein „i“ an gewisse Wörter hängen muss, um eine Titelzeile für die BILD zu kreieren, dann bewerb ich mich da auch mal. Ich hab hier noch eine ganze Schachtel voller „i`s“, die nur darauf warten, an andere Wörter geklatscht zu werden.

Auch der Sinn der Schlagzeile wird mir nicht klar.

Heißt das, dass das Maurerhandwerk demnächst Hochkonjunktur hat? Die WM noch schnell im Land spielen lassen und dann hoch damit, einmal um ganz Deutschland rum? Und müssen wir nun Bananen horten? Darf mein Auto demnächst nur noch aus Plastik bestehen?

Apropos Cabanossis:

Wurstwerbung war schon immer schlimm. Man erinnere sich nur an den Kerl, der in eine billige Plastik Rübenwalder Mühle reitet und eine Fleischfachverkäuferin fast um den Verstand bringt, nur weil er alle Würste mitnimmt.
Vielleicht sollte das erotisch wirken oder so was, aber das alles ist irgendwie Oskar-verdächtig gegen das, was momentan im Fernsehen läuft.

Denn der Herta-Schinken liegt fortan zusammengeklappt in der Verpackung, was ja an sich eine ganz nette Sache ist, auch wenn ich noch nicht weiss warum, aber die Werbung weiss es ganz genau, denn aufgrund der Tatsache, dass die Scheiben nun nicht mehr aneinander gepappt in der Packung ein klebriges Dasein fristen, kann die Mutter die Scheiben gar flugs entnehmen, was das Werbungskind am Ende zu einem fröhlich hysterischem „UND MAMA HAT MEHR ZEIT FÜR UNS“ veranlasst.

Ich denke noch darüber nach, was man mit einer halben Sekunde Zeitersparnis so alles anstellen kann, Doktorarbeiten wollen fertig geschrieben und Pullis für die Obdachlosen gestrickt werden, mit Herta-Schinken ist das nun alles möglich und da trifft es sich doch wunderbar, dass aufgrund diverser erdachsentechnischer Probleme das Jahr 2006 eh schon eine ganze Sekunde länger dauert.

Hertha Schinken und Erdachse, das ist ein gefühlter zusätzlicher Urlaubstag, das ist die absolute Erfüllung auf Erden.

Macht anderthalb Sekunden mehr Zeit im nächsten Jahr und genau diese Zeitspanne wird es sein, die ich nächste Woche für „Alles ausser Sex“ aufbringen werde.

Eine schöne Woche.

9 Comments:

Anonymous Anonymous said...

Sehr sehr schön geworden.
Um eine kleine Wissenlücke jedoch zu schliessen: GZSZ gibt es schon seit 1992 :teach:
Naja, hauptsache wir haben alle mehr Zeit für uns *würg*

11/11/05 15:45  
Anonymous Anonymous said...

Gestern noch darüber geplaudert, ob die Wochenrückblicke zu brüllendem Lachen oder nur zu einem kurzen Grinsen animieren sollen und heute ist es passiert... Da auch ich früher GZSZ regelmäßig geschaut habe(schäm, schäm), konnte ich alles so schön nachvollziehen. Besonders "Simone im Kulissengulli" hat heute meine Bauchmuskeln trainiert. Womit ich auch beim nächsten Punkt wäre... Sollte mit diesem Rückblick etwa gesagt werden, dass Soaps überflüssig sind, um auf die heutigen Jugendprobleme aufmerksam zu machen?! Für mich persönlich war es eine Genugtuung, Simones (an den Schienbeinen)zermackten und von Kratern und Furchen (an den Oberschenkeln)gezeichneten Beine auf der Carrera-Bahn zu sehen... So kann ich wieder genüßlich in den Herta-Schinken beißen, denn PRO7 hat mir gezeigt: Nicht nur ich habe mit Cellulite zu kämpfen!!
Liebe Grüße vom Caroguruh

11/11/05 17:51  
Blogger MrPennywise said...

Hehe, meine Traumfrau und mein Caroguruh schreiben schöne Rezensionen, so muss das sein ;)
@ Caroguruh: Wenn Soaps das geringste Problem unserer Jugen wären, dann könnte man froh sein und wir wissen doch im Grunde alle, dass kein Bein perfekt ist, die der Männer haben sogar Haare, munkelt man oO

@Schnuppi: ich weiss, dass es GZSZ schon länger gibt, aber gereihert wurde erst seit 98 :D

11/11/05 19:57  
Anonymous Anonymous said...

Habe selten so gelacht. Dieser Wochenrückblick war der lustigste, den ich bisher gelesen habe. Und dann das Foto zum Schluss. Einfach genial ! Freue mich schon auf nächste Woche.

Deine M.

11/11/05 22:15  
Blogger MrPennywise said...

Hallo M.,

Deine Kritik ist mir wie immer sehr wichtig und es freut mich ungemein, dass Du diese Woche etwas zu lachen hattest....mehr als alles andere

Dein S.

12/11/05 00:22  
Anonymous Anonymous said...

Halöle, also bitte keine negativen Kommentare über GZSZ,. weil nämlich genau diese Sendezeit m e i n e Zeit ist. Mein GZSZ-Gatte, der noch keine Folge versäumt hat - er ist ja auch schon über 25 ! - überläßt mir in dieser Sendezeit die Computerrechte, die ich dann eine endlose 3/4-Stunde ausleben kann.
------ Aber ansonsten stimme ich zu !

Viele liebe Grüße aus Husen !

13/11/05 14:05  
Blogger MrPennywise said...

etwa aus Dortmund Husen?

13/11/05 14:34  
Anonymous Anonymous said...

Hi!

Bin durch Zufall auf dieser Seite gelandet. Komme auch aus Dortmund. ;-)

Unglaublich witzig, ich hab mich schief gelacht! Du hast ein absolutes Talent zu schreiben! Weiter so!

Greetz, Eva

3/3/06 21:31  
Blogger MrPennywise said...

Hallo Eva, danke für Dein Lob!

Verrat mir doch noch, welcher Zufall Dich auf die Seite gelenkt hat?

9/3/06 19:12  

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