Pennys Wochenrückblick Folge 109: Ganz in weiß mit einem Blumenstrauß...für ne Statistin!
Manchmal, da reicht es einfach nicht aus, sich auf das geschriebene Wort in Zeitung und Internet zu verlassen. Manchmal, da muss man einfach selbst dabei sein, den Wahnsinn umarmen.
Und das kam so:
Wir – meine Freundin und ich – urlaubten in Grömitz an der Ostsee. Das ist ja sowieso ein klasse Trend geworden, Urlaub in Deutschland. Ist doch viel schöner hier, wird immer behauptet. Und dann muss man auch nicht so weit fahren. Wird auch oft gesagt.
Nun gut, ich fands schon mal toll, dass in Grömitz nicht Gran-Canaria-like ein komplettes Waldstück vor sich hinloderte. Dicke schwarze Rauchschwaden, die die Sonne verdunkeln, so was kann ich beim Besten willen nicht gebrauchen.
Tja, eigentlich wollte ich jetzt von dem tollen 70er Jahre Interieur unseres Hotelzimmers und von dem wirklich gruseligem Aufzug erzählen, aber schon am zweiten Abend meinte meine Freundin, sich folgend äußern zu müssen:
„Lass uns doch zu Gülcans Hochzeit!“
Nachdem ich mit einem feuchten Handtuch in das Land der Lebenden zurückgeholt wurde, dachte ich darüber nach. Auf dem recht kurzen Weg in die Bewusstlosigkeit hatte ich noch darüber sinniert, was ich wohl alles lieber täte, als nach Travemünde zu jetten. Auf rostigen Nägeln kauen, mit brennenden Bällen jonglieren…den gruseligen Aufzug benutzen.
Doch dann wurde es eigentlich klar. Man muss auch mal bei etwas live dabei gewesen sein und wenn’s der größte Unfug ist. Als Livereporter von Pennys Wochenrückblicke machten wir uns also auf ins 40 Kilometer entfernte Travemünde.
Es ist zunächst generell festzuhalten: Wenn zwei Menschen heiraten, kann das eine tolle Sache werden, auch die Feier. Dass in der Vorbereitung auf so ein Ereignis einige Liter Adrenalin zustande kommen (das Hochzeitskleid sitzt nicht so doll, eins der Kutscherpferde stirbt, der Standesbeamte brennt kurz vor der Trauung mit der Amtskaffeekasse durch), ist auch nichts Ungewöhnliches. Es prallen also die Extreme aufeinander wie Planet und Asteroid und eigentlich genügt die eigene Erinnerung, um sich sowohl das Chaos als auch den Liebreiz noch mal vor Augen zu führen. Lässt man aber komplett Deutschland an Chaos und Liebreiz in Form von einer Dokumentation teilhaben, wird es verdächtig und leider auch peinlich.
Da ich leider nicht eine einzige Folge dieses Spektakels gesehen habe, kann ich hier nicht berichten, es steht aber zu befürchten, dass all die Konflikte innerhalb der einzelnen Folgen (der Hochzeitsraum wird gecancelt, wir müssen ganz schnell einen neuen suchen etc.) von gestellter Natur sind. Was noch nachvollziehbar ist, einfach zwei C-Promis dabei zu beobachten, wie in aller Seelen Ruh der große Tag vorbereitet wird, so was würde nur als Extra Feature auf der DVD „die schönsten Kaminfeuer“ Platz finden.
Das Schöne an der Abschlusssendung war aber der Livecharakter, da konnte nicht mehr viel herumgeschnitten werden und da zeigt sie sich, die ganze abgrundtiefe Hässlichkeit deutscher Fernseh…unterhaltung.
So war es für mich als quasi Livereporter schon mal schön zu sehen, wie die Braut mit dem Phaeton zur Kutsche fuhr, TV-Bilderwirksam in die Kutsche stieg, mit dem Gefährt gefühlte 200 Meter zurücklegte, nur um danach wieder von vier PS Kutsche in 250 PS Phaeton umzusteigen. Später ging’s dann wieder in die Kutsche, warum auch immer. Romantisch ist so was ja nicht, auch dann nicht, wenn kreischende und von Pro Sieben platzierte Teeniegruppen am Straßenrand stehen und nicht selbst bemalte Schilder in die Luft halten…da war nicht ein einziger Rechtschreibfehler drauf.
Zwischendurch konnte man dann noch Wortfetzen erboster Hotelgäste vernehmen, die Travemünde dafür genutzt haben, wozu es ursprünglich mal gedacht war: Urlaub.
Nun, meine Urlaubsstimmung wäre vermutlich ebenfalls getrübt gewesen, wenn ich beim Verlassen des Hotels meinen Ausweis vorzeigen müsste.
Weil die Sache mit der Kutsche jetzt noch nicht peinlich genug war, musste der Bräutigam einen draufsetzen und fuhr die 250 Meter vom Hoteleingang zur Terrasse mit einem Leihlamborgini. Hier hätte ich seitens der Politik mal ein bisschen mehr Verantwortung erwartet, sich diesem Umweltterror in den Weg zu stellen. So ein Sigmar Gabriel, der sich atmosphäreschützend auf den Lamborghini geschmissen hätte, das wär’s gewesen.
Bevor ich mich nun der Sendung widme, sei noch gesagt, dass die einzigen drei „Promis“, die auf der Party zugegen waren, in Form von Mola, Lucy und Kai Ebel sich ebenfalls TV-wirksam von einem Phaeton zur Party haben kutschiert lassen. Die waren aber schon vorher auf der Feier, die sind allen Ernstes aus dem Hotel raus, in den Phaeton rein und wieder zur Party zurück. Wär ich Promi, ich würd mir so was von bescheuert vorkommen.
Na gut, hier endet dann die Live-Schalte, wir waren dann ne Pizza essen und ganz ehrlich: die Ananasstücke auf meiner Mafiatorte hatten einen höheren Unterhaltungswert.
Heute morgen dann die Wiederholung der Hochzeit. Ich konnt’s ja letzte Woche nich gucken, ich war ja selbst da.
Zunächst muss ich einen Kai Ebel erblicken, der im Beisein seiner Freundin gefragt wurde, wann er denn nun ehelichen würde. So wie sich dieses kleine Gespräch entwickelte, musste ich das wohl als Drohung verstehen und ich freu mich jetzt schon aufs nächste Jahr wenn es heißt: „Von der Boxengasse in den Ehehafen: Kai Ebel’s Traumhochzeit“.
Als nächstes wurde Historienpflege betrieben, es hätte ja zunächst alles gar nicht mal so gut ausgesehen. Beim Ringe aussuchen – eigentlich ein recht intimer Moment, wenn man drüber nachdenkt – war sich Sebastian Kamps nicht zu schade, die Gülcan zu fragen, ob er sich nicht auch mal diese Uhren da zeigen lassen könnte. Dieses Engagement hätte er mal lieber bei seinen Anzugkauf an den Tag legen sollen, der war nämlich in seiner Größe scheinbar nicht mehr vorhanden. Weil es für jedes Ying auch ein Yang gibt, war dafür Gülcans Hochzeitskleid zu groß, so dass die Produktionsassistentin recht häufig die Wörter „doppelseitig“ und „Klebeband“ in den Mund nahm.
Dann wurde Sebastian Kamps direkt interviewt, ob er denn den Lamborghini behalten würde, eine essentielle Frage an dem Tag, wo die Liebste geehelicht wird.
„Is n bisschen unbequem“ war alles, was man dem Guten entlocken konnte. Vielleicht meinte er da aber auch seinen Anzug, genau weiß man es nicht.
Es wurde als nächstes der prächtige Garten gezeigt, dreitausend Menschen hätten da recht locker reingepasst, aber hey, für 120 Leute war das gerade gut genug.
Ein Garant für eine fette Party ist ein derartiger Location-Faux-Pas nicht, aber vermutlich wollte man den Menschen nur genug Platz zum Weglaufen gegeben, warum, wird man gleich noch sehen.
Dann kam sie die Braut und die jauchzende Erzählerstimme kriegte sich kaum noch ein, so schön, so toll, eine Märchenbraut. Man hätte vermutlich mehr von der Braut gesehen, wenn nicht in einer Tour das fette „sende eine SMS mit HERZ und Deiner Botschaft an…“ in einem noch fetteren Kasten permanent im Bild gewesen wäre.
Gut, mir persönlich war der Kasten noch lange nicht groß genug, aber man kann nicht alles haben. Es ist schon ulkig, dass Pro Sieben es für so wichtig erachtet, dass irgendwelche Kids ihr Handy dazu benutzen für einen Euro Gülcan und Basti Nachrichten zu schreiben, die sie niemals lesen werden. Und wer bekommt die Kohle?
Das Brautpaar für die erste Haushaltswoche? Ha!
Sebastian Kamps sah eh bei der Trauung nicht so glücklich aus. Wippend von einem Fuß auf den anderen wusste man nicht: Muss er pinkeln oder will er wegrennen? Vielleicht waren aber auch einfach seine Schuhe so eng wie sein Anzug und er hatte Schmerzen.
Fassungslos vor dem Fernseher sitzend hab ich eigentlich nur darauf gewartet, dass Linda de Mol mit nem Glas Prosecco um die Ecke hüpft und „Auf die Liebe, daag!“ grölt.
Vielleicht hatte sie ja was Besseres vor.
Nach der Trauung – beide Protagonisten vergaben ihre letzte Chance, diesem Wahnsinn ein Ende zu bereiten – dann die tolle Überraschung: Scooter traten auf der fetten Bühne auf und machten Lärm. Ein Medley. Aus ihren größten…äh…Hits. Wer spätestens dort noch nicht sein Taschentuch gezückt hatte – nicht vor Rührung, sondern vor Entsetzen – läuft anscheinend auch ansonsten hirntot herum. Wie es der Zufall so wollte, lag übrigens auf dem Gabentisch die neue Single von Scooter, angeblich als Geschenk. Liebe Leute von Pro Sieben und von der Plattenfirma von Scooter: ganz bescheuert sind wir eigentlich nicht. Zumindest in Cellophan hätte man die CD wickeln können, um den plumpen Werbeversuch zu kaschieren, aber die Mühe machte sich halt keiner.
Dann wurde noch ratzfatz der Brautstrauß geschmissen und von einer unglaublich wichtigen Person im Leben von Gülcan gefangen: von einer Statistin. Ja genau, von den 120 Gästen sollen über ein Drittel Statisten gewesen sein. Die für 20 Euro Lohn den Kaspar auf der Hochzeit machten und zu Scooters Medley zwischendurch den Kopf genickt haben. Ist man unbeliebt, wenn man es noch nicht mal als C-Promi schafft, 100 Leute zur eigenen Hochzeit zusammenzubekommen? Ist jetzt eher ne rhetorische Frage.
Was bleibt übrig? Ach ja, ganz viele Menschen, die der Meinung sind, dass diese Ehe eh nicht lange hält, dass die Gülcan nur die Bäckermillionen will und so weiter. So was kann man sich getrost sparen oder zumindest im geschlossenen Raume sollte man derlei äußern. Denn wer derart peinlich heiratet, der wird es sich gut überlegen, sich ähnlich dämlich scheiden zu lassen. Die beiden werden manch Kritiker überleben und wenn man überhaupt etwas Gutes über diese Hochzeit sagen kann, dann doch das, dass es noch unauthentischer nicht geht.
Jetzt sind die Kameras aus und keine Sau schaut mehr hin.
Jetzt wird es Zeit für…echte Gefühle.
echte Gefühle, ebenfalls ein Leben lang: Abonniert Pennys Wochenrückblicke mit einer Email an pennysworue@gmx.de


1 Comments:
Sehr geil... Besser hätte ich es kaum haben können! Am Di Abend Pro7 schauen und am nächsten Tag von Katharina alle Illusionen nehmen lassen ;-) Und jetzt noch der Rückblick dazu! Echt der Hammer...
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