Pennys Wochenrückblick Folge 107: Was nun garantiert wirklich so gar nicht im neuen Harry Potter Buch steht!

LOS! VERRATE ES! MACH DICH NICHT UNGLÜCKLICH!
Ich bin ja schon ein bisschen verzweifelt.
Seit Stunden probiere ich, das mit Flügeln zu mir getragene Geheimnis meiner Zaubereule zu eruieren. Ich habe sogar meinen magischen Hut aufgesetzt und wedele energisch mit dem Zauberstab.
Vergebens.
Vielleicht – ganz sicher bin ich mir nicht – liegt es daran, dass meine Zaubereule gar keine Zaubereule ist, sondern ein stinknormaler Nymphensittich. Und der Zauberstab? Ein Essstäbchen vom China-Mann. So ein billiges ohne chinesische Zeichen drauf. Das kann ja auch nichts werden. Mein magischer Hut ist eine Cappie von Carhatt.
Der Nymphensittich faucht und piept im Wechsel, aber egal wie genau ich auch hinhöre: eine Nachricht scheint er mir nicht übermitteln zu wollen. Was könnte mir so ein Cockatiel (den englischen Begriff verwende ich, weil mein Synonymwörterbuch keinen brauchbaren Ersatzausdruck für Nymphensittich vorzuweisen hat) auch schon flüstern? Dass es blöd war in der Zoohandlung? Dass es wieder Zeit für frisches Futter wäre? Ein Startschuss für aufregende Abenteuer ist das nicht und ich bin mir auch nicht sicher, wie gefährlich ich den gefährlichsten Magier dieser Welt werden könnte mit einem chinesischen Essstäbchen ohne chinesische Zeichen. Ich hab ja nicht mal nen Umhang.
Der geübte Rückblicksleser stellt fest: Die wirkliche Welt kann – eine dröge Beschreibung vorausgesetzt – weitaus langweiliger sein, als ein Harry Potter Roman. Vermutlich wird deswegen so ein Tohuwabohu veranstaltet. Seit gestern ist es soweit:
Das letzte Harry Potter Buch ist im Handel erschienen.
Während der letzten Woche(n) gab es lustiges zu sehen und zu hören. Dass ein Buch besser bewacht wird, als manch in Orange gehüllter Mensch in Guantanamo, ist ja angesichts kopierwütiger Vollnerds noch eine verständliche Sache. Dass aber kleine Kinder sich spät in der Nacht an Buchhandlungsfensterscheiben die Näschen brechen und trotz blutendem Zinken weiter wild und buchwollend mit kleinen Fäusten gegen die Scheibe donnern, das ist befremdlich.
Ich bin ja ehrlich und will nicht lügen: Ich weiß nicht, ob eine kleine Kindernase zum Verkaufsstart brach, am Schaufenster oder anderswo. Ich weiß aber, dass die Wahrscheinlichkeit dafür recht hoch ist. Zu verstehen ist das alles nicht: Halb Kinderdeutschland hetzt zu nachtschlafender Zeit in die Buchhandlungen und hält die dortigen Angestellten vom wohlverdienten Feierabendschlummer ab. An der Kasse sind die ersten vier Kapitel grob überflogen und was Klasse ist: sterben musste bis dato vermutlich noch keiner. Auf dem Weg nach Hause ist man bei Kapitel sieben und in den Morgenstunden klappt man das Buch ausgelesen zu.
Warum bloß?
Warum warten Menschen derart gespannt und lang auf ein Ereignis, nur um den Wälzer im Zeitraffermodus zu verschlingen? Fürchten sie, dass die Welt untergeht? Dass sie dem Tod gegenübertreten mit einem halb gelesenen Harry Potter Buch?
Man muss doch genießen können, Seite für Seite und Buchstabe für Buchstabe gilt es zu ehren und zu würdigen, statt alles hinunterzuschlingen wie ein Derwisch. Was machen denn all die Leseratten und Büchermäuse ab Montag, das Buch ausgelesen, alle Geheimnisse offenbart und das innerhalb so kurzer Zeit? Da wird Frust aufkommen. Nicht wenige werden mit Essstäbchen auf ihre Nymphensittiche losgehen.
Eventuell ist es die Spoilerangst. Deutschlands größte Tageszeitung war sich in dieser Woche nicht zu fein, sämtliche Geheimnisse des neuen Potterbandes auszuplaudern. Irgendjemand, der vermutlich zuviel Zeit und ein paar Akkus dabei hatte, machte sich einen Spaß daraus, den kompletten siebten Band zu fotografieren, Seite für Seite. Man war sich zwar nicht ganz sicher, ob das dort abgelichtete auch der Wahrheit entsprach, doch vorsichtshalber wurd’s mal abgedruckt. Die, die es vor Spannung mal wieder nicht aushalten konnten, haben’s natürlich gelesen und kauten nun auf Fingernägeln herum, fragten sich, ob es wahr sei oder nicht, was da so stand in der BILD.
Nun, strafbar hat sich der Hobbyfotograf auf jeden Fall gemacht. Er hat geschrieben, was passiert. Aber macht man sich unbeliebt, wenn man schreibt, was nicht passiert? Ist das verboten? Müsste es eigentlich, denn zieht man von allen möglichen Ereignissen die nichtmöglichen ab, bleibt die Geschichte über, so wie sie im Buch steht. Insofern bin ich mir nicht sicher, ob nächste Woche noch ein Wochenrückblick erscheint, vielleicht sitze ich ja schon in einer Zelle und J.K. Rowling lässt mich foltern, in dem sie Paris Hilton ihren neuen Song rückwärts singen lässt. Egal, kein Spaß ohne Risiko, here we go:
Harry Potter hängt die Zauberei an den Nagel und macht mit Hagrid ein Rasiergeschäft auf
Unwahrscheinlich. Da es sich bei Hagrid um einen Halbriesen handelt, müsste das Rasiergeschäft in einer Altbauwohnung eröffnet werden. So was findet man ja heutzutage kaum noch. Klar, man könnte ein Geschäft mit niedrigerer Deckenhöhe nehmen, aber wie erfolgreich kann so ein Rasiergeschäft schon werden, wenn ständig der Putz von der Decke rieselt. Größtes Hindernis hier ist aber sicherlich die Höhe des aufzubringenden Eigenkapitals. Wo bloß die dreißigtausend Pfund hernehmen für all den Rasierschaum, um Hagrid von seiner Bartpracht zu befreien? Hätte man diese Hürden überwunden, müsste Harry erst mal Kontaktlinsen einsetzen beim Gesicht glatt schnippeln. Der Zauberspruch ‚Bartus verschwindibus’ darf schließlich in der echten Welt nicht angewandt werden, da wird man gleich wieder vors bürokratische Zauberministerium gezerrt.
Harry Potter macht mit Lord Voldemort eine Schönheitsklinik auf.
Unwahrscheinlich. Abgesehen davon, dass in den meisten Fällen aus Todfeinden keine Ringeblütenteesaufende Freunde werden (Frodo würde mit Sauron ja auch kein Stück Kuchen essen), ist Lord Voldemort nicht gerade ein Vorzeigepatient. Keine Haare, eine Haut von käsiger Natur, Nase Fehlanzeige und ein daraus resultierendes leichtes Näseln in der Stimme. Klar, für so ein „Vorher“ – Bild könnte man ihn schon nehmen, den feinen Herrn Voldemort, aber was kann man daraus schon zimmern?
Harry Potter macht mit Ron und Hermine eine Studenten-WG auf.
Unwahrscheinlich. Ron, der alte Spaßvogel würde sich einen Ulk daraus machen, mit seinem Zauberstab von morgens bis abends die Bude unordentlich zu machen, während Hermine mit energischen Gegenzaubern versucht, diesem Unfug Herr(in) zu werden. Harry würde zwischen diesen extremen verzweifeln und sich am Ende mit seinem Zauberstab die Pulsadern aufhexen.
Harry wird Sexfilmregisseur
Unwahrscheinlich. Und schon gar nicht, wenn der erste Titel „Dudley and Petunia Dursley! A scary Night in Passion!“ lautet.
Harry Potter wird übrigens auch nicht schwul. Dies wurde man ja vor einiger Zeit nach Erscheinen des ersten oder zweiten Films nicht müde zu betonen.
Untrügliches Indiz für derlei Vermutungen war die Phallusähnlichkeit seines Zauberstabes. Das klang recht einleuchtend, ein heterosexueller Zauberer mit Zauberkringel war auch nur selten zu finden in den Geschichtsbüchern der Magie. Doch da hat Frau Rowling den Psychoheinis einen Strich durch die Homophobierechnung gemacht, schließlich wird im fünften Teil ja geknutscht. Zu blöd, jetzt müssen die Analysten zum Arbeitsamt. Dort stehen übrigens auch die ganzen anderen Nachwuchsautoren, die erfolglos Jugendbücher schreiben. Sie werden nie so reich sein, wie die höchste Frau des Landes, was in Deutschland bedeutet, finanziell die Bundeskanzlerin zu überholen. Das schafft man vermutlich auch mit weniger als 810 Millionen Euro. Weil aber die wenigsten Menschen mit Frau Merkel verglichen werden wollen, ob finanziell oder in anderer Hinsicht, wird es wohl noch ein Weilchen dauern, bis Parry Hotter oder Kerry Dotter sich aufmachen, Kinderherzen zu erobern und Näschen zu brechen.
So!
Herr Nymphensittich!
Sie verraten mir jetzt mal die Botschaft…wo werde ich gebraucht, wen soll ich mit meinem Essstäbchen verhexen?
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2 Comments:
Hm, kann schlecht mitreden... Würde mir wohl eher freitags den Zeigefinger am PC brechen, aber mit Sicherheit nicht die Nase an der Scheibe wegen eines neuen Potters... Schleim, schleim, ich weiß... ;-)
hehe..da ich noch kein einziges buch von harry potter gelesen habe, kann ich die ganze hyterie nicht so ganz mitmachen.allerdings finde ich es prima, daß ne frau kinder und erwachsene zugleich wieder ans lesen gebracht hat. ich meine, wann war das letzte mal so ein rummel um ein buch. wir sprechen hier nicht von der letzten playstation oder einem videospiel oder einem video bei you tube. sowas finde ich schon klasse.
ich hoffe dir gehts gut. wollte nach langem nochmal commenten
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