Pennys Wochenrückblick Folge 106: Zur Zeit zügelloser Zahnprothesenzirkus!

Wieder ein Opfer mehr!
Ein Raum weiter wartet das Grauen.
Dieses Grauen steht recht unbeteiligt in einem Plastikglas herum und wartet still und heimlich darauf, dass ich mich selbst einem Martyrium ergebe, wie es die (Folter-)Welt noch nicht gesehen hat.
Wir haben eine neue Zahnpasta.
Es ist ein Albtraum.
Nichts gegen Frische.
Frische war natürlich schon immer ein Hauptaspekt von Zahnpastawerbung, bereits vor Jahren versprach man uns, dass nach der Benutzung des Dentalbrei’s den ganzen Tag ein Hauch von Minze durch den Mund huscht.
Was waren wir doch enttäuscht, wenn unser orales Inneres nach drei Stunden wieder die olfaktorische Konsistenz eines übelgelaunten Fischbrötchens annahm?
Was würde ich dafür geben, wenn es wieder so wäre?
Nein, bei unserer neuen Zahnpasta fängt es schon beim Schrubben an: Während ich bei „herkömmlicher“ Paste des Morgens recht unbeteiligt und mit zusammengekniffenen Augen vor dem Spiegel stehe und verkrampft versuche, nicht wieder in die Tiefschlafphase zu rutschen, bin ich bei unserer neuen Zahnpasta bereits hellwach, wenn die Soße meine Zunge auch nur ansatzweise berührt. Ich beginne zu Putzen.
Während mir das durch meinen Körper rauschende Adrenalin erklärt, dass es mit dem Schlaf endgültig vorbei ist für heute, fräst sich der 12-Stunden- Frische-Fluorid mit Mach 3 durch meine Mundhöhle. Ich habe das Gefühl, auf rohe Feuerqualle zu beißen und mit Tränen in den Augen begrüße ich meine ganz persönliche Oralhölle. Die drei Minuten, die ich vorsichtig schrubbe kommen mir ein bisschen wie Drei Quartale vor, ich versuche mich daran zu erinnern, jemals eine Werbung zu dieser Teufelspasta gesehen zu haben, in der mit dem netten Nebeneffekt einer totalen Abflussreinigung geworben wird.
Nach der Orgie grinse ich debil in den Spiegel, nur um mich zu vergewissern, dass noch alles da ist, nichts weggeätzt wurde. Meine Zahnzwischenräume machen einen derart sauberen Eindruck, das hätte ich mit Natodraht nicht besser hinbekommen. Indes breitet sich das „Frische-Gefühl“, welches mehr und mehr an eine ratschende Pfeffermühle auf offener Wunde erinnert, auf meinen Lippen aus. Bestimmt haben sie sich bis zum Mittag aufgelöst, denke ich betrübt. Ich werde ein Mann ohne Lippen aber mit prima Mundgeruch sein.
Die Hoffnung, dass die Dentalforschung wieder mal Unfug gebaut hat und leere Versprechungen vor sich her schiebt, erfüllt sich nicht, vielen Dank auch.
Als ich Stunden später in ein Körner-Schinken-Brötchen beiße, schmeckt dieses nur nach Minze. Nicht mal mit süßer Coffeinbrause bekomme ich den Geschmack weg. Ich wundere mich stark, dass die Menschen in meinem Umkreis nicht umfallen oder ihnen aufgrund meines Hardcore-Frische-Atems nicht zumindest die Augen tränen.
Die müssen doch was merken?
Kann diese Minzvergewaltigung meines Mundraums denn wirklich die Lösung gegen Mundgeruch sein und ist sie besser?
Wäre es nicht schöner, wenn die Menschen denken würden „Naja, er sollte sich mal lieber wieder die Zähne putzen“ statt:
„Um Himmels willen, der muss sich nie wieder die Zähne putzen…“
Dabei ist diese 12 Stunden Frische Power nur der Schluss einer Kette voller getunter Superpasten. Was hat man nicht alles schon reingefüllt? Kleine Körner, die die Zähne weiß machen, diverse Stoffe zur Errötung des Zahnfleisches, zahnschmelzhärtende Substanzen, damit man auch morgens noch Stahträger zerkauen kann.
Erinnern wir uns noch an den Biber?
Für Fäfftäf Fahnfleif und gefunde Fähne.
Wollte jemals jemand zwei derartige Hauer sein Eigen nennen?
Auf jeden Fall steckt in mancher Zahnpaste soviel Schnickschnack, dass man sich manchmal fragt, wieso Kieferorthopäden morgens überhaupt noch ihre Praxis aufschließen. Eine Klammer zum Selberbasteln und ein Bohrer für die Steckdose der Pasta beiliegend würde das Arbeitsamt zum Überschäumen bringen.
Aber das geht nicht, mein Zahnarzt muss bleiben.
Er muss mir diesen Geschmack entfernen, ich kann nicht mein ganzes Leben lang nach Minze stinken. Die After-Eight-geilen Rentnerinnen im angrenzenden Stadtpark fressen mich doch auf. Bestimmt bekomme ich von meiner kompetenten Ärztin einen Gulaschmischmasch aus Knoblauch-Fisch-Soße und geraspelten Tannenzapfen verabreicht, um den PH-Wert in meinem Mund zu neutralisieren.
Dann wäre ich ja gerettet.
Momentan habe ich nämlich eher die Angst, ganz Zahnpasta zu werden, ich fürchte, dass die Frische mein Gehirn auflöst. Spätestens nächste Woche werde ich verkauft, in einer Tube. Bestimmt werde ich am falschen Ende ausgedrückt. Es gibt aber noch so viele Dinge, über die es Nachzudenken lohnt. Zum Beispiel warum die „Zahnpasta“ „Zahnpasta“ und nicht „Zahnpaste“ heißt. Ein Großteil der einheimischen Bevölkerung bringt den Begriff „Pasta“ ja wohl eher mit Teigerzeugnissen unverdienter Fußballweltmeister in Verbindung, statt mit einer Biowaffe in Tuben. Klingt vielleicht besser, „Pasta“.
Ich muss auf jeden Fall jetzt los, sonst überleb ich den Tag nicht. Sonst bekomm ich die letzte Ölung.
Vom Zahnpastor.
Hülfäää…
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Wo ist denn die Werbung für das Buch?
Aus bestimmten Gründen habe ich mich dazu entschieden, die Links für das Buch von der Seite zu nehmen. Somit ist www.pennys-wochenrueckblicke.de wieder ein nichtkommerzieller Weblog. Wer genaueres wissen möchte, kann mich gern per Email fragen.
Eine schöne Woche noch.
Penny :)


2 Comments:
Um Gottes Willen... Was ist denn passiert? Und warum kommen die WoRü`s jetzt immer samstags? Tränen die Augen von der Zahnpasta ;-)
ich hab gelacht, nur weiß ich nicht warum. eher schizophrenes trostlachen. ich muss nämlich am dienstag zum zahnarzt und was mach ich da? meine zahnhälse zukleben lassen. schön. aber jetzt hab ich wenigstens eine erklärung für diese nämlich freiliegenden-deswegen auch das zukleben. diese neuen zahnpasten sind schuld! einfach weggeäzt. jetzt weiss ich den grund, nur machts das problem nicht wett. wenn ich nicht so persönlich betroffen wär dentalerweise hätt ich mich ganz unbeschwert kaputt gelacht beim lesen deines rückblicks. so schwebt momentan nur leider der geist der bösen zahnfee über mir...
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