Pennys Wochenrückblick Folge 117: Licht aus für fünf Minuten, Gehirn aus für immer?

Licht aus für fünf Minuten? Bekloppt? Dann seh ich ja nix mehr!
Ja sicher, wir kennen ihn doch alle. Diesen Witz von einem Witz, in dem sich zwei Planeten treffen, von denen der eine behauptet, krank zu sein, da er „Homo Sapiens“ hätte und der andere darauf gar süffisant erwidert:
„Ach, keine Angst, das geht vorbei!“
Ein netter Beweis, dass Umweltschutz eine ernste Sache ist und mit Humor nur wenig zu tun hat. Nein, meist ist Engagement für die Natur eine eher peinliche Sache, vor allem, wenn das muffige Sprüchlein aus der Mottenkiste hervorgezogen wird, das stets behauptet, dass „wir die Erde von unseren Kindern nur geliehen haben.“
Tja, den Leihvertrag soll man mir mal zeigen.
Ich war auch mal Kind und meine Eltern kamen nie zu mir, um mich um eine Leihgabe die Erde bezüglich zu bitten. Sie wollten nicht mal nen Kontinent.
Das wirft natürlich Fragen auf. Gab es bestimmte Kinder, die Teile der Erde an Erwachsene verleihen konnten? Ist das nicht ein bisschen diskriminierend, wenn der auf Sylt geborene Jan-Felix ganze Dünen in seiner Gewalt gefangen hält, während so ein Sascha aus Dortmund von seinen Besitzansprüchen nicht mal die geringste Ahnung hat?
Einigen wir uns doch einfach darauf, dass dem Satz sämtliche Logik abhanden gekommen ist und das vermutlich von Beginn an. Denn wenn man als Kind die Erde verleiht, muss man sie als Erwachsener ja zurückbekommen, bleibt ja keiner ewig jung. Dann ist man allerdings selbst erwachsen und müsste sich die Erde ja wieder von den eigenen Kindern borgen. Also bitte, da läuft doch was falsch, da ergibt sich doch ein Verteilungsproblem, da sind ja die Kompetenzen gar nicht klar geregelt.
Ich schlage vor, dass die Bundesregierung einen Arbeitskreis einberuft, um dieses kapitale Missverständnis aus der Welt zu schaffen.
Trotz oder gerade wegen dieses pseudoromantischen Gefasels werden manche nicht müde uns daran zu erinnern, dass unser Planet im Eimer ist, wenn wir nicht mal langsam gegensteuern.
Das ist nur recht und billig, kommen ja ständig Nachgeborene, die noch nicht Bescheid wissen, dass man nicht mit dem Airbus zum Brötchenholen fliegt.
Auch dies ist nur schwer zu begreifen: wo immer Umweltsünden angeprangert werden, fällt den Menschen nichts Besseres ein, als sein mobiles Backwarenbeschaffungsverhalten durchzuanalysieren. Geht die Welt eines Tages mal tatsächlich unter, werden nicht wenige kurz vor ihrem Tode empört kreischen: „Diese verdammten Brötchen!“
Pustet nicht auch der sinnentleerte Altpapiertransport zum Altpapiercontainer einen ganzen Batzen Feinstaub in unsere Luft? Oder wenn Jan-Felix auf Sylt mal wieder zum Handballtraining kutschiert werden muss? Der sich bei elterlichen Protesten gerne mit Das sind aber eigentlich meine Dünen herausredet?
Aber nein, immer sind’s die Brötchen.
Nun, es ist beunruhigend festzustellen, dass es auch noch ein wenig peinlicher geht:
Denn heute schreiben wir den 08. Dezember 2007.
Heute machen wir die Erde komplett kaputt.
Ein Konglomerat des Schwachsinns hat sich gebildet aus der Bild, Google, Pro Sieben und Greenpeace.
Heut Abend sollen wir von 20.00 Uhr bis 20.05 das Licht ausmachen.
Damit gleich keine Missverständnisse auftraten, beeilte man sich auf Seiten der Bild klarzustellen, dass man damit das Klima nun nicht würde retten können. Aber es hätte eine unglaubliche Symbolkraft und ganz viele Menschen, Promis und Firmen machen mit. Man würde sehen, so Ex-Umweltminister Klaus Töpfer, dass eine ernste Situation eingetreten ist.
Dass man von den Menschen erwartet, innerhalb von 300 Sekunden Dunkelheit sämtlicher Erdenprobleme gewahr zu werden ist nun schon ein wenig bedenklich. Da hält man uns wohl für ein bisschen blöd.
Zu dumm, dass nun seriöse Wissenschaftler der Meinung sind, dass durch diese Aktion das Stromnetz in Europa bedroht ist, aber hey: es hat doch Sym-bol-charakter.
Daran könnte man sich eventuell ausrichten, während man die Samstagnacht in kompletter Dunkelheit verbringt.
Schafft das Stromnetz allerdings diesen Kraftakt (für irgendwas müssen die Trilliardengewinne ja gut sein), haben wir ganze 5 Minuten, um … ja um was zu tun?
Als wenn jetzt fünf Minuten Licht-aus so was Ungewöhnliches wäre. Wenn ich nachts schlafe, brennt des Öfteren acht Stunden am Stück kein Licht, für nen Umwelt-Award hat mich deswegen aber noch keiner vorgeschlagen.
So dürfte in den meisten Haushalten eine recht unangenehme Atmosphäre entstehen, einige werden ungeduldig auf die Uhr schauen, viele werden’s gar nicht aushalten und zum Kiosk fahren. Brötchen holen.
Doch auch hier hat die BILD Vorschläge, was tun in 5 Minuten Dunkelheit.
Beten für eine bessere Welt, für Nächstenliebe, Selbsterkenntnis und Demut.
Beten dafür, dass das Licht wieder angeht?
Verstecken mit den Kindern spielen – ihr Lachen ist der Glockenschlag des Glücks.
Der markerschütternde Schrei aufgrund eines Knieschlags gegen die Tischkante lässt einen vielleicht lieber andere Spiele spielen.
Auch den Fernseher ausknipsen – hören sie die Stille?
Abgesehen davon, dass Stille nur schwer zu hören ist, da sie nur selten ein Geräusch erzeugt und wenn doch, sie nicht mehr eine Stille per definitionem ist: Alle Lichter ausmachen und sich trotzdem noch die Klingeltonwerbung auf MTV reinpfeiffen macht einen zum größten Umweltsünder, seit Chemiekonzerne die Flüsse für sich entdeckt haben.
Sich bei Musik besinnen – über den Sinn des Lebens (Bachs Weihnachtsoratorium oder Mozarts Nachtmusik)
Und wer soll die Musik machen? Wie in 5 Minuten Bachs Weihnachtsoratorium auf der Flöte unplugged lernen? Nen CD-Player werden wir ja wohl nicht benutzen dürfen, oder?
Wehe, Sie gehen zum Eisschrank – dann geht’s Licht an!
Ja weh mir, weh mir, wenn ich zum Eisschrank geh. Dann war die ganze Aktion für’n Arsch. Dann wird man mich mit fauligen Tomaten beschmeißen am nächsten Tage.
Wie auch immer, so eine tolle Aktion ist auch eine herrliche PBM (Prominenten-Beschäftigungs-Maßnahme), man kann ihnen allerlei Ulkiges entlocken.
Verona Pooth weiß folgend zu berichten: „Ich mache das Licht aus, weil ich San Diego, meinem 4-jährigen Sohn, erklärt habe, dass wir zu Besuch auf der Erde sind. Sie gehört uns nicht und deshalb sollten wir sie auch hinterlassen, wie wir sie vorgefunden haben.“
Mit anderen Worten, wir sind Außerirdische? Die grenzdebile Namensgebung ihres Brüllkrümels erklärt das noch lang nicht, aber gut.
LaFee (17), Pop-Star sinniert gar über die Ungnade der späten Geburt: „Ich mache mit, weil wir schon heute den Klimawandel spüren. Ich bin noch jung, aber meine Generation wird besonders betroffen sein, wenn wir nicht sofort handeln.“
Wie wunderbar unegoistisch. Was eventuelle spätere Generationen angeht, spielt da kaum eine Rolle. Hach so ist sie, die Jugend von heute.
Nun muss man nicht für einen Umweltgrobian halten, nur weil ich hier den Symbolismus verteufele. Aber irgendwie wären Taten schöner. Man muss ja mit dieser Symbolcharaktersache auch aufpassen, sonst ist es kein weiter Weg von „5 Minuten Licht aus“ zu „2 Wochen aufn Baum“. Gewonnen wird damit außer einem guten Gewissen leider nur recht wenig. Bewusstseinsschärfung ist im Ansatz eine schöne Sache, doch ein klarer Geist allein hat noch kein Land vor einer Ökokatastrophe bewahrt.
Warum denn nicht mal was Sinnvolles? Eine Woche keine BILD! So mancher Baum würde sich entwurzeln und ein kleines Freudentänzchen aufführen. Und überhaupt, was ist aus dem guten alten Witz geworden „Rettet den Wald, esst mehr Biber?“
Stehen Biber auf den kulinarischen Karten der Spitzenrestaurants? Nein.
Stattdessen Hirsch und Pangasiusfilet, nix, was die Natur vernichtet.
Oder wie wäre es mit einer Überproduktion Korken, die den Kühen rektal für einen Abend eingeführt werden? Schließlich duften Viehausdünstungen nicht nach Rosmarin und den Planeten kaputt machen sie außerdem.
Das alles könnte helfen.
Und um dem drohenden Stromkollaps entgegenzuwirken, fordert Pennys Wochenrückblicke:
Licht an in jedem Zimmer für fünf Minuten. Auch den Toaster und den PC und das Radio und den Mixer.
Ein Hoch auf die Elektrizität.
Natürlich müssen wir dann trotzdem weiterhin beten, dass nicht irgendeine chinesische Boulevardzeitung auf die Idee kommt, ihr Volk möge gleichzeitig die Fahrradklingel betätigen.
Denn so ein Hinausschleudern aus der Erdatmosphäre mag zunächst recht spannend wirken, macht die Erde aber im Endeffekt schneller kaputt als alle Lichtanlasser.
So ich geh jetzt mal zu meinen Eltern, Alaska zurückfordern. Das liegt in der Abstellkammer und tropft durch.
P.S.: Ich hoffe, ich spreche hier mit der Stimme des ADAC, wenn ich frech und frei behaupte, dass das Lichtausschalten in der Wohnung eine tolle symbolische Granate ist, dies aber nicht für das Licht am Auto gilt. Dieses auszuschalten und sich womöglich mit dem nächsten Baum am Strassenrand anzulegen hilft der Natur schließlich auch nicht weiter. Merken.
Kommt zur Wochenrückblicks-Lesung am 18.12.2007 ins Hicc-Up (Wittener Str. 205,44149 Dortmund Dorstfeld)
Beginn 20.30 Uhr!
Hier der Trailer:


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