Pennys Wochenrückblick Folge 11: Sex ab 49 ist schöner als den Jackpot knacken
Klischees sind schon manchmal komisch. Neulich im Kino begab ich mich auf die Toilette und da ich glücklicherweise nur „das kleine Geschäft“ verrichten musste (kein Mensch bei klarem Verstand setzt sich freiwillig auf eine öffentliche Toilette, wenn man nicht mindestens ein Fass Sagrotan dabei hat), begab ich mich zu den Stehpissoirs.
Und siehe da. Vor mir breitete sich ein kleines aber feines Werbeplakat aus, welches das nur mässige Playstation 2 Spiel „Mission Impossible“ anpries.
Passenderweise hing der Hauptdarsteller des Spiels auch noch aus einem Hubschrauber, was ja irgendwie lustig ist, denn vor dem Stehpissoir hängt einem ja selbst was raus.
Jetzt werden wieder einige denken: Meine Güte, der Penny ist total bescheuert geworden und ich kann manchen nur Recht geben, denn es ist ja klar, dass es immer noch besser ist, auf ein so Klischeebehaftetes Videospielplakat zu glotzen als auf eine nackte Kachelwand.
Denn seien wir doch ehrlich, wer an einem Stehpissoir interessiert durch die Gegend schaut, der macht sich genauso verdächtig, wie derjenige, der in Fahrstühlen laut redet, wenn andere dabeistehen.
Aber gut, weggepackt und zugeschlossen ging ich dann wieder meines Weges, aber nicht ohne mich zu fragen, was dieses dumme Klischee nun soll.
Videospielwerbung auf der Männer-Toilette. Wie sieht dann erst auf der Frauentoilette aus?
Pappt da etwa Schuhwerbung an der Klotür?
Natürlich müsste die grösser sein, als mein kleines Videospielplakat, schließlich ist der Abstand von Linse zu Konsumprodukt bei den Frauen ja größer und wer will schon riskieren, dass die Mädels halbnackt vornüberkippen, nur damit sie sich genau anschauen können, wie teuer die Deichmann-Pumps nun sind. Deswegen also mannsgroß die Werbung auf dem Frauenklo.
Klischees sind manchmal echt zum Kotzen.
Naivität aber auch.
Circa 40 Millionen Bundesbürger waren in der letzten Woche ebenfalls recht naiv.
Print- und Glotzmedien verkündeten es in einer Tour: der Lottopott ist gross.
25 Millionen € waren mal fast 50 Millionen Mark, das konnte fast jeder ausrechnen, doch die mathematischen Künste mancher reichten nicht aus, um sich klarzumachen, wie verschwindend gering die Wahrscheinlichkeit ist, dieses Geld tatsächlich zu gewinnen.
Man muss ja auch festhalten, dass es reichlich bekloppt ist, wegen 25 Millionen Euro so eine derartige Kirmes zu veranstalten und dies bei, sagen wir mal, 10 Milliönchen nicht zu tun.
Denn altersunabhängig muss man doch feststellen, dass es egal ist, welchen dieser Beträge man gewinnt, man wird das Geld nicht ausgeben können, bevor man unter den Torf kommt.
Ganz böse Gestalten könnten ja jetzt behaupten, dass die Kinoindustrie mit ihren mannsgroßen Schuhwerbeplakaten auf der Damentoilette sehr wohl das Ziel verfolgt, Lottomillionärinnen die Millionen aus dem Geldbeutel zu entlocken, aber he: es ist nur ein Klischee.
Zurück zu den Naivlingen: die Wahrscheinlichkeit, den 6er mit Superzahl zu erhaschen, beträgt schlappe 1 : 140.000.000.
Nun, dass mal eine irakische Kamelspinne irgendwann zum amerikanischen Präsidenten gewählt wird, ist vermutlich genauso wahrscheinlich und dass mir bei Ikea ein Kühlschrank auf dem Kopf fällt und ich durch den günstigen Aufprallwinkel fortan ein toller Dichter werde, ist es wohl ebenso.
Doch das hält die Menschen nicht davon ab, wie die Lemminge in die Lottobuden zu rennen und zu tippen, was der Kugelschreiber hergibt. Ich hab nur noch auf die Meldung gewartet, dass es keine Lottoscheine mehr gibt.
Lustig ist es zu lesen, was man sich alles von 25 Millionen € kaufen kann, z.B. 250 Strandhäuser und dann kann ich mich nur an den Kopf packen und fragen:
250 Strandhäuser?
Was will ich denn damit?
An welchem Strand werden mit einem Schlag 250 Häuser frei, dass ich mit meinem Jackpot angerannt komme und sage: Her damit!
Oder sollen es etwa Häuser an verschiedenen Stränden sein?
Und dann? Was mache ich mit 250 Strandhäusern? So eine große Familie hab ich nicht, dass ich in jedes Haus jemanden unterbringen könnte. Und wenn ich fremd vermiete hab ich dann das ganze Jahr damit zu tun, durch die Weltgeschichte zu gondeln, um Mieterbeschwerden entgegenzunehmen und am Jahresende meine Steuererklärung auszufüllen, was vermutlich mehr Stress machen würde, als ich durch meine jetzige Arbeit schon habe.
Ich hör sie brüllen aus dem Hintergrund: Tja, Geld alleine macht eben nicht glücklich.
Auch das ist ein derart abgegriffenes und abgeschliffenes Klischee, dass man es beim Juwelier schon fast als Diamanten verkaufen könnte.
Es gehört schon ein ordentliches Stück Selbstverleugnung dazu, wenn man sagt: och, was soll ich bloß mit all diesen Millionen, ich würde verzweifeln bei der Frage, ob ich denn nun lieber in meinen Pool springe oder in meinem SL am Strand entlang düse, nein nein, da finde ich es doch viel geiler, wenn morgens um 5:30 der Wecker in meinem Ohr scheppert und mich aus dem Bette schmeisst.
Weil dies kaum einer sagt, rennen 40 Millionen Leute in die Lottobuden.
Nu isser geknackt.
Und wenn wir erfahren, dass der Pott von einer allein erziehenden Mutter mit 5 Kindern erkreuzt wurde, werden wieder alle das Herz in die Hand nehmen, einen warmen Blick aufsetzen und sagen: Mensch, endlich hat es mal jemanden erwischt, der es verdient hat.
Was ebenfalls sehr lustig ist, denn wenn wir jenen Frauen mit 5 schreienden Bälgern im Supermarkt begegnen, die sich um die letzten Fruchtzwerge kloppen, dann denken wir andere Gedanken, die doch eher von abschätziger Art sind.
Bleibt festzuhalten, dass der Pott nun weg ist und es spielt keine Rolle, an wen.
Der dümmste Witz, den ich dazu in dieser Woche gehört habe war der:
Nach dem Lottofieber ist jetzt als nächste Krankheit Kreuzschmerzen angesagt.
Nun noch kurz was zur Politik und zwar ohne schlauen Übergang.
Der größte R-Roller dieser Republik (Müntefering) und der lustigste Satzverschachteler (Stoiber) haben sich ein ganzes Jahr damit beschäftigt, wie man dieses Land beweglicher machen kann. Föderalismusreform schimpfte sich das ganze. 365 Tage lang hatte man gestritten und diskutiert und nun haben wir in dieser Woche das Ergebnis erhalten:
Nix.
Ein ganzes Jahr Arbeit den Lokus heruntergespült.
Welch schönes Zeugnis für Deutschland, ich denke, jetzt habe ich verstanden, warum so manch einer in die Lottobude rennt, nicht gegen klischeebehaftete Videospielwerbung auf Männertoiletten aufbegehrt und einzelne nach einer 13. Signaturzeile schreien.
Frohes Fest
Und siehe da. Vor mir breitete sich ein kleines aber feines Werbeplakat aus, welches das nur mässige Playstation 2 Spiel „Mission Impossible“ anpries.
Passenderweise hing der Hauptdarsteller des Spiels auch noch aus einem Hubschrauber, was ja irgendwie lustig ist, denn vor dem Stehpissoir hängt einem ja selbst was raus.
Jetzt werden wieder einige denken: Meine Güte, der Penny ist total bescheuert geworden und ich kann manchen nur Recht geben, denn es ist ja klar, dass es immer noch besser ist, auf ein so Klischeebehaftetes Videospielplakat zu glotzen als auf eine nackte Kachelwand.
Denn seien wir doch ehrlich, wer an einem Stehpissoir interessiert durch die Gegend schaut, der macht sich genauso verdächtig, wie derjenige, der in Fahrstühlen laut redet, wenn andere dabeistehen.
Aber gut, weggepackt und zugeschlossen ging ich dann wieder meines Weges, aber nicht ohne mich zu fragen, was dieses dumme Klischee nun soll.
Videospielwerbung auf der Männer-Toilette. Wie sieht dann erst auf der Frauentoilette aus?
Pappt da etwa Schuhwerbung an der Klotür?
Natürlich müsste die grösser sein, als mein kleines Videospielplakat, schließlich ist der Abstand von Linse zu Konsumprodukt bei den Frauen ja größer und wer will schon riskieren, dass die Mädels halbnackt vornüberkippen, nur damit sie sich genau anschauen können, wie teuer die Deichmann-Pumps nun sind. Deswegen also mannsgroß die Werbung auf dem Frauenklo.
Klischees sind manchmal echt zum Kotzen.
Naivität aber auch.
Circa 40 Millionen Bundesbürger waren in der letzten Woche ebenfalls recht naiv.
Print- und Glotzmedien verkündeten es in einer Tour: der Lottopott ist gross.
25 Millionen € waren mal fast 50 Millionen Mark, das konnte fast jeder ausrechnen, doch die mathematischen Künste mancher reichten nicht aus, um sich klarzumachen, wie verschwindend gering die Wahrscheinlichkeit ist, dieses Geld tatsächlich zu gewinnen.
Man muss ja auch festhalten, dass es reichlich bekloppt ist, wegen 25 Millionen Euro so eine derartige Kirmes zu veranstalten und dies bei, sagen wir mal, 10 Milliönchen nicht zu tun.
Denn altersunabhängig muss man doch feststellen, dass es egal ist, welchen dieser Beträge man gewinnt, man wird das Geld nicht ausgeben können, bevor man unter den Torf kommt.
Ganz böse Gestalten könnten ja jetzt behaupten, dass die Kinoindustrie mit ihren mannsgroßen Schuhwerbeplakaten auf der Damentoilette sehr wohl das Ziel verfolgt, Lottomillionärinnen die Millionen aus dem Geldbeutel zu entlocken, aber he: es ist nur ein Klischee.
Zurück zu den Naivlingen: die Wahrscheinlichkeit, den 6er mit Superzahl zu erhaschen, beträgt schlappe 1 : 140.000.000.
Nun, dass mal eine irakische Kamelspinne irgendwann zum amerikanischen Präsidenten gewählt wird, ist vermutlich genauso wahrscheinlich und dass mir bei Ikea ein Kühlschrank auf dem Kopf fällt und ich durch den günstigen Aufprallwinkel fortan ein toller Dichter werde, ist es wohl ebenso.
Doch das hält die Menschen nicht davon ab, wie die Lemminge in die Lottobuden zu rennen und zu tippen, was der Kugelschreiber hergibt. Ich hab nur noch auf die Meldung gewartet, dass es keine Lottoscheine mehr gibt.
Lustig ist es zu lesen, was man sich alles von 25 Millionen € kaufen kann, z.B. 250 Strandhäuser und dann kann ich mich nur an den Kopf packen und fragen:
250 Strandhäuser?
Was will ich denn damit?
An welchem Strand werden mit einem Schlag 250 Häuser frei, dass ich mit meinem Jackpot angerannt komme und sage: Her damit!
Oder sollen es etwa Häuser an verschiedenen Stränden sein?
Und dann? Was mache ich mit 250 Strandhäusern? So eine große Familie hab ich nicht, dass ich in jedes Haus jemanden unterbringen könnte. Und wenn ich fremd vermiete hab ich dann das ganze Jahr damit zu tun, durch die Weltgeschichte zu gondeln, um Mieterbeschwerden entgegenzunehmen und am Jahresende meine Steuererklärung auszufüllen, was vermutlich mehr Stress machen würde, als ich durch meine jetzige Arbeit schon habe.
Ich hör sie brüllen aus dem Hintergrund: Tja, Geld alleine macht eben nicht glücklich.
Auch das ist ein derart abgegriffenes und abgeschliffenes Klischee, dass man es beim Juwelier schon fast als Diamanten verkaufen könnte.
Es gehört schon ein ordentliches Stück Selbstverleugnung dazu, wenn man sagt: och, was soll ich bloß mit all diesen Millionen, ich würde verzweifeln bei der Frage, ob ich denn nun lieber in meinen Pool springe oder in meinem SL am Strand entlang düse, nein nein, da finde ich es doch viel geiler, wenn morgens um 5:30 der Wecker in meinem Ohr scheppert und mich aus dem Bette schmeisst.
Weil dies kaum einer sagt, rennen 40 Millionen Leute in die Lottobuden.
Nu isser geknackt.
Und wenn wir erfahren, dass der Pott von einer allein erziehenden Mutter mit 5 Kindern erkreuzt wurde, werden wieder alle das Herz in die Hand nehmen, einen warmen Blick aufsetzen und sagen: Mensch, endlich hat es mal jemanden erwischt, der es verdient hat.
Was ebenfalls sehr lustig ist, denn wenn wir jenen Frauen mit 5 schreienden Bälgern im Supermarkt begegnen, die sich um die letzten Fruchtzwerge kloppen, dann denken wir andere Gedanken, die doch eher von abschätziger Art sind.
Bleibt festzuhalten, dass der Pott nun weg ist und es spielt keine Rolle, an wen.
Der dümmste Witz, den ich dazu in dieser Woche gehört habe war der:
Nach dem Lottofieber ist jetzt als nächste Krankheit Kreuzschmerzen angesagt.
Nun noch kurz was zur Politik und zwar ohne schlauen Übergang.
Der größte R-Roller dieser Republik (Müntefering) und der lustigste Satzverschachteler (Stoiber) haben sich ein ganzes Jahr damit beschäftigt, wie man dieses Land beweglicher machen kann. Föderalismusreform schimpfte sich das ganze. 365 Tage lang hatte man gestritten und diskutiert und nun haben wir in dieser Woche das Ergebnis erhalten:
Nix.
Ein ganzes Jahr Arbeit den Lokus heruntergespült.
Welch schönes Zeugnis für Deutschland, ich denke, jetzt habe ich verstanden, warum so manch einer in die Lottobude rennt, nicht gegen klischeebehaftete Videospielwerbung auf Männertoiletten aufbegehrt und einzelne nach einer 13. Signaturzeile schreien.
Frohes Fest


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