10.12.05

Pennys Wochenrückblick Folge 25: Ein Knecht! Ein Krake! Nicht viel Besinnlichkeit !

Nutzloses Wissen zu gewissen Themen kann auch recht ulkig sein. So kam es mir in dieser Woche zu Ohren, dass ein ausgewachsener Krake sich problemlos durch ein Loch quetschen kann, dass die Größe einer zwei Euro Münze hat.
Wissen solcher Art mag interessant klingen, doch zu einem praktischen Nutzen kommt es meist nicht. Nur die extrem verschrobenen Zeitgenossen halten einen ausgewachsenen Kraken in ihrem Geldbeutel oder der Spardose, nur um zu schauen, wie er sich durch die stinkenden Taler windet.

Doch eigentlich wollte ich ja was über Nikolaus und Weihnachten schreiben.

Schliesslich ist es jetzt höchste Zeit für ein bisschen Besinnlichkeit, denn wer bei all dem Stress und all der Muffigkeit der letzten elf Monate jetzt immer noch nicht zur Besinnung und damit zur Besinnlichkeit gekommen ist, der wird nicht mitgenommen ins nächste Jahr.
Das stelle man sich mal vor, schlecht gelaunt wird man von seinen Mitmenschen einfach in 2005 gelassen, die Zeit hält an, wahrscheinlich noch an einem Tag, wo`s Glatteis regnet und den Rest seines Lebens legt man sich auf dem Einkaufsweg dezent aufs Gesicht.
Deswegen jetzt auf drei…1…2….3….Besinnlichkeit.

Hm..

Scheint nicht zu klappen.
Es ist aber auch nicht einfach, klar, die kleinen Kinder, die hüpfen immer noch im Kreis in der Nacht vor Nikolaus, was wird wohl drin sein im Nike-Turnschuh und die wichtigere Frage, wird es teurer sein, als der Nike-Turnschuh?
Wenn nicht, ist Enttäuschung vorprogrammiert bei all den verwöhnten Teppichrutschern.
Aber hohe Erwartungen sind dieses Jahr nicht erwünscht. Man kann froh sein, wenn die Mandarinen nicht schimmelig sind, die da im Schuh liegen, auf der einen Seite schmecken verschimmelte Mandarinen nicht und auf der anderen sind die Schuhe im Eimer.

Aber unsereins freut sich nicht mehr auf Nikolaus, hofft eher, dass keine Schokokrümel die Sohle versauen.
Man wird realistischer.
Denn der Nikolaus, das weiß man auch, wenn man sich ein bisschen informiert, sah früher ganz anders aus. Der hatte keine Kohlsuppendiät nötig, der Nikolaus von damals war ein Geselle von schlanker Statur, trug eine Bischofsrobe und einen interessanten Stab.
Aber das ist einfach nicht massenkompatibel, weil so einem Nikolaus würde man heute die Tür vor der Nase zuknallen, aus Angst er würde einem ein Wachturm-Abo andrehen wollen.
Also hat Coca Cola vor Jahren einen anderen erfunden, einen der nen roten Mantel mit weissem Pelz trägt.
Aber jetzt hab ich in dieser Woche erfahren, dass das nur ne Urban Legend ist, also was, was auch nicht stimmt und nun bin ich vollends verwirrt.

Richtige Besinnlichkeit will auch nicht aufkommen, wenn man im Dezember durch den Supermarkt läuft, denn dort stehen sie ja in Reih und Glied, die Nikoläuse, eine einzige Schokoarmee ist das und dieser Anblick langweilt mit der Zeit.
Vielfach zur Besinnlichkeitsvernichtung beigetragen haben auch englisch gesungene Weihnachtslieder.
Schrecklich.
Und allen voran „Last Christmas“.
Dank Schotts Sammelsurium weiss man ja, dass dieses Lied zu keiner Weihnachtzeit auf Platz 1 war, niemals, doch das hält die Radiosender trotzdem nicht davon ab, diesen Skihüttenfremdgehschmalz in unsere Ohren zu stopfen.
Da lob ich mir meinen heimischen Radiosender. Der spielt nämlich immer ein Weihnachtslied direkt vor den Nachrichten, so dass ich genau weiss, wann mein Radio nicht eingeschaltet zu sein hat.
Wobei es sich recht lustig anhört, wenn mein Gurtwarnsystem im Takt der Weihnachtsmucke plingt. Die Polizisten, die mir 30 Eur für`s Gurtvergehen aufbrummen, sehen das prinzipiell aber anders.

Wie wärs mit Licht, mag mancher denken doch auch hier haben wir es eher mit paradoxen Wohlfühlverhalten zu tun, denn dieses Jahr ist es ja eher so, dass so manch einer mit der rechten Hand die Beschwerde an sein Energieunternehmen schreibt, während man mit der linken die Weihnachtsbeleuchtung andreht.
Und Schnee? Was ist mit Schnee?
Tja, der hat dieses Jahr auch seine Leidenschaft verloren, meiner Meinung aber noch viel früher. In jeder Stadt gibt es zig Individuen, die auf die Idee kommen, Schnee etwas abzugewinnen. Die haben aber alle keinen Führerschein und düsen morgens mit dem Schlitten zur Arbeit.
Auch die Geilheit, ne weisse Weihnacht haben zu wollen, ist mir unerklärlich, denn es dauert Stunden über Stunden, bis man von A (Verwandte) nach B (andere Verwandte) kommt und das kann dem ganzen doch nicht förderlich sein. Ich kann auf jeden Fall keine Besinnlichkeit ausmachen, wenn ich mit meinem Auto übers Glatteis rutsche.
Im Sauerland hat man jetzt eine kleine Aversion gegen weisse Flocken, dort gilt es jetzt als besonders kreativ, sich auf folgende Weise zum Suizid zu begeben: Das Licht im Raume löschen, das Fenster öffnen und ganz laut rufen:“Juchhhheeee…Schnee…ich liebe Schnee!“

Der Einzelhandel muss auch noch reagieren auf diese ganze Antibesinnlichkeit.
Man sollte den Nikolaus mal Weihnachtsmann sein lassen und sich seinem netten Partner widmen:

Knecht Ruprecht.

Dieser fröhliche Zeitgenosse wird doch weit unterschätzt. In der landläufigen Meinung geht das Gerücht um, dass Knecht Ruprecht die nicht ganz so braven Kinder mit einer Weidekätzchen-Ruthe den bejeansten Hintern versohlt.
Das ist so nicht ganz richtig, denn der olle Knecht zieht so ein richtig großes Programm durch, der schleppt jeden Denunzianten mit in die Vorhölle.
Da wir alle nicht besonders brav sind, können wir schon mal unsere Badesachen zusammensuchen.

Das einzige Problem: kein Mensch weiss, wie der Knilch aussieht.
Deswegen sollte man Knecht-Ruprecht-Ähnlichkeitswettbewerbe veranstalten.
Vom Gewinner werden dann Schoko-Knechte in die Supermärkte gestellt (Zartbitterschoki mit Pfefferminz und Ketchupgeschmack), zahllose Doppelgänger jagen Kinder durch die Gassen (Motto: Brav war keiner, die Ruthe schlägt zurück) und spätestens im nächsten Jahr kommt dann der erste Kinofilm mit dem Titel:

Der große Knecht, Untertitel wie ich dem dicken gezeigt hab, wo`s lang geht.

Der Nikolaus wird arbeitslos, alle Menschen in Deutschland, die Niko Laus heissen, werden aus dem Land gehetzt und fortan verteilt der Knecht die Geschenke.
Das ist doch schön, denn so ein ausgewachsener Krake passt bestimmt auch zusammengeknüllt in einen Nikolausstiefel.
Natürlich ist das so ziemlich das schlimmste Knecht - Ruprecht - Geschenk was es gibt, noch vor den Bügeleisen und den Büchergutscheinen, aber der Gesichtsausdruck eines kleinen Kindes, dass morgens hoffnungsvoll in die vor die Tür gestellten Treter greift und dann einen Tentakel in der Hand hält….das ist schon einen Schnappschuss wert.
Natürlich verschenkt Knecht Ruprecht einen solchen Unfug nicht, er müsste seine Helferchen zu einem Tauchkurs schicken, sie vom Südpol in wärmere Gefilde verfrachten und dort auf Krakenjagd entsenden. Währenddessen muss eine andere Elfen-Arbeitsgruppe am Südpol ein angemessenes Aquarium basteln, ganz zu schweigen von den zwei Euro großen Reifen, durch die die Viecher springen müssen, bevor sie endgültig als Geschenk den Weg in die Kinderschuhe antreten.

Nein, ein solch Getier macht keine Freude am sechsten Dezember, eher macht’s den Boden nass und die Mama schimpft wie ein Rohrspatz und beendet die Diskussion damit, dass das glitschige Tier AUF KEINEN FALL ins Kinderzimmer gehört.
Sondern in die Badewanne.

Ich mach mich noch mal auf die Suche nach einer Nuance Besinnlichkeit, eventuell finde ich ja welche.

2 Comments:

Anonymous Anonymous said...

oje,du fröhliche ...!
hallo mr pennywise, leider hast du ja so recht. nur ohwie lacht immer noch.

11/12/05 14:48  
Anonymous Anonymous said...

mal wieder ein eins A wochenrückblick, nur viel von der besinlichkeit kommt da nicht gerade durch. Aber was solls vor lachen merkt man das sowieso nicht.

mfg
Falake

P.S.: wenn ich irgend wann mal eine Krake finden sollte muss ich dass mit dem 2 Euro großen loch umbedingt mal ausprobieren.

12/12/05 15:27  

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