Pennys Wochenrückblick Folge 39: wie beantworte ich mich eigentlich nach Deutschland rein?
Tatort Klassenzimmer.
Im hochgeschlossenen Hemd und broschierter Jacke musterte Oberlehrerin A. Merkel die Schüler in ihrem Klassenraum.
Sie wartete und lauerte auf den richtigen Moment, auf den Augenblick, in dem der kleine Guido die Augen schloss und sein Kopf wie Kartoffelpüree auf den Tisch sank.
Einen kleinen Moment nur noch….
DA! Perfekt! Und der Wolfgang bohrt gerade sogar in der Nase herum!
Kllaaaaaaaaschnack
Das Lineal krachte peitschend auf Angies Holzpult.
„HEFTE RAUS! Jetzt gibt’s ne Klassenarbeit!“
Der kleine Guido schreckte wie von der Tarantel gepiekst von seinem Tisch hoch, sein Kuli bohrte sich federnd in eine Wand.
„MÄRWÄRTSTOIA!“
Der kleine sitzen gebliebene Gerhard kicherte in sein Fäustchen, während Wolfgang das Ergebnis seiner Nasenforschung schnell unter den Tisch verschwinden ließ und darüber sinnierte, ob er jetzt lieber Schmierer oder Roller sein sollte.
„Klaschnabeit? Ja, wieso n desch?“
„Ganz einfach, kleiner Wolfgang, einhundert Fragen hat der Adjudant Roland vorbereitet und nur, wer die beantworten kann, darf Deutscher werden!“
„Aber wir sind doch eigentlich schon…“
„Ruhe da hinten….wir müssen ja Vorbilder sein und schauen, ob wir die Fragen auch hinbekommen, bevor wir sie anderen zumuten und jetzt geht’s los….nein, noch nicht umdrehen, Ulla. Gesundheitsministerinnen genießen hier keine exklusiven Privilegien.“
Ulla schmollte dermaßen, dass sie gar nicht mitbekam, wie ihr von der Decke eine gehörige Portion Asbest auf die Unterlippe rieselte.
„Und los!“
Kollektives Rascheln in der Klasse und schon krähte der erste Denunziant los.
„Joa Kruzifix, die ärste Froage is ja a Fangfroag. Wiefuil Einwohner hot Deutschland, des is ja a Frechheit…hier müsst Bayern stehn, Frau Bundeska…Frau Lehrerin!“
„Ganz ruhig Edmund, beantworte einfach die Frage.“
„Eins, zwei, drei…“, polterte Wolfgang und rollte los.
„Vier, fünf, sechs….“
Angela runzelte die Stirn, wie nur sie es zu tun vermag.
„Wölfchen, wo solls denn hingehen?“
„Na, Einwohner zählen…die Frage soll doch korrekt beantwortet werden.“
Bevor Angie ihm hinterher rufen wollte, dass man in der Frage das „Circa“ vergessen hatte, grölte Gerhard schon die Antwort zur zweiten Frage durch den Klassenraum.
„HA! Nennen sie drei deutsche Mittelgebirge…ist doch klar, eins davon ist schon mal Dolly Buster, haha!“
Guido knabberte derweil wie wild auf seiner Unterlippe herum und beschäftigte sich mit der Tatsache, warum die Fragen nicht in Multiple Choice gestellt wurden…man brauch doch ne gewisse Trefferchance…oder zumindest müsste man mal jemanden anrufen dürfen…
„Sag mal Gerhard, wo willst du den hin?“
„Na, aufs Klo, Prinz Eisenschwarm! Willste tragen helfen?“
„Nein, will ich nicht, weil die Beule in deiner Hose doch frappierende Ähnlichkeit mit einem Brockhaus hat!“
„Hihi!“, kicherte Guido. Aus einiger Entfernung konnte man durch das geöffnete Fenster hektisches Rollen und ein hysterisch gebrülltes „Dreiunddreißig, vierunddreißig…he sie da, stehen bleiben…fünfunddreißig“ vernehmen.
„Frau Merkel, ich habe eine Frage“, krächzte es aus dem Background.
„Du darfst sie stellen, Joschka, wenn du mit der Kippelei aufhörst…130 Kilo Joschka sind bestimmt zu viel für zwei Stuhlbeine.“
„Ok, ich komm bei Frage 22 nicht vorwärts, wer war der erste deutsche Bundeskanzler…also wenn ich mir sie so anschaue, Frau Merkel, würde ich ja glatt ihren Namen eintragen, aber ist das dann auch richtig?“
„Fünf Minuten vor die Tür…mein Gott du führst dich ja schlimmer auf, als zu der Zeit, in der du noch Turnschuhe anhattest!“
Dann wieder Gerhard.
„Ha, hier! Frage 35, die is auch gut. Welches Recht schützt Artikel eins der bundesdeutschen Verfassung! Das muss ja wohl das Recht auf Polygamie sein, oder?“
„Na, wenn ich mir die Doris so anschau, eher das Recht auf Sodo…“
„Sprichs nich mal aus, kranke Ulla, da gibt’s sonst nix von Ratiopharm, was dir helfen könnte.“
„Soooo, jetzt müssen wir uns aber alle wieder auf den Test konzentrieren.“
Mit einigem Befremden registrierte Angela Merkel, wie der kleine Gerhard seine Klausr vor Guidos neugierigen Blicken mithilfe von aufgebauten Büchertürmen zu schützen versuchte.
„Joar, Frau Merkel, Frage säxundfünfzick…..die versteh i auch net, wie oft findet in der Regel eine Bundestagswoahl statt…also, der Gerhard, der hot ja Noiwahlen gemocht im letzten Sommer und…“
„Blöder Petz-Edmund!“
„Also kann i doar jetzt niederschreiben, dass des alle drei Jahre stattfindet?“
Angela Merkel rollte mit den Augen, es war nicht leicht Bundeskanzlerin und Lehrerin zu sein. Nicht bei solchen Schülern. Sie fragte sich besorgt, ob die Bodyguards Wolfgang schon eingeholt hatten. Vermutlich nicht, wenn er den Turbo-Knopf drückt.
„Ha! Haha! Guck ma, Guidolein, Frage 59 gehört dir ganz allein. Was bedeutet die Fünf-Prozent-Hürde bei der Wahl zum Bundestag, das is doch die Hürde, wo die FDP nich drüberkommt, wa? Haha!“
Guido, dem der ganze Stress um die Klassenarbeit sowieso schon zuviel wurde, brach nun in Tränen aus.
Frau Merkel wuchs das ganze nun langsam über den Kopf, als es von der Tür krächzte.
„Angie, darf ich wieder reinkommen?“
„Wenn du dich ruhig verhältst!“
Nun wachte auch Ulla Schmidt langsam auf.
„Hier, Frau Merkel, die Frage, die kann ich. Der deutsche Maler Caspar David Friedrich malte auf einem seiner bekanntesten Bilder eine Landschaft auf der Ostseeinsel Rügen. Welches Motiv zeigt dieses Bild. Ist doch klar…toter Vogel auf Kreidefelsen.“
„Ha!Ha, Ulla, geile Sache!“
“Gerhard, schweig!”
Wieder Gekrächze aus dem Background.
„Also mal grundsätzlich, Frau Merkel. Dieser Test hier. Mir wird ja nicht ganz klar, was das bringen soll. Also wenn ich jetzt Oulahi aus Ghana wäre und bisher in einem kleinen Dorf gelebt hätte, ist mir nicht ganz klar, woher ich die Information beschaffen soll, was Johannes Gutenberg erfunden hat!“
„Ja aber…“
„Und wie viel Prozent der Fragen muss man eigentlich richtig beantworten, um ordentlicher deutscher Staatsbürger zu werden? Wer will das bloss festsetzen!“
„Ja, aber…“
„Und dann die Veröffentlichung im Internet…ich seh sie schon, die Geldmacher, die den Fragenkatalog mitsamt der Antworten im Ausland teuer verkaufen.“
„Ja aber…“
„Ach, hören sie doch auf Frau Merkel, der Fragenkatalog ist doch der letzte Quatsch ohne Soße. Können wir jetzt nach Hause gehen?“
Frau Merkels Schultern sanken mutlos nach unten.
„Na gut…aber Stühle auf den Tisch stellen!“
Draussen auf dem Flur.
„Hey Joschka, das hasse echt spitze hingekriegt mit der Angie…hast sie bei der Intelligenz gepackt, du hast es echt drauf!“
„Jo Gerhard, grüß die Doris, ich jogg jetzt noch ne Runde ums Schulgebäude.“
„Mach das, ich stell der Ulla noch ein Bein, haha!“
Drei Monate später. Wolfgang kommt zurückgerollt ins abgedunkelte Klassenzimmer und vernimmt ein leises Schniefen.
„He Guido, hörscht auf zu heulen jetzt. Isch hab die Antwort auf Frage eins, schreib hin:
Zweiundachtzigmillionendreihundertsechsundzwanzigtausendunddreiundachtzig.“
Im hochgeschlossenen Hemd und broschierter Jacke musterte Oberlehrerin A. Merkel die Schüler in ihrem Klassenraum.
Sie wartete und lauerte auf den richtigen Moment, auf den Augenblick, in dem der kleine Guido die Augen schloss und sein Kopf wie Kartoffelpüree auf den Tisch sank.
Einen kleinen Moment nur noch….
DA! Perfekt! Und der Wolfgang bohrt gerade sogar in der Nase herum!
Kllaaaaaaaaschnack
Das Lineal krachte peitschend auf Angies Holzpult.
„HEFTE RAUS! Jetzt gibt’s ne Klassenarbeit!“
Der kleine Guido schreckte wie von der Tarantel gepiekst von seinem Tisch hoch, sein Kuli bohrte sich federnd in eine Wand.
„MÄRWÄRTSTOIA!“
Der kleine sitzen gebliebene Gerhard kicherte in sein Fäustchen, während Wolfgang das Ergebnis seiner Nasenforschung schnell unter den Tisch verschwinden ließ und darüber sinnierte, ob er jetzt lieber Schmierer oder Roller sein sollte.
„Klaschnabeit? Ja, wieso n desch?“
„Ganz einfach, kleiner Wolfgang, einhundert Fragen hat der Adjudant Roland vorbereitet und nur, wer die beantworten kann, darf Deutscher werden!“
„Aber wir sind doch eigentlich schon…“
„Ruhe da hinten….wir müssen ja Vorbilder sein und schauen, ob wir die Fragen auch hinbekommen, bevor wir sie anderen zumuten und jetzt geht’s los….nein, noch nicht umdrehen, Ulla. Gesundheitsministerinnen genießen hier keine exklusiven Privilegien.“
Ulla schmollte dermaßen, dass sie gar nicht mitbekam, wie ihr von der Decke eine gehörige Portion Asbest auf die Unterlippe rieselte.
„Und los!“
Kollektives Rascheln in der Klasse und schon krähte der erste Denunziant los.
„Joa Kruzifix, die ärste Froage is ja a Fangfroag. Wiefuil Einwohner hot Deutschland, des is ja a Frechheit…hier müsst Bayern stehn, Frau Bundeska…Frau Lehrerin!“
„Ganz ruhig Edmund, beantworte einfach die Frage.“
„Eins, zwei, drei…“, polterte Wolfgang und rollte los.
„Vier, fünf, sechs….“
Angela runzelte die Stirn, wie nur sie es zu tun vermag.
„Wölfchen, wo solls denn hingehen?“
„Na, Einwohner zählen…die Frage soll doch korrekt beantwortet werden.“
Bevor Angie ihm hinterher rufen wollte, dass man in der Frage das „Circa“ vergessen hatte, grölte Gerhard schon die Antwort zur zweiten Frage durch den Klassenraum.
„HA! Nennen sie drei deutsche Mittelgebirge…ist doch klar, eins davon ist schon mal Dolly Buster, haha!“
Guido knabberte derweil wie wild auf seiner Unterlippe herum und beschäftigte sich mit der Tatsache, warum die Fragen nicht in Multiple Choice gestellt wurden…man brauch doch ne gewisse Trefferchance…oder zumindest müsste man mal jemanden anrufen dürfen…
„Sag mal Gerhard, wo willst du den hin?“
„Na, aufs Klo, Prinz Eisenschwarm! Willste tragen helfen?“
„Nein, will ich nicht, weil die Beule in deiner Hose doch frappierende Ähnlichkeit mit einem Brockhaus hat!“
„Hihi!“, kicherte Guido. Aus einiger Entfernung konnte man durch das geöffnete Fenster hektisches Rollen und ein hysterisch gebrülltes „Dreiunddreißig, vierunddreißig…he sie da, stehen bleiben…fünfunddreißig“ vernehmen.
„Frau Merkel, ich habe eine Frage“, krächzte es aus dem Background.
„Du darfst sie stellen, Joschka, wenn du mit der Kippelei aufhörst…130 Kilo Joschka sind bestimmt zu viel für zwei Stuhlbeine.“
„Ok, ich komm bei Frage 22 nicht vorwärts, wer war der erste deutsche Bundeskanzler…also wenn ich mir sie so anschaue, Frau Merkel, würde ich ja glatt ihren Namen eintragen, aber ist das dann auch richtig?“
„Fünf Minuten vor die Tür…mein Gott du führst dich ja schlimmer auf, als zu der Zeit, in der du noch Turnschuhe anhattest!“
Dann wieder Gerhard.
„Ha, hier! Frage 35, die is auch gut. Welches Recht schützt Artikel eins der bundesdeutschen Verfassung! Das muss ja wohl das Recht auf Polygamie sein, oder?“
„Na, wenn ich mir die Doris so anschau, eher das Recht auf Sodo…“
„Sprichs nich mal aus, kranke Ulla, da gibt’s sonst nix von Ratiopharm, was dir helfen könnte.“
„Soooo, jetzt müssen wir uns aber alle wieder auf den Test konzentrieren.“
Mit einigem Befremden registrierte Angela Merkel, wie der kleine Gerhard seine Klausr vor Guidos neugierigen Blicken mithilfe von aufgebauten Büchertürmen zu schützen versuchte.
„Joar, Frau Merkel, Frage säxundfünfzick…..die versteh i auch net, wie oft findet in der Regel eine Bundestagswoahl statt…also, der Gerhard, der hot ja Noiwahlen gemocht im letzten Sommer und…“
„Blöder Petz-Edmund!“
„Also kann i doar jetzt niederschreiben, dass des alle drei Jahre stattfindet?“
Angela Merkel rollte mit den Augen, es war nicht leicht Bundeskanzlerin und Lehrerin zu sein. Nicht bei solchen Schülern. Sie fragte sich besorgt, ob die Bodyguards Wolfgang schon eingeholt hatten. Vermutlich nicht, wenn er den Turbo-Knopf drückt.
„Ha! Haha! Guck ma, Guidolein, Frage 59 gehört dir ganz allein. Was bedeutet die Fünf-Prozent-Hürde bei der Wahl zum Bundestag, das is doch die Hürde, wo die FDP nich drüberkommt, wa? Haha!“
Guido, dem der ganze Stress um die Klassenarbeit sowieso schon zuviel wurde, brach nun in Tränen aus.
Frau Merkel wuchs das ganze nun langsam über den Kopf, als es von der Tür krächzte.
„Angie, darf ich wieder reinkommen?“
„Wenn du dich ruhig verhältst!“
Nun wachte auch Ulla Schmidt langsam auf.
„Hier, Frau Merkel, die Frage, die kann ich. Der deutsche Maler Caspar David Friedrich malte auf einem seiner bekanntesten Bilder eine Landschaft auf der Ostseeinsel Rügen. Welches Motiv zeigt dieses Bild. Ist doch klar…toter Vogel auf Kreidefelsen.“
„Ha!Ha, Ulla, geile Sache!“
“Gerhard, schweig!”
Wieder Gekrächze aus dem Background.
„Also mal grundsätzlich, Frau Merkel. Dieser Test hier. Mir wird ja nicht ganz klar, was das bringen soll. Also wenn ich jetzt Oulahi aus Ghana wäre und bisher in einem kleinen Dorf gelebt hätte, ist mir nicht ganz klar, woher ich die Information beschaffen soll, was Johannes Gutenberg erfunden hat!“
„Ja aber…“
„Und wie viel Prozent der Fragen muss man eigentlich richtig beantworten, um ordentlicher deutscher Staatsbürger zu werden? Wer will das bloss festsetzen!“
„Ja, aber…“
„Und dann die Veröffentlichung im Internet…ich seh sie schon, die Geldmacher, die den Fragenkatalog mitsamt der Antworten im Ausland teuer verkaufen.“
„Ja aber…“
„Ach, hören sie doch auf Frau Merkel, der Fragenkatalog ist doch der letzte Quatsch ohne Soße. Können wir jetzt nach Hause gehen?“
Frau Merkels Schultern sanken mutlos nach unten.
„Na gut…aber Stühle auf den Tisch stellen!“
Draussen auf dem Flur.
„Hey Joschka, das hasse echt spitze hingekriegt mit der Angie…hast sie bei der Intelligenz gepackt, du hast es echt drauf!“
„Jo Gerhard, grüß die Doris, ich jogg jetzt noch ne Runde ums Schulgebäude.“
„Mach das, ich stell der Ulla noch ein Bein, haha!“
Drei Monate später. Wolfgang kommt zurückgerollt ins abgedunkelte Klassenzimmer und vernimmt ein leises Schniefen.
„He Guido, hörscht auf zu heulen jetzt. Isch hab die Antwort auf Frage eins, schreib hin:
Zweiundachtzigmillionendreihundertsechsundzwanzigtausendunddreiundachtzig.“


3 Comments:
Perfekt !
Deine M.
Einfach genial. ;-)
danke ^^ :)
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