17.2.06

Pennys Wochenrückblick Folge 35: ILIDIGAGADO und andere lyrische Liebesbekundungen!

Einen Kübel Zynismus über den Valentinstag auszuschütten ist schon eine besondere Herausforderung.
Da fangen die Leute an, sich Sachen zuzuflüstern „Der wird wohl nicht richtig geliebt, was?“
Werde ich aber doch, nur keine Sorge.
Aber das ist ja hier auch ich das Thema, sondern man muss es mal aussprechen wie es ist:

Der Valentinstag gehört abgeschafft.

Mögen Floristen fies fauchen und Pralinenhersteller mir bitterböse und giftige Briefe mit in Blut getränkter Feder schreiben, aber dies scheußliche Ritual der zwanghaften Geschenkekauferei muss für beendet erklärt werden.
Gründe dafür gibt es schließlich genug, man(n) selbst muss sich doch lächerlich vorkommen, wenn man das ganze Jahr nicht in der Lage ist, ein liebes Wort an seinen Partner zu richten und dafür am Valentinstag ein ganzes Liebes-Stakkato in Form von Karten, Gestrüpp und Süßkram auf die Geliebte abfeuert.

Chemiker und Chemielehrer würden jetzt geschlossen hinter mir stehen mit ihren von Schwefelsäure versifften Kitten und den zerzausten Bärten, sie würden sagen:
Jawohl, Liebe ist eh nur ein auf chemische Prozesse basierender Vorgang, der sich im Gehirn abspielt.
Doch auf die hör ich nich, wenn die Chemikergilde derartige Erkenntnisse gewinnt um mich wieder für ihr Fach zu begeistern, ist der Zug abgefahren. In meinem Chemieunterricht zog nicht eine Flüssigkeit es vor, mal anständig zu explodieren, also was soll das Gefasel von Endorphinen?

Überhaupt, in einer Zeit, in der man sich selbst am besten jeden Tag übertreffen muss, machen Blumen und Pralinen schon lange keinen Sinn mehr, erst Recht nicht bei allergischen Diabetikern.
Auch Liebesbriefe ziehen nicht mehr wirklich, erstens steht immer derselbe Schnodder drin („ich liebe Dich so sehr, mein [insert komischen Kosenamen here]!“) und zweitens sind die Ansprüche derart gestiegene, dass die Enttäuschung groß ist, wenn die literarische Zärtlichkeitserklärung nicht auf seltenem Papyrus verfasst wurde…in einem dunklen Keller…eines kalten Schlosses…in Süd-Rumänien.
Nein, wer heutzutage Aufmerksamkeit bei seiner Liebsten ernten will, springe bitte minimum am Bungeeseil aus einem Heißluftballon (Herzchenform, was sonst?) mit Tulpe und Megaphon in der Hand durch den Büro-Luftschacht der Geliebten, gebe den ganzen Kladderadatsch ab und lasse sich wieder hochschnacken.
Das war natürlich nur das Vormittagsprogramm, für den Nachmittag ist ein Hochgeschwindigkeitsflug nach Paris angesagt und wehe, der Eiffelturm ist nicht in der Lieblingsfarbe der Angebeteten angestrichen.
Ist man dann um 16 Uhr wieder zu Hause, geht’s ab ins Theaterstück, wer richtig romantisch veranlagt ist, kauft alle Karten auf zwecks alleiniger Berieselung durch die Darsteller.
Zum Schluss noch das 12-Gänge-Menü im örtlichen Feinschmeckertempel inklusive Minnesänger, wenn schon denn schon.
Bekommt man nach all den Mühen von der Liebsten ein lapidares „joar, war ganz nett,“ kann man erleichtert mir einem melodramatischen „Puuuh!“ aufatmen und den Tag als Sieger verlassen.

Nur die wenigsten dürften über die finanziellen Mittel verfügen, einen derartigen Heckmeck zu veranstalten, von daher ist jegliches normales Valentinstagsgeschenk von vornherein zum grandiosen Scheitern verurteilt.
Kauft man Blumen, sind`s generell die falschen. Rosen sind einfallslos, Tulpen sind spießig, wer Gänseblümchen selber pflückt, der muss Mitte Februar erst mal welche finden, ja und mitgebrachte Lilien hatten schon mal als Antwort ein „seh ich etwa schon so tot aus, dass du mit Beerdigungsblumen mitbringst“ zur Folge!
Auch Pralinen werden immer falsch gekauft. Holt man die mit Füllung, werden jene ohne verlangt, besorgt man welche mit Nüssen, sitzt man garantiert 2 Stunden später mit seiner cholerischen Freundin beim Kieferorthopäden.
Selbst eine harmlose Valentinskarte kann zur tobenden Explosion führen, die mit den Worten „dieses Schweinchen da, was von Amors Pfeilen beschossen wird, soll das etwa ICH sein? Hä?“ zündet.
Als letzte Notlösung bliebe da ja noch schicke Unterwäsche, doch jeder, der schon mal in einer Unterwäscheabteilung war, wird sein blaues Wunder erleben: Welche Größe war das denn jetzt noch mal? B? C? A? Mit Spitze oder ohne? Oder wollte sie doch Feinripp?
Wer sich derartige Fragen stellt, hat in der Dessous-Abteilung eigentlich schon verloren und muss mit einem Gutschein heimkehren, die interessanteste Art, an Valentinstag Selbstmord zu begehen.
Wer Suizid verabscheut und mehr auf Folter steht, der begebe sich direkt in die Hausgeräte-Abteilung und suche den billigsten Mixer aus, den man für fast kein Geld kaufen kann. Am besten sind dafür jene Mixer geeignet, die einem beim Abschluss von Handyverträgen neben ner X-Box hinterher geschmissen werden.
Dann muss man zu Hause nur noch das Geschenk überreichen, sich auf den Küchentisch legen und nach dem Auspacken „na leg schon los“ wimmern. Hauptsache man hat genug Verbandszeug daheim.

Aber vielleicht wird das weibliche Wesen ja auch als zu anspruchsvoll verurteilt. Eventuell reicht auch ne nette SMS mit dem Text

ILIDIGAGADO, S.

Was ge-sms-dolmetscht „Ich liebe Dich ganz ganz doll, Schnuckelschnäuzi-Hasenpupsi“ heißen soll. Da sage doch bitte noch einer, die Digitalisierung wäre unpersönlich und humorlos.
So siehts dann also aus, die Empfängerin der SMS sitzt mit ihrer besten Freundin in einem Eis Cafe, man begackert die gemeinsamen Einkäufe, als plötzlich das Handy loswiehert (früher piepsten die Dinger, na ja, der Fortschritt).
Die Empfängerin weitet ihre Augen, atmet drei mal flach, die Freundin fragt „Und?Und?Und?Und?Und?Und?Und?“ und bekommt als Antwort:

„Mein Freund…..ILIDIGAGADO!“

„ILIDIGAGADO?“

„Ja!“

Pause.

Kreischen.

„WHHHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIEEEE!“

Die beiden Frauen quieken derart laut und wedeln so furchtbar heftig mit den Handgelenken, dass Luigi kurz davor ist, den Notarzt anzurufen.

Also: um derartig peinliche Situationen nicht entstehen zu lassen, tun Männer gut daran, den Valentinstag komplett zu ignorieren, Frauen werden weltweit in Eiscafes sitzen und ihre Unterlippe kneten, sich fragen, was sie falsch gemacht haben, aber ihre Handgelenke und ihre Stimmbänder werden gesund bleiben.
Nach einer schlaflosen Nacht bereiten wir für sie das Frühstück vor, mit Rose und Honigtoast und dann wird die Welt wieder in Ordnung sein.
So, Floristen, jetzt schlagt mich mit nem Kranz ans Kreuz!

Schöne Woche noch

1 Comments:

Anonymous Anonymous said...

*g* lese zwar nur ab und an hier, aber DAS ist echt gut ... *g* falls wir nix mehr von dir lesen, sind die Floristen etc über dich hergefallen ;)

schönes WE

Sabine ( silverAry -GSPB)

17/2/06 14:00  

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