Pennys Wochenrückblick Folge 27: Geschlechtsverkehr unterm Mistelzweig und das Weihnachtstagebuch von Max!
Zwei Professoren stehen sich gegenüber, einer der beiden trägt eine Metallkiste und sagt: „Ich habe eine Maschine erfunden, die den Kommerz aus Weihnachten entfernt!“
Der andere antwortet: „Na prima, lass uns ganz viele davon herstellen und sie für viel Geld verkaufen!“
Joscha Sauer, berühmter Nichtlustig-Cartoonist trifft damit den Nagel auf den Kopf.
Der Kommerz ist aus Weihnachten nicht rauszubekommen, nicht mal mit ner Maschine.
Man brauch sich da auch nix vormachen: Dieses elende und heuchlerische Bestehen auf alten Werten und die Erinnerung an Christi Geburt hat nicht mehr viel mit dem heutigen Weihnachtsfest zu tun.
Grundsatzdiskussionen getränkt mit Vorschlägen, an Weihnachten einfach nur einen Gugelhupf voll Liebe zu verschenken, würden den Einzelhandel vollends in den Ruin treiben
und sollten ungehört verhallen.
Was den Einzelhandel aber nicht am Stöhnen hindert, denn Jahr für Jahr heisst es da ja:
ach die Leute, die kaufen nix, die gucken immer nur und machen unseren Parkettboden schmutzig.
Bestätigen kann man so was als Sehender nicht, es sei denn, all die Menschen an der Kasse machen kurz vorm Bezahlen noch mal kehrt und stellen die Waren ins Regal zurück.
Also sind wir uns jetzt mal langsam einig, Weihnachten braucht Kommerz.
Es ist auch interessant, zu beobachten, wie großspurig manche zu Weihnachten daher reden, Geschenke bräuchte man ja nicht, ach was, keine Geschenke, kein Plunder, selbige Leute aber an ihrem Geburtstag sehr wohl enttäuscht dreinblicken würden, wenn die Gäste gar nur ihre leeren Hände an der Eingangstür präsentieren würden.
Nun, wie auch immer, wir alle haben den Dezember überlebt und sind bis hierhin gekommen. Zeit sich der letzten großen Herausforderung zu stellen, in die ultimative Schlacht zu ziehen, den letzten Kampf zu kämpfen, schwitzend, schreiend, stehend sterbend.
Ab auf den Weihnachtsmarkt.
Eigentlich gibt es 17 andere Orte an denen man im Dezember lieber wäre, darunter zum Beispiel „in der warmen, kuscheligen Wohnung“ oder auch „in der Sauna des ortsansässigen Fitnessclubs“.
Trotzdem gibt es seit Äonen Gestalten, die sich nicht davon abhaltenlassen , mit ein paar anderen Gestalten bei Minusgraden in einen Glühweinbecher zu sabbern.
Obststände gibt es auf dem Weihnachtsmarkt auch, aber das konnte noch nie einer genau erklären, warum das so ist, der Supermarkt um die Ecke hat schliesslich auch Obst.
Oder wir wäre es mit Vogelstimmen vom Intrumentenstand?
Wer also schon immer wie ein Wellensittich tschiepen wollte findet hier seine Offenbarung.
Aber es gibt auch fragwürdige Stände.
Wie der, an dem ein Mistelzweig hängt und daneben ein Schild auf dem steht:
„Küssen unterm Mistelzweig für 5 Cent!“
Interessant.
Aber die Frage darf gestellt sein, wie sich das ganze nun verhält?
Wen küsst man dann da? Die Standleiterin? Dass sich jemand in der Weihnachtszeit jemand für einen derartigen Unsinn so billig verkauft, mag man kaum glauben.
Also die eigene Freundin? Aber wer bekommt dann die 5 Cent? Ich darf ja wohl meine Freundin zum Nulltarif küssen oder nicht?
Wie lang darf der Kuss dann sein?
Ausserdem kommt das alles viel zu unkrass rüber.
Deswegen: Geschlechtsverkehr unterm Mistelzweig.
Das erregt auch ein bisschen mehr Aufsehen, aber dann bitte für etwas mehr als 5 Cent.
Manchmal findet man auch obskures auf dem Weihnachtsmarkt:
Durchnässt und mit einer alten Pommes darauf stolperte ich über ein kleines Büchlein, auf dem in goldenen Lettern „Das Weihnachtstagebuch von Max“ zu lesen war.
Aus diesem wollen wir nun gemeinsam vorlesen:
*räusper*
Heiligabend 2 Uhr nachts
Liebes Tagebuch, heute Nacht bin ich aufgewacht, mit schrecklichem Bauch-Aua.
Am Weihnachtsbaum vorbei auf die Toilette, Mist, immer noch keine Geschenke unter der Tanne. Bin wohl recht aufgeregt, zumal ich ja auch heute noch Geburtstag habe. Denke kurz darüber nach, meine Eltern zu wecken und vorsichtshalber nach den Geschenken zu fragen, doch der Durchfall war schneller. Vielleicht hatte meine Mutter doch Recht und grün ist keine natürliche Farbe von gebrannten Mandeln.
3 Uhr nachts
immer noch keine Geschenke, aber schon wieder Durchfall, schön ist das ja nicht.
7:15 Uhr
sitze vorm Weihnachtsbaum und grüble, ob Weihnachten dieses Jahr eventuell ausfällt. Im Radio hörte man davon. Vielleicht könnte man ja den Sender verklagen. Schade, dass wir nicht in Amerika leben.
8:15 Uhr
erste Gedanken breiten sich aus, der Weihnachtsmann könnte ja auch vom CIA entführt worden sein. Was stellen sie wohl mit ihm an? Verstecken sie seine Mütze? Rasieren sie ihm den Bart ab? Schänden sie seine Rentiere?
9:15 Uhr
Mum ist wach. Lustig, wie ihre Augen morgens aussehen, so kurz nach dem Aufstehen….als wenn sie gar keine hätte. Ein gemurmeltes „Ws mchst D` dnn schn hier?“ sagt mir, dass der Weihnachtsmann die Geschenke bei ihr noch nicht abgegeben hat.
10:30 Uhr
Mum macht Frühstück. Mein Vorschlag, geröstete Tannenzapfen auf Toast zu servieren, findet wenig Anklang. Ich bin dann aber trotzdem der Meinung, dass Rührei mit Schnittlauch bestimmt prima mit dem Restbestand gründer Mandeln in meinem Magen korrespondiert.
11:00 Uhr
ich hatte mich wohl geirrt, was die Rührei-Mandel-Sache anging.
11:20 Uhr
immer noch tendiert die Anzahl der Geschenke unter der Tanne gegen null. Es wird doch wohl nicht der Geruch sein, der den Weihnachtsmann von unserem Haus fernhät? Zur Sicherheit hänge ich das komplette Badezimmer mit Spekulatius-Klopapier aus.
Hoffentlich hilfts.
12:30 Uhr
Dad ist aufgestanden. Er hat auch keine Augen.
„`s Kff`schn fertig?“
Wieso will der denn Kaffee trinekn? Warum ruft er nicht bei der Polizei an, um eine Suchmeldung rauszugeben?
Ich komme aber nicht dazu, diesen schönen Vorschlag zu platzieren, denn Dad hat scheinbar Probleme mit Badezimmern, die nach Keksen duften. .
13:30 Uhr
ich liege immer noch auf dem Bauch und schreibe schon seit 20 Minuten einen Brief an Kofi Annan zum Thema „Gewalt in der Familie“
14:00 Uhr
„in die Kirche?“ frage ich.
„Ganz genau“, antwortet Dad.
„Aber da gehen wir schon seit Jahren nicht hin“, krakeele ich.
„Eben drum“, antwortet Dad.
Na toll, denk ich und frage mich, ob noch welche von den grünen Mandeln übrig sind.
15:00 Uhr
Waren in der Kirche und weiss wieder ganz genau, warum wir uns von diesem Ort fernhalten. Unverschämt, dass man mir mit diesem Klingelbeutel mein sauer verdientes Taschengeld aus dem Geldbeutel zieht und ich als einzige Gegenleistung so ein Krippenspiel zu sehen bekomme.
16:00 Uhr
Kommen wieder nach Hause und der Anblick meiner Mutter, die bis zum Ellbogen im Truthahn steckt, begeistert mich wenig.
Draussen wird es dunkler und ich mache mir langsam ernsthaft Sorgen.
Wenn der Weihnachtsmann erfäht, was meine Mutter mit totem Gefieder anstellt, dann wird er um unser Haus einen Bogen in der Größe Kuala Lumpur`s machen, da bin ich sicher.
17:03 Uhr
es klingelt. Grundgütiger, es klingelt.
Zehn Sekunden später zieht mich Mutter mich wieder aus dem Schrank mit dem Hinweis, dass ich mich doch nicht so anstellen soll.
Verdammte mütterliche Intuition, ich dachte, der Schrank wäre ein gutes Versteck.
Dann steht sie in der Tür.
Tante Frieda.
Zuerst begrüßt sie meine Eltern, doch dann stieren ihre Augen mich durch ihre Hornbrille an. Verdammt, sie hat mich entdeckt.
Der unbedingte Wille, unsichtbar zu sein, schlägt wohl fehl, denn Tante Frieda visiert mit ihrem bespucktem Uralt-Taschentuch meine Mundwinkel an, um imaginäre Flecke wegzuschrubben.
Ich renne um mein Leben, denn wenn sie mich jetzt erwischt, bekomm ich Tante Friedas Speichelgeruch erst Ende April wieder aus der Nase.
Wenn ich nicht aufpasse, wird sie mir irgendwann die Mundwinkel wegreiben und dann hab ich nur noch Lippenmitte. Ich werde niemals eine Frau kennenlernen, niemand will einen Mann ohne Mundwinkel küssen. Dabei sollte Tante Frieda erst mal selbst in den Spiegel schauen, Mundwinkel mit borstigen Haaren sind ja wohl auch kein schöner Anblick.
17:15 Uhr
Alles wegrennen hat nichts genutzt, meine Mum hat mich im Keller aufgespürt, sie meinte, mein jämmerliches Schluchzen wäre im kompletten Haus deutlich zu hören gewesen.
Gleich nach Weihnachten werde ich mir eine Schaufel besorgen und einen Tante-Frieda-Fluchttunnel graben.
18:15 Uhr
Tante Frieda sitzt auf der Couch. Ihr unbedingter Wille, Weihnachtslieder auf ihrer Tuba zu interpretieren, lässt mich meinen Vornamen vergessen.
Vielleicht kommt man ja auch nur mit seinem Nachnamen irgendwie durchs Leben, denke ich betäubt.
Onkel Hubert, Friedas Mann, hält sich die Ohren zu.
Das ist mutig von Onkel Hubert, aber er weiss vermutlich, dass seine Frau nicht gleichzeitig Tuba spielen UND ihn mit ihrem grausamen Taschentuch attackieren kann.
18:30 Uhr
Es gibt Essen und der stumme Einwand, nichts zu mir nehmen zu wollen, wird leider überhört. Stattdessen kann ich mich nach dem Servieren schon nicht mehr entsinnen, welche Farbe der Teller einmal gehabt hat, auf dem nun dieser Mount Futter zu besteigen ist.
Ich beobachte Tante Frieda beim Essen, so wie die reinhaut, würde ich es ihr glatt zutrauen, dass sie auch den Weihnachtsmann gefressen hat. Nicht mit böser Absicht. Vermutlich mussten Frieda und Hubert auf dem Weg hierhin mal halten, weil Frieda im Wald mal musste. Und der Weihnachtsmann hatte dort zufällig dort seine Panne. Man hat ja schon von solchen Zufällen gehört. Und gerade, als der Mann im roten Mantel meine Tante um Hilfe bitten wollte, machte es kurz haps und schon war er weg! Alles möglich, Tante Frieda traue ich einiges zu.
19:00 Uhr
Ich werde auf mein Zimmer geschickt. Vermutlich gesteht Tante Frieda jetzt alles und spuckt ein Stück vom Rentier aus…bestimmt die rote Nase, die verdaut keiner so leicht.
Onkel Hubert wird dann behaupten, er hätte nix gesehen und nix gehört. Ein Tuba-Moment.
Das ist aber typisch für Oknel Hu, er wird sich nicht durchsetzen können, wenn er nicht eines Nachts leise aufsteht und Tante Friedas Gesicht heimlich mit dem Rasierapparat traktiert.
Aber Hubert ist ein kleiner Feigling, den Tante Frieda täglich auf den Tisch klopft und alle macht.
19:30 Uhr
Glockenähnliches Gebimmel aus dem Wohnzimmer. Komisch, was ist mit Tante Friedas Tuba passiert? Hat sie sie verschluckt? Egal, ich eile aus dem Zimmer und sehe:
19:31 Uhr
GÄÄÄSCHÄNKÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖ
19:32 Uhr
wieder auf der Toilette….verdammte Aufregung, verdammte Mandeln
19:33 Uhr
Tante Friedas eingestreuter Hinweis, ich könnte die Geschenke doch auch mit einer Windel bekleidet auspacken, damit wir hier endlich mal fertig werden, beantworte ich mit einem tödlichen Blick….aber die Frau atmet weiter. Vermutlich funktioniert er nicht bei Anverwandten.
20:00 Uhr
Ich bin mit meinen Geschenken recht zufrieden.
Nur die Sache mit dem Rasierapparat ist bestimmt eine Verwechslung von Onkel Hubert, ich sage aber nichts, sondern sehe es als Ausgleich für die Klingelbeutel-Spende.
21:00 Uhr
es gibt Nachtisch. Während ich mir Maronenpudding in den Schlund schiebe, frage ich mich, wie der Weihnachtsmann das so schnell deichseln konnte…hat er die Tuba gehört? Meine Gebete? Egal…
22:30 Uhr
Weinend ins Bett, weil Tante Frieda mich sehr verletzt hat mit dem Satz „Wie fühlt man sich denn jetzt mit 32?“
Habe dann bei Ebay angefragt, ob man nicht ausnahmsweise, wirklich nur speziell in meinem Fall eine klitzekleine Menschenhandel-Auktion erlauben würde. Noch keine Antwort.
23:30 Uhr
Höre, wie Tante Frieda unser Haus Tuba spielend verlässt. Verstehe langsam, warum es immer heisst, an Heiligabend würden die meisten Verbrechen innerhalb der Familie passieren. Nehme mir die Sache mit dem Tunnel für nächstes Jahr fest vor.
Schlafe ein und träume von Taschentüchern voller Speichel, die auf meine Mundwinkel zurasen.
01:30 Uhr
Auch Maronenpudding scheint nicht gerade magenfreundlich zu sein, weswegen ich schwöre nächstes Jahr in ein Land zu reisen, in dem Weihnachten nicht stattfindet.
Hier sind wir also nun am Ende der Weihnachtstrilogie.
Nächste Woche geht’s nicht mehr um Weihnachten, versprochen.
Also, wie das so ist am Ende von Trilogien, der Ring ist vernichtet, Sauron beleidigt, Neo tot, die Matrix zerstört, Anakin Skywalker verwandelt sich in Darth Vader und Max hat das Weihnachtsfest im wahrsten Sinne des Wortes pappsatt. Finish.
Ich wünsche allen Lesern ein schönes Weihnachtsfest, viele Geschenke, eine nette Zeit und möglichst viel Gesundheit.
Ich bedanke mich auch bei allen, die es bis hierhin mit mir ausgehalten haben und sich immer durch mein Geschreibsel kämpfen, das spornt an, weiterzumachen.
Also, wir lesen uns, wenn wir alle ein paar Gramm schwerer sind.
Bis nächste Woche.
>
Der andere antwortet: „Na prima, lass uns ganz viele davon herstellen und sie für viel Geld verkaufen!“
Joscha Sauer, berühmter Nichtlustig-Cartoonist trifft damit den Nagel auf den Kopf.
Der Kommerz ist aus Weihnachten nicht rauszubekommen, nicht mal mit ner Maschine.
Man brauch sich da auch nix vormachen: Dieses elende und heuchlerische Bestehen auf alten Werten und die Erinnerung an Christi Geburt hat nicht mehr viel mit dem heutigen Weihnachtsfest zu tun.
Grundsatzdiskussionen getränkt mit Vorschlägen, an Weihnachten einfach nur einen Gugelhupf voll Liebe zu verschenken, würden den Einzelhandel vollends in den Ruin treiben
und sollten ungehört verhallen.
Was den Einzelhandel aber nicht am Stöhnen hindert, denn Jahr für Jahr heisst es da ja:
ach die Leute, die kaufen nix, die gucken immer nur und machen unseren Parkettboden schmutzig.
Bestätigen kann man so was als Sehender nicht, es sei denn, all die Menschen an der Kasse machen kurz vorm Bezahlen noch mal kehrt und stellen die Waren ins Regal zurück.
Also sind wir uns jetzt mal langsam einig, Weihnachten braucht Kommerz.
Es ist auch interessant, zu beobachten, wie großspurig manche zu Weihnachten daher reden, Geschenke bräuchte man ja nicht, ach was, keine Geschenke, kein Plunder, selbige Leute aber an ihrem Geburtstag sehr wohl enttäuscht dreinblicken würden, wenn die Gäste gar nur ihre leeren Hände an der Eingangstür präsentieren würden.
Nun, wie auch immer, wir alle haben den Dezember überlebt und sind bis hierhin gekommen. Zeit sich der letzten großen Herausforderung zu stellen, in die ultimative Schlacht zu ziehen, den letzten Kampf zu kämpfen, schwitzend, schreiend, stehend sterbend.
Ab auf den Weihnachtsmarkt.
Eigentlich gibt es 17 andere Orte an denen man im Dezember lieber wäre, darunter zum Beispiel „in der warmen, kuscheligen Wohnung“ oder auch „in der Sauna des ortsansässigen Fitnessclubs“.
Trotzdem gibt es seit Äonen Gestalten, die sich nicht davon abhaltenlassen , mit ein paar anderen Gestalten bei Minusgraden in einen Glühweinbecher zu sabbern.
Obststände gibt es auf dem Weihnachtsmarkt auch, aber das konnte noch nie einer genau erklären, warum das so ist, der Supermarkt um die Ecke hat schliesslich auch Obst.
Oder wir wäre es mit Vogelstimmen vom Intrumentenstand?
Wer also schon immer wie ein Wellensittich tschiepen wollte findet hier seine Offenbarung.
Aber es gibt auch fragwürdige Stände.
Wie der, an dem ein Mistelzweig hängt und daneben ein Schild auf dem steht:
„Küssen unterm Mistelzweig für 5 Cent!“
Interessant.
Aber die Frage darf gestellt sein, wie sich das ganze nun verhält?
Wen küsst man dann da? Die Standleiterin? Dass sich jemand in der Weihnachtszeit jemand für einen derartigen Unsinn so billig verkauft, mag man kaum glauben.
Also die eigene Freundin? Aber wer bekommt dann die 5 Cent? Ich darf ja wohl meine Freundin zum Nulltarif küssen oder nicht?
Wie lang darf der Kuss dann sein?
Ausserdem kommt das alles viel zu unkrass rüber.
Deswegen: Geschlechtsverkehr unterm Mistelzweig.
Das erregt auch ein bisschen mehr Aufsehen, aber dann bitte für etwas mehr als 5 Cent.
Manchmal findet man auch obskures auf dem Weihnachtsmarkt:
Durchnässt und mit einer alten Pommes darauf stolperte ich über ein kleines Büchlein, auf dem in goldenen Lettern „Das Weihnachtstagebuch von Max“ zu lesen war.
Aus diesem wollen wir nun gemeinsam vorlesen:
*räusper*
Heiligabend 2 Uhr nachts
Liebes Tagebuch, heute Nacht bin ich aufgewacht, mit schrecklichem Bauch-Aua.
Am Weihnachtsbaum vorbei auf die Toilette, Mist, immer noch keine Geschenke unter der Tanne. Bin wohl recht aufgeregt, zumal ich ja auch heute noch Geburtstag habe. Denke kurz darüber nach, meine Eltern zu wecken und vorsichtshalber nach den Geschenken zu fragen, doch der Durchfall war schneller. Vielleicht hatte meine Mutter doch Recht und grün ist keine natürliche Farbe von gebrannten Mandeln.
3 Uhr nachts
immer noch keine Geschenke, aber schon wieder Durchfall, schön ist das ja nicht.
7:15 Uhr
sitze vorm Weihnachtsbaum und grüble, ob Weihnachten dieses Jahr eventuell ausfällt. Im Radio hörte man davon. Vielleicht könnte man ja den Sender verklagen. Schade, dass wir nicht in Amerika leben.
8:15 Uhr
erste Gedanken breiten sich aus, der Weihnachtsmann könnte ja auch vom CIA entführt worden sein. Was stellen sie wohl mit ihm an? Verstecken sie seine Mütze? Rasieren sie ihm den Bart ab? Schänden sie seine Rentiere?
9:15 Uhr
Mum ist wach. Lustig, wie ihre Augen morgens aussehen, so kurz nach dem Aufstehen….als wenn sie gar keine hätte. Ein gemurmeltes „Ws mchst D` dnn schn hier?“ sagt mir, dass der Weihnachtsmann die Geschenke bei ihr noch nicht abgegeben hat.
10:30 Uhr
Mum macht Frühstück. Mein Vorschlag, geröstete Tannenzapfen auf Toast zu servieren, findet wenig Anklang. Ich bin dann aber trotzdem der Meinung, dass Rührei mit Schnittlauch bestimmt prima mit dem Restbestand gründer Mandeln in meinem Magen korrespondiert.
11:00 Uhr
ich hatte mich wohl geirrt, was die Rührei-Mandel-Sache anging.
11:20 Uhr
immer noch tendiert die Anzahl der Geschenke unter der Tanne gegen null. Es wird doch wohl nicht der Geruch sein, der den Weihnachtsmann von unserem Haus fernhät? Zur Sicherheit hänge ich das komplette Badezimmer mit Spekulatius-Klopapier aus.
Hoffentlich hilfts.
12:30 Uhr
Dad ist aufgestanden. Er hat auch keine Augen.
„`s Kff`schn fertig?“
Wieso will der denn Kaffee trinekn? Warum ruft er nicht bei der Polizei an, um eine Suchmeldung rauszugeben?
Ich komme aber nicht dazu, diesen schönen Vorschlag zu platzieren, denn Dad hat scheinbar Probleme mit Badezimmern, die nach Keksen duften. .
13:30 Uhr
ich liege immer noch auf dem Bauch und schreibe schon seit 20 Minuten einen Brief an Kofi Annan zum Thema „Gewalt in der Familie“
14:00 Uhr
„in die Kirche?“ frage ich.
„Ganz genau“, antwortet Dad.
„Aber da gehen wir schon seit Jahren nicht hin“, krakeele ich.
„Eben drum“, antwortet Dad.
Na toll, denk ich und frage mich, ob noch welche von den grünen Mandeln übrig sind.
15:00 Uhr
Waren in der Kirche und weiss wieder ganz genau, warum wir uns von diesem Ort fernhalten. Unverschämt, dass man mir mit diesem Klingelbeutel mein sauer verdientes Taschengeld aus dem Geldbeutel zieht und ich als einzige Gegenleistung so ein Krippenspiel zu sehen bekomme.
16:00 Uhr
Kommen wieder nach Hause und der Anblick meiner Mutter, die bis zum Ellbogen im Truthahn steckt, begeistert mich wenig.
Draussen wird es dunkler und ich mache mir langsam ernsthaft Sorgen.
Wenn der Weihnachtsmann erfäht, was meine Mutter mit totem Gefieder anstellt, dann wird er um unser Haus einen Bogen in der Größe Kuala Lumpur`s machen, da bin ich sicher.
17:03 Uhr
es klingelt. Grundgütiger, es klingelt.
Zehn Sekunden später zieht mich Mutter mich wieder aus dem Schrank mit dem Hinweis, dass ich mich doch nicht so anstellen soll.
Verdammte mütterliche Intuition, ich dachte, der Schrank wäre ein gutes Versteck.
Dann steht sie in der Tür.
Tante Frieda.
Zuerst begrüßt sie meine Eltern, doch dann stieren ihre Augen mich durch ihre Hornbrille an. Verdammt, sie hat mich entdeckt.
Der unbedingte Wille, unsichtbar zu sein, schlägt wohl fehl, denn Tante Frieda visiert mit ihrem bespucktem Uralt-Taschentuch meine Mundwinkel an, um imaginäre Flecke wegzuschrubben.
Ich renne um mein Leben, denn wenn sie mich jetzt erwischt, bekomm ich Tante Friedas Speichelgeruch erst Ende April wieder aus der Nase.
Wenn ich nicht aufpasse, wird sie mir irgendwann die Mundwinkel wegreiben und dann hab ich nur noch Lippenmitte. Ich werde niemals eine Frau kennenlernen, niemand will einen Mann ohne Mundwinkel küssen. Dabei sollte Tante Frieda erst mal selbst in den Spiegel schauen, Mundwinkel mit borstigen Haaren sind ja wohl auch kein schöner Anblick.
17:15 Uhr
Alles wegrennen hat nichts genutzt, meine Mum hat mich im Keller aufgespürt, sie meinte, mein jämmerliches Schluchzen wäre im kompletten Haus deutlich zu hören gewesen.
Gleich nach Weihnachten werde ich mir eine Schaufel besorgen und einen Tante-Frieda-Fluchttunnel graben.
18:15 Uhr
Tante Frieda sitzt auf der Couch. Ihr unbedingter Wille, Weihnachtslieder auf ihrer Tuba zu interpretieren, lässt mich meinen Vornamen vergessen.
Vielleicht kommt man ja auch nur mit seinem Nachnamen irgendwie durchs Leben, denke ich betäubt.
Onkel Hubert, Friedas Mann, hält sich die Ohren zu.
Das ist mutig von Onkel Hubert, aber er weiss vermutlich, dass seine Frau nicht gleichzeitig Tuba spielen UND ihn mit ihrem grausamen Taschentuch attackieren kann.
18:30 Uhr
Es gibt Essen und der stumme Einwand, nichts zu mir nehmen zu wollen, wird leider überhört. Stattdessen kann ich mich nach dem Servieren schon nicht mehr entsinnen, welche Farbe der Teller einmal gehabt hat, auf dem nun dieser Mount Futter zu besteigen ist.
Ich beobachte Tante Frieda beim Essen, so wie die reinhaut, würde ich es ihr glatt zutrauen, dass sie auch den Weihnachtsmann gefressen hat. Nicht mit böser Absicht. Vermutlich mussten Frieda und Hubert auf dem Weg hierhin mal halten, weil Frieda im Wald mal musste. Und der Weihnachtsmann hatte dort zufällig dort seine Panne. Man hat ja schon von solchen Zufällen gehört. Und gerade, als der Mann im roten Mantel meine Tante um Hilfe bitten wollte, machte es kurz haps und schon war er weg! Alles möglich, Tante Frieda traue ich einiges zu.
19:00 Uhr
Ich werde auf mein Zimmer geschickt. Vermutlich gesteht Tante Frieda jetzt alles und spuckt ein Stück vom Rentier aus…bestimmt die rote Nase, die verdaut keiner so leicht.
Onkel Hubert wird dann behaupten, er hätte nix gesehen und nix gehört. Ein Tuba-Moment.
Das ist aber typisch für Oknel Hu, er wird sich nicht durchsetzen können, wenn er nicht eines Nachts leise aufsteht und Tante Friedas Gesicht heimlich mit dem Rasierapparat traktiert.
Aber Hubert ist ein kleiner Feigling, den Tante Frieda täglich auf den Tisch klopft und alle macht.
19:30 Uhr
Glockenähnliches Gebimmel aus dem Wohnzimmer. Komisch, was ist mit Tante Friedas Tuba passiert? Hat sie sie verschluckt? Egal, ich eile aus dem Zimmer und sehe:
19:31 Uhr
GÄÄÄSCHÄNKÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖ
19:32 Uhr
wieder auf der Toilette….verdammte Aufregung, verdammte Mandeln
19:33 Uhr
Tante Friedas eingestreuter Hinweis, ich könnte die Geschenke doch auch mit einer Windel bekleidet auspacken, damit wir hier endlich mal fertig werden, beantworte ich mit einem tödlichen Blick….aber die Frau atmet weiter. Vermutlich funktioniert er nicht bei Anverwandten.
20:00 Uhr
Ich bin mit meinen Geschenken recht zufrieden.
Nur die Sache mit dem Rasierapparat ist bestimmt eine Verwechslung von Onkel Hubert, ich sage aber nichts, sondern sehe es als Ausgleich für die Klingelbeutel-Spende.
21:00 Uhr
es gibt Nachtisch. Während ich mir Maronenpudding in den Schlund schiebe, frage ich mich, wie der Weihnachtsmann das so schnell deichseln konnte…hat er die Tuba gehört? Meine Gebete? Egal…
22:30 Uhr
Weinend ins Bett, weil Tante Frieda mich sehr verletzt hat mit dem Satz „Wie fühlt man sich denn jetzt mit 32?“
Habe dann bei Ebay angefragt, ob man nicht ausnahmsweise, wirklich nur speziell in meinem Fall eine klitzekleine Menschenhandel-Auktion erlauben würde. Noch keine Antwort.
23:30 Uhr
Höre, wie Tante Frieda unser Haus Tuba spielend verlässt. Verstehe langsam, warum es immer heisst, an Heiligabend würden die meisten Verbrechen innerhalb der Familie passieren. Nehme mir die Sache mit dem Tunnel für nächstes Jahr fest vor.
Schlafe ein und träume von Taschentüchern voller Speichel, die auf meine Mundwinkel zurasen.
01:30 Uhr
Auch Maronenpudding scheint nicht gerade magenfreundlich zu sein, weswegen ich schwöre nächstes Jahr in ein Land zu reisen, in dem Weihnachten nicht stattfindet.
Hier sind wir also nun am Ende der Weihnachtstrilogie.
Nächste Woche geht’s nicht mehr um Weihnachten, versprochen.
Also, wie das so ist am Ende von Trilogien, der Ring ist vernichtet, Sauron beleidigt, Neo tot, die Matrix zerstört, Anakin Skywalker verwandelt sich in Darth Vader und Max hat das Weihnachtsfest im wahrsten Sinne des Wortes pappsatt. Finish.
Ich wünsche allen Lesern ein schönes Weihnachtsfest, viele Geschenke, eine nette Zeit und möglichst viel Gesundheit.
Ich bedanke mich auch bei allen, die es bis hierhin mit mir ausgehalten haben und sich immer durch mein Geschreibsel kämpfen, das spornt an, weiterzumachen.
Also, wir lesen uns, wenn wir alle ein paar Gramm schwerer sind.
Bis nächste Woche.
>


2 Comments:
Einfach genial !!!
Deine M.
Jetzt tu mal nicht so, als ob DU Dich dem Weihnachtstrubel entziehen würdest... ;-) Eben, das man nämlich keiner. Aber so ist das halt und ich bin froh darüber... Denn wenn das so wäre, dann hätte ich keine Möglichkeit gehabt, mich mal wieder über einen gelungenen Wochenrückblick zu amüsieren!
Post a Comment
Subscribe to Post Comments [Atom]
<< Home