19.1.06

Pennys Wochenrückblicke 31: Grasgrüne Ferkel und jede Menge unglückliche Situationen

Ach was können wir alle froh sein, dass wir noch hier sein dürfen. Missgeschicke passieren ja eigentlich ständig und unentwegt. Alle Nase lang fällt uns auf offener Strasse ein Kühlschrank vor die Füsse, der Bus fährt uns vor der Nase weg, danach die Straßenbahn, als nächstes das Taxi und dann brechen wir uns auch noch den Fuß beim Versuch, den weg per pedes zurückzulegen. Liegt man dann eingegipst in der städtischen Versorgungsanstalt, lauscht man den Worten des Oberarztes, dass es ihm furchtbar leid tue, dass man das große Tuch in der Wunde vergessen habe, denkt man meist still und leise bei sich:

„Och!“

Und dann denkt man: Na ja, es gibt schlimmeres, das kann doch jedem mal passieren und hinfallen kann man ja, man muss nur immer wieder aufstehen.
Nach dieser Formelflüsterei kann man sich den knochenharten Herausforderungen des Alltags stellen, z.B.: wer bringt jetzt eigentlich den Lottoschein weg? Damit wäre das Thema dann gegessen.

An jedem normalen Tag würde man so denken.

Doch widerfahren einem derlei Frakturen an einem Tag, wo das Kalenderblatt die 13 UND den Freitag gleichzeitig anzeigen, ist das Gebrüll nicht klein.
Dann gröhlt man es aus dem geöffneten Fenster:
„Oh weh mir, Schicksal! Welch Schande habe ich dir angetan, dass du so mit mir herumspringst und misch schändest auf die nächsten Tage und Wochen? Du grauseliger Gesell, abscheulich wirken deine Taten, ich war doch immer gut zu dir und deinen nächsten!“
Als Antwort bekommt man meist ein „RUHE! ES IST SCHON NACH ZEHN DURCH!“

Man kann’s nicht vertuschen, der Mensch neigt leider zur Zahlenspielerei und Symbolik und zwar so sehr, dass man sich manchmal wünscht, man hätte die Zahlen am besten überhaupt nicht erfunden.
Erklärungsnot an mancher Stelle wäre da noch das schlimmste, der Stadionsprecher würde sagen: „Heute sind im Westfalenstadion….furchtbar viele Zuschauer!“
Das hätte aber den Vorteil, dass die Menschen nicht mehr diesem fürchterlichen Aberglauben anheim fallen würden.
Manch einer ist an einem Freitag den 13. auch ganz besonders vorsichtig, so dass es vermutlich recht häufig zu Unfällen kommt, die man gar nicht gehabt hätte, wen es der 12. des Monats gewesen wäre.

Ein Beispiel? Aber gern.

Wir haben hier Bert Blasenbrey, der sogar an einem Freitag den 13. zur Welt gekommen ist, was die unglückliche Namensgebung schon mal erklären dürfte.
Bert Blasenbrey entschlüpft morgens in aller Frühe aus seinem Bettchen um sich für die Arbeit frisch zu machen und greift im Badezimmer leider zu der Rasierklinge, mit der er normalerweise den Dreck aus seinen Arbeitsschuhen herauskratzt und schon hat Blasenbrey`s Gesicht eine neue Farbe.
In der Küche angekommen steht es dick auf dem Kalenderblatt und Bert Blasenbrey denkt: „Ohoh!“
Da beginnt der Spaß: Bert schleicht auf Engelshacken ins Schlafzimmer und umrundet dabei blaue Flecke ausweichen elegant jede Tischkante, stößt aber leider den dicken Blumenkübel um.
Bert Blasenbreys Katze namens Muskelkater macht sich ad hoc über die Blumenerde her, lecker, lecker und schon kann Bert bei der Arbeit anrufen und Bescheid sagen, dass es ein bisschen später wird, wobei er einen fiesen Ausschlag auf eigener Haut als Grund angibt, denn Blumenerdekotzende Katzen sind in der Welt der Arbeitgeber ein willkommener Kündigungsgrund. Erfahrene Freitag-der-13.-Jecken merkens schon, langsam wird der Protagonist ein wenig nervös.
Also ab mit Muskelkater zum Veterinär und Bert denkt o weh, o weh, bei meinem Glück verwechselt der Tierarzt die Magensonde mit dem Jagdgewehr und schon kann ich Muskelkater beerdigen….mehrmals.
Während Bert das so denkt, rammt er mit seinem Ford Fiesta (Leute die Blasenbrey heißen, fahren bestimmt solche Autos) einen dicken Hydranten um und das Wasser spritzt ein kleines bisschen übertrieben in alle Richtungen….was für ein Pech, dass es nirgendwo brennt, denkt Bert und plästert los, weil das Röcheln seines Katers schon einen bedenklichen Status angenommen hat.

Drei Beinahe-Unfälle später ist Muskelkater gerettet, kann aber nie mehr Miauen.
Pech gehabt. In seiner Stimmung getrübt rast Blasenbrey wieder zurück nach Haus, schließlich muss er ja auch noch arbeiten, was aber leider auch nicht klappt, da 2 junge Herren in Uniform ihn darüber aufklären, dass das sechsmalige Überfahren von roten Ampeln inklusive Umnietens eines unschuldigen Hydranten kein Kavaliersdelikt darstellt und er jetzt zur Blutabnahme mit auf die Wache kommen muss.
Man sieht’s also: der fehlende Blick auf den Kalender hätte Herrn Blasenbrey so einiges erspart und es wäre für ihn vermutlich ein normaler Arbeitstag geworden.
Doch natürlich gab es in dieser Woche auch was richtig tolles zu vermelden, etwas, worauf die Wissenschaft schon seit Jahrzehnten geforscht hat und bisher nicht zu entdecken vermochte, noch viel wichtiger als die Mondlandung oder die Erfindung linksdrehender Joghurtkulturen.
Taiwanesische Forscher haben sie gezüchtet und ein Aufschrei ging um die Welt vom tiefsten Meerespunkt bis zum Gipfel des höchsten Berges:

ENDLICH GIBT ES GRÜN LEUCHTENDE SCHWEINE!

Puh, so eine Sensation muss man erst einmal verdauen, erst Recht, wenn man kurz zuvor ein nicht leuchtendes Schnitzel verdrückt hat.

Noch mal zusammengefasst:
Taiwanesischen Wissenschaftlern ist es also gelungen, grün fluoreszierende Schweine zu kreieren, in dem sie diesen ein Quallenprotein verabreichten. Jetzt kann man sogar die Organe der Steckdosen-Viecher sehen.
Das ist doch toll.
Allerdings weiß ich gar nicht, warum man da jetzt so ein Getösengeschrei machen muss.
Erst neulich hab ich ebenfalls grün leuchtende Schweine an der Landstrasse entdeckt, die konnten sogar sprechen und meinen in schönstem Hochdeutsch:
„Einmal ihre gültige Fahrerlaubnis bitte!“
Aber jetzt mal Zitrone aufs Schnitzel: wer braucht grün schimmernde Oinki`s?
Man kann ja immer froh sein, dass es nicht alles erfunden wird, was es noch nicht gibt zum Beispiel singendes Toilettenpapier oder aber Gummibärchen mit Thomas-Gottschalk-Frisur.

Bei der Schweinesache konnte man sich aber wohl nicht zurückhalten, das wurde durchgezogen, bis das Labor grasgrün erstrahlte.
Also los jetzt, was soll der ganze Quatsch? Damit der Bauer seine Schweine im Dunkeln besser findet? Schwachsinn.
Damit der Tierarzt die Organe nicht mehr röntgen muss? Hoffentlich nicht.
Vielfach soll ja die Forscherei am Tier Nutzen für den Menschen bringen.
Nur so kann man erklären, warum in China getrocknete Hunde am Stiel verkauft werden, die dann angeblich den Essenden im Winter Wärme spenden soll…da sag ich doch, lieber ein paar Kötern das Fell über die Ohren ziehen und nen ordentlichen Mantel nähen.
Aber wollen wir wirklich grün leuchten?
Vielleicht ja Rentner.
Die können dann demnächst bequem über jede Strasse gehen, ohne ständig angefahren zu werden.
Schlagartig würde das durchschnittliche Lebensalter ansteigen und dass nur, weil Opas Niere strahlt.
Aber vielleicht machte es auch in anderen Altersklassen Sinn, wenn der eigene Körper in der Dämmerung auszumachen ist.
Mütter werden demnächst auf dem Balkon stehen und ein „Anna-Maria-Magdalena, es mag das Tageslicht nun nicht mehr leuchten, aber ich kann Dich ganz genau sehen, wie du da grün hinter einem Baum stehst. Also hoch mit dir, Essen ist fertig!“ hinunterkeifen.
Und Alkoholiker, ja die können direkt die Auswirkungen des Schadstoffes an ihrer Leber begutachten. Das wird bestimmt ein Partyhit.
Kommt`s jetzt nur noch auf die Art der Darreichung an. Spritzen wäre uncool, stattdessen sollten Restaurants eröffnet werden. So ein Quallenburger schmeckt bestimmt nicht schlecht und da kann man auch bequem Themenwochen dranhängen:

Spicywochen bei McPig: Feuerquallen lassen auch DEINEN Körper rot erstrahlen.



Bon Appetite….oder so…

3 Comments:

Blogger Helli said...

Zum Glück hat es heute wieder geklappt!

Ganz runde Sache, wie immer sehr flüssig und angenehm zu lesen und dabei herrlich humorvoll & amüsant!

Spitzenklasse! :D

19/1/06 20:35  
Anonymous Anonymous said...

die grünen schweine waren nur der publikumswirksamer vorgeschmack der gentechnik. das schwein ist sehr nah mit dem menschen verwandt und man wollte einfach mal zeigen was alles geht ohne das es großartig sinn ergibt. und bei grün leuchtenden schweinen muss man nicht lange nach dem effekt der mutation suchen, find ich zumindest.

die große frage ist natürlich was jetzt noch auf uns zukommt, amerikaner mit intelligenz? ? ist das überhaupt möglich und wär das besser für die menschheit, oder schlechter?

wer weiss? einfach weiterlesen und penny wird die wahrheit seriös recherchiert ans licht bringen!

in diesem sinne: eine gute nacht

19/1/06 22:47  
Blogger MrPennywise said...

seriös recherchieren? Na das wüsste ich aber ;)
und Amerikaner mit Intelligenz? Wäre das nicht eine Chance für den Weltfrieden?

Fragen über Fragen :D

19/1/06 22:51  

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