12.1.06

Pennys Wochenrückblick Folge 30: Nackte Nationalspieler nageln nudistisch Ninas Nokia

Die Flippers haben es nicht als erste besungen, aber sie haben es prägnant zusammengefasst: das Leben.
Dieses sei nämlich eine Wundertüte, so tönen die drei Herren mit den lustigen Frisuren.
Dafür müsste man ja eigentlich 5 Euro in ein eigens aufgestelltes Phrasenschwein schmeissen.
Machen wir aber nicht. Das wird sonst zu schnell voll.

Nun, seit letzter Woche wissen wir, dass auch Handys regelrechte Wundertüten sein können.
Denn nur durch die kleinen digitalen Knochen wissen wir endlich, was wir schon immer in Erfahrung bringen wollten:
Fußballnationalspieler Marco Engelhardt hat unter seinen Klamotten nix an.
So hat er sich nämlich selbst fotografiert, wie der Fußballgott ihn schuf.
Das wäre an sich noch nichts schlimmes, aber irgendein Freund machte sich einen spaßigen Spaß und schickte das Foto an eine flüchtige Bekannte, die so schwer empört war, dass sie ad hoc die BILD-Zeitung anrief. Macht man ja so.
Das blöde daran war auch, dass auf dem Handybildchen Engelhardts nackter Pfosten zu sehen war und da war der Skandal dann auch schon perfekt.

Fällt`s eigentlich jemandem auf?
Man kann für weibliche und männliche Geschlechtsteile einfach keinen Namen finden, der die Menschen in der näheren Umgebung nicht irritiert schauen lässt.
Benutzt man seltsame und vermeidlich schweinische Namen dafür, macht die Umgebung „tsts“ und wendet sich ab.
Verwendet man die wissenschaftlich korrekten Namen der Geschlechtsmerkmale, raunt die Umgebung ein leises „der will sich wohl wichtig machen“ und wendet sich ebenfalls ab.
Versucht man’s dagegen diplomatisch und umschreibt das ganze mit einem „na das Ding da unten beim Mann/bei der Frau“, denken die Leute nur ein kurzes „Mann, aus was für einem unaufgeklärten Dorf kommt der denn?“ und wenden sich nicht nur ab, sondern verlassen vermutlich auch noch den Raum und dann steht man alleine da mit seinen Schwierigkeiten, einen gesellschaftlich kompatiblen Namen für die Geschlechtsteile der Menschen zu finden.

Wenn wir also von Marco Engelhardts Ding da unten sprechen, können wir doch ruhig „Pfosten“ sagen, denn da gibt es gleich einen schicken Bezug zum Beruf und unabhängig davon weiß jeder was gemeint ist und es gibt keine blöden und missverständlichen Sender-Empfänger Probleme.
Natürlich könnten wir es auch „Steigbügel“ nennen, aber dann muss man einen furchtbar komplizierten Witz kreieren, der mit dem Lauterer Betzenberg und Marcos Weg zum Training zu tun hat und dann wird’s meiner Meinung nach auch einfach zu kompliziert.

Sarah Jott war die Empfängerin der MMS mit dem Fußballspielenden Nudisten (für mich heißt die Sarah Jott, weil wer sein Bild in der Zeitung abdrucken lässt und sich trotzdem noch Sarah J. nennt, der hat die volle Breitseite Spott des Penny redlich verdient) und sie versicherte der Redaktion, bei Erhalt dieser MMS waren sie und ihre Freundinnen, die in einem Cafe saßen, absolut SCHOCKIERT und EMPÖRT. Können sie es sehen? Sehen sie es, wie ich mir mit dem Zeigefinger ein Auge runterschiebe?
Vermutlich musste sofort ein Notarzt anrücken und die stabile Seitenlage einleiten und auf die verwirrten Fragen des Notarztes stammelten die Frauen nur röchelnderweise: “Mein…Handy……ein……nackter Ma….Mann….mit…Peni…!“
Zack, Bumm, Koma.
Später im Krankenhaus lagen sie dann alle komatös auf einem Zimmer, künstlich ernährt und von schweigsamen Krankenschwestern beaufsichtigt. Die besorgten Eltern lauschten andächtig und hände-durchs-Haar-raufend den Worten des Oberarztes:
„Wir haben von allen Computertomografien des Schädels gemacht. Es kann kein Zweifel bestehen. Sie haben einen Penis gesehen. Es muss ein schrecklicher Anblick gewesen sein.“
Ein elterlicher Schrei, die Hände werden vor den Mund gehalten, damit der Schrei nicht das ganze Krankenhaus weckt, die Augen werden weit aufgerissen, um das Geschehene zu begreifen.
„Werden sie es überleben?“ fragt ein Vater gefasst, worauf der Oberarzt beruhigt lächelt.
„Aber natürlich, es müssen nur einige Rehamassnahmen eingleitet werden, das Desperate Housewives Kurheim in Bad Salz-Uflen dürfte ein geeigneter Ort sein. Dort werden sie derartige Dinge nicht mehr zu sehen bekommen.“

Ja, so dürfte es gewesen sein.
Kurz nach dem Koma war Sarah Jott aber immer noch schwer bestürzt und die ganze Empörtheit entlud sich darin, dass sie sich für die Bild-Zeitung halb auszog und sich ablichten ließ. So was kann ja auch ne Therapie sein.
Doppelmoralisch hob man dann im Springer-Verlag wieder sämtliche Zeigefinger und mahnte an, das Handy würde immer mehr zum Pornophon verkommen, was doppelt schade ist, denn auf der einen Seite hielt diese Erkenntnis die BILD davon nicht ab, weitere nackte Frauen zu zeigen und zwar hinter Handyattrappen und zweitens kommt diese Einsicht doch ein wenig spät, schließlich kann man sich nicht erst seit
Marco Engel Hart (man möge mir diesen dämlichen Wortwitz verzeihen) schlüpfrigen Schweinskram aufs Nokia laden.

Abschließend kann man eigentlich nur hoffen, dass die technische Entwicklung im Mobiltelefonsegment nicht weiter so rasend schnell voranschreitet. Unvorstellbar wenn so was irgendwann mal mit HDTV-Handys passiert, da werden sie dann kreischen: „Oh mein Gott, ich konnte seine Schamhaare zählen!“
Verwunderlich allerdings, dass die Fifa das ganze noch nicht als Marketingaktion entdeckt hat, wo doch bei der WM jeder Bordstein beworben wird.
Das hätte doch was, unsere Nationalspieler werbetechnisch total ausgeschlachtet und bloßgestellt. Neben Nacktbildern von einigen Nationalspielern wäre es doch auch zu überlegen, die hirnverbranntesten Sprüche Podolskis zum Download bereitzustellen…schick eine SMS mit 3335 für „Dobblbass allein? Vagisses!“ oder 3336 für „Wenna drin is, issa drin!“ oder 3337 für „Isch mach mir kein` Druck!“
Krummfrüchte gelber Machart könnten mit Oliver Kahn beworben werden und gleich ein paar Schritte weiter im Supermarkt gibt es eine große beleidigte Leberwurst a la Lehmann. Und den Basti Deisler kann ich mir richtig gut vorstellen, wie er mit den zwei Terror-Zwilligen in eine Apotheke rennt, die dann sagen:
“Da gibt’s doch auch was von Ratiopharm!“
Also wenn mal schon so ne WM nach Deutschland hereinsuppt, dann muss man das auch ausnutzen.

Aber nicht alle sind glücklich damit. Nicht nur Menschen, die in unmittelbarer Umgebung von Großleinwänden wohnen, fürchten um ihren Nachtschlaf, nein, auch ein kleines feines Berliner Unternehmen hat sich gedacht: “Fussballfan, ick hör dir trapsen“
Man weiß ja auch ganz genau, wie es vonstatten ging: in diesem kleinen Unternehmen im achten Kellergeschoss saßen in einem kleinen Raum furchtbar viele Menschen in erhitzter und dunkler Atmosphäre.
„Kommt schon, Ideen, ich brauche Ideen“, meckerte ein kleiner dicker, der sich schon die Krawatte gelockert hat, weil er so furchtbar schwitzt.
Und alle wisperten und murmelten, zwischendurch hörte man ein leises „Olivenöl….wir haben lange kein Olivenöl mehr gete…“ und der kleine Dicke zerreißt seine Krawatte in drei Tausend Fetzen und brüllt:“ARGH! NEIN! NICHT SCHON WIEDER OLIVENÖL!“
Alles verstummt kurz….dann weiteres Gemurmel und plötzlich trifft es einen Mitarbeiter, der Gedankenblitz. Er schreit:
“HEUREKA! Wie wäre es denn mit FUSSBALLSTADIEN…bald is doch WM!“
Alle springen hoch und jubeln, jubeln, jubeln.
Ratzfatz wurde ein fünfhundert Meter großes Mikroskop gebaut und die Stiftung Stadiontest ließ sich alle Stadien nach Berlin kommen, um sie unter diesem Mikroskop zu begutachten.
Natürlich mit Fans, es mussten ja realistische Testbedingungen herrschen.
„So“, sagt der Testleiter „jetzt legen wir mal ein kleines Feuerchen und schauen, wie schnell die Leute da raus kommen…FEUER MARSCH! So….aha….soso….notiernotier…..VIEL ZU WENIG FLUCHTWEGE…pfui…SECHS!...nächstes Stadion.“

Machen wir uns doch bitte nichts vor, wer bis jetzt den Schmelzgrad von Hüttenkäse untersucht hat, dem sollte man nicht unbedingt ein Fußballstadion anvertrauen.
Da schmilzt nun mal nix.
Aber da wir ja deutsch und damit übergründlich sind und nichts dem Zufall überlassen wollen, wenden wir uns diesem Problem selbstredend gerne zu, wo ja die Vergangenheit auch eindrucksvoll gezeigt hat, dass es in deutschen Spielstätten Woche für Woche zu regelmäßigen Panikattacken des Mobs kommt.
Aber vielleicht hätte jemand den Warentestern erklären sollen, dass das halbzeitliche Anrennen auf Bierstände und Stadiontoiletten was ganz normales ist.

Wir müssen aber auch nicht lang rumlamentieren, sondern sollten lieber hart und konsequent durchgreifen, bevor wieder Millionen von Euro in die Sicherheit der Fußballstadien investiert werden, verlegen wir die Fußballweltmeisterschaft doch lieber gleich auf die benachbarten Sportplätze. Alle Zuschauer müssen ihre Tickets zurückgeben und diese werden dann bei einer neuen Verlosung mit neuer Gebühr wieder unters Volk gebracht. Ich kann`s schon deutlich vor mir sehen, Brasilien gegen Argentinien im Halbfinale auf dem ausverkauften Sportplatz „Stadion Rote Erde“…mit 2.000 Fans, das wird eine Unvergessliche WM, das spür ich schon jetzt.

Im Falle einer Massenpanik hätte die Verlegung auf den Bolzplatz den Vorteil, dass man relativ gemütlich vom Sportplatz schlendern kann…natürlich mit einem panischen Gesichtsausdruck.
Nur die umliegenden Bäume müssten abgesäbelt werden, nicht, dass sich da noch einer draufhockt, runterfällt und sich nen Finger Fingernagel einreisst.
Nun und als letztes gibt es noch einen Grund, sich auf das hiesige Soccerfest richtig doll zu freuen. Denn die Holländer haben sich ja zur Überraschung aller diesmal qualifiziert und gelten jetzt auch noch als Titelfavorit, haha.
Um allerdings von der Tatsache abzulenken, dass mehrere tausend Oranjes mit ihren Wohnwagen Mitte des Jahres unsere Autobahnen verstopfen, haben unsere Nachbarn seit dieser Woche einen orangefarbenen Plastik-Wehrmachtshelm im Angebot.
Da ist die Empörung auch wieder groß gewesen, man schreit BUH und PFUI, aber ich sage: jeder blamiert sich so gut wie er kann. Allerdings sollten die Holländer dann auch konsequent sein, sich Panzer mieten, diese Mandarin anstreichen und natürlich bitte nicht vergessen: den Wohnwagen hinten dran.

Ole, Oleole, Ole!

3 Comments:

Blogger Helli said...

Wie immer - großes Kino :)

Freue mich schon auf nächsten Do. :D

12/1/06 19:58  
Blogger MrPennywise said...

manchmal auch erst Freitag...je nach Stressaufkommen im normalen Berufsleben :D

12/1/06 20:02  
Anonymous Anonymous said...

Diesmal fasse ich mich kurz: Spitzenmäßig !!!
Deine M.

13/1/06 12:22  

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