Pennys Wochenrückblick Folge 34 extra krass: The Super-Nanny vs. the unbelievable Terror Kids
Die folgende Situation dürfte ja nicht unbekannt sein: Man ist drei oder auch 15 Jahre alt - je nach Geburtsjahr und Lebensdauer - und kommt eines Morgens auf die Idee, ein bisschen den Aufstand zu proben.
Es gibt ja recht unterschiedliche Möglichkeiten, sich als Heranwachsender bei seinen Erziehungsberechtigten unbeliebt zu machen.
Zum Beispiel kleinere Geschwister:
Möchte man als Teppichrutscher den ungeheuren Zwang zum Destruktiven exzessiv ausleben, reicht eigentlich schon ein gepflegter Roundhousekick auf die unversehrte Wange des kleinen Brüderchens. Wenn das noch keinen beeindruckt, reisst man halt noch ein bisschen am Skalp herum und hört erst auf, wenn das Ergebnis in der Faust als „Büschel“ bezeichnet werden kann.
Ist man der körperlichen Gewalt nicht so zugeneigt, kann man auch den Mobbing-Weg beschreiten und sich an den Lieblingsspielzeugen der Geschwister vergehen, so ein Lego Feuerwehrauto wirkt schliesslich erst dann authentisch, wenn es sich auf dem Weg zu einem brennenden Teddy befindet.
Auch das Pfosten-Ansägen von Etagenbetten hat sich als recht beliebte Methode herausgestellt, Eltern und Geschwister in Wahnsinn und Baumarkt zu treiben.
Telefonterror gegen den kleinen Bruder bringt allerdings noch keinen zerstörerischen Nutzen, das Spielzeugtelefon funktioniert nicht wirklich, aber wenn der zweijährige Racker in spätestens vier Jahren sein erstes Handy zur Einschulung bekommt, dürften Psychoterroranrufe a la „Ich weiss genau wo du wohnst und ich mach dich alle“ auf der Tagesordnung ganz oben zu finden sein.
Des Weiteren lassen nutellaverschmierte Türklinken, Zahnpasta im Fön und Stolperdrähte im Hausflur die Kochlöffel-auf-Hintern-Frequenz und den elterlichen Blutruck nach oben schnellen.
Das ganze schaut man sich als Erziehungsberechtigter natürlich eine Weile an, man diskutiert mal im ruhigen Ton, dann blökt man wieder herum, man gestikuliert, entfernt strafmassnahmend Spielzeuge, erteilt Hausarrest und auch Computerverbot.
Bringt das alles nichts, steigt man im Verzweiflungsrang schnell auf Obergeneral.
Das ist dann die Stufe, auf der man sich auch gern mal gut gemeinte Ratgeber mit Titeln wie „Wie erziehe ich mein Kkind richtig, ohne es an einen Stuhl zu knebeln“ und auf der man beginnt, seltener zum Friseur zu gehen, da ein guter Teil der Haare schon weggerauft wurde.
Abends im Bett, wenn die Schlafmittel des kleinen Anarchen zu wirken beginnen, die man ihm mit der Honigmilch verabreicht hat, stöbert man ausführlich im Erziehungsschmöker und liest Sätze wie „Sie müssen ihr Kind nicht schlagen, sondern ruhig mit ihm reden und ihm klarmachen, dass sein Handeln und Tun Konsequenzen hat, die andere verletzen. Ihr Kind wird es begreifen.“
Hat man sich von dem gemeinsamen Lachanfall erholt, wird der schnell von der Empörung verdrängt, dass man siebzehnneunundneunzig für Ratschläge ausgegeben hat, die schon nach dem 23. Lebensmonat auf taube Lauscher mit Durchzugs-Windstärke 10 gestossen sind.
Umtauschversuche der phrasendreschenden Lektüre schlagen allerdings fehl unter dem der Buchverkäuferin, dass man Bücher mit zerissenen und Aprikosemarmeladeverklebten nicht umtauschen könne.
Bevor genervte Eltern nun in den Baumarkt eilen, um eine Schaufel zu kaufen (nein nein, nicht, um den Kinderterroristen lebendig zu begraben, sondern um einen Schutzbunker für genervte Mamas und Papas ins Erdreich zu kloppen), greift man doch lieber nach dem letzten Strohalm und ruft bei RTL an.
Eine gute Woche später kommt sie mit der Aktentasche gerannt, das Ziel fest im Blick, sämtliche Mistgören dieses kleinen Planeten gründlich durchzupädagogisieren:
KATJA SAALFRANK!
Chaos-Kids, die diesen Namen hören (auch wenn sie evenutell nicht wissen, wie man ihn schreibt), flüchten in Schränke, krabbeln unter Betten, versuchen im Ausguss zu verschwinden und verstecken sich im Keller. Doch es nutzt alles nichts, denn Kati Saali hat ihren Kleinkind-Detektor mitgebracht, der piepsend auf Pickel, vollgesabberte T-Shirts und Aggressionsschübe reagiert.
Für die, die mit der Supi-Dupi-Nanny noch nicht vertraut sind: Katja Saalfrank hat einen Ehemann, ungefähr 37 Kinder und drei Ponys…ursprünglich waren es mal vier, aber siebenunddreissig – wenn auch wohlerzogene – Kinder auf einem Ponyrücken führen unweigerlich und auch durch Pferdeflüsterer nicht verhinderbar zum frühen Vierbeiner-Tod.
In den glorreichen Gründertagen der Supernanny`s war Katja Saalfrank allerdings noch recht unkonventionell. Im ulkigen Clownskostüm, beschwert mit riesigen rotenn Hemdknöpfen, ellenlangen Schuhen und einer giftgrünen Perrücke marschierte sie dickgeschminkt und von RTL noch unbegleitet in die Trutzburgen jugendlicher Aufsässigkeit.
Doch sie merkte schnell, dass Torten in Teenie-Gesichtern und Spritzwasser aus Blumen keine geeigneten Methoden sind, skrupellose Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern.
Humor ist nun mal eher beim Witze erzählen nützlich,m nicht aber beim durchpädagogisieren.
Katja fiel dann schnell ins andere Extrem und tauschte das Clownskostüm gegen die Gladiatorenrüstung und Torte gegen Ochsenpeitsche und Morgenstern aus.
In dieser Kampfmontur wurde von RTL immerhin eine Folge halb abgedreht, die dicken Striemen auf dem Rücken des frechen Max zuzüglich der Platzwunde auf Augenbrauenhöhe veranlassten den Fernsehsender dazu andere Wege zu gehen, zumal man diese Folge nicht vor 23 Uhr hätte ausstrahlen dürfen.
Katja Saalfrank schmiss also auch die Rüstung in die Ecke und wollte schon aufgeben, als plötzlich der Crative Director mit dominaähnlicher Bürokleidung um die Ecke huschte.
Flugs liess Katja sich die Augenbrauen eckig operieren, was ihr gleich einen viel autoritäreren Gesichtsausdruck verlieh und schon war die Supernanny geboren wie wir sie heute kennen und lieben (wenn wir nicht gerade 13 Jahre alt und furchtbar frustriert sind).
Bevor sie nun endgültig auf Sendung ging, war allerdings noch Fitnesstraining Galore angesagt.
In zig Wiederholungen musste die Supernanny Daumen und Zeigefinger zum Kinn führen, einen nachdenklich-besorgten gesichtsaudruck aufsetzen und gleichzeitig „Hmmm!“ hmm`en.
Abwechslung in diesem Fitnessprogramm brachte das auch nicht einfache „Hände-in-die-Hüfte-stemmen“, eine Technik, die einfach und effektiv Entrüstung ausdrücken sollte, wenn der grosse Tim versucht, die kleine Maria in den Laubhäxler zu befördern.
Danach mehrere Lektionen perfektes Nanny-Verhalten mit stundenlangem Arme verschränken und beobachten-ohne-zu-blinzelnm wobei die grösste Herausforderung darin bestand, nicht die Dominabürokleidung vollzutränen.
Komplettiert wurden die Übungen mit dem Extrem-Betatsching von Eltern-Dummys, welches Kontakt und Nähe mit dem Erziehungsberechtigten simulieren soll.
Die Eltern-Dummys sahen das aber anders und beklagten den Tatbestand sexueller Nötigung beim DGB (Dummy Gewerkschaft Bund).
Derart ausgerüstet konnte es losgehen, misserzogene Kröten in schnieke Prinzen und Prinzessinen zu verwandeln.
Die erste Auffälligkeit besteh darin, dass die Anwesenheit einer Fernsehkamera ausser Rand und Band geratene Kleinkinder dazu veranlasst, John-Woo-Neo-Matrix ähnliche Stunteinlagen auszuführen, dass man manchmal den Eindruck bekommen könnte, der Kameramann hätte den Kids vor dem Dreh gesagt, man drehe einen Actionfilm.
Dann geht erst mal das grosse Beobachten los, Katja Saalfrank nimmt die armverschränkte Haltung ein und blinzelt nicht, geht auch kaum, herumfliegende Füsse, schwingende Fäuste und verbal vorgetragenes Fäkalvokabular machen es schwer wegzusehen und zu hören.
Spritzt zwischendurch ein wenig Blutplasma oder knackt hier und da mal ein Knochen, werden Daumen und Zeigefinger wieder ans Kinn geführt und es wird proffessionell gehmmmm`t.
Ist die Schlacht geschlagen und das Feld besudelt, wird durchanalysiert.
Aber erst nach der Werbung.
Direkt zu Beginn der Konsumpause macht Katja Saalfrank Kontrastprogramm und wirbt mit dem Gewinn einer Playstation 2, die ja das Siegel „von den meisten Pädagogen nicht unbedingt empfohlen“ trägt. Macht aber nix, es wird ja Eye Toy 2 beworben, das soll Spass für die ganze Familie bringen. Klare Kiste, kleine Kinder, die den Perserteppich vollschwitzen könne ja kaum aufeinander losmoshen.
Auf jeden Fall gab es so eine Klapperkiste zu ergattern, die Gewinnfrage lautete:
„Wohin gehören kleine Kinder im Auto!“
A) Auf den Kindersitz oder
B) Auf den Schleudersitz.
Mir persönlich fehlte da Auswahl C: „Also, das kommt jetzt drauf an, wenn mein Kind besonders frech ist, wär so ein Schleudersitz schon eine nette Sache im Zubehörkatalog
Nach der Warenberauscherei wird Kriegsrat gehalten, die meist unterlegene Fraktion (Eltern) bekommt wichtigen Input vom Spion (Katja), wie mit dem übermachtigen Gegner (der kleine Moritzs, die freche Anna Maria, die verwöhnte Paris Hilton) zu verfahren ist.
Schuld sind – und das kann man jedes Mal ganz ohne Tarotkarten oder Wunderkugel vorhersagen – immer die Eltern.
Der kleine Racker kann in Nazigruppierungen stecken oder im Supermarkt mit seinen Freunden alten Damen den Karren in die Hacken fahren und behaupten „mehr Spass gibt’s für einen Euro nirgendwo“, die Eltern sind schuld, nehmen ihre Monster nicht oft genug in den Arm oder spielen nur selten Brettspiele mit ihnen.
Als nächstes wird die Taktik besprochen: Mehr Beschäftigung mit den Kindern ist das Allheilmittel um sie in kleine Knigges zu verwandeln , da reichen eigentlich schon zwei Folgen Super-Nanny, um das auch dem dümmsten RTL Zuschauer begreiflich zu machen.
Fliegen trotz aller Liebe und Zuneigung weiterhin die Fäuste, geht es ab auf…genau…die stille Treppe, die ulkigste Erfindung seit es Pädagogik gibt.
Methode? Ein zeternder Schreihals auf Dauerbetrieb wird einfach dauerhaft auf einer Treppe platziert, wo er so lange hocken muss, bis er sich seines Benehmens bewusst und das Adrenalin im Körper wieder abgebaut ist.
Blöd natürlich, wenn man das zu daheim nachmachen will und nicht in einem Einfamilenhaus mit treppeverbindender Doppeletage wohnt.
Wohnt man also in einem gewöhnlichen Wolkenkratzer, setzt man den Brüllkrümel in den Hausflur.
Dort wird er eventuell schneller still, als es einem Erziehungsberechtigten lieb sein kann, schreiende Bälger im Hausflur, das ist nichts, was man als Nachbar allzu lang toleriert und wenn dann auch noch Flurwoche ist, sind die Moritze dieser Welt schneller im Wischeimer als Katja Saalfrank „pädagogisches Playstation Partygame“ sagen kann.
Doch hier kann man wunderbares Cross-Selling betreiben, im RTL Shop könnte man aufblasbare stille Treppen für zu Hause erwerben und wenn man gleich zwei nimmt, gibt’s nen 100er Pack Ohrstöpsel gleich als Kirsche oben drauf.
Bringt das auch alles nichts und wollen die Kinder immer noch nicht hören, könnte die Supernanny ja die „blutverschmierte, knurrende Rolltreppe“ einführen. Aber nur als letzte Konsequenz.
Doch das ist halt nur was für die ganz Kleinen.
Rebellierende 13 bis 17-jährige würden über einen „Stille Treppe“ Verweis wohl nur müde lächeln, ein Anruf bei Freunden und schon wird aus der schweigenden Treppe eine kiffende.
Hier müssen härtere Geschütze aufgefahren werden, den Jugendlichen ausknocken, die Maskenbildnerin von RTL töpfert rasch siebenundzwanzig Pickel ins Gesicht den Schlechte-Laune-Trabanten und holt ihn aus dem Wachkoma vor einem Spiegel sitzend zurück.
Der entscheindende Satz „Schau also wie du aussiehst, wenn du dich nicht benimmst“ der Nanny sollte einen Großteil der Jugendlichen kurieren und der letzte Rest, der es bis hierhin immer noch nicht begriffen hat, wird nach „Sonja wird eingezogen“ abgeschoben zum U-Boote hinterhertauchen.
Doch Katja Saalfrank schaut pädagogisch wertvoll dem Horizont entgegen und schmiedet schon neue Pläne auf dem Amboss anspruchsloser Fernsehunterhaltung.
DIE SUPER-GRANNY
Untertitel: meine 37 jährige Tochter treibt mich mit ihrem Schuhtick in den Wahnsinn, bitte Katja hilf mir doch.
Solls ja auch geben, so was.
Es gibt ja recht unterschiedliche Möglichkeiten, sich als Heranwachsender bei seinen Erziehungsberechtigten unbeliebt zu machen.
Zum Beispiel kleinere Geschwister:
Möchte man als Teppichrutscher den ungeheuren Zwang zum Destruktiven exzessiv ausleben, reicht eigentlich schon ein gepflegter Roundhousekick auf die unversehrte Wange des kleinen Brüderchens. Wenn das noch keinen beeindruckt, reisst man halt noch ein bisschen am Skalp herum und hört erst auf, wenn das Ergebnis in der Faust als „Büschel“ bezeichnet werden kann.
Ist man der körperlichen Gewalt nicht so zugeneigt, kann man auch den Mobbing-Weg beschreiten und sich an den Lieblingsspielzeugen der Geschwister vergehen, so ein Lego Feuerwehrauto wirkt schliesslich erst dann authentisch, wenn es sich auf dem Weg zu einem brennenden Teddy befindet.
Auch das Pfosten-Ansägen von Etagenbetten hat sich als recht beliebte Methode herausgestellt, Eltern und Geschwister in Wahnsinn und Baumarkt zu treiben.
Telefonterror gegen den kleinen Bruder bringt allerdings noch keinen zerstörerischen Nutzen, das Spielzeugtelefon funktioniert nicht wirklich, aber wenn der zweijährige Racker in spätestens vier Jahren sein erstes Handy zur Einschulung bekommt, dürften Psychoterroranrufe a la „Ich weiss genau wo du wohnst und ich mach dich alle“ auf der Tagesordnung ganz oben zu finden sein.
Des Weiteren lassen nutellaverschmierte Türklinken, Zahnpasta im Fön und Stolperdrähte im Hausflur die Kochlöffel-auf-Hintern-Frequenz und den elterlichen Blutruck nach oben schnellen.
Das ganze schaut man sich als Erziehungsberechtigter natürlich eine Weile an, man diskutiert mal im ruhigen Ton, dann blökt man wieder herum, man gestikuliert, entfernt strafmassnahmend Spielzeuge, erteilt Hausarrest und auch Computerverbot.
Bringt das alles nichts, steigt man im Verzweiflungsrang schnell auf Obergeneral.
Das ist dann die Stufe, auf der man sich auch gern mal gut gemeinte Ratgeber mit Titeln wie „Wie erziehe ich mein Kkind richtig, ohne es an einen Stuhl zu knebeln“ und auf der man beginnt, seltener zum Friseur zu gehen, da ein guter Teil der Haare schon weggerauft wurde.
Abends im Bett, wenn die Schlafmittel des kleinen Anarchen zu wirken beginnen, die man ihm mit der Honigmilch verabreicht hat, stöbert man ausführlich im Erziehungsschmöker und liest Sätze wie „Sie müssen ihr Kind nicht schlagen, sondern ruhig mit ihm reden und ihm klarmachen, dass sein Handeln und Tun Konsequenzen hat, die andere verletzen. Ihr Kind wird es begreifen.“
Hat man sich von dem gemeinsamen Lachanfall erholt, wird der schnell von der Empörung verdrängt, dass man siebzehnneunundneunzig für Ratschläge ausgegeben hat, die schon nach dem 23. Lebensmonat auf taube Lauscher mit Durchzugs-Windstärke 10 gestossen sind.
Umtauschversuche der phrasendreschenden Lektüre schlagen allerdings fehl unter dem der Buchverkäuferin, dass man Bücher mit zerissenen und Aprikosemarmeladeverklebten nicht umtauschen könne.
Bevor genervte Eltern nun in den Baumarkt eilen, um eine Schaufel zu kaufen (nein nein, nicht, um den Kinderterroristen lebendig zu begraben, sondern um einen Schutzbunker für genervte Mamas und Papas ins Erdreich zu kloppen), greift man doch lieber nach dem letzten Strohalm und ruft bei RTL an.
Eine gute Woche später kommt sie mit der Aktentasche gerannt, das Ziel fest im Blick, sämtliche Mistgören dieses kleinen Planeten gründlich durchzupädagogisieren:
KATJA SAALFRANK!
Chaos-Kids, die diesen Namen hören (auch wenn sie evenutell nicht wissen, wie man ihn schreibt), flüchten in Schränke, krabbeln unter Betten, versuchen im Ausguss zu verschwinden und verstecken sich im Keller. Doch es nutzt alles nichts, denn Kati Saali hat ihren Kleinkind-Detektor mitgebracht, der piepsend auf Pickel, vollgesabberte T-Shirts und Aggressionsschübe reagiert.
Für die, die mit der Supi-Dupi-Nanny noch nicht vertraut sind: Katja Saalfrank hat einen Ehemann, ungefähr 37 Kinder und drei Ponys…ursprünglich waren es mal vier, aber siebenunddreissig – wenn auch wohlerzogene – Kinder auf einem Ponyrücken führen unweigerlich und auch durch Pferdeflüsterer nicht verhinderbar zum frühen Vierbeiner-Tod.
In den glorreichen Gründertagen der Supernanny`s war Katja Saalfrank allerdings noch recht unkonventionell. Im ulkigen Clownskostüm, beschwert mit riesigen rotenn Hemdknöpfen, ellenlangen Schuhen und einer giftgrünen Perrücke marschierte sie dickgeschminkt und von RTL noch unbegleitet in die Trutzburgen jugendlicher Aufsässigkeit.
Doch sie merkte schnell, dass Torten in Teenie-Gesichtern und Spritzwasser aus Blumen keine geeigneten Methoden sind, skrupellose Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern.
Humor ist nun mal eher beim Witze erzählen nützlich,m nicht aber beim durchpädagogisieren.
Katja fiel dann schnell ins andere Extrem und tauschte das Clownskostüm gegen die Gladiatorenrüstung und Torte gegen Ochsenpeitsche und Morgenstern aus.
In dieser Kampfmontur wurde von RTL immerhin eine Folge halb abgedreht, die dicken Striemen auf dem Rücken des frechen Max zuzüglich der Platzwunde auf Augenbrauenhöhe veranlassten den Fernsehsender dazu andere Wege zu gehen, zumal man diese Folge nicht vor 23 Uhr hätte ausstrahlen dürfen.
Katja Saalfrank schmiss also auch die Rüstung in die Ecke und wollte schon aufgeben, als plötzlich der Crative Director mit dominaähnlicher Bürokleidung um die Ecke huschte.
Flugs liess Katja sich die Augenbrauen eckig operieren, was ihr gleich einen viel autoritäreren Gesichtsausdruck verlieh und schon war die Supernanny geboren wie wir sie heute kennen und lieben (wenn wir nicht gerade 13 Jahre alt und furchtbar frustriert sind).
Bevor sie nun endgültig auf Sendung ging, war allerdings noch Fitnesstraining Galore angesagt.
In zig Wiederholungen musste die Supernanny Daumen und Zeigefinger zum Kinn führen, einen nachdenklich-besorgten gesichtsaudruck aufsetzen und gleichzeitig „Hmmm!“ hmm`en.
Abwechslung in diesem Fitnessprogramm brachte das auch nicht einfache „Hände-in-die-Hüfte-stemmen“, eine Technik, die einfach und effektiv Entrüstung ausdrücken sollte, wenn der grosse Tim versucht, die kleine Maria in den Laubhäxler zu befördern.
Danach mehrere Lektionen perfektes Nanny-Verhalten mit stundenlangem Arme verschränken und beobachten-ohne-zu-blinzelnm wobei die grösste Herausforderung darin bestand, nicht die Dominabürokleidung vollzutränen.
Komplettiert wurden die Übungen mit dem Extrem-Betatsching von Eltern-Dummys, welches Kontakt und Nähe mit dem Erziehungsberechtigten simulieren soll.
Die Eltern-Dummys sahen das aber anders und beklagten den Tatbestand sexueller Nötigung beim DGB (Dummy Gewerkschaft Bund).
Derart ausgerüstet konnte es losgehen, misserzogene Kröten in schnieke Prinzen und Prinzessinen zu verwandeln.
Die erste Auffälligkeit besteh darin, dass die Anwesenheit einer Fernsehkamera ausser Rand und Band geratene Kleinkinder dazu veranlasst, John-Woo-Neo-Matrix ähnliche Stunteinlagen auszuführen, dass man manchmal den Eindruck bekommen könnte, der Kameramann hätte den Kids vor dem Dreh gesagt, man drehe einen Actionfilm.
Dann geht erst mal das grosse Beobachten los, Katja Saalfrank nimmt die armverschränkte Haltung ein und blinzelt nicht, geht auch kaum, herumfliegende Füsse, schwingende Fäuste und verbal vorgetragenes Fäkalvokabular machen es schwer wegzusehen und zu hören.
Spritzt zwischendurch ein wenig Blutplasma oder knackt hier und da mal ein Knochen, werden Daumen und Zeigefinger wieder ans Kinn geführt und es wird proffessionell gehmmmm`t.
Ist die Schlacht geschlagen und das Feld besudelt, wird durchanalysiert.
Aber erst nach der Werbung.
Direkt zu Beginn der Konsumpause macht Katja Saalfrank Kontrastprogramm und wirbt mit dem Gewinn einer Playstation 2, die ja das Siegel „von den meisten Pädagogen nicht unbedingt empfohlen“ trägt. Macht aber nix, es wird ja Eye Toy 2 beworben, das soll Spass für die ganze Familie bringen. Klare Kiste, kleine Kinder, die den Perserteppich vollschwitzen könne ja kaum aufeinander losmoshen.
Auf jeden Fall gab es so eine Klapperkiste zu ergattern, die Gewinnfrage lautete:
„Wohin gehören kleine Kinder im Auto!“
A) Auf den Kindersitz oder
B) Auf den Schleudersitz.
Mir persönlich fehlte da Auswahl C: „Also, das kommt jetzt drauf an, wenn mein Kind besonders frech ist, wär so ein Schleudersitz schon eine nette Sache im Zubehörkatalog
Nach der Warenberauscherei wird Kriegsrat gehalten, die meist unterlegene Fraktion (Eltern) bekommt wichtigen Input vom Spion (Katja), wie mit dem übermachtigen Gegner (der kleine Moritzs, die freche Anna Maria, die verwöhnte Paris Hilton) zu verfahren ist.
Schuld sind – und das kann man jedes Mal ganz ohne Tarotkarten oder Wunderkugel vorhersagen – immer die Eltern.
Der kleine Racker kann in Nazigruppierungen stecken oder im Supermarkt mit seinen Freunden alten Damen den Karren in die Hacken fahren und behaupten „mehr Spass gibt’s für einen Euro nirgendwo“, die Eltern sind schuld, nehmen ihre Monster nicht oft genug in den Arm oder spielen nur selten Brettspiele mit ihnen.
Als nächstes wird die Taktik besprochen: Mehr Beschäftigung mit den Kindern ist das Allheilmittel um sie in kleine Knigges zu verwandeln , da reichen eigentlich schon zwei Folgen Super-Nanny, um das auch dem dümmsten RTL Zuschauer begreiflich zu machen.
Fliegen trotz aller Liebe und Zuneigung weiterhin die Fäuste, geht es ab auf…genau…die stille Treppe, die ulkigste Erfindung seit es Pädagogik gibt.
Methode? Ein zeternder Schreihals auf Dauerbetrieb wird einfach dauerhaft auf einer Treppe platziert, wo er so lange hocken muss, bis er sich seines Benehmens bewusst und das Adrenalin im Körper wieder abgebaut ist.
Blöd natürlich, wenn man das zu daheim nachmachen will und nicht in einem Einfamilenhaus mit treppeverbindender Doppeletage wohnt.
Wohnt man also in einem gewöhnlichen Wolkenkratzer, setzt man den Brüllkrümel in den Hausflur.
Dort wird er eventuell schneller still, als es einem Erziehungsberechtigten lieb sein kann, schreiende Bälger im Hausflur, das ist nichts, was man als Nachbar allzu lang toleriert und wenn dann auch noch Flurwoche ist, sind die Moritze dieser Welt schneller im Wischeimer als Katja Saalfrank „pädagogisches Playstation Partygame“ sagen kann.
Doch hier kann man wunderbares Cross-Selling betreiben, im RTL Shop könnte man aufblasbare stille Treppen für zu Hause erwerben und wenn man gleich zwei nimmt, gibt’s nen 100er Pack Ohrstöpsel gleich als Kirsche oben drauf.
Bringt das auch alles nichts und wollen die Kinder immer noch nicht hören, könnte die Supernanny ja die „blutverschmierte, knurrende Rolltreppe“ einführen. Aber nur als letzte Konsequenz.
Doch das ist halt nur was für die ganz Kleinen.
Rebellierende 13 bis 17-jährige würden über einen „Stille Treppe“ Verweis wohl nur müde lächeln, ein Anruf bei Freunden und schon wird aus der schweigenden Treppe eine kiffende.
Hier müssen härtere Geschütze aufgefahren werden, den Jugendlichen ausknocken, die Maskenbildnerin von RTL töpfert rasch siebenundzwanzig Pickel ins Gesicht den Schlechte-Laune-Trabanten und holt ihn aus dem Wachkoma vor einem Spiegel sitzend zurück.
Der entscheindende Satz „Schau also wie du aussiehst, wenn du dich nicht benimmst“ der Nanny sollte einen Großteil der Jugendlichen kurieren und der letzte Rest, der es bis hierhin immer noch nicht begriffen hat, wird nach „Sonja wird eingezogen“ abgeschoben zum U-Boote hinterhertauchen.
Doch Katja Saalfrank schaut pädagogisch wertvoll dem Horizont entgegen und schmiedet schon neue Pläne auf dem Amboss anspruchsloser Fernsehunterhaltung.
DIE SUPER-GRANNY
Untertitel: meine 37 jährige Tochter treibt mich mit ihrem Schuhtick in den Wahnsinn, bitte Katja hilf mir doch.
Solls ja auch geben, so was.


1 Comments:
Wie wahr, wie wahr.
Früher hieß es immer: Wenn Du nicht hörst, gehst Du in den Keller. Heute auf die stille Treppe (ich frage mich aber immer, wie eine laute Treppe aussieht).
Gut wie immer.
Deine M.
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