Pennys Wochenrückblick Folge 33: Der Arsch von Heidi Klum und der Husten von Oma Lise!
Gerne würde man ja manchmal die Zeit ein kleines bisschen nach hinten schleudern, um mal zu betrachten, ob früher wirklich so viele Dinge so viel besser waren. Aber alles was heute nun mal da ist, hat ja wohl auch seine Berechtigung, möchte man meinen.
Nicht alles.
So ist es im Internet auf einer einschlägigen Seite nun möglich, sich zwölf verschiedene Lungenkrankheiten als Soundfile herunterzuladen und zwar so, wie es sich durch das Stethoskop eines Facharztes anhört.
So eine typische Brustfellentzündung klingt zum Beispiel wie knirschender Schnee.
Solche Hinweise sind in der heutigen Zeit fatal, läuft man morgens früh unausgeschlafen zur Bushaltestelle und hört seine Mitmenschen durch die weiße, kalte Pracht stapfen, muss man höllisch aufpassen, nicht reflexartig den Notarzt zu kontaktieren.
Der kommt dann – tatütata – angedüst und fragt hektisch, was denn los sei und dann zeigt man auf das vermeintliche Opfer und faselt:
“Klang nach knisterndem Schnee, der Herr…..Brustfellentzündung, die Diagnose ist eindeutig!“
Die Nacht in der gummitapezierten Zelle dürfte dann noch das kleinste Problem sein.
Aber auch für Teilzeithypochonder dürfte das akustische Röcheln keine echte Hilfe sein.
Die sitzen dann vor ihrem PC, die dicken Sennheiser Kopfhörer auf, lauschend und mit dem eigenen Odem vergleichend: Ist das nun eine Lungenentzündung oder doch nur ne harmlose Bronchitis? Und wenn es eine harmlose Bronchitis ist, ist sie dann akut oder chronisch? Oder vielleicht sogar chronisch obstruktiv?
Ein Trend dürfte das ganze letztendlich nicht werden, das möchte man zumindest schwer hoffen. Zu ungewöhnlich und fremdartig ist die Vorstellung, Deutschlands Jugend würde in der U-Bahn sitzen und den neuesten Röchelhits auf dem iPod lauschen.
Was für ein Glück.
Sonst greifen zwielichtige Trittbrettfahrer die Idee noch auf und machen Magen-Darm-Grippe, Zehenzwischenraum-Pilze, grauer Star und diverse Geschlechtskrankheiten hörbar und schon hätte man einen Sampler zu verkaufen:
Hausdoc-Hits Vol. 1 (mit Tokio Hustelinchen, Skorbut Williams, die fantastischen vier Kopfschmerztabletten, fette Grippe und den famosen Pneumologie Pussycat-Dolls)
Auch das pathologische Revival der Klingeltonwerbungen bleibt uns so erspart, so laut könnte ich gar nicht schreien, wenn plötzlich eine crazy-hippige-duchgeknallte Stimme mir den neuesten Handy-Pimp präsentiert.
Jaaa, lads dir auf dein Handy, wähle 110 für das Ausbrechen der Vogelgrippe, 112 für hustende Kopfläuse und die 111 für eine fröhliche Raucherbeinamputation.
Alles natürlich in Real-Tone, so ne Heuschnupfenattacke in polyphon, das würde sich nicht gut verkaufen.
Titelseitenreif war das die Woche über sowieso nicht, da haben wir ganz andere Kaliber in Deutschland.
Es ist mal wieder an der Zeit, sich aufzuplustern und ein gehöriges Stück Empörung in die Welt hinauszuschreien!
Denn seit einigen Wochen läuft auf dem Kuschelsender Pro7 die Modelshow von Heidi Klum und schon entzündet sich an der Sendung eine hitzige Debatte über das Idealgewicht deutscher Durchschnittsfrauen.
„Du kommst hier ned rein, Du bist zu fett“, hieß es da bei einem Grossteil der Mädels, die für das normal geschulte Auge schon eher so aussahen, als müsste man sie beim Mittagsessen an den Tisch ketten und die bei der morgendlichen Reinigung schwerwiegende Probleme haben, sich von zwei Duschstrahlen gleichzeitig berieseln zu lassen.
Statt diesen grenzdebilen Unfug aber einfach grenzdebilen Unfug sein zu lassen, musste das Thema erst mal bauchfaltig aufgerollt werden, bulimiekranke Frauen ließen ihre zierlichen Körper von BILD Fotografen ablichten und klagten an, Sendungen wie diese würden die deutsche Jugend kaputtmachen und zu Crash-Diäten verleiten.
Dass es diesen Wahn bereits vor der Show von See-Aal`s Gefährtin gab, in unzähligen Frauenzeitschriften propagiert, schien da niemanden wirklich zu jucken.
Ananasdiät, Nudeldiät, Kohlsuppendiät (wer die macht, verliert nicht nur Pfunde, sondern auch Freunde und im Extremfall auch den Partner), allüberall werden die kurzwirkenden und einseitigen Ernährungstipps vorgestellt, dass es einem schon die Linse trübt, wenn man nur aufs Zeitschriftenregal glotzt.
Man sollte das ganze einfach ignorieren, wenn Modemacher aus Mailand, New York, Rom, London und Paris (in anderen Städten scheinen Modeschauen und Modezaren nicht ansatzweise existent zu sein) auf klapprige Gestelle fliegen, die ständig Hämatome an den Ellbogen haben, weil sie armaustreckend über Gullideckel laufen müssen, bitte sehr.
Dies alles kann doch ruhig eine in sich geschlossene Welt bleiben, Models haben schließlich für lange Zeit ausgesorgt, sie leben in prachtvollen Villen, wo wir sie eh nicht sehen können.
Und wenn mal doch eine Muse von Lagerfeld all ihre Model-Milliönchen in zu viel Koks investieren sollte, kann es immer noch als Schulskelett auf 400-Euro-Basis jobben…aber nur, wenn es vorher ein bisschen zunimmt.
Wer mal ein bissen Sinn für Realitäten und aus den Fugen geratene Proportionen entwickeln möchte, der sollte sich sowieso in eine öffentliche Sauna begeben.
Nach der nervösen Anspannung des ersten Besuchs kann man getrost die Schultern sinken lassen, erleichtert ausatmen und denken:
Puh, die sehen ja auch alle nicht besser aus als ich.
Da wirken die photogeshoppten Mädels aus den Frauenzeitschriften plötzlich aus wie fremde Besucher vom fernen Planeten Skelleton IV.
Schau mal einer an, denkt man in der Sauna, Orangenhaut, gepiercte Bauchfalten, sperrige Ohrläppchen, aufgeplusterte Wangen, die aufgeplustert bleiben. Alles wird selbstverständlich präsentiert und dem Auge des Betrachters feilgeboten.
Luft anhalten bringt in so einer aufgeheitzen Atmosphäre auch nicht viel, der Vorteil des eingezogenen Bauches wird da schnell durch den Nachteil der violetten Gesichtsfarbe aufgezehrt.
Kommt man dann raus aus dem Tempel schwitzender Realitäten, ist man dann doch gleich ein anderer Mensch und kann über das Modelgesülze „also, ich ess ganz normal, ich trink halt nur viel Wasser, natürlich gönn ich mir auch ab und zu etwas, ich bin ja nicht als Sklave eines im Galeerenrhytmus trommelnden Körper gefangen, hihi“ nur noch müde lächeln.
Bis zur Normalität ist es dann trotz allem noch ein weiter Weg, zumindest global gesehen.
Wir werden vermutlich noch ein Weilchen warten müssen und so manche Spinne wird unzählige filigrane Netze weben, bis endlich eine halbwegs normal aussehende Weiblichkeit uns medial verklickert, dass sie sich nach dem Joggen eine Joghurette himmlisch joghurleicht zwischen die Zahnlücken steckt.
Diese Frau wird uns dann erzählen – man wird es später das Zeitalter unendlich vorgetragener Ehrlichkeit nennen – dass man nach dem Joggen ruhig Schokoriegel verzehren darf, sich dann aber nicht wundern muss, wenn man nicht unbedingt davon abnimmt.
Auch beworbenes Duschgel wird in jener Epoche marketingtechnisch keinen multiplen Orgasmus mehr auslösen, sondern von stinknormalen Menschen wie du und ich in dellige Haut eingeseift und aus faltiger herausgespült.
Dicke Frauen werden endlich Kleider tragen können ohne dass jemand dumme Witze macht, dass man doch bitte im Beinschlitz einen Kartenabreisser für eine Zirkusshow aufstellen möge.
Die Leute werden also endlich vernünftig werden.
Und bis dahin dürfen sich gerne einige mit der Frage beschäftigen, warum sie einen dicken Schluck aus einer 78er Pulle Doppelmoral-Feinrip getrunken haben und Heidi Klums Show verteufeln bis zur Hölle, auf der anderen Seite aber eine Meinung zur Arschbreite der Moderatorin haben.
Guten Appetit
Nicht alles.
So ist es im Internet auf einer einschlägigen Seite nun möglich, sich zwölf verschiedene Lungenkrankheiten als Soundfile herunterzuladen und zwar so, wie es sich durch das Stethoskop eines Facharztes anhört.
So eine typische Brustfellentzündung klingt zum Beispiel wie knirschender Schnee.
Solche Hinweise sind in der heutigen Zeit fatal, läuft man morgens früh unausgeschlafen zur Bushaltestelle und hört seine Mitmenschen durch die weiße, kalte Pracht stapfen, muss man höllisch aufpassen, nicht reflexartig den Notarzt zu kontaktieren.
Der kommt dann – tatütata – angedüst und fragt hektisch, was denn los sei und dann zeigt man auf das vermeintliche Opfer und faselt:
“Klang nach knisterndem Schnee, der Herr…..Brustfellentzündung, die Diagnose ist eindeutig!“
Die Nacht in der gummitapezierten Zelle dürfte dann noch das kleinste Problem sein.
Aber auch für Teilzeithypochonder dürfte das akustische Röcheln keine echte Hilfe sein.
Die sitzen dann vor ihrem PC, die dicken Sennheiser Kopfhörer auf, lauschend und mit dem eigenen Odem vergleichend: Ist das nun eine Lungenentzündung oder doch nur ne harmlose Bronchitis? Und wenn es eine harmlose Bronchitis ist, ist sie dann akut oder chronisch? Oder vielleicht sogar chronisch obstruktiv?
Ein Trend dürfte das ganze letztendlich nicht werden, das möchte man zumindest schwer hoffen. Zu ungewöhnlich und fremdartig ist die Vorstellung, Deutschlands Jugend würde in der U-Bahn sitzen und den neuesten Röchelhits auf dem iPod lauschen.
Was für ein Glück.
Sonst greifen zwielichtige Trittbrettfahrer die Idee noch auf und machen Magen-Darm-Grippe, Zehenzwischenraum-Pilze, grauer Star und diverse Geschlechtskrankheiten hörbar und schon hätte man einen Sampler zu verkaufen:
Hausdoc-Hits Vol. 1 (mit Tokio Hustelinchen, Skorbut Williams, die fantastischen vier Kopfschmerztabletten, fette Grippe und den famosen Pneumologie Pussycat-Dolls)
Auch das pathologische Revival der Klingeltonwerbungen bleibt uns so erspart, so laut könnte ich gar nicht schreien, wenn plötzlich eine crazy-hippige-duchgeknallte Stimme mir den neuesten Handy-Pimp präsentiert.
Jaaa, lads dir auf dein Handy, wähle 110 für das Ausbrechen der Vogelgrippe, 112 für hustende Kopfläuse und die 111 für eine fröhliche Raucherbeinamputation.
Alles natürlich in Real-Tone, so ne Heuschnupfenattacke in polyphon, das würde sich nicht gut verkaufen.
Titelseitenreif war das die Woche über sowieso nicht, da haben wir ganz andere Kaliber in Deutschland.
Es ist mal wieder an der Zeit, sich aufzuplustern und ein gehöriges Stück Empörung in die Welt hinauszuschreien!
Denn seit einigen Wochen läuft auf dem Kuschelsender Pro7 die Modelshow von Heidi Klum und schon entzündet sich an der Sendung eine hitzige Debatte über das Idealgewicht deutscher Durchschnittsfrauen.
„Du kommst hier ned rein, Du bist zu fett“, hieß es da bei einem Grossteil der Mädels, die für das normal geschulte Auge schon eher so aussahen, als müsste man sie beim Mittagsessen an den Tisch ketten und die bei der morgendlichen Reinigung schwerwiegende Probleme haben, sich von zwei Duschstrahlen gleichzeitig berieseln zu lassen.
Statt diesen grenzdebilen Unfug aber einfach grenzdebilen Unfug sein zu lassen, musste das Thema erst mal bauchfaltig aufgerollt werden, bulimiekranke Frauen ließen ihre zierlichen Körper von BILD Fotografen ablichten und klagten an, Sendungen wie diese würden die deutsche Jugend kaputtmachen und zu Crash-Diäten verleiten.
Dass es diesen Wahn bereits vor der Show von See-Aal`s Gefährtin gab, in unzähligen Frauenzeitschriften propagiert, schien da niemanden wirklich zu jucken.
Ananasdiät, Nudeldiät, Kohlsuppendiät (wer die macht, verliert nicht nur Pfunde, sondern auch Freunde und im Extremfall auch den Partner), allüberall werden die kurzwirkenden und einseitigen Ernährungstipps vorgestellt, dass es einem schon die Linse trübt, wenn man nur aufs Zeitschriftenregal glotzt.
Man sollte das ganze einfach ignorieren, wenn Modemacher aus Mailand, New York, Rom, London und Paris (in anderen Städten scheinen Modeschauen und Modezaren nicht ansatzweise existent zu sein) auf klapprige Gestelle fliegen, die ständig Hämatome an den Ellbogen haben, weil sie armaustreckend über Gullideckel laufen müssen, bitte sehr.
Dies alles kann doch ruhig eine in sich geschlossene Welt bleiben, Models haben schließlich für lange Zeit ausgesorgt, sie leben in prachtvollen Villen, wo wir sie eh nicht sehen können.
Und wenn mal doch eine Muse von Lagerfeld all ihre Model-Milliönchen in zu viel Koks investieren sollte, kann es immer noch als Schulskelett auf 400-Euro-Basis jobben…aber nur, wenn es vorher ein bisschen zunimmt.
Wer mal ein bissen Sinn für Realitäten und aus den Fugen geratene Proportionen entwickeln möchte, der sollte sich sowieso in eine öffentliche Sauna begeben.
Nach der nervösen Anspannung des ersten Besuchs kann man getrost die Schultern sinken lassen, erleichtert ausatmen und denken:
Puh, die sehen ja auch alle nicht besser aus als ich.
Da wirken die photogeshoppten Mädels aus den Frauenzeitschriften plötzlich aus wie fremde Besucher vom fernen Planeten Skelleton IV.
Schau mal einer an, denkt man in der Sauna, Orangenhaut, gepiercte Bauchfalten, sperrige Ohrläppchen, aufgeplusterte Wangen, die aufgeplustert bleiben. Alles wird selbstverständlich präsentiert und dem Auge des Betrachters feilgeboten.
Luft anhalten bringt in so einer aufgeheitzen Atmosphäre auch nicht viel, der Vorteil des eingezogenen Bauches wird da schnell durch den Nachteil der violetten Gesichtsfarbe aufgezehrt.
Kommt man dann raus aus dem Tempel schwitzender Realitäten, ist man dann doch gleich ein anderer Mensch und kann über das Modelgesülze „also, ich ess ganz normal, ich trink halt nur viel Wasser, natürlich gönn ich mir auch ab und zu etwas, ich bin ja nicht als Sklave eines im Galeerenrhytmus trommelnden Körper gefangen, hihi“ nur noch müde lächeln.
Bis zur Normalität ist es dann trotz allem noch ein weiter Weg, zumindest global gesehen.
Wir werden vermutlich noch ein Weilchen warten müssen und so manche Spinne wird unzählige filigrane Netze weben, bis endlich eine halbwegs normal aussehende Weiblichkeit uns medial verklickert, dass sie sich nach dem Joggen eine Joghurette himmlisch joghurleicht zwischen die Zahnlücken steckt.
Diese Frau wird uns dann erzählen – man wird es später das Zeitalter unendlich vorgetragener Ehrlichkeit nennen – dass man nach dem Joggen ruhig Schokoriegel verzehren darf, sich dann aber nicht wundern muss, wenn man nicht unbedingt davon abnimmt.
Auch beworbenes Duschgel wird in jener Epoche marketingtechnisch keinen multiplen Orgasmus mehr auslösen, sondern von stinknormalen Menschen wie du und ich in dellige Haut eingeseift und aus faltiger herausgespült.
Dicke Frauen werden endlich Kleider tragen können ohne dass jemand dumme Witze macht, dass man doch bitte im Beinschlitz einen Kartenabreisser für eine Zirkusshow aufstellen möge.
Die Leute werden also endlich vernünftig werden.
Und bis dahin dürfen sich gerne einige mit der Frage beschäftigen, warum sie einen dicken Schluck aus einer 78er Pulle Doppelmoral-Feinrip getrunken haben und Heidi Klums Show verteufeln bis zur Hölle, auf der anderen Seite aber eine Meinung zur Arschbreite der Moderatorin haben.
Guten Appetit


2 Comments:
Leider kann ich mich eigentlich gar nicht so recht äußern, da ich noch keine einzige Sendung gesehen habe (wahrscheinlich habe ich auch nichts verpasst). Irgendwie habe ich das Gefühl, daß Heidi Klum (bis dato konnte ich sie eigentlich gut leiden) den Hals nicht mehr voll kriegt. Meiner Meinung nach sollte sie sich auf ihre Kinder konzentrieren und nicht darauf, wie man am schnellsten wieder einen flachen Bauch bekommt. Das ist für mich ganz einfach arm, und zwar im Gehirn. Schön ist eben auch nicht alles. Heute habe ich ein Foto von ihr in der Zeitung gesehen. Die Frisur, einfach nur schrecklich und außerdem schon eine Andeutung in Richtung Magersucht. An Oma Lenis Stelle würde ich aufpassen. Mal sehen, was daraus wird. Man darf gespannt sein.
Für nächste Woche wünsche ich mir mal wieder ein lustiges Thema. Also, lass Dir etwas einfallen.
Deine M.
Hoi Penny.
Runks hier!
Wie immer nen super WR. Mach weiter so.
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