21.4.06

Pennys Wochenrückblick Folge 44: Final Dancetination…Horror auf dem Tanzparkett

Alles neu macht der Mai, so sabbert der Volksmund, doch er verschweigt, dass neue Dinge nicht immer gut sein müssen.
Das „neue“ ist momentan die Tanzsendung „Let`s Dance“ auf RTL und auch gegenüber der landläufigen Feststellung, dass hier mal ein neuartiges Konzept ausprobiert wurde, bleibt festzuhalten:
Die Show ist überflüssig wie ein dicker Kropf am Hals.
Zunächst der Sinn: Nebend dem karikativen Zweck muss wohl davon ausgegangen werden, dass Hape Kerkeling und Konsorten im Teutonen die Tangolust wecken sollen.

Das ist löblich, denn viel zu häufig sitzen wir in Straßenbahnen und am Arbeitsplatz, stehen in Kaufhäusern an der Kasse oder beschäftigen uns mit binomischen Formeln und kommen einfach nicht auf den Trichter, was uns fehlt im Leben. Würde aber nun ein Tanzpärchen tief dekolltiert und pailettenglänzend an uns vorbeirutschen, würde die Welt schon anders aussehen. Warten im Supermarkt? Kein Ding, wenn die Kassiererin nen Moonwalk auf dem Warenband hinlegt.
Warum es unbedingt bedingt berühmte Prominente sein müssen, die da über das Tanzparkett huschen und nicht zum Beispiel die Lieselotte Sauerteig von nebenan, will sich nicht erschließen.
Klaro, man könnte meinen, dass auch noch der unbekannteste Promi interessanter als die Lieselotte ist, aber zum einen kennt heutzutage auch kaum jemand noch Jürgen Hingsen und zum anderen hat die Welt es meiner Meinung nach verdient, Lieselottes Feinripp-Tanga zu sehen.

Nun, die Sendung hat trotz aller Unkenrufe Zuschauer ohne Ende und bei RTL bildet man sich vermutlich die ganze Zeit ein, dass man da in eine Goldgrube gefallen ist und im RTL Shop in naher Zukunft von asiatischen Kleinkindern zusammengenähte billige Tanzkleidchen für teuer Euro verkauft. Du bist Deutschland, Du bist der Tscha Tscha Tscha.
Doch weit gefehlt. Unsere von innerer Zerrissenheit geplagte Nation tut sich nur aus einem einzigen Grund dieses Gezappel an: Sie will Frau Simonis scheitern sehen.
Fernsehdeutschland fährt also an diesem Unfall vorbei, steht im Stau und glotzt aus dem Seitenfenster.
Zunächst: Heise Simonis war mal Ministerpräsidentin von Schleswig Holstein, dann aber nach einer lustigen Wahl nicht mehr so ganz.
Schon damals machte Heide darauf aufmerksam, dass „sie als Ex-Ministerin ja keiner mehr auf der Strasse erkennen würde.“
Deswegen tanzt sie für RTL als mobile Körperwelten-Ausstellung den Falten-Foxtrott und scheint dem Begriff „Mumienschubsen“ eine ganz neue Richtung zu geben.
Der Herr Llabi in der Jury kann so viel Engagement im Alter allerdings weder nachvollziehen noch tolerieren, schüttet er doch nach jeder tänzerischen Darbietung derart viel Dreck über die Heide, dass RTL nen extra Tanzbodenschrubber engagieren musste.
Als Schreiber kommt man da schnell in Versuchung, den Eimer aufzufüllen und mitzukippen.
Aber Heide Simonis ist ein Orakel, sie ist fleischgewordene Zukunftsmusik (die vielleicht nicht immer gut klingt, doch was solls).
Wer ein bisschen Zeitung liest, der weiß, dass sich die demografischen Verhältnisse in Deutschland rasch ändern. In naher Zukunft wird es mehr ältere als junge Menschen geben, das Zielpublikum wird sich ändern und RTLs Lets Dance die zehnte wird vielleicht nur noch aus alten Politikern mit Tanzschuhen bestehen.
Deswegen ist der Hohn über Heide Simonis nicht vom Vorteil.
Junge Leiber zucken sowieso nicht im Walzertakt. Da muss man sich auch beim Kölner Kuschelsender nichts vormachen, der größte Teil der jungen Menschheit hat von Taktgefühl, im tanzenden wie im menschlichen Bereich, leider nicht viel Ahnung.

Und von Kinofilmen leider auch nicht.
Final Destination 3 möge da als gar grausiges Beispiel herhalten, dass nicht nur neue Konzepte die Galle in Wallung zu bringen vermögen, sondern auch altbewährtes und traditionelles.
Wer den Film noch nicht gesehen hat, der kann hier entweder aufhören, weiter zu lesen oder es dennoch tun:
Denn geändert hat sich nichts.
Auch im dritten Teil der Reihe, gibt es einen grausigen Unfall mit vielen Toten, den aber einige Teenies überleben. Auch in diesem Teil macht der Tod aber keine Kaffeepause, sondern schwingt die Sense so lange, bis auch der letzte Jungspund mit der Atmerei aufhört. Das wär ja jetzt nicht verwerflich, wenn wir das nicht schon zwei Filme zuvor bereits gesehen hätten, die Handlung die gleiche, nur die Orte variabel.
Final Destination 4 im Fahrstuhl? Oder von Politikern im Bundestag totgelabert? Durchaus möglich und machbar, nur leider nicht innovativer als ein schimmliger Küchenschwamm.
So schaut man gelangweit von Unfall zu Unfall, amüsiert sich, welch interessantes und kreatives Eigenleben so ein Gabelstapler zu verursachen vermag und wird zwischendurch nur durch Dolby-Surround-Todesschreie geweckt.
Tanzsendungen und Fortsetzungsfilme sollten gleichermaßen auf den Index der medialen Unzulänglichkeiten gesetzt werden.
An Filmen, die nicht den Horror eines zweiten Teils miterleben mussten, kann man es doch deutlich sehen:

ET ist da zu nennen, man sollte Spielberg auf Knien danken, dass dieser Kerl genug Knete hat, um nicht auf eine Fortsetzung des kleinen Knirpses angewiesen zu sein.
Der würde wieder auf der Erde landen, „ETET, muss nach Hause telefonieren“ murmeln und grummeln, ein kleiner Junge leiht dem Lilliplutoinaner sein Handy und – ZACK! – kommt das nächste Schiff und holt ihn ab.
Das könnte die komplette Filmhandlung ausgedehnt auf 2,5 Stunden sein und die Menschheit würde trotzdem wie blöde ins Kino rennen und hinterher 15,80 € für ne außerirdische Teetasse bezahlen.
Wir sehen also, falsch verstandene Innovation und aufgebackene Kekse schmecken nicht besonders gut. Deswegen müssen wir uns ranhalten und ein bisschen die Welt verändern, indem wir A) nur Konzepten eine Chance geben, die auch wirklich etwas taugen und B) alten Mist alten Mist sein lassen und schwören, nicht die Zeit mit so einem Unfug zu verschwenden.

In diesem Sinne, schönes Wetter noch…

1 Comments:

Anonymous Anonymous said...

Habe mal wieder sehr gelacht. Du hast genau den Punkt getroffen.
Deine M.

22/4/06 09:32  

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