8.1.07

Pennys Wochenrückblick Folge 79: Kotbeschmierte T-Shirts und ein teures neues Jahr!

Allen Lesern von "Pennys Wochenrückblicke" möchte ich ein frohes neues Jahr wünschen.
Auch in 2007 habe ich mir fest vorgenommen, wöchentlich einen Rückblick zu veröffentlichen und hoffe, ihn demnächst wieder pünktlich Freitags reinstellen zu können. Danke für Eure Treue, für Euer Lob und Eure Kritik und dafür, dass Ihr immer mal wieder vorbeischaut.
In diesem Sinne.

Take Care

Penny :)




Deutschland irrt durch Strassen und Gassen.
Wir wollen doch, verdammt noch mal. Aber wir dürfen einfach nicht.
Unverschämt. Das T-Shirt hindert uns und das kam so:
Während einst die SPD im Stil einer großen Arbeiterpartei die Mehrwertsteuer ehrbar so lassen wollte, wie sie war, zog die CDU mit einer gewollten zweiprozentigen Erhöhung auf und davon.
Das fand die SPD im Wahlkampf recht dufte, ein besserer Themenball konnte von der verfeindeten Partei gar nicht zugespielt werden und schon wurde aus der Mehrwert-
die Merkel – Steuer. Auch hier wieder ein Beweis dafür, was alles rauskommen kann, wenn Kreativität ungezügelt durch manche Hirnkoppel galoppiert.
Aber gut, musste ja leicht einprägsam sein.

Als der Wähler sich im Kollektiv nicht so recht entscheiden konnte, wer nun dieses Land letztlich an die Wand fährt, beschloss er, dass man das doch am besten gemeinsam tun solle.
Ein vom Wähler taktisch gewählter Zug, bei so einer großen Koalition muss man nur Null und Zwei geschickt zusammenaddieren, daraus den einfachen Durchschnitt bilden und schon kommt man als Steuerzahler mit einer lapidaren einprozentigen Erhöhung davon.
Man hatte da aber die Rechnung ohne die Matheprofis der großen Koalition gemacht.
Die sperrten sich ne Nacht in ein Beratungszimmer und so wurde aus Null und Zwei nicht Eins, sondern halt Drei.
Das kann schon mal passieren, wenn man den Speicher im Taschenrechner nicht löscht, jeder Mathematikschüler weiß eine Ode von solchen Flüchtigkeitsfehlern zu dichten.
Wie es nun zu diesem vollkommenen politischen Blackout die Grundrechenarten betreffend kommen konnte, wurde gleich mit erklärt: Man habe nun einen genauen Blick in die Bücher geworfen und sei sich darüber einig, dass die Haushaltslage – Zitat – „desolat“ sie. Und dass man da was machen müsse.
Deswegen hat man dann Zwei Prozent Merkel-Steuer noch einen Müntefering oben drauf gelegt.
Ob dies nun so alles seine Berechtigung hat, möchten bitte weiterhin die Rechenschieber der Parteien in durchzechten Nächten weiter vor sich hindiskutieren und niemanden aus dem Volk mit den Ergebnissen behelligen.
Doch kommt es auf ulkigen Schritten daher, wenn es heißt, man „habe einen Blick in die Bücher geschmissen!“
Da bekommt man Sender-Empfänger-Probleme mit dem Volk.
Wenn der Politiker sagt: „Es ist nötig, die Steuer so drastisch zu erhöhen, wir haben in die Bücher geguckt!“, dann kommt das beim Wähler nach einer ganzen Armada von uncodierten Wellen im Schallraum zwischen Fernseher und Sofa folgend an:
„Wir haben eigentlich nicht wirklich in die Bücher geguckt, wir wissen ja selbst, dass alles Scheiße ist, wir sagen es nur halt keinem!“

Nun, man kann Protestschilder hochhalten, bis einem der Arm abfault: Zurückgenommen wird das Gesetz nicht.
Wäre ja auch das erste Mal, die Erhöhung ist schließlich dafür da, den Haushalt zu sanieren und zukünftige Generationen nicht einer zu hohen Belastung auszusetzen.
Wenn also dereinst um das Jahr 2258 der Ururururururenkel von Peter Kloeppel in RTL Aktuell verkündet, dass Deutschland schuldenfrei ist, darf mein Ururururururenkel gern an meine letzte Ruhestätte treten und sich mit ein paar Blümchen bei mir für die Entsagungen, die ich Anno 2007 schmerzlich verkraften musste, herzlich bedanken.
Auch im Himmel braucht man nach einiger Zeit ein paar Highlights, da kämen aufmunternde Worte schuldenfreier Generationen gerade Recht.
Nun sind wir ja ein Volk von lauter pflichtbewussten und gewissenhaften Mitbürgern und können es nicht erwarten, den Schuldenabbau Deutschlands endlich voranzutreiben und mehr Wertsteuer zu zahlen.
Lachend und gackernd stürmten wir also am 02.01.2007 schon im Angesicht des Morgentau's die Läden, wedelten aufgeregt mit unseren Scheinen in der Gegend herum.
Und dann das.
Man ließ uns nicht.
„19 Prozent? Mit uns nicht zu machen…“, hieß es im Media Markt.
„Mehrwertwas?“, bekamen wir bei Saturn zu hören.
„Hahahahahaha, nix da, wir geben sogar 19 Prozent Rabatt“, schallte es uns im Praktiker entgegen, im Flüsterton fügte der Verkäufer allerdings noch hinzu: „Ausser auf Tiernahrung, sie verstehen!“

Wir verstanden nicht.
Wo wir auch hingingen, um endlich das zu bezahlen, was die Produkte nach der Mehrwertsteuererhöhung wert waren:
Wir wurden vertröstet.
Eine Frechheit sondergleichen.
Beschwerden beim Filialleiter brachten auch keine Besserung, er könne nicht einfach mehr kassieren, selbst wenn er wollte.
Frustriert verließen wir mit den Geldscheinen die Läden und kauften lieber gar nichts.
Es galt, einen Schuldigen zu finden und das dauerte nicht lang.
Begonnen hatte alles…mit einem T-Shirt.
Aber nicht mit irgendeinem dahergebügelten Shirt, sondern mit dem T-Shirt der Firma KIK.
In der Fernsehwerbung Ende Oktober swoooooshte die Klospülung und der Türöffner drehte sich von einer unfreundlichen 19 auf eine freundliche 16.
Die Tür öffnete sich und das einzige sprechende Werbeshirt mit chronischer Stimmbandentzündung krakeelte ohrenpeingeplagten Zuschauern entgegen, dass es auf „die Mehrwertsteuer scheiße.“
Da musste ich als Mensch, der schon so manchen Werbeunfug gewohnt war, trotzdem heftig schlucken.
Nicht nur, dass der Erfinder und die Synchronstimme für das KIK-Shirt eigentlich lebenslang in eine madenüberfüllte und klammfeuchte Vier-Quadratmeter-Zelle eigesperrt gehören, weil die Stimme einem einfach den letzten Atem nimmt, wenn man nicht rechtzeitig die Mute-Taste der Fernbedienung trifft…jetzt kommt dieses quatschende Textil auch noch daher und setzt sich mal eben locker flockig über einen Beschluss der Bundesregierung hinweg.
Mit der Frage, woher so ein Stück Stoff ohne einen ordentlich funktionierenden Darm eigentlich den Stuhlgang für die Steuer-Bekotung herbekommen soll, konnten wir uns übrigens nur deshalb noch nicht beschäftigen, weil wir immer noch nicht wissen, wie dieses Ding ohne Stimmbänder so widerwärtig sprechen kann.
Hier muss ich übrigens einen kleinen Exkurs einschieben:

In der Werbewelt gibt es ja so manch nervige Gestalt, die uns quält mit Gesten, Worten, Dialekten. Neben dem KIK-Shirt sind da die Klitschkobrüder, der Rübenwalder Wurst-Cowboy und der Kreuz-Paar-Reimefuchs von Spee als abschreckende Beispiele zu nennen.
Berichtet man im Bekanntenkreis augenrollend vom Ankotzpotential der genannten Figuren, tritt immer ein von Bauernschläue übersättigter Zeitgenosse auf die Bühne Partiesker Erzählkunst, um den strunzdummen und cocktailtomatenverzehrenden Konsumzombies um ihn herum darüber aufzuklären, dass genau dieser Nerv-Faktor gewollt ist, man nur so im Gespräch bleibt und auch dementsprechend die Produkte verkauft.
Mein Vorsatz für 2007 lautet daher, diesen Zeitgenossen den Mund zuzukleben, bevor sie ihren Unsinn in die Welt zu hauchen in der Lage sind.

Ich persönlich kenne nämlich wirklich niemanden, der sich Spee-Waschmittel in die Waschküche stellt, nur weil der Reimefuchs so ein furchtbar tolles Erzähltalent besitzt oder weil er ihn sogar nervt. Wir leben doch in einer aufgeklärten Gesellschaft und gehen doch bitte davon aus, dass wir unsere Produkte aufgrund von Qualitätsmerkmalen in den Einkaufswagen bugsieren und nicht, weil die Werbung einen so wunderbar unwiderstehlichen Brechreiz in uns wach kitzelt.
Auf jeden Fall war das Shirt Auslöser einer Massenbewegung, denn von nun an verzichtete Kunz und Hinz auf die Erhöhung. Plötzlich sollte keiner mehr sein verbrieftes Recht auf „mehr zahlen“ mehr wahrnehmen dürfen. Müssen wir uns so etwas gefallen lassen?
Pennys Wochenrückblicke sagt NEIN!
NEIN zum Mehrwertsteuerrabatt.
Frau Merkel, erheben sie sich im Bundestag und wischen dem KIK-Shirt den Hintern ab.
So dass wir endlich in ein paar Wochen in der Lage sind, den gerechtfertigten Preis für die Produkte in unserem Land zu zahlen.

1 Comments:

Anonymous Anonymous said...

Einfach Klasse !!!
M.

9/1/07 12:19  

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