Pennys Wochenrückblick Folge 88: Ich hab' das Internet gelöscht!

Naja, als mein Bekannter festgestellt hat, dass ich auch sein Internet gelöscht hab, war ihm spontan nach Leute-ausweiden.
Heute Morgen hab ich das Internet gelöscht, dafür schon mal Entschuldigung.
Es war nicht wirklich schwierig, das gesamte Internet war auf meinem Desktop, und ich hab’s einfach mal in den Papierkorb geschoben und auf „Leeren“ geklickt, wobei dieses wirklich irre lustige Geräusch ertönte:
Schhhhhhhhhhwiupp.
Wer hätte das einst gedacht, dass Trilliarden Tonnen digitaler Daten sich mit einem lässigen Schwiupp ins Nirwana spülen lassen.
Tja.
Jetzt haben wir alle kein Internet mehr, Sie nicht und ich auch nicht.
Nun, diejenigen unter uns, die sowieso keine Daddelkiste haben oder doch eine besitzen, aber nicht über einen Internetanschluss verfügen, kratzt es vermutlich sowieso nicht. Was man nie besessen hat, lässt sich nur schwerlich schmollend vermissen, das ist beim Internet nicht anders als beim ganzkörperbedeckenden Fußpilz.
Interessanterweise gibt es auf der Welt sowieso nur zwei Personengruppen, die eine Meinung zum weltweiten Datennetz haben. Entweder man ist drin und mit Feuer und Flamme dabei oder man hat’s nicht und verabscheut es zutiefst.
Ich persönlich kenne zumindest niemanden, der kein Internet hat und bei Nennung dieser Tatsache nicht gleich noch hintendran ein Stakkato an wüsten und polternden Beschimpfungen das Onlinevergnügen betreffend hinterherschickt.
„Ich brauch so was nich! Ich schick die Briefe noch mit der Post! Ich geh noch in richtige Buchhandlungen! Kaufe mir meine Pornofilme im…!“
So oder ähnlich wird auf hohem Niveau herumgekeift.
Diese Menschen – es mögen Fünf oder Acht an der Zahl sein – werden mir für die Löschung des Internets lobend und lächelnd auf die Schulter klopfen. Für die Netz-Verächter ist es sowieso unerklärlich, warum es das Internet gibt, noch vor 30 Jahren wäre niemand auf die Idee gekommen, einem 500 Kilometer entfernt lebenden Menschen für teuer Asche ein Bettlaken abzukaufen, auf dem an einem lauen Spätsommerabend mit einem stabilen Teppichklopfer das staubige Antlitz von Jesus Christus hineingeknüppelt wurde.
Ja, früher gab es lokale Probleme und man wollte von globalen Leiden nichts wissen.
Heute jedoch kann mir Hans und Kranz ne Email schicken und mich um Geld bitten, weil der Opa nicht mehr ohne Treppenlift vom Dachboden runterkommt.
Und Google?
Puh, hören Sie mir bloß damit auf.
Früher war man ja darauf angewiesen, bei dringlichen Fragen zu jeglichem Themengebiet auf die Hilfe verstaubter Lexika oder auf die Inkompetenz der Mitbürger zurückgreifen zu müssen. Aber wie man es dreht und wendet, wenn man in der guten alten Dekade Informationen über „Blasen“ haben wollte, weil man wissen wollte, wie man jetzt mit Seifenlauge künstlerisch umgeht, hat man zur Antwort keine anstößigen Hinweise erhalten.
Bei Google ist man da schon auf der zweiten Seite bei nicht mehr jugendfreien Angeboten angelangt.
Und fragen kann man heutzutage auch keinen mehr.
Kannst du mir sagen, wann Einstein geboren wurde? Schau doch mal bei Google nach.
Wo bekomm ich in der Umgebung von Dortmund den besten Fisch? Google es nach.
Wo ist denn hier das nächste Klo? Google.
Ohne Internetsuchmaschine würden einige nicht mal wissen, wie sie zu ihren Schuhen kommen, um sie sich zuzubinden.
Da kann man machen was man will, trotz informationsüberquellendem Internet sind die Menschen heutzutage kommunikativ wie tote Heringe ohne Chance auf Wiederbelebung.
Auch was Nachrichten und deren Abbildung angeht, herrscht in Zeiten des Internets eine Reizüberflutung.
Wenn heute einem Eskimo eine von einem amerikanischen Hochleistungstornado in den Äther gewirbelte Ananas auf den Schädel donnert, hätte das vor ein paar Jahren abgesehen von der Frau des Eskimos wirklich keine Sau interessiert. Heute kann man Wetten darauf abschließen, wer wann wie schnell das erste Video der Eskimo-Platzwunde ins Netz stellt, mit einfallsreichem Titel („Ananas anne Nas’“), Vorspann, lustiger Musik und Dankesgrüßen im Abspann.
Mann kann auf der ganzen Welt keinen Furz mehr lassen, ohne dass nicht gleich im Netz steht, welche Farbe er hat.
Auch Homepages voller Verschwörungstheorien, die bildhaft und faktisch belegen, dass Gargamel die erste Zeichentrickfigur auf dem Mond war, hätten keine Daseinsberechtigung.
Ohne Internet hätte es vielleicht auch niemanden gejuckt, dass der Bundestagspräsident Norbert Lammert am Weltfrauentag (Donnerstag) die Grüne Irmingard Schewe-Gerigk als allerletzte Rednerin im Parlament ankündigt…obwohl ihr noch 10 weitere folgen sollten.
Hatte bitterböses Gemurmel zur Folge.
Da war wohl jemand schon in Gedanken in der Mittagspause?
Dank Internet aber ne Meldung wert, doch sind wir ehrlich:
Es schwer fällt zu glauben, dass Frauen auf dieser Welt tiefe Kratzer an Wange und Seele erlitten haben, um ihre Rechte zu erkämpfen und sich dann darüber pikieren, wenn Herr Lammert in einem Anfall der Vergesslichkeit und in Aussicht auf saftiges Schweinegulasch in der Bundestagskantine einen präsidialen Fauxpas-Blackout hat.
Liebe Damen im Bundestag, über derartige Unverschämtheiten müssen sie sich – wenn denn überhaupt – an allen anderen Tagen im Jahr aufregen, am Weltfrauentag allerdings wirkt ihr Protestgemurmel doch recht bemüht, während auf dem Erdball zur gleichen Zeit Frauen geschlagen, vergewaltigt und ausgebeutet werden.
Dank meiner Löschung des Internets müssen wir uns mit solchen Nachrichten aber zukünftig nicht mehr beschäftigen, Schädel-Entmüllung deluxe, da dürfen zu den Fünf bis Acht Netzverächter-Schulterklopfern gern noch ein paar Leute hinzukommen.
Entzugserscheinungen dürften natürlich trotzdem nicht ausbleiben:
Counterstrikesüchtigen Kids klarzumachen, dass sie bei „Räuber und Bulle“ in späten Abendstunden nicht wie irre „Headshot“ durch die Wohngemeinschaft brüllen dürfen und der Toaster NICHT die zu entschärfende Bombe darstellen wird, ist auch für Supernanny-gestählte Erziehungsberechtigte eine Herausforderung.
Ausführliche Informationen zu Geschlechtsteilverlängerungen sind nun auch nicht mehr bequem von zu Hause verfügbar, da muss man sich wie früher in die gute alte Arztpraxis setzen, skeptische Blicke der Vorzimmerdame inbegriffen.
Und aufregende Nachrichten, in denen erläutert wird, wie Thomas Gottschalk harmlose Bierdosen als Hartz 4-Stelzen diffamiert, müssen von nun an gerüchteweise durch „Stille Post“ übertragen werden. Ist doch auch viel witziger, da kann man aufbauschen und hinzudichten und schnell wird daraus ein Tommy, der Obdachlose mit den glühenden Manschettenknöpfen seiner Wetten dass…?-Verkleidungen quält. Wir werden wirklich spannendere Zeiten erleben.
Da diese kommentiert, parodiert und ins rechte Licht gerückt werden müssen, hab ich meine eigene Internetseite natürlich nicht gelöscht.
Sorry.
Nächste Woche kippen wir Walter Freiwald, Vera Int-Veen und Alexander Hold aus dem Fernseher. Bitte bringen Sie dazu einen handelsüblichen Hammer und eine Kehrschaufeln inklusive Besen mit.
Auch wenn es ja relativ wenig Sinn macht (Das Internet ist gelöscht, echt jetzt!):
Abonniert den Rückblicksnewsletter und schreibt eine Email an pennysworue@gmx.de.


2 Comments:
Saubere Arbeit Penny =D aber du hast Wikipedia vergessen =P
klasse ... !
... es grüsst dich `mal wieder der peter ... :))
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