Pennys Wochenrückblick Folge 87: Germanys next Schlangengurke...COMPETITION!

Alles Fussballfans, die Frauen nur unter den Rock schauen wollen?
Nun...manchmal ist es anders als man denkt, doch lest selbst.
Natürlich hätte ich es mir auch einfach machen können. Witzeln und frotzeln wäre mir keineswegs schwer gefallen bei all den dünnen Weibchen. Doch ganz ehrlich, das war mir zu billig. Über nicht vorhandene Fettleibigkeit weiblicher Models wurden schon alle Witze gemacht, als das mir da neben Mikadostäbchen und von-brausestrahl-zu-brautstrahl-hüpfereien noch etwas einfallen könnte, was beim Leser kein gepflegtes Gähnen hervorruft und für einen passgenauen Abdruck der Computertastatur auf der Stirn sorgt.
Auch endloses Geplapper über die zweifelhaften geistigen Fähigkeiten von Laufstegs-Störchen wird nicht die Motivation für diesen Text sein, weil ich mich da nicht auf den Pfad der Heuchelei begeben möchte. Von zukünftigen Unterwäscheträgern wird nur selten erwartet, dass sie auf illustren Laufstegsaftershowpartys spontan einen Vortrag über Atomphysik halten oder Auskunft geben über die Statistik zur Kinderarbeit im fernen Guatemala.
Jeder nach seinen Fähigkeiten.
Doch bei Models wird es häufig darauf angelegt, sie an der Intelligenzwurzel zu packen. Kaum ein Tag dürfte auf Erden vergehen, ohne dass irgendein Knilch mit dem Selbstbewusstsein eines um seine andere Körperhälfte amputierten Regenwurms auf eine hübsches Model zugeht, um bei ihr mit seinem ausufernden Wissen auf dem Themengebiet der Tomatenzucht einen ahnungslosen Gesichtsausdruck zu erzeugen, gefolgt vom ruhmhaften Abgang und der Gewissheit, es der Tussi jetzt mal so richtig gezeigt zu haben.
Derlei Gebaren ist überflüssig, weil wir ja zum Beispiel von Brötchenverkäuferinnen bestenfalls ordentliche Brötchen erwarten und keine moralisch einwandfreie Meinung zur Klimapolitik im Allgemeinen und zur Wanderroute von Pinguinfrauen im Besonderen.
All dies ist nun kein Grund, sich nicht über die seltsamen Verhaltensweisen der Models und über die Sendung „Germanys Next Topmodel“ ordentlich aufzuregen.
Zunächst ist es so, dass wir nach DSDS und dem Fernsehauftritt von Jan Ullrich nicht genug bekommen können von Fernsehprojekten, in denen der Zuschauer für strunzblöd verkauft wird.
Deswegen hat man sich beim Spaßsender Pro 7 auch gleich darauf geeinigt, die Sendezeit von einer Stunde auf zweieinhalb auszudehnen. Wenn schon Leute verarschen dann aber richtig. Worum geht es im groben bei GNTM? Es geht darum, dass ein von der Gewichtsklasse her kleiner Teil der Bevölkerung Wäsche präsentiert, die ebenfalls ein von der Gewichtsklasse her kleiner teil der Bevölkerung zu tragen imstande ist. Wenn man es so sieht, haben wir es hier mit einem Kreislaufsystem zu tun, das vom Rest der Welt gänzlich abgeschnitten ist und von Menschen mit normalen Gewichtsmaßen kaum beachtet werden würde, wenn es nicht darum ginge, die dünnste Schönste der dünnen Schönen herauszudestillieren.
Everybody needs halt competition, doch dazu gleich mehr.
Wie in der ersten Staffel auch ist es Heidi Klum herself, die durch die Sendung leitet und zwar mit einer derart penetrant guten Laune, dass man meinen könnte, Katjes-jes-jeses hätte ihr kurz vor der Sendung intravenös einen Yoghurt-Gum-Zuckerschock verpasst. Da wird gegrinst, bis die Lachfalte schreit, aber hey, mit ner Trauerkloßmiene kann man vieles werden, aber kein Model.
Und yeah, here kommen die englischen Rhymes und Words ins Spiel:
Daddy Bruce ist auch wieder da.
Ich muss gestehen, die erste Staffel der Storchparade seinerzeit mit voller Absicht verpasst zu haben. Ich war damals Rückblick-technisch einfach noch nicht gefestigt genug. Heute weiß ich, dass es gute Medikamente gibt, die mich eine volle Dosis Bruce Darnell ohne Gesichtslähmung überstehen lassen. Für diejenigen, die den guten Bruce Darnell noch nie gesehen haben, lasst Euch ein Rezept ausstellen und schaut nächste Woche Pro Sieben oder lest weiter:
Bruce Darnell ist ausgewiesener Catwalk-Choreograph. Mit anderen Worten, er zeigt den Mädels wie man richtig zu laufen hat.
Gut, scharfsinnige Zeitgenossen werden nun bemerken, dass eine Frau – Model oder nicht – schon im frühen Alter von wenigen Monaten das Laufen erlernt. Das steckt in den Genen, denn je eher eine Frau das Laufen erlernt, umso früher wird sie ihren ersten Schuhladen betreten, das ist Evolution Deluxe.
Doch beim Catwalking geht es nicht ums Schlendern und Schludern, NEIN!
Wenn ein Model die neueste Lagerfeld-Kollektion in Form von aufgebrachten Hüten und depressiven Cordjacken über den Laufsteg zerrt, dann muss jeder – wirklich jeder – einzelne Schritt beim Zuschauer die Angst auslösen, dass die arme Frau sich im nächsten Moment unter lautem Getöse und vollem Karacho die Hüfte bricht. Zumindest muss die Achillesverse so aussehen, als wenn sie zum Reißen bereit ist.
Irgendwie so was.
Und der Bruce ist der liebe Onkel, der zwischen Schlendern und Hüftbruch an der Bridge of Quälerei steht und Zoll verlangt, so einfach ist das.
Trotzdem wird der Kerl von allen Möchtegernmodels bejubelt, ja bitte, Bruce, bring mir doch das Laufen bei, gogogo.
Kommen wir zur ersten Verarsche an diesem Abend.
Noch in der ersten Staffel ging ein gar gruseliger Aufschrei durch die deutsche Presse und Politiker aller Parteien, die gerade nichts zu tun und auf dem Bundestagsflur Raucherpause hatten, keiften in sich nicht wehrende Mikrofone, dass eine solche Show verboten gehört. Einen Tag zuvor hatte man einem Mädchen erklärt, dass sie einfach zu fett fürs Modelbusiness sein und darauf hin ist sie traurig davon geweht.
Dies sei ein falsches Vorbild für die Jugend und hochgradig gefährlich, so konnte man es in aufgepumpten Buchstaben aller Zeitungen lesen.
Schön, dass man da überhaupt eine kleine Diskrepanz zwischen Utopie (alle Frauen können unter 40 Kilo wiegen, sie müssen nur genug kotzen wollen) und Realität (eigentlich essen wir alle gern mal etwas und halten nichts von Schulskeletten mit überspannter Haut) entdeckt hat und weil bei Pro Sieben Menschen arbeiten, die mehr als einen Hauptschulabschluss erworben haben, kam man auf eine fuchsige Idee.
Man nahm das dünnste Möchtegernmodel, welches unter den letzten 100 herumlief und zog in der Jury die Augenbrauen hoch. Jaaahaaaaa. Dann wurde das aktuelle Gewicht mit denen auf den Bewerbungsfotos verglichen. Und ZACK, mit einem Mal wurde es karikativ.
Hast Du etwa abgenommen?
Du siehst ein bisschen dünn aus?
N bisschen…abgemagert?
War man zu diesem Zeitpunkt als Zuschauer noch nicht in der Tiefschlafphase, war man ja förmlich gezwungen, vom Sofa aufzuspringen und laut zu applaudieren.
Klasse.
Pro Sieben hat – wie die Firma Dove – endlich verstanden, worum es geht, ach komm, Scheiß doch auf diesen Körperkult, lassen wir den Unsinn mit all den Hungerhaken und zeigen den Klappergestellen den Weg zum nächsten Süßigkeitenautomaten.
Wir alle hätten dies Pro Sieben gern abgenommen, wenn die Models, die die Endrunde erreicht haben, auch nur 10 Gramm mehr gewogen hätten als die Kritisierte.
Doch schon weit vorher lief nicht alles rund, denn Bruce wollte…achtung… Competition, Competition, Competition. Er wollte gebrochene Hüften und gerissene Versen. Umziehen, Haare machen, schnell, schnell, schnell. Das ist auch so eine Sache, die nie jemand erklären kann: Warum es auf einer Modenschau immer so schrecklich hektisch zugehen muss.
Gemütlichkeit, Entschleunigung, mal nen Pulli stricken. Das kennt kein Supermodel.
Vielleicht wäre den Damen schon viel damit geholfen, wenn man den Termin einer solchen Show drei Stunden nach vorn verschiebt. Dann kann man bequem zur Show schlendern, was ja auch die Hüften schont und sich in aller Ruhe anziehen und schminken. In der Realität scheint es aber trotzdem so zu sein, dass ein solcher Auftritt dem Inneren einer Red-Bull-Dose gleicht.
Cooompetition. Erwähnte ich ja bereits.
Eines der Mädchen fand ihre Tasche nicht. Begann zu hyperventilieren. Tränendrüsen liefen auf Hochtouren. Spitze Schreie.
„Ich find meine Tasche nicht, ich kann keine Competition machen.“
Wow.
Bruce wurde umarmt.
„Kann…keine…Kommpätischn…kann nicht…!“
Tja. Während also in der echten Welt echte Menschen mit so manch echtem Problem zu kämpfen haben, konnte dieses Arme Mädchen ohne Tasche nicht competischen. Der Wille war da, doch die Tasche war weg. Da kannst Du Dir als ambitioniertes Model nur noch ein Bolzenschussgerät kaufen, wenn Du nach monatelanger Vorbereitungszeit und acht Kinderriegeln die große Karriere den Bach runtergeht, nur weil Dir einer den Turnbeutel geklaut hat und Dir danach die Contenance fehlt.
Nun, irgendwann waren 25 Mädels ausgesucht und da man die Catwalk-Aufgabe bravourös gemeistert hat, ging es nun zur nächsten knallharten Mutprobe, die man in der Welt der Seichten und Schönen zu bestehen hat.
Die Frauen mussten – aufgepasst – ins Westfalenstadion. Da spielte Borussia Dortmund gegen den VFB Stuttgart vor ausschließlich betrunkenen Zuschauern. Und wenn ich betrunken meine, dann war das auch so. Ich war ja selbst da. Alle waren besoffen, die Ordner, die Fans auf der Südtribüne, Mütter, Kinder, Zapfer. Und was haben die Menschen sich nicht gefreut als sie die Mädels von Heidi Klum erblickten, Ole und Laola, die Welle schwappte durchs Stadion und…tja…das ist ausgemachter Blödsinn.
Natürlich waren weder Kinder, noch Mütter, noch Order betrunken. Ein paar Männer schon, ok. Aber genug Menschen waren nüchtern genug, um zu differenzieren. In der Halbzeit hatte man nämlich zwei Situationen:
1. Die letzten 5 Minuten der Handball WM auf der Großleinwand im Stadion schauen.
2. Zusehen, wie unbekannte Frauen sich in Fussball-BH’s die Hüften brechen.
Zu schade, dass man im Stadion nur Interesse an Bällen aus Leder hatte und so wurden die auf der Großleinwand gezeigten stacksenden Models ausgepfiffen, was die Kehle so hergab.
Die Toleranzschwelle für derartige Eventdurchseuchte Halbzeitpausen bei gleichzeitiger Möglichkeit live dabei zu sein, wie Deutschland Handball-Weltmeister wird, ist nun mal recht gering.
Im Schneideraum von Pro Sieben sah man das freilich anders, die Pfiffe wurden weitestgehend rausgeschnitten und dafür wurde ein neuer Take zusammengeklebt.
Heidis Mädels waren nämlich kurz vorm Rauslaufen auf das Spielfeld und kurz danach wurde eine jubelnde und zur Seite blickende Südtribüne gezeigt. Vielleicht sollte man hier noch mal erwähnen, dass wir auf der Südtribüne zur Seite geblickt und gejubelt haben, weil wir letztendlich doch verfolgen konnten, wie Deutschland Polen vom Platz fegt. Aber ich will da jetzt auch keinen verraten oder so.
Haben wir noch ein Schlusswort? Na klar.
Eines der Mädchen – man war vor Buhrufen im Westfalenstadion noch weit entfernt – wurde gefragt, was es denn früher mal werden wollte, vor dem Modelwunsch.
Sie antwortete, dass sie gern Kräuterfrau geworden wäre.
Das hätte zumindest gegenüber dem Modelberuf den Vorteil gehabt, dass man sich die meisten Drogen bequem selbst zusammenmixen kann.
So long…Competition.
Bevor Ihr nun zum Kühlschrank lauft und Euch genussvoll eine Torte in die Gesichtsleiste schiebt, abonniert einfach den Rückblicks-Newsletter unter pennysworue@gmx.de :)
Penny


3 Comments:
Immer wieder klasse - ich hatte mir besagte erste Folge ebenfalls angeschaut und konnte mir ein hämisches Grinsen nicht verkneifen, als die von dir erwähnte Dame ihre Tasche nicht fand. Aufgesetzter und theatralischer hätte man das doch kaum spielen können. Hach ja... überhaupt sprichst du mir mal wieder aus der Seele und kann dich in allen hier aufgeführten Punkten nur bekräftigen.
Da freut man sich doch schon wieder auf den nächsten Schwachsinn, den die Fernsehwelt zu bieten hat.
In diesem Sinne...
...nur weiter so!
Hübsch geschrieben, ich verfolge das hier mal.
Nur mal ein Comment, um endlich loswerden zu können, wie froh ich bin, jemanden gefunden zu haben, der das mit dem Handballfinale in der Halbzeitpause vom Bundesligaspiel voll und ganz nachvollziehen kann. Ich war auch bei dem Spiel - allerdings im Gästeblock ;-) - und somit weiß ich, wovon du da sprichst (abgesehen von den Erlebnissen aus der Südtribüne). Freunde meinten, es sei unter aller Sau, dass Fußballfans die Models ausbuhen - seh ich anders!
Übelst gut geschriebener Eintrag, werd das hier jetzt mal weiter verfolgen.
MfG, Jo.
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