22.12.07

Pennys Wochenrückblick Folge 118: "Lieber Penny, gibt es einen Weihnachtsmann?" (inkl. Lesungs-Bilder!!!)



Knecht Ruprecht existiert natürlich...aber der braucht auch keine teure Spielzeugfabrik, nur ein paar freche Blagen.







Die Email der achtjährigen Jaqueline-Melinda-Beverly erreichte mich in den frühen Morgenstunden des 20. Dezember und darin stellte sie mir nur eine einzige Frage:

„Penny, gibt es eigentlich einen Weihnachtsmann?“

Ich überlegte kurz und erinnerte mich daran, dass Erwachsene, die den Weihnachtsmann leugnen schnell auf einer Stufe mit jenen Menschen stehen, die vor einem Kindergartenkonglomerat laut lachend über rote Fußgängerampeln spazieren und antwortete wie folgt:


„Liebe Jaqueline-Melinda-Beverly,

natürlich gibt es keinen Weihnachtsmann. Also: es gibt ihn nicht mehr. Doch es wäre eine ziemlich tolle Sache, wenn er weiterhin existieren würde.
Auch ich war in meiner Kindheit glühender Fan diverser Zeichentrickfilme, in denen ein dicklicher Kerl seinen Schmierbauch durch einen Kamin quetscht und – unten angekommen – das ganze Wohnzimmer mit Geschenken und Zuckerstangen verunstaltet. Doch schon damals wurde mein Glaube auf entscheidende Weise erschüttert. Wir hatten gar keinen Kamin. Ich machte mir so meine Gedanken:
„Wie um alles in der Welt sollte der Weihnachtsmann bloß zu mir kommen ohne Schornstein?“
Würde er durch die Dunstabzugshaube rutschen? Oder klopft er an die Balkontür? Klettert er durchs Schlüsselloch? Schon als ich in Deinem Alter war, kostete es mich eine Menge Mühe mir vorzustellen, dass der Weihnachtsmann mit seinem BMI um die 40 herum durch den Schornstein rauscht und so legte ich die Idee schnell im Körbchen der Unglaublichkeiten ab, der Fettsack könnte durch unser Schlüsselloch kriechen. Abgesehen davon, dass so ziemlich jedes Geschenk dabei in seine Einzelteile zerlegt werden würde.

Jaqueline-Melinda-Beverly, die Menschen behaupten des Öfteren, der Weihnachtsmann würde am Nordpol wohnen. Das könnte auch den dicken roten Mantel erklären, die Logistik einer Geschenkfabrik im hohen Norden ist wohl kaum im Bikini durchführbar.
Doch auch hier muss ich Dich enttäuschen.
Weil die Chinesen nämlich so gallig auf den Kapitalismus sind, ergo auch endlich ein nettes Leben führen wollen und nebenbei man in Amerika immer noch nicht begriffen hat, dass Autos mit einem Spritverbrauch von unter 14 Litern auf 100 Kilometer ebenfalls zum Ziel führen, schmilzt der Nordpol. Das stellt nicht nur Knuts Verwandte vor arge Platzprobleme, sondern auch den Weihnachtsmann. In einer fetten Fabrik, die hilflos auf einer Eisscholle balanciert lässt es sich nur schwer Mikrochips in Playstations löten, da können die Weihnachtselfen noch so filigrane Finger haben.

Nein, die Fabrik des Weihnachtsmannes wurde bereits letzten Monat geschlossen, der von der großen Koalition in einer Geheimrunde durchgeboxte Mindestlohn von 8,50 Euro für Weihnachtselfen zuzüglich Kältezuschlag zwangen den Weihnachtsmann, dicht zu machen.
Santa Clause ging es nämlich vorher schon nicht gut, finanziell gesehen. Unter den eisigen Blicken des RTL-Schuldnerberaters wurde ihm in der bisher nicht gesendeten Folge auf Flipchart aufgezeigt, dass er erhebliche Defizite auf der Einnahmenseite zu verbuchen hat.
Den nicht unerheblichen Kosten für Geschenke in Höhe von 22.456.222.333, 89 Euro standen auf der Einnahmeseite lediglich ein bereits angesabberter Lutscher von Jan-Felix aus Zuffenhausen, eine halbleere Flasche Johnny Walker und ein Gutschein für eine Neubesohlung bei „Fred’s Shoes“ gegenüber. Das rechnet sich auf Dauer nicht, zumal die Instandhaltungskosten für den Schlitten sowie das Rentierfutter da noch nicht mal mit drin sind.

Auch körperlich geht es dem Weihnachtsmann nicht mehr so gut, Du musst wissen, liebe Jaqueline-Melinda-Beverly, auch das Augenlicht eines Santa Clause wird mit den Jahren nicht besser und die steigende Zahl der Menschen, die ihr Haus trotz steigender Strompreise mit Weihnachtsbeleuchtung zukleistern, ließ Santa Clause schon gegen so manche Betonwand donnern. Das zahlt auf Dauer keine Krankenkasse. Auf der mentalen Seite sieht es nicht viel besser aus. Menschen auf hiesigen Weihnachtsmärkten ziehen ohne Scheu das heilige Fest durch den Dreck, indem sie sich in Gruppen Wuschel-Heiligenscheine und blinkende Nikolausmützen auf den Kopf setzen und das ungeheuer witzig finden, obwohl sie tief im Inneren spüren dass ein solches Auftreten außerhalb der Weihnachtszeit mit Anzeigen wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses endet. Es ist letztlich nicht geklärt, ob der Glühweindampf für diesen Unsinn verantwortlich ist. Doch glaube mir, wenn Kinder aufgeregt rufen, sie hätten „Rudolph, the Red nosed Reindeer“ gesehen, handelt es sich in 99 von 100 Fällen nur um einen sturzbesoffenen Weihnachtsmarktbesucher mit Plüschgeweih.

Es werden nun Menschen zu Dir kommen, die Dir etwas anderes einreden wollen. Menschen, die an Träume glauben, Menschen die sagen:
„Liebe Jaqueline-Melinda-Beverly, trotz Deines bekloppten Vornamens in dreifacher Ausfertigung kommt der Weihnachtsmann auch zu DIR nach Hause!“
Sie werden steif und fest behaupten, dass er existiert, kein Kamin hin, schmelzende Polkappen her.
Es sind die Befürworter der so genannten Nikolausphysik, die behaupten, dass der Weihnachtsmann ein extraterrestrisches Wesen sei, das sich mit uns unbekannter Technologie fortbewegt. Mit anderen Worten, der Weihnachtsmann könnte auch ein achtäugiger, grünlichen Schleim absondernder Außerirdischer sein, der in seinem blubbernden Inneren die Geschenke aufbewahrt und sie, nachdem er in seinem schicken Ufo auf Deinem Dach gelandet ist, voller Schleim unter der Tanne platziert. Mal abgesehen davon, dass dann nicht geklärt wäre, wer den Teppich sauber macht: möchtest Du, liebe Jaqueline-Melinda-Beverly derart Deine Geschenke bekommen?
Da ich ein „Nein! Bitte nicht!“ als Antwort für wahrscheinlich halte, sollten wir uns doch die andere Seite anschauen, die wissenschaftlich belegt, warum der Weihnachtsmann nun nicht existiert und zwar weil er sich, wenn er alle Geschenke an einem Abend zu verteilen gezwungen wäre, sich mit 1040 Kilometer bewegen müsste – und zwar pro Sekunde.
Abgesehen davon, dass eine Sendung namens „Pimp my Schlitten!“ nicht existiert, bräuchte der Weihnachtsmann einen ziemlich gut gepanzerten Helm, um die Belastung von 20,6 Millionen Newton auszuhalten, die bei einer solch dezenten Reisegeschwindigkeit entstehen.
Der Weihnachtsmann mit Helm. Wie wahrscheinlich klingt das für Dich?

Fassen wir zusammen:
Wenn Du möchtest, dass der Weihnachtsmann existiert, müsste er folgendermaßen aussehen:
Es würde sich um eine Gestalt von extrem schlanker Natur handeln, der mit einem Raumschiff-Schlitten durch die Gegend heizt, der sämtliche Regeln der Physik bricht. Seine Fabrik wäre nicht mehr am Nordpol sondern irgendwo in einem Industriegebiet bei Castrop-Rauxel, wo hochbezahlte Elfen kompliziert blinkendes Spielzeug herstellen. Um in den Bereich der Wirtschaftlichkeit vorzudringen, müsste der moderne Weihnachtsmann eine Telefonhotline einrichten („Ist das gewünschte Geschenk vorhanden? Einen Moment bitte, wir schauen nach!“ und 67,99 Euro Telefongebühren später gibt es die Zusage) und Merchandising-Produkte in Form von Shirts und CDs in kleinen Shops anbieten, die überall in den Großstädten Filialen eröffnen. Mafiös gekleidete Gestalten würden sonnenbebrillt über die Weihnachtsmärkte schleichen und blitzschnell Nasen brechen und Beton anrühren, wenn wieder irgendwer es wagt, ein Plüschgeweih aufzusetzen oder rechtlich geschützte Weihnachtslieder trällert.

Und Knecht Ruprecht?
Der müsste fett aufrüsten. Ich kann mir nämlich, liebe Jaqueline-Melinda-Beverly, beim besten Willen nicht vorstellen, wie der alte Knecht eine Schlacht gegen gut bewaffnete und übers Jahr nicht brav gewesene Jugendgangs überleben will. Sturmhaubitze, Handgranaten und Feuerschutz gebende Sniper-Elfen wären das Minimum, um sich zumindest auf Augenhöhe zu begegnen.
Hinzu kommt das Zusammenbrechen des Einzelhandels zuzüglich dem Verlust von Millionen Jobs, denn Papis und Mamis, die Geschenke kaufen, machen das Geschäft vom Weihnachtsmann kaputt. Ist dies die Welt, in der Du leben möchtest, Jaqueline-Melinda-Beverly? Glaub mir, je eher Du die Wahrheit erfährst, umso besser. Wer zu lange an den Weihnachtsmann glaubt, der glaubt auch irgendwann an Ego-Shooter.
Also lass Dir gesagt sein: Deine Eltern sind’s, die all diese netten Geschenke verpacken, die Du unter der Tanne findest. Die kennen Deinen Geschmack nämlich genau, im Gegensatz zu einem Kerl, der mehrere Tausend Kilometer von Dir entfernt nicht in der Lage ist, seine Heizungsrechnung zu bezahlen. Und weil Du Dir diesen Antwortbrief so schön durchgelesen hast, habe ich Dir noch ein kleines Lied beigefügt, welches Du mit Deinen Eltern am heiligen Abend singen kannst. Ich wünsche Dir alles Gute für das Weihnachtsfest.

Dein Penny




Dieser Song wurde auf der Lesung von meinem Publikum zum Besten gegeben, die 4. Strophe stammt von HotShot aus dem Gamestarforum. Vielen Dank an Dich und an mein Publikum fürs Singen :)


In der Weihnachtsmetzgerei



Refrain:
In der Weihnachtsmetzgerei
gibt es manche Leckerei
zwischen Kalb und Rind
macht so manches Kind
eine riesengroße Sauerei
in der Weihnachtsmetzgerei
in der Weihnachtsmetzgerei


Strophe 1:
Wo ist unser Fleisch geblieben
von den Viechern die wir lieben
wer hat das Kotelette?
Claudette?
Damit unsere Kund' nicht schmachten
müssen wir jetzt Tiere schlachten
wetzt die Messer fein
und REIN!

Refrain:
In der Weihnachtsmetzgerei
gibt es manche Leckerei
zwischen Kalb und Rind
macht so manches Kind
eine riesengroße Sauerei
in der Weihnachtsmetzgerei
in der Weihnachtsmetzgerei

Strophe 2:
Brauchen wir nicht Rinderleber
Schweinesülze frisch vom Eber
und auch noch Tatar?
Na klar!
Affenhirn und Schmand verrühren
zwischendurch bloß nicht probieren
fertig ist die Le-
berwurst!


Refrain:
In der Weihnachtsmetzgerei
gibt es manche Leckerei
zwischen Kalb und Rind
macht so manches Kind
eine riesengroße Sauerei
in der Weihnachtsmetzgerei
in der Weihnachtsmetzgerei

Strophe 3:
Bitte mal den Schinken schneiden
und danach ne Kuh ausweiden
sind die Finger rein?
Wozu?
Sind die Würstchen, die wir grillen
für die Technofans zum Chillen
es ist Hasch mit drin!
Macht Sinn!


Refrain:
In der Weihnachtsmetzgerei
gibt es manche Leckerei
zwischen Kalb und Rind
macht so manches Kind
eine riesengroße Sauerei
in der Weihnachtsmetzgerei
in der Weihnachtsmetzgerei


Strophe 4:
Ist die Kundschaft ausgeblieben.
Bleibt die Wurst im Kühlschrank liegen.
Wird das Fleisch schon braun?
Ma schaun!
Einfach mal die Messer Wetzen.
Weg mit den nicht frischen Fetzen.
Frisch wird überschätzt.
Das fetzt!

Refrain:
In der Weihnachtsmetzgerei
gibt es manche Leckerei
zwischen Kalb und Rind
macht so manches Kind
eine riesengroße Sauerei
in der Weihnachtsmetzgerei
in der Weihnachtsmetzgerei


So, hier also nun die Bilder von der Lesung:






































































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