13.1.08

Pennys Wochenrückblick Folge 121: Ein frohes neues was?



Silvester kann eine tolle und angenehme Sache sein...wenn man eine Spezialeinheit auftreibt, die unter Zuhilfenahme diverser ätzender Chemikalien oder auch Sprengstoff den vollgesauten Raclette-Grill wieder sauber bekommt.







Bitte, ich will es nicht hören.
Von wegen froh und neu.
Es muss nun hier und heute Schluss sein mit der Mär, dass der Vollzug des Wechsels von einem Jahr zum Nächsten schlagartig positive Veränderungen in den Menschen hervorruft. Warum denn bitteschön auch?
Es gibt an Silvester so dermaßen viel zu bedenken: Alkohol kaufen. Hemden bügeln. Nicht vergessen, den Böller nach dem Anzünden loszulassen. Dass da noch Zeit für umwälzende Gedanken das eigene Leben betreffend sein soll, mag man nicht so recht glauben.

Bereits das Zelebrieren des Silvesterabends erfordert eine gehörige Portion Heuchelei. Nicht wenige huschen zu Abendveranstaltungen entfernter Bekannter, weil die besten Freunde der Meinung waren, Silvester in aller Stille auf einem einsamen Berg nahe Thailand zu verbringen, um sich Selbst, innere Mitten oder sonst was Feng-Shui-artiges zu finden.
Also geht’s alternativ auf zu Beate und Wolfgang, beide konnte man ja eigentlich noch nie so richtig leiden, weil sie sich bei Badminton-Siegen immer so eklig ehrgeizig-schadenfreudig geben. Doch man macht’s, man geht hin, sich dumme Leute nett zu saufen ist schließlich leichter, als umgekehrt, da gibt es kaum Zweifel an der Trinkerfront.

Auf der Silvesterparty eingetrudelt geht es weiter, die bereits angeschickerten Gastgeber eröffnen einem schon an der Türe, dass der Raclettegrill leider in der Raclettewerkstatt sei und dass es nun stattdessen Fondue gäbe. Die siebenhundert Zutaten, die man in 23 Plastiktüten angeschleppt hat, kann man also eigentlich direkt wieder auf die Strasse kippen, wenn die nicht am Neujahrstag sowieso schon wie nach einem mittelschweren Flak-Angriff aussehen würde. So hält man gefühlte sieben Stunden lang einen Brocken Fleisch in geschmolzenen Käse, schaut dreizehn Mal „Dinner for One“ und beginnt sich zu fragen, was DAS jetzt mit einer ordentlichen Party zu tun hat.
Man kommt zum Schluss: Nichts.

Dann Countdown, drei zwei eins, Prost, raus und Knaller vor die Füße schmeißen lassen. Hat man das flackernde Feuerchen am Hosenbund gelöscht, kann man direkt wieder hochgehen, sich ein buntes Hütchen aufsetzen und so tun, als wenn einem das neue Jahr, welches sich gerade bedrohlich auftürmt mit all seiner Arbeit, mit all seinen Sorgen, eine derartige Freude bereitet, dass man nur noch laut schreien möchte.
Viele verkraften das nicht und denken: „Hui, die Wodkaflasche ist ja noch halbvoll, das ist mir aber jetzt zu optimistisch“ und ziehen die Pfütze auf Null und irgendwann stolpert man ritzenkotzend ins Bett.

Dann Neujahr. Der erste Tag des so tollen Jahres. Der Schädel fühlt sich an wie eine vom Tsunami gegossene Blumenvase. All die netten Vorsätze, endlich mehr Sport zu treiben, laufen bereits am 1. Januar ins Leere, weil allein das Bewegen des großen Zehs im eigenen Denkapparat einen Trupp Bauarbeiter mit Presslufthämmern die Arbeit aufnehmen lässt. Unter dem Bett entdeckt man das angetrocknete Fondue von Beate und Wolfgang und verteufelt still die Raclettewerkstatt, die nicht rechtzeitig fertig wurde. Mag man sich mit Fernsehen ablenken (auf gaaaaanz leise gestellt, der Bauarbeiter wegen), spuckt man den katermindernden Rollmops schneller aus, als es einem lieb sein kann.
2008 wird alles anders als 2007: nämlich beschissener.
Stromkonzerne, Klimawarner und RTL haben sich nämlich gar nichts vorgenommen außer Preise erhöhen, vor Katastrophen warnen und minderbemittelte und unwohlsituierte Prominente in den Dschungel nach Australien schicken. Vielen Dank für nichts.
Wer da nicht schon in der ersten Kalenderwoche ne ordentliche Depression sein Eigen nennen will, muss sich ein Fass Endorphine spritzen.
Das mag nun alles ganz furchtbar pessimistisch klingen, doch bedenke man:
Für frohe Gedanken besteht zu so einer Zeit einfach kein Grund. Das Wetter ist unter aller Sau, die BILD thematisiert kontrastreich gestiegene Jugendkriminalität mit der Geburt von Eisbärdame Knutschi, das Wetter ist unter aller Sau, bis Weihnachten ist es noch ganze zwölf Monate, bis zum neuen Wochenrückblicks-Buch immerhin noch zwei Monate und das Wetter? Unter aller Sau.

Es darf also ruhig geklagt, gemeckert und herumgefrustet werden. Aber bitte ganz leise. Sonst kommen sie aus Ihren Ecken, die ehrenamtlichen Realisten, die es einem entgegen rufen:
Das Leben ist kein Ponyhof.
Zum Glück.
Sonst würd’s heißen: Aufstehen um 5:30 Uhr, Ponys im Angesicht des Morgentau auf der Koppel zusammentreiben, die Ponyscheiße mit nem Hufkratzer entfernen, sich die Möhren zum Frühstück klauen lassen, ausreiten und dumm in die Landschaft glotzen, sich vom Pony danach den Kragen kaputtbeißen lassen, weil man auch mal ne Möhre will, Pony zurück auf die Koppel bringen und fix und alle ins Bett fallen.
Wer immer meint, dass ein Ponyhof ein wahres Vergnügen sei, ist wohl noch nie auf einem gewesen.
Was aber nun ändern?
Ganz einfach, die Neujahrsdepression wird bequem unterdrückt, in dem man den kompletten Neujahrstag die Finger von den Jalousien lässt. Wichtige Vorsätze zu diversen Themen wie
Gewicht, Raucherei, Konsum von RTL2-Sendungen hält man noch eine Weile hinterm Berg und kommt damit am 17. März 2008 zum Vorschein. Zu diesem Zeitpunkt sind die meisten auch wieder nüchtern und man kann gewiss sein, dass die Menschen mit einer gewissen Ernsthaftigkeit daherlauschen, wenn man das Ende einer schwarzen Lunge oder eines dicken Bauches ankündigt. Hat aber den Nachteil, dass man sich dann neuneinhalb Monate bis zum Jahreswechsel wirklich zurückhalten muss, bis es schließlich 2009 heißt:
Jetzt fresse und rauche ich wieder, soviel ich will.
Ja, bitte schön.

Auch 2008 bestellbar:
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1 Comments:

Anonymous Anonymous said...

"Jetzt fresse und rauche ich wieder, soviel ich will."! Mist, noch 347 Tage bis 2009!
Liebe Grüße

18/1/08 14:43  

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