Pennys Wochenrückblick Folge 124: Digitale Anomalie im cortex'schen Frontallappen!

Jaja, ohne Internet würde es uns allen besser gehen, ohne PC sowieso, keine Killerspiele mehr mit fotorealistischer Grafik. Ergebnis wäre: Alle fressen Blumen und knuddeln den ganzen Tag! Super!
Tag 1
Hilfe…..HÜLFÄÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!
Sie haben das Internet gekappt. Eine Woche eher als geplant.
Schweißperlen begrüßen sich auf meiner Stirn, tauschen Erlebnisberichte aus. Mein Herz schaltet um von Klassik-Beat auf Ekel-Gabba, meine Schultern sacken mutlos nach unten, um meinen Hacken und Fersen ein „Hallo!“ zuzurufen. Kalter Entzug!
Ich bin digital amputiert, auf der nach unten offenen Richterskala im Bereich Medienkompetenz bin ich ungewarnt und ungefragt von einem Tag auf den anderen von „durchaus informiert“ auf „sabbernder Höhlentroll“ abgestürzt. Zur Sicherheit gehe ich alles noch mal durch: PC an? Joar, der Desktop ist zu sehen. Kabel alle an Ort und Stelle? Auch! Breche vorsichtshalber die Mauer auf, könnte ja ein Kabelriss IN der Wand sein, weiß man’s denn? Kloppe mich mit schwerem Gerät auch durch den Bürgersteig, vielleicht ein Internetmarder, man hörte davon. Folge dem dicken Digitalstrang bis zum Verteilerkasten und klopfe energisch dagegen. Der Liliputaner, der mein Internet einfach abstellt, möge ans Licht hinaustreten und sich seinem Henker stellen. Putze mir die Schuhe nicht ab, als ich in der Betreibervorstandsetage den Samtteppich betrete. Ich schreie. Werde abgeführt. Zustände sind das hier, wie in der Steinzeit.
Tag 3
Die Medikamente, die ich zur Beruhigung bekommen habe, wären nicht die schlechtesten, wenn, ja wenn man mich am Bett gefesselt gelassen hätte. So entließ man mich aber als geheilt und darüber kann ich nur lachen. Betrete ein Internetcafe. Bin meinem Ziel sehr nahe. In mir breitet sich die matrixartige Vorstellung aus, dass ich mir gleich einen überdimensionalen Stecker in den Schädel stopfen werde, aber das könnte auch an den lustigen Pillen liegen. Egal, egal, Hauptsache online. Stakse und wanke an meinem Megabytedealer vorbei und stammle nur: „Welche Nummer?“
„Die Drei, bitte!“
Setze mich an die Drei. Klicke den Internetexplorer an.
Gebe eine Internetadresse ein:
Ww pnny wochnräckblick.d
Meine Verwunderung darüber, dass ich im digitalen Nichts lande, währt nicht allzu lang.
Tastaturen in Internetcafes sind ein Folterinstrument allererster Kajüte und gehören von Amnesty International geächtet. Dieses verdammte „E“. Versuche, fester auf den Buchstaben draufzudrücken, nichts passiert. Versuche, den Buchstaben herauszubrechen, zuerst mit dem Fingernagel, dann mit dem Brecheisen! Hat da jemand Beton drunter gerührt? Was um alles in der Welt soll ich mit einer Tastatur ohne „E“? Herzlich willkommen auf Googl, Spigl und Schtudi-Vau-Zätt oder was. Urschreie und Flüche werden vom Internetcafebetreiber mit Abmahnungen geahndet. Er ist aber so freundlich und weist mich einer anderen Recheneinheit zu. Wirr und schwitzend bekomme ich im Augenwinkel mit, dass Menschen mit Kopfhörern um mich herumsitzen. Ich befinde mich in der ersten Bakterienzuchtstation der Welt, denke ich betrübt. Man müsste doch wissen, dass die Anzahl der Bakterien mit jeder Minute zunimmt, in der die Ohrmuscheln am Gehör kleben. Da Bakterien nicht ausschließlich auf Ohren ihr Zeltlager aufschlagen, sondern eigentlich überall, also auch auf Kopfhörern, frage ich mich betäubt wie viel Geld man mir wohl so bieten müsste, bevor ich mir diese durchseuchten Schmalzvernichter auf den Kopf setze. Ist so viel Geld eigentlich im Umlauf?
Während ich diesen Gedanken hinterher hänge, baut sich ein rotes Quadrat auf grünem Grund auf. 1,46 Prozent von Spiegel.de sind geladen. Vergeht in Internetcafes die Zeit langsamer? Ich kann es nur hoffen, weil ich schon wissen würde, wer 2010 Fußballweltmeister wird. Das kann ich aber nicht, wenn zu dem Zeitpunkt erst Dreiviertel Überschrift plus Daxwert auf dem fettverschmierten Monitor erschienen ist. Fluchtartig verlasse ich die Lokalität. Werfe Pillen ein.
Tag 12
Alfons Gugel belegt mich und meine Familie mit Voodooflüchen. Als ich ihn nach der genauen Definition von Voodoo frage, knurrt er ins Telefon, dass er es jetzt leid sei und die GSG 9 anrufen würde. Alfons Gugel und ich, wir haben uns unter den schlechtesten Umständen kennen gelernt, die man sich nur vorstellen kann. Man kann sagen, wir hatten einen bescheidenen Start. Ich rief ihn an, um ihn nach Dehydrochlormethyltestosteron und den Folgen von A-Team zu fragen, in denen Hannibal nicht behauptet, dass er es liebe, wenn ein Plan funktioniert. Auf das leicht konsternierte und verwirrte „Watt is?“ von Herrn Gugel entgegnete ich, dass er, wenn er mir seine Suchergebnisse per Post schickt, ruhig diesen ganzen Schmuddelkram weglassen kann, ich wäre nur an sachlichen Informationen interessiert. Alfons Gugel ging offline. Legte einfach auf. Kennt der sich denn mit Medienrecht gar nicht aus? 1800 Anrufe (Gott preise die Festnetz Flatrate) und Suchabfragen später machte Herr Gugel einen leicht genervten Eindruck. Auf sein wildes Geschrei, das mit einem „ICH BIN NICHT DER FÜR DEN SICH MICH HALTEN, SIE KRANKER FREAK!“ konnte ich nicht viel entgegnen außer:
„Haben sie die Suchergebnisse per Post schon losgeschickt?“
Also, wenn Euer Internet mal streikt, ruft Herrn Gugel an. Aber Vorsicht, er ist noch beta und ein bisschen anfällig.
Tag 15
Sitze schon wieder in einer Gefängniszelle und verstehe einfach nicht, warum?
Habe doch nur an der Uni Fotos von mir verteilt und von anderen eingefordert. Habe nach Freundschaften gefragt. Habe versucht, eine Gruppe zu gründen: Kein Internet und trotzdem ein normales Leben führen. Niemand trat ein. Drei Gruschelversuche und ein blaues Auge später wurde ich abgeführt. Langsam beginne ich, Menschen mit Internet abgrundtief zu hassen.
Tag 19
Ich will gar kein Internet mehr. Ich kann meinen Müll auch wieder ganze bequem im Wald verbrennen, wozu brauch ich bitte Ebay? Und Post? Tja, ich könnte mal wieder ganz unkonventionell nen Brief schreiben. Eventuell würde ich, um der Authentizität Rechnung zu tragen, noch nen Prospektfetzen mit Hackfleisch im Sonderangebot an den Brief hängen, ich hab da so ein Provisonsmodell mit dem örtlichen Supermarkt ausgehandelt. Ich bin auch wieder dafür, dass die Menschen mehr Zeitung lesen. Man kann seine Finger noch so sehr an den Bildschirm patschen, Druckerschwärze will partout nicht entweichen.
World of Warcraft? Wozu um alles in der Welt? Wenn ich in freier Wildbahn kleine Menschen anzünden will, nehm ich ein Feuerzeug, da brauch ich doch keinen virtuellen untoten Magier, oder? Ha! So! Pillen nicht vergessen.
Tag 21
UND ICH WAR SCHON SO WEIT.
PC auf den Müll, den Schreibtisch verbrennen, damit ich durch den Winter komme.
Und da klingelt auf einmal der Telekom-Mann.
“Ich mach sie jetz ma online!“
Pillenvernichtend sitze ich seitdem vor meinem Rechner. Aber der USB Stecker passt immer noch nicht in meinen Kopf.


2 Comments:
Das ist mal ein Rückblick, bei dem ich gerade Dir jedes Wort glaube ;-)
Ekel-Gabba?!?!?!?
Das will mich abba so nich stehen lassen ;-)
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