Pennys Wochenrückblick Folge 122: Brutale und gnadenlose Renter! Arme, arme Jugendliche!
Um diesen Wochenrückblick zu verstehen, ist es nicht unbedingt von Nöten, sich das folgende Video anzuschauen. Doch surreal, wie dieses Video ist, könnte es umgekehrt auch ohne Wochenrückblick auskommen. Aber ich will mir da keine Faulheit vorwerfen lassen. Optimal ist es einfach, sich beides genau anzuschauen, erst Video, dann Rückblick. Viel Spass :)
LINK
Jens Jessen hat – das kann man mit Fug und Recht behaupten – einen Namen, dem im Nachhall das Humoristische nicht abgeht. Mit einem „Jens Jessen“ ließe sich ein prima Alliterationshaiku basteln. Auch verfügt Herr Jessen über ein Repertoire ulkiger Ansichten.
Gut, die darf jeder haben, wir leben in einem freien Land.
Doch ist man Chefkolumnist bei der „Zeit“, sollte man, wenn man schon Jens Jessen heißt und Vorlagengeber für Alliterationshaikus ist, seine Worte mit Bedacht und Vorsicht wählen.
Herr Jessen sieht das aber anders und: plappert drauf los in seiner Videokolumne, was für uns Medienteilnehmer den Nachteil hat, dass wir die ulkigen Ansichten des Herrn Jessen nicht nur hören, sondern ihm auch noch ins Gesicht zu starren gezwungen sind.
Der Herr Chefkolumnist hat – wie auch jeder andere – eine Meinung zur Jugendkriminalität. Das ausländische lass ich ganz bequem weg, junge Menschen aller Staaten haben schon immer gern mal draufgehauen, also ja, auch Deutsche, Chinesen, Australier und vereinzelt die Eskimos, auch wenn die nicht häufig durch Deutschlands Ghettos flanieren.
Auch ist es ein weit verbreiteter Irrtum, dass ein potentielles Opfer von Gewalt sich für die Nationalität des Fäusteschwingers interessiert, während der Kiefer eine neue Form bekommt. 99 von 100 Leuten würden es begrüßen, gar kein Opfer von Gewalt zu werden und es wären 100, wenn der letzte Befragte nicht einer seltsamen Spielart von Masochismus nachhängen würde, aber gut.
Denn Gewalt in jeglicher Form ist irgendwie doof und mit Arbeit verbunden: Polizei rufen, zum Arzt fahren, Gerichte anrufen. Wenn dann der nur mit milder Bewährung Verurteilte schief grinsend das Gerichtsgebäude verlässt, kann man schon mal denken
„Och, das hab ich mir aber anders vorgestellt.“
Politiker haben diesen Umstand für sich entdeckt und weil ja immer irgendwo Wahlkampf ist, überschlägt man sich mit gut gemeinten Ratschlägen. Roland Koch würde – zumindest entsteht der Eindruck – am liebsten keinen Säugling mehr ohne pauschale Bewährungssstrafe aus dem Geburtskanal flutschen lassen. Hätte den Vorteil, dass man den Brüllkrümel beim ersten Vergehen (mit Bauklötzen schmeißen, Pampers voll machen, solche Sachen) gleich in ein dunkles Loch schmeißen kann, ohne umständlich über alle Rechtsinstanzen gehen zu müssen.
Aber es ist so, wie es meistens ist: Die Ansichten müssen möglichst extrem sein, sonst hört einem ja keiner mehr zu.
Und das bringt uns zurück zu Jens Jessen. Als Chef-Video-Kolumnist der Zeit darf der Mann sein Antlitz in die Kamera halten und erzählen, was ihm so einfällt.
Zum Thema „Jugendkriminalität“ fällt ihm – leider – so einiges ein.
Denn getreu dem Motto „auf die Perspektive kommt es an“, dreht Jens Jessen den Spieß einfach um. Nicht die Jugendlichen mit all ihren Fäusten, Messern, Schlagringen, Pfeffersprays, Nunchakus, Morgensternen, Handgranaten und Panzerfäusten sind an sich Schuld an der Gewalt, sondern nein: Der Rentner ist es, der mit seiner Gängelei den jugendlichen den letzten Nerv raubt, bis diese gar nicht anders können als ihre Faust in die dritten Zähne des nervigen Opas zu rammen.
Man kann es deutlich vor sich sehen:
Horden von brutal ausschauenden Jugendlichen stehen an den Parkbänken der Republik und diskutieren über Sartre und philosophieren über Stochastik. Sie machen das, bis Opa Grabowski aus der Lüsenstrasse um die Ecke biegt und schon erklingt kollektives Verstummen. Man rottet sich zusammen wie die Pinguine es tun, um Ihre Eier vor der Kälte zu schützen. „Hoffentlich sagt er nix, bitte nicht!“, wispern sie im Kreis. Doch Opa Grabowski wäre nicht Opa Grabowski, wenn er nicht was zu meckern hätte.
„Schmatz nich so mit Deinem Kaugummi, junger Mann, wo sind wir denn hier?“
Das war dumm, denn jetzt kann die Jugendgang nicht anders, das Adrenalin muss raus aus dem Körper und schon liegt der Senior im Dreck.
Spinnt man die kruden Ansichten des Jens Jessen weiter, so sind Altenheime keine Begleitungsstätten zur letzten Ruhe sondern letztlich nichts anderes als Terror-Ausbildungs-Camps, um die Menschheit von der Jugend zu befreien. In ungezählten Stunden stehen die Elfriedes und die Hans-Dieters jenseits der achtzig Lenze im Aufenthaltsraum, trainieren Kendo mit ihren Krücken und fahren mit ihrem Rollstuhl über Teenager-Dummys, um den optimalen Aufprallwinkel zu ermitteln. Es wird trainiert in U-Bahnen („Machn Platz frei, oder mein Seniorenstift rotzt dich an die Wand, Kleiner!“), im Park („Mach Deinen Köter an die Leine oder ich fresse ihn auf!“) oder auf dem Wochenmarkt („Diese Tomaten gehören mir, MIR allein!“). Man sieht also, dem Heranwachsenden bleibt nur der Einsatz mit zwei Fäusten, um nicht in Grund und Boden genörgelt zu werden, auf dass man seines Lebens nicht mehr froh wird.
Auch das Prügelopfer – oder sollte ich lieber Nörgeltäter sagen? – aus der Münchener U-Bahn, der so überaus dreist war, seine späteren Peiniger daran zu erinnern, dass im Untergrund nicht gequalmt wird, ist letztlich selbst schuld: Erst brutal die Jugendlichen von der Seite anquatschen und ihnen dann auch noch den Rücken zudrehen. Da blieb den beiden Tätern keine Wahl.
Vielleicht ist es aber auch die Angst vor der Zukunft, die in Jens Jessen um sich greift. Wird es doch nicht mehr lang dauern, bis der Mensch durch die moderne Medizin 135 Jahre alt und zudem gegenüber den Jugendlichen sowieso in der Mehrzahl sein wird. Dann bilden die Teens auch anzahlmäßig die Minorität und bis zur Ausrottung sämtlicher junger Menschen durch die böse Rentnerschar ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.
Es sei denn natürlich, Jens Jessen wirft sich dazwischen.
Dann aber gute Nacht!
LINK
Jens Jessen hat – das kann man mit Fug und Recht behaupten – einen Namen, dem im Nachhall das Humoristische nicht abgeht. Mit einem „Jens Jessen“ ließe sich ein prima Alliterationshaiku basteln. Auch verfügt Herr Jessen über ein Repertoire ulkiger Ansichten.
Gut, die darf jeder haben, wir leben in einem freien Land.
Doch ist man Chefkolumnist bei der „Zeit“, sollte man, wenn man schon Jens Jessen heißt und Vorlagengeber für Alliterationshaikus ist, seine Worte mit Bedacht und Vorsicht wählen.
Herr Jessen sieht das aber anders und: plappert drauf los in seiner Videokolumne, was für uns Medienteilnehmer den Nachteil hat, dass wir die ulkigen Ansichten des Herrn Jessen nicht nur hören, sondern ihm auch noch ins Gesicht zu starren gezwungen sind.
Der Herr Chefkolumnist hat – wie auch jeder andere – eine Meinung zur Jugendkriminalität. Das ausländische lass ich ganz bequem weg, junge Menschen aller Staaten haben schon immer gern mal draufgehauen, also ja, auch Deutsche, Chinesen, Australier und vereinzelt die Eskimos, auch wenn die nicht häufig durch Deutschlands Ghettos flanieren.
Auch ist es ein weit verbreiteter Irrtum, dass ein potentielles Opfer von Gewalt sich für die Nationalität des Fäusteschwingers interessiert, während der Kiefer eine neue Form bekommt. 99 von 100 Leuten würden es begrüßen, gar kein Opfer von Gewalt zu werden und es wären 100, wenn der letzte Befragte nicht einer seltsamen Spielart von Masochismus nachhängen würde, aber gut.
Denn Gewalt in jeglicher Form ist irgendwie doof und mit Arbeit verbunden: Polizei rufen, zum Arzt fahren, Gerichte anrufen. Wenn dann der nur mit milder Bewährung Verurteilte schief grinsend das Gerichtsgebäude verlässt, kann man schon mal denken
„Och, das hab ich mir aber anders vorgestellt.“
Politiker haben diesen Umstand für sich entdeckt und weil ja immer irgendwo Wahlkampf ist, überschlägt man sich mit gut gemeinten Ratschlägen. Roland Koch würde – zumindest entsteht der Eindruck – am liebsten keinen Säugling mehr ohne pauschale Bewährungssstrafe aus dem Geburtskanal flutschen lassen. Hätte den Vorteil, dass man den Brüllkrümel beim ersten Vergehen (mit Bauklötzen schmeißen, Pampers voll machen, solche Sachen) gleich in ein dunkles Loch schmeißen kann, ohne umständlich über alle Rechtsinstanzen gehen zu müssen.
Aber es ist so, wie es meistens ist: Die Ansichten müssen möglichst extrem sein, sonst hört einem ja keiner mehr zu.
Und das bringt uns zurück zu Jens Jessen. Als Chef-Video-Kolumnist der Zeit darf der Mann sein Antlitz in die Kamera halten und erzählen, was ihm so einfällt.
Zum Thema „Jugendkriminalität“ fällt ihm – leider – so einiges ein.
Denn getreu dem Motto „auf die Perspektive kommt es an“, dreht Jens Jessen den Spieß einfach um. Nicht die Jugendlichen mit all ihren Fäusten, Messern, Schlagringen, Pfeffersprays, Nunchakus, Morgensternen, Handgranaten und Panzerfäusten sind an sich Schuld an der Gewalt, sondern nein: Der Rentner ist es, der mit seiner Gängelei den jugendlichen den letzten Nerv raubt, bis diese gar nicht anders können als ihre Faust in die dritten Zähne des nervigen Opas zu rammen.
Man kann es deutlich vor sich sehen:
Horden von brutal ausschauenden Jugendlichen stehen an den Parkbänken der Republik und diskutieren über Sartre und philosophieren über Stochastik. Sie machen das, bis Opa Grabowski aus der Lüsenstrasse um die Ecke biegt und schon erklingt kollektives Verstummen. Man rottet sich zusammen wie die Pinguine es tun, um Ihre Eier vor der Kälte zu schützen. „Hoffentlich sagt er nix, bitte nicht!“, wispern sie im Kreis. Doch Opa Grabowski wäre nicht Opa Grabowski, wenn er nicht was zu meckern hätte.
„Schmatz nich so mit Deinem Kaugummi, junger Mann, wo sind wir denn hier?“
Das war dumm, denn jetzt kann die Jugendgang nicht anders, das Adrenalin muss raus aus dem Körper und schon liegt der Senior im Dreck.
Spinnt man die kruden Ansichten des Jens Jessen weiter, so sind Altenheime keine Begleitungsstätten zur letzten Ruhe sondern letztlich nichts anderes als Terror-Ausbildungs-Camps, um die Menschheit von der Jugend zu befreien. In ungezählten Stunden stehen die Elfriedes und die Hans-Dieters jenseits der achtzig Lenze im Aufenthaltsraum, trainieren Kendo mit ihren Krücken und fahren mit ihrem Rollstuhl über Teenager-Dummys, um den optimalen Aufprallwinkel zu ermitteln. Es wird trainiert in U-Bahnen („Machn Platz frei, oder mein Seniorenstift rotzt dich an die Wand, Kleiner!“), im Park („Mach Deinen Köter an die Leine oder ich fresse ihn auf!“) oder auf dem Wochenmarkt („Diese Tomaten gehören mir, MIR allein!“). Man sieht also, dem Heranwachsenden bleibt nur der Einsatz mit zwei Fäusten, um nicht in Grund und Boden genörgelt zu werden, auf dass man seines Lebens nicht mehr froh wird.
Auch das Prügelopfer – oder sollte ich lieber Nörgeltäter sagen? – aus der Münchener U-Bahn, der so überaus dreist war, seine späteren Peiniger daran zu erinnern, dass im Untergrund nicht gequalmt wird, ist letztlich selbst schuld: Erst brutal die Jugendlichen von der Seite anquatschen und ihnen dann auch noch den Rücken zudrehen. Da blieb den beiden Tätern keine Wahl.
Vielleicht ist es aber auch die Angst vor der Zukunft, die in Jens Jessen um sich greift. Wird es doch nicht mehr lang dauern, bis der Mensch durch die moderne Medizin 135 Jahre alt und zudem gegenüber den Jugendlichen sowieso in der Mehrzahl sein wird. Dann bilden die Teens auch anzahlmäßig die Minorität und bis zur Ausrottung sämtlicher junger Menschen durch die böse Rentnerschar ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.
Es sei denn natürlich, Jens Jessen wirft sich dazwischen.
Dann aber gute Nacht!


3 Comments:
Tach,
ich bewundere, dass du es geschafft hast, dieses Grauen tatsächlich zu Ende zu sehen. Ich habe nach nicht einmal 2 Minuten entnervt aufgegeben. Das Video grenzt an vorsätzliche Körperverletzung !
Gruß, Bernd
Finde dich jetzt komisch. Das Video ist doch super (Kann man aber auch nicht 100% bierernst nehmen)
Kein Wunder das so ein Neunmalkluger wie du das nicht versteht!
Du - wer immer Du auch bist - findest mich JETZT komisch? Wie fandest Du mich denn vorher?
Und was genau soll an dem Video super sein? Etwa der Teil, in dem Jens Jessen davon spricht, dass die Spießigkeit des deutschen Rentners Schuld an prügelnden Jugendlichen ist? Ja, wenn das auch Deine Meinung ist, bitte schön.
Und in einem Punkt, muss ich dann doch entschieden widersprechen. Dieses Video IST bierernst zu nehmen. Als Kolumnist einer so renommierten Zeitung wie der ZEIT macht man keine dummen Witzchen.
Aber da ich ja nur neunmalklug bin, kannst Du mir das alles noch mal erklären, was der Herr Jessen da so meinte. Dann kann ich mich auch auf ne Diskussion einlassen.
Post a Comment
Subscribe to Post Comments [Atom]
<< Home