Pennys Wochenrückblick Folge 47: Suche trendiges denglisches Wort für „Tchibo-Fernglas“
Ganz schön warm, diese Woche und schon kommt die Erkenntnis aus dem Strandkorb der Eitelkeiten hervorgesprungen, die uns aufzeigt, dass nicht jeder einen so krassen Temperaturunterschied verkraftet.
Zum Beispiel die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach.
Normalerweise ist es zu bejubeln und zu begrüßen, wenn Menschen sich für Minderheiten einsetzen, weil man da den Majoritäten schön zeigen kann, was man von ihnen nicht hält. Frau Steinbach rechnete schnell unterm Tisch mit wurstigen Fingern und kam auf immerhin 30 % der deutschen Bevölkerung.
Soviel sinds nämlich, die kein Englisch sprechen können oder wollen.
Und das gefällt unserer Hochglanzpolitikerin nun gar nicht.
Denn der Anglizismus hat sich so derart eklig in unseren Teutonischen Alltag hineingepflanzt, dass – vor allem die 30 % - selbigen kaum noch bewältigt bekommen.
Mehr deutsch muss her und das am besten per Gesetz.
Ganz vorn sind Radios, dort – und natürlich auch auf so manch anderem Gerät – gibt es den so genannten on/off Schalter. Wer gerade erst aus den Windeln raus und in die Schule rein ist, dürfte nach der dritten Stunde schon genug Intelligenz besitzen, um seinen Erziehungsberechtigten die Bitte vorzutragen, in die Gebrauchsanweisung des vom Urgroßvater geschenkten Kofferradios zu schauen, um herauszubekommen, wofür dieser on/off Schalter denn wohl da sein könnte.
Mit allen anderen, die im letzten Jahrtausend geboren wurden und nicht in der Lage sind, das große Rätsel des on/off Schalters zu lösen ist am besten so zu verfahren: keine … Radios … aushändigen.
Ist besser so. Dann kann nix passieren.
Fernbedienungen über Fernbedienungen müsste man austauschen, damit aus „Play“ das schöne Wort „Wiedergabe“ wird und aus „FF“ „Vorwärtsspulen“.
Da die deutsche Industrienorm Fernbedienungen in Brötchentütenformat aber nicht vorsieht, müsste man die deutschen Wörter abkürzen, dann hat man „Zrcksp“ und „Aufn“ und wer jetzt meint, dass das um Längen besser sei, der ist bestimmt auch dafür, das Runde aus den Sportplätzen herauszuklagen. Kann man doch auch alles bequem auf eine gerade Strecke packen, so ne 400 Meter Bahn.
Aber es gibt auch schwierige denglische Wörter, wie chillen oder After Work Party und dreissig Prozent der Bevölkerung schrei ich es zu: letztgenanntes hat nichts mit Homosexualität zu tun.
Es gibt bestimmt ganz viele Menschen, die sich kaum noch aus der eigenen Behausung trauen, es könnte ja hinter jeder Ecke ein Roaming lauern. Oder ein Thread.
Nimmt man Notiz von Mobilfunktelefoneigenschaften auf Litfasssäulen, kommt einem schnell der Schwindel, aber ein Grund zum Prozessieren ist es wohl erst dann, wenn’s einen komplett umbringt.
Ich meine, wenn wir da wenigstens um eine schöne Sprache kämpfen würden, für das blumige Französisch zum Beispiel, meinetwegen auch für das finnisch mit all seinen Millionen Ypsilons. Doch nein, wir reden hier wirklich von der deutschen Sprache, einer Sprache, in der ein Wochenrückblicksschreiber wie ich das Wort Mobilfunktelefoneigenschaften aufschreiben darf, ohne dass ich kopfüber an eine Zellenwand gehängt werde.
Aber – und das ist ein Totschlagargument eines jeden Politikers, wenn er mit normalen Argumenten in rhetorischen Sackgassen herumzappelt – man möchte uns nur schützen vor all den stachligen Anglizismen, denen es im Alltag geschickt auszuweichen gilt. So viel Fürsorge seitens der politischen Kaste wird irgendwann lästig.
Zudem denke ich, dass da die falsche Ecke brüllt, aber immerhin mit gutem Beispiel vorangeht. Wer hier nicht weiß, was ich meine, kann ja mal versuchen „Steuervergünstigungsabbaugesetz“ ins Englische übersetzen.
Natürlich kann auch ich nicht behaupten, dass mir jedes ins Deutsche eingeenglischte wohlige Schauer über den Rücken jagt. Das Wort cruisen nenne ich hier.
Cruisen bedeutet allgemein übersetzt „irgendwo langsam langfahren“. Da das auf Rollstuhlfahrer aber auch zutrifft, finde ich das Wort ein wenig unangemessen. Ellbogen aus der Karre raus, cool gucken und den Bass aufdrehen, das verbinden viele mit „cruisen“. Aber da kann man ruhig deutsch werden und „affig aussehen“ verwenden.
Aber das sind eher Ausnahmen.
Der große Rest darf gern so (englisch) bleiben, wie er ist. Aber gut, wer auf Sprachrebell machen will, kann natürlich ab heute „ich geh mal den Sportplatz aufklären, ob meine Freunde da sind und Lust auf ne Runde Korbball haben!“
Kann man sagen.
Muss man sich aber auch schnell mit abfinden, dass man in der Vorstellung der Zuhörer zu den tennissockentragenden Einkaufswagenschattenparkern zählt.
Ein einfaches „Ich check den Sportplatz, ob die Buddies Bock auf Basketball haben“ würde zumindest die Socken aus der Leute Gedanken entfernen.
Immerhin.
Wer sich jetzt noch weiter mit diesem gruseligen Thema beschäftigen möchte, kann das gerne tun, aber ich klinke meinen Wochenrückblicks-Wagon jetzt los von diesem schnarchendem Sprachdiskussions-Bummelzug. Da lauf ich doch lieber zu Fuß, also metaphorisch gesehen jetzt.
Doch auch in der öden Landschaft dieser Wüstenwoche gibt es außer verstaubten Kakteen nicht viel zu entdecken, außer dies hier:
Die Bundeswehr…
…Nein…ich muss anders anfangen.
Also, ich kann mich noch ganz gut daran erinnern, dass vor noch nicht allzu langer Zeit – und es spielt keine Rolle, wie lang diese Zeit her ist, weil ich jetzt behaupte, dass mir so ist, als wäre es gestern gewesen – also mir kommt es vor, als wäre es gestern gewesen, dass ich Werbung der Bundeswehr gesehen habe.
In dem Spot ging es glaub ich darum, dass man bei einer hochtechnisierten Armee landen würde, in der man die Karriereleiter nur so rauffallen kann, wenn man dazu in der Lage ist, mehr als drei Liegestütze zu bewältigen.
Und jetzt das. Die Bundeswehr benutzt…
…Ferngläser von Tschibo…
Also mir kommt’s ja fast vor, als wäre es gestern gewesen, dass ich diese „es kommt mir vor als wenn’s gestern gewesen wär“-Floskel benutzt habe. Und darüber hinaus kann ich mich noch gut daran erinnern, dass Tschibo mal ausschließlich für Kaffeebohnen zuständig war.
Heute sieht man das differenzierter, will man 2006 in einer Tschibofiliale geröstete Koffeinböhnchen käuflich erwerben, wird man aufgrund der gesunkenen Kaffeegewinnmarge fast schon wie ein Hartz 4 Empfänger begutachtet, wenn man nicht zumindest noch die Tschibo-Küchenwaage dazuverkonsumiert.
Die offizielle Begründung für den Einsatz der Tschibogläser klingt so: Man traue dem Material der Bundeswehr nicht. Dabei hätte man unseren deutschen Soldaten doch nur sagen müssen, dass es der dringenden Notwendigkeit bedarf, durch die richtige Seite eines Fernglases hineinzuschauen, wenn man in der Ferne den Pickel am Kinn des Feindes erspähen möchte.
Tschibo-Sprecherin Stefanie von Carsburg kann sich gar nicht mehr einkriegen vor lauter multipler Orgasmen über die Tatsache, dass deutsche Strammsteher durch Kaffeeröster-Operngläser glotzen.
Man habe sogar noch mehr im Angebot, Mückennetze und tolle Feuerzeuge, die bei Wind nicht ausgehen.
Und nun der legendäre Satz der Tschibosprecherin, der auf jeden Fall einen Platz ganz weit vorn in der Ruhmeshalle legendärer gesagter Sätze verdient hat:
„Nur Sturmgewehre fehlen noch im Sortiment!“
Dieser Satz ist trefflich zur Interpretation freigegeben. Ich interpretiere mal für mich:
Man kann bei Tschibo ganz weit nach vorne kommen, ohne auch nur einen Funken Humor zu besitzen.
Aber wir können auch vor uns hin übertreiben, wann und wie es uns beliebt. Schon in wenigen Wochen eröffnet der erste Tschibos-Store in irgendeiner Kaserne Deutschlands, Soldaten stürmen den Laden und kaufen ihn leer und es werden Sätze gesagt wie „Drei Sturmgewehre, sechs Pack Patronen, zwei Pfund geröstete Ernte und...ja und den Panzer da vorn, den hätt ich gern auch noch…wie? Er hat einen Kaffeebecherhalter, sagen sie? Oh herrlich, dann packen sie mir doch bitte für meinen Stubenkumpanen Ede einen zweiten Panzer mit ein…und ein Tütchen hätt ich gern, vielen Dank!“
Man hätte die Bundeswehr ja auch ein bisschen langsamer an den Kommerz heranführen können. Gimmicks aus Y`s – Heften hättens doch bestimmt auch getan.
Springbohnen, Papp-Periskope und der Greifarm hätten so manch Soldaten in der Klemme aus selbiger herausgeholfen.
Man stelle sich die Möglichkeiten vor, ein deutscher Soldat hockt in einem Hinterhalt in Feindes Land. Der Feind (schrecklich böse und allzeit mies gelaunt) hockt nur zwei Meter entfernt an seinem Lagerfeuer und röstet Nahrung, die der deutsche Soldat unbedingt haben will (immer nur an ner Kaffeebohne lutschen langweilt, gesponsert hin oder der).
Und jetzt geht’s los, der Deutsche schmeisst die Springbohnen aus dem Hinterhalt dem Feind entgegen, so dass sie weit vom Lagerfeuer entfernt liegen bleiben und das tun, wozu sie ausgebildet wurden: Springen.
Der Feind, natürlich blöd wie Brötchen, hüpft – wie die Bohnen – von seinem angestammten Lagerfeuerpaltz auf und sondiert die Springbohnensituation. Dies beobachtet der deutsche Soldat mit dem Pappperiskop, so bleibt der Helm heil und die Waffe voll. Klaubt der böse Feind die Springbohnen auf, holt der Soldat seinen Greifarm heraus und klaut die Nahrung vom Lagerfeuer, es macht schwiirrrr und noch mal schwirrrrr und der Sieg ist da, ohne Verletzte, ohne Aufgabe des Hinterhalts. Hätte das mit einem Tschibo-Fernglas geklappt?
Wohl kaum.
Zuletzt wäre es nett, wenn Tschibo sich rein kundschaftlich auch auf pazifistischen Pfaden bewegt, Langhaarperücken für glatzentragende Zivildienstleistende und selbstdrehbare Kaffeebohnen-Joints würden die Produktbreite ernorm erweitern.
Dazu noch das Langenscheid-Tschibo-Wörterbuch Soldatenklischee-ZiviKlischee / Ziviklischee-Soldatenklischee.
Bingo.
Sommer, du kannst kommen.
Zum Beispiel die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach.
Normalerweise ist es zu bejubeln und zu begrüßen, wenn Menschen sich für Minderheiten einsetzen, weil man da den Majoritäten schön zeigen kann, was man von ihnen nicht hält. Frau Steinbach rechnete schnell unterm Tisch mit wurstigen Fingern und kam auf immerhin 30 % der deutschen Bevölkerung.
Soviel sinds nämlich, die kein Englisch sprechen können oder wollen.
Und das gefällt unserer Hochglanzpolitikerin nun gar nicht.
Denn der Anglizismus hat sich so derart eklig in unseren Teutonischen Alltag hineingepflanzt, dass – vor allem die 30 % - selbigen kaum noch bewältigt bekommen.
Mehr deutsch muss her und das am besten per Gesetz.
Ganz vorn sind Radios, dort – und natürlich auch auf so manch anderem Gerät – gibt es den so genannten on/off Schalter. Wer gerade erst aus den Windeln raus und in die Schule rein ist, dürfte nach der dritten Stunde schon genug Intelligenz besitzen, um seinen Erziehungsberechtigten die Bitte vorzutragen, in die Gebrauchsanweisung des vom Urgroßvater geschenkten Kofferradios zu schauen, um herauszubekommen, wofür dieser on/off Schalter denn wohl da sein könnte.
Mit allen anderen, die im letzten Jahrtausend geboren wurden und nicht in der Lage sind, das große Rätsel des on/off Schalters zu lösen ist am besten so zu verfahren: keine … Radios … aushändigen.
Ist besser so. Dann kann nix passieren.
Fernbedienungen über Fernbedienungen müsste man austauschen, damit aus „Play“ das schöne Wort „Wiedergabe“ wird und aus „FF“ „Vorwärtsspulen“.
Da die deutsche Industrienorm Fernbedienungen in Brötchentütenformat aber nicht vorsieht, müsste man die deutschen Wörter abkürzen, dann hat man „Zrcksp“ und „Aufn“ und wer jetzt meint, dass das um Längen besser sei, der ist bestimmt auch dafür, das Runde aus den Sportplätzen herauszuklagen. Kann man doch auch alles bequem auf eine gerade Strecke packen, so ne 400 Meter Bahn.
Aber es gibt auch schwierige denglische Wörter, wie chillen oder After Work Party und dreissig Prozent der Bevölkerung schrei ich es zu: letztgenanntes hat nichts mit Homosexualität zu tun.
Es gibt bestimmt ganz viele Menschen, die sich kaum noch aus der eigenen Behausung trauen, es könnte ja hinter jeder Ecke ein Roaming lauern. Oder ein Thread.
Nimmt man Notiz von Mobilfunktelefoneigenschaften auf Litfasssäulen, kommt einem schnell der Schwindel, aber ein Grund zum Prozessieren ist es wohl erst dann, wenn’s einen komplett umbringt.
Ich meine, wenn wir da wenigstens um eine schöne Sprache kämpfen würden, für das blumige Französisch zum Beispiel, meinetwegen auch für das finnisch mit all seinen Millionen Ypsilons. Doch nein, wir reden hier wirklich von der deutschen Sprache, einer Sprache, in der ein Wochenrückblicksschreiber wie ich das Wort Mobilfunktelefoneigenschaften aufschreiben darf, ohne dass ich kopfüber an eine Zellenwand gehängt werde.
Aber – und das ist ein Totschlagargument eines jeden Politikers, wenn er mit normalen Argumenten in rhetorischen Sackgassen herumzappelt – man möchte uns nur schützen vor all den stachligen Anglizismen, denen es im Alltag geschickt auszuweichen gilt. So viel Fürsorge seitens der politischen Kaste wird irgendwann lästig.
Zudem denke ich, dass da die falsche Ecke brüllt, aber immerhin mit gutem Beispiel vorangeht. Wer hier nicht weiß, was ich meine, kann ja mal versuchen „Steuervergünstigungsabbaugesetz“ ins Englische übersetzen.
Natürlich kann auch ich nicht behaupten, dass mir jedes ins Deutsche eingeenglischte wohlige Schauer über den Rücken jagt. Das Wort cruisen nenne ich hier.
Cruisen bedeutet allgemein übersetzt „irgendwo langsam langfahren“. Da das auf Rollstuhlfahrer aber auch zutrifft, finde ich das Wort ein wenig unangemessen. Ellbogen aus der Karre raus, cool gucken und den Bass aufdrehen, das verbinden viele mit „cruisen“. Aber da kann man ruhig deutsch werden und „affig aussehen“ verwenden.
Aber das sind eher Ausnahmen.
Der große Rest darf gern so (englisch) bleiben, wie er ist. Aber gut, wer auf Sprachrebell machen will, kann natürlich ab heute „ich geh mal den Sportplatz aufklären, ob meine Freunde da sind und Lust auf ne Runde Korbball haben!“
Kann man sagen.
Muss man sich aber auch schnell mit abfinden, dass man in der Vorstellung der Zuhörer zu den tennissockentragenden Einkaufswagenschattenparkern zählt.
Ein einfaches „Ich check den Sportplatz, ob die Buddies Bock auf Basketball haben“ würde zumindest die Socken aus der Leute Gedanken entfernen.
Immerhin.
Wer sich jetzt noch weiter mit diesem gruseligen Thema beschäftigen möchte, kann das gerne tun, aber ich klinke meinen Wochenrückblicks-Wagon jetzt los von diesem schnarchendem Sprachdiskussions-Bummelzug. Da lauf ich doch lieber zu Fuß, also metaphorisch gesehen jetzt.
Doch auch in der öden Landschaft dieser Wüstenwoche gibt es außer verstaubten Kakteen nicht viel zu entdecken, außer dies hier:
Die Bundeswehr…
…Nein…ich muss anders anfangen.
Also, ich kann mich noch ganz gut daran erinnern, dass vor noch nicht allzu langer Zeit – und es spielt keine Rolle, wie lang diese Zeit her ist, weil ich jetzt behaupte, dass mir so ist, als wäre es gestern gewesen – also mir kommt es vor, als wäre es gestern gewesen, dass ich Werbung der Bundeswehr gesehen habe.
In dem Spot ging es glaub ich darum, dass man bei einer hochtechnisierten Armee landen würde, in der man die Karriereleiter nur so rauffallen kann, wenn man dazu in der Lage ist, mehr als drei Liegestütze zu bewältigen.
Und jetzt das. Die Bundeswehr benutzt…
…Ferngläser von Tschibo…
Also mir kommt’s ja fast vor, als wäre es gestern gewesen, dass ich diese „es kommt mir vor als wenn’s gestern gewesen wär“-Floskel benutzt habe. Und darüber hinaus kann ich mich noch gut daran erinnern, dass Tschibo mal ausschließlich für Kaffeebohnen zuständig war.
Heute sieht man das differenzierter, will man 2006 in einer Tschibofiliale geröstete Koffeinböhnchen käuflich erwerben, wird man aufgrund der gesunkenen Kaffeegewinnmarge fast schon wie ein Hartz 4 Empfänger begutachtet, wenn man nicht zumindest noch die Tschibo-Küchenwaage dazuverkonsumiert.
Die offizielle Begründung für den Einsatz der Tschibogläser klingt so: Man traue dem Material der Bundeswehr nicht. Dabei hätte man unseren deutschen Soldaten doch nur sagen müssen, dass es der dringenden Notwendigkeit bedarf, durch die richtige Seite eines Fernglases hineinzuschauen, wenn man in der Ferne den Pickel am Kinn des Feindes erspähen möchte.
Tschibo-Sprecherin Stefanie von Carsburg kann sich gar nicht mehr einkriegen vor lauter multipler Orgasmen über die Tatsache, dass deutsche Strammsteher durch Kaffeeröster-Operngläser glotzen.
Man habe sogar noch mehr im Angebot, Mückennetze und tolle Feuerzeuge, die bei Wind nicht ausgehen.
Und nun der legendäre Satz der Tschibosprecherin, der auf jeden Fall einen Platz ganz weit vorn in der Ruhmeshalle legendärer gesagter Sätze verdient hat:
„Nur Sturmgewehre fehlen noch im Sortiment!“
Dieser Satz ist trefflich zur Interpretation freigegeben. Ich interpretiere mal für mich:
Man kann bei Tschibo ganz weit nach vorne kommen, ohne auch nur einen Funken Humor zu besitzen.
Aber wir können auch vor uns hin übertreiben, wann und wie es uns beliebt. Schon in wenigen Wochen eröffnet der erste Tschibos-Store in irgendeiner Kaserne Deutschlands, Soldaten stürmen den Laden und kaufen ihn leer und es werden Sätze gesagt wie „Drei Sturmgewehre, sechs Pack Patronen, zwei Pfund geröstete Ernte und...ja und den Panzer da vorn, den hätt ich gern auch noch…wie? Er hat einen Kaffeebecherhalter, sagen sie? Oh herrlich, dann packen sie mir doch bitte für meinen Stubenkumpanen Ede einen zweiten Panzer mit ein…und ein Tütchen hätt ich gern, vielen Dank!“
Man hätte die Bundeswehr ja auch ein bisschen langsamer an den Kommerz heranführen können. Gimmicks aus Y`s – Heften hättens doch bestimmt auch getan.
Springbohnen, Papp-Periskope und der Greifarm hätten so manch Soldaten in der Klemme aus selbiger herausgeholfen.
Man stelle sich die Möglichkeiten vor, ein deutscher Soldat hockt in einem Hinterhalt in Feindes Land. Der Feind (schrecklich böse und allzeit mies gelaunt) hockt nur zwei Meter entfernt an seinem Lagerfeuer und röstet Nahrung, die der deutsche Soldat unbedingt haben will (immer nur an ner Kaffeebohne lutschen langweilt, gesponsert hin oder der).
Und jetzt geht’s los, der Deutsche schmeisst die Springbohnen aus dem Hinterhalt dem Feind entgegen, so dass sie weit vom Lagerfeuer entfernt liegen bleiben und das tun, wozu sie ausgebildet wurden: Springen.
Der Feind, natürlich blöd wie Brötchen, hüpft – wie die Bohnen – von seinem angestammten Lagerfeuerpaltz auf und sondiert die Springbohnensituation. Dies beobachtet der deutsche Soldat mit dem Pappperiskop, so bleibt der Helm heil und die Waffe voll. Klaubt der böse Feind die Springbohnen auf, holt der Soldat seinen Greifarm heraus und klaut die Nahrung vom Lagerfeuer, es macht schwiirrrr und noch mal schwirrrrr und der Sieg ist da, ohne Verletzte, ohne Aufgabe des Hinterhalts. Hätte das mit einem Tschibo-Fernglas geklappt?
Wohl kaum.
Zuletzt wäre es nett, wenn Tschibo sich rein kundschaftlich auch auf pazifistischen Pfaden bewegt, Langhaarperücken für glatzentragende Zivildienstleistende und selbstdrehbare Kaffeebohnen-Joints würden die Produktbreite ernorm erweitern.
Dazu noch das Langenscheid-Tschibo-Wörterbuch Soldatenklischee-ZiviKlischee / Ziviklischee-Soldatenklischee.
Bingo.
Sommer, du kannst kommen.


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