Pennys Wochenrückblick Folge 55: vierundfünfzig,vierundsiebzig,neunzig,zweitausend...na irgendwann halt!
So, nun ist es also soweit.
Wir sind raus, weg, futsch, Schicht im Schacht, Ende im Gelände.
Entgegen aller ernsthaften Vermutungen ging die Welt nicht direkt unter, im Westfalenstadion tat sich kein Krater auf, der die im Halbfinale ausgeschiedene Nationalmannschaft auf nimmer Wiedersehen verschluckte.
Bitter war es natürlich trotzdem, wer 118 Minuten den Platz rauf und runter rennt, erwartet als Belohnung nicht gerade das alles vernichtende Gegentor in letzter Sekunde sondern vielmehr das chancenreiche Elfmeterschiessen.
Aber, Bela Rethy kannte sich da geografisch recht gut aus, Italien sei nicht Schweden.
Stimmt.
Merkt man schon am Temperaturunterschied und an der Haarfarbe der Frauen.
Aber dass das die Niederlage des deutschen Teams erklären soll, fällt schwer zu glauben, schließlich befand man sich ja – so was wird auch immer gern behauptet – auf Augenhöhe.
Schließlich hatte man mit Argentinien schon wieder einen „Großen“ geschlagen, aber das ist eigentlich auch Quatsch, die Südamerikaner sind schließlich im Schnitt nicht größer als ein halber Zigarettenautomat.
Auf jeden Fall war nach 118. Minuten Schluss mit lustig.
Ich selber, auf dem Dortmunder Südwall stehend, habe natürlich in weiser Voraussicht meine Trauer nur auf Halbmast gehisst, schließlich sind die Befürchtungen nicht unberechtigt, dass Angie Merkel quasi direkt aus dem Stadion nach Spielschluss einen Gesetzesentwurf für eine Tränensteuer aus dem Pastelljackett zieht.
Dann macht sie „Tadaaaa“ und schon erklärt sie uns, dass das jetzt wahnsinnig wichtig für die Haushaltskonsolidierung wäre.
Überhaupt: Der Fußball und die Politik. .
Das sind zwei Dinge die echt gar nicht gehen, so wie Speiseeis und Kakteen.
Auf welch unerträgliche Art und Weise sich die Berliner Parlamentskaste sich in den letzten vier Wochen zum Beispiel der Kicker-Rhetorik bediente, das war schon kaum noch auszuhalten.
So wie Deutschland spiele, so müsse auch das Volk sich durch die Zukunft kämpfen, Merkel sitzt am Ende des Tunnels und leuchtet schon mit der Taschenlampe.
Natürlich, wer immer mehr Belastungen beschließt, obwohl man da mal in grauer Vorzeit was anderes vereinbart hatte, der kann sich bei den Deutschen ein Jubel-Trubel-Heiterkeits-Abo kaufen.
Die Presse war da auch recht schlau und erkannte früh, dass die Politik ja all die Belastungen gerade jetzt in die Phase der WM liegt, weil nun alle so schön euphorisch sind und Deutschlandfähnchen an der Karosserie installieren.
Klar, der Durchschnittsgermane ist ja auch blöd wie ne Packung Weißbrot, ne gut gespielte WM als Ablenkungsmanöver und schon vergisst man landauf und landab, was die Vollpfosten der Regierung nach zähen und langen Verhandlungen so vor sich hin beschließen.
Mann kann übrigens geteilter Meinung darüber sein, ob es wirklich der Notwendigkeit bedarf, monatelang über eine Gesundheitsreform zu debattieren und am Ende nicht viel mehr als eine weitere Lohnnebenkostenerhöhung herauskommt. Das – man verzeihe mir – ist wie 118 Minuten toll spielen und dann einen reinkriegen.
Aber gut, in der Politik scheint man eh nicht so den Durchblick zu haben, auch nicht im Fußball. Denn Ursula von der Leyen, ihres Zeichens Familienministerin und die einzige Legehenne in Deutschland mit politischem Amt, wurde befragt, wie sie nun die Schockminute erlebt hat, in der Italien Deutschland aus dem Turnier schoss. Die antwortete – warum auch immer – wie folgt:
„Also, als das Tor fiel, da hab ich geschrieen: Jungs, ihr schafft das jetzt noch!“
Wenn sie da wirklich die deutsche Mannschaft meinte, dann sollte man ihr in einer Expertenrunde vielleicht mal verklickern, dass die Dauer von so einem Spiel mit Verlängerung nicht der einer durchschnittlichen Zwillings-Schwangerschaft entspricht.
Nun, wie auch immer, es gibt auch erfreuliches:
Zum Beispiel ist die Zahl der Leute, die nun klugscheißerisch aus ihren Ecken quillen und mit einem „ich hab’s doch gewusst“ anderen Menschen den Sauerstoff klauen recht gering. Denn nur die wenigsten hätten damit gerechnet, dass die Klinsi-Elf im Halbfinale gegen Italien in der 118. Minute den Geist aufgibt.
Und die, die vorher meinten, das würd eh nix werden mit dem Titel, die dürfen auch in ihren Höhlen hocken bleiben. Eine schlimmere Form Kritiker kann es auf dem Erdball gar nicht geben, die die kleine Wahrscheinlichkeit auf den Titelgewinn dafür ausnutzen, großkotzig herauszuposaunen, dass man es eh nicht schafft. Solche Nörgelköppe haben schließlich immer irgendwann Recht.
Ehemalige Heuchler dagegen, die gibt es genug. Eine fantastische Arbeit habe er abgelegt, der Herr Klinsmann, sülzt zum Beispiel Uli Hoeneß, der noch vor der WM nicht müde wurde, wie ein funktionierendes Perpetuum Mobile im Tagestakt zu betonen, dass eine Nationalmannschaft aus nicht zu trainieren sei, wenn der Trainer in Kalifornien haust.
Oder die ehemaligen Kritiker der Entscheidung, Deutschlands einzige fussballspielende Kommode mit eingebautem Motor zu nominieren, die verstummen nun auch. Schließlich hatte David Odonkor viele gute Szenen.
Jetzt will man den Bundestrainer sogar BEHALTEN, ganz entgegen der festen Tradition den Trainer turnusmäßig auszutauschen, wenn man keinen Titel erringt.
Aber der will sich Bedenkzeit einräumen, womöglich sogar in Kalifornien und da wird’s, ohoh, bestimmt erste Kritikerstimmen geben.
Jetzt spielen wir aber erst mal um Platz drei, noch ein letztes Mal Pabblick Fjuink auf den Fanmeilen, ein letztes Mal die Hymne gröhlen, ein letztes Mal für Deutschland schreien.
Nach der WM muss er gefunden werden, der perfekte Zeitpunkt fürs Fahne abschrauben, der genau zwischen Nach-WM-Euphorie und falsch verstandenem Patriotismus liegt.
Und die CD von den Sportfreunden kann man sich auch gleich kaufen „54,74,90,2010“ Marketing kann so grausam sein.
Oder man lässt seinen Frust an toten Gegenständen aus:
Eine Künstlergruppe kam auf die grandiose Idee, 16 Beton-Fußbälle in Innenstädten zu deponieren mit der Frage: Can you kick it?
Abgesehen davon, dass das nun nicht besonders künstlerisch gilt (mancher gilt ja schon als Künstler wenn er sieben verrostete Fahrräder aufeinander stapelt…), gab es leider einige, die die Betonkonsistenz der Bälle nicht prüften und einfach davorbolzten.
Das macht Aua am Fuß und Hass auf die Kunst.
Schon rückten Polizei UND Staatsschutz aus, klar, nicht dass noch irgendein hoher Staatsbeamter vor die Betonpille holzt. So ein Unfug wird schliesslich demnächst von Krankenkassen nicht mehr bezahlt.
Doch es gab auch positive Resonanzen, Kinder hätten mit den Bällen gespielt (wie auch immer man das mit Betonbällen macht…) und Passanten hätten geschmunzelt (was an Betonbällen jetzt auch immer besonders witzig sein soll…). Also könnte man die Dinge ja auch mal anders sehen, so eine Sprecherin der Gruppe.
Ob man diese alternative Sicht der Dinge besitzt, wenn man mit einem Mittelfußbruch begipst im Krankenhaus vor sich hinschwitzt, darf allerdings ein bisschen bezweifelt werden.
So.
Ansonsten reih ich mich mal ein in die Danke-Schreier und sag auch „Danke“ an die Mannschaft und das Land, herrliche vier Wochen waren das, eine Urlaubsatmosphäre, vor allem in meiner Dortmunder Heimat, die zu beschreiben mir nur sehr schwer fällt, aber eine Erinnerung, die ich noch lange in mir tragen werde. Schade, dass nicht jedes Jahr WM ist.
Wir sind raus, weg, futsch, Schicht im Schacht, Ende im Gelände.
Entgegen aller ernsthaften Vermutungen ging die Welt nicht direkt unter, im Westfalenstadion tat sich kein Krater auf, der die im Halbfinale ausgeschiedene Nationalmannschaft auf nimmer Wiedersehen verschluckte.
Bitter war es natürlich trotzdem, wer 118 Minuten den Platz rauf und runter rennt, erwartet als Belohnung nicht gerade das alles vernichtende Gegentor in letzter Sekunde sondern vielmehr das chancenreiche Elfmeterschiessen.
Aber, Bela Rethy kannte sich da geografisch recht gut aus, Italien sei nicht Schweden.
Stimmt.
Merkt man schon am Temperaturunterschied und an der Haarfarbe der Frauen.
Aber dass das die Niederlage des deutschen Teams erklären soll, fällt schwer zu glauben, schließlich befand man sich ja – so was wird auch immer gern behauptet – auf Augenhöhe.
Schließlich hatte man mit Argentinien schon wieder einen „Großen“ geschlagen, aber das ist eigentlich auch Quatsch, die Südamerikaner sind schließlich im Schnitt nicht größer als ein halber Zigarettenautomat.
Auf jeden Fall war nach 118. Minuten Schluss mit lustig.
Ich selber, auf dem Dortmunder Südwall stehend, habe natürlich in weiser Voraussicht meine Trauer nur auf Halbmast gehisst, schließlich sind die Befürchtungen nicht unberechtigt, dass Angie Merkel quasi direkt aus dem Stadion nach Spielschluss einen Gesetzesentwurf für eine Tränensteuer aus dem Pastelljackett zieht.
Dann macht sie „Tadaaaa“ und schon erklärt sie uns, dass das jetzt wahnsinnig wichtig für die Haushaltskonsolidierung wäre.
Überhaupt: Der Fußball und die Politik. .
Das sind zwei Dinge die echt gar nicht gehen, so wie Speiseeis und Kakteen.
Auf welch unerträgliche Art und Weise sich die Berliner Parlamentskaste sich in den letzten vier Wochen zum Beispiel der Kicker-Rhetorik bediente, das war schon kaum noch auszuhalten.
So wie Deutschland spiele, so müsse auch das Volk sich durch die Zukunft kämpfen, Merkel sitzt am Ende des Tunnels und leuchtet schon mit der Taschenlampe.
Natürlich, wer immer mehr Belastungen beschließt, obwohl man da mal in grauer Vorzeit was anderes vereinbart hatte, der kann sich bei den Deutschen ein Jubel-Trubel-Heiterkeits-Abo kaufen.
Die Presse war da auch recht schlau und erkannte früh, dass die Politik ja all die Belastungen gerade jetzt in die Phase der WM liegt, weil nun alle so schön euphorisch sind und Deutschlandfähnchen an der Karosserie installieren.
Klar, der Durchschnittsgermane ist ja auch blöd wie ne Packung Weißbrot, ne gut gespielte WM als Ablenkungsmanöver und schon vergisst man landauf und landab, was die Vollpfosten der Regierung nach zähen und langen Verhandlungen so vor sich hin beschließen.
Mann kann übrigens geteilter Meinung darüber sein, ob es wirklich der Notwendigkeit bedarf, monatelang über eine Gesundheitsreform zu debattieren und am Ende nicht viel mehr als eine weitere Lohnnebenkostenerhöhung herauskommt. Das – man verzeihe mir – ist wie 118 Minuten toll spielen und dann einen reinkriegen.
Aber gut, in der Politik scheint man eh nicht so den Durchblick zu haben, auch nicht im Fußball. Denn Ursula von der Leyen, ihres Zeichens Familienministerin und die einzige Legehenne in Deutschland mit politischem Amt, wurde befragt, wie sie nun die Schockminute erlebt hat, in der Italien Deutschland aus dem Turnier schoss. Die antwortete – warum auch immer – wie folgt:
„Also, als das Tor fiel, da hab ich geschrieen: Jungs, ihr schafft das jetzt noch!“
Wenn sie da wirklich die deutsche Mannschaft meinte, dann sollte man ihr in einer Expertenrunde vielleicht mal verklickern, dass die Dauer von so einem Spiel mit Verlängerung nicht der einer durchschnittlichen Zwillings-Schwangerschaft entspricht.
Nun, wie auch immer, es gibt auch erfreuliches:
Zum Beispiel ist die Zahl der Leute, die nun klugscheißerisch aus ihren Ecken quillen und mit einem „ich hab’s doch gewusst“ anderen Menschen den Sauerstoff klauen recht gering. Denn nur die wenigsten hätten damit gerechnet, dass die Klinsi-Elf im Halbfinale gegen Italien in der 118. Minute den Geist aufgibt.
Und die, die vorher meinten, das würd eh nix werden mit dem Titel, die dürfen auch in ihren Höhlen hocken bleiben. Eine schlimmere Form Kritiker kann es auf dem Erdball gar nicht geben, die die kleine Wahrscheinlichkeit auf den Titelgewinn dafür ausnutzen, großkotzig herauszuposaunen, dass man es eh nicht schafft. Solche Nörgelköppe haben schließlich immer irgendwann Recht.
Ehemalige Heuchler dagegen, die gibt es genug. Eine fantastische Arbeit habe er abgelegt, der Herr Klinsmann, sülzt zum Beispiel Uli Hoeneß, der noch vor der WM nicht müde wurde, wie ein funktionierendes Perpetuum Mobile im Tagestakt zu betonen, dass eine Nationalmannschaft aus nicht zu trainieren sei, wenn der Trainer in Kalifornien haust.
Oder die ehemaligen Kritiker der Entscheidung, Deutschlands einzige fussballspielende Kommode mit eingebautem Motor zu nominieren, die verstummen nun auch. Schließlich hatte David Odonkor viele gute Szenen.
Jetzt will man den Bundestrainer sogar BEHALTEN, ganz entgegen der festen Tradition den Trainer turnusmäßig auszutauschen, wenn man keinen Titel erringt.
Aber der will sich Bedenkzeit einräumen, womöglich sogar in Kalifornien und da wird’s, ohoh, bestimmt erste Kritikerstimmen geben.
Jetzt spielen wir aber erst mal um Platz drei, noch ein letztes Mal Pabblick Fjuink auf den Fanmeilen, ein letztes Mal die Hymne gröhlen, ein letztes Mal für Deutschland schreien.
Nach der WM muss er gefunden werden, der perfekte Zeitpunkt fürs Fahne abschrauben, der genau zwischen Nach-WM-Euphorie und falsch verstandenem Patriotismus liegt.
Und die CD von den Sportfreunden kann man sich auch gleich kaufen „54,74,90,2010“ Marketing kann so grausam sein.
Oder man lässt seinen Frust an toten Gegenständen aus:
Eine Künstlergruppe kam auf die grandiose Idee, 16 Beton-Fußbälle in Innenstädten zu deponieren mit der Frage: Can you kick it?
Abgesehen davon, dass das nun nicht besonders künstlerisch gilt (mancher gilt ja schon als Künstler wenn er sieben verrostete Fahrräder aufeinander stapelt…), gab es leider einige, die die Betonkonsistenz der Bälle nicht prüften und einfach davorbolzten.
Das macht Aua am Fuß und Hass auf die Kunst.
Schon rückten Polizei UND Staatsschutz aus, klar, nicht dass noch irgendein hoher Staatsbeamter vor die Betonpille holzt. So ein Unfug wird schliesslich demnächst von Krankenkassen nicht mehr bezahlt.
Doch es gab auch positive Resonanzen, Kinder hätten mit den Bällen gespielt (wie auch immer man das mit Betonbällen macht…) und Passanten hätten geschmunzelt (was an Betonbällen jetzt auch immer besonders witzig sein soll…). Also könnte man die Dinge ja auch mal anders sehen, so eine Sprecherin der Gruppe.
Ob man diese alternative Sicht der Dinge besitzt, wenn man mit einem Mittelfußbruch begipst im Krankenhaus vor sich hinschwitzt, darf allerdings ein bisschen bezweifelt werden.
So.
Ansonsten reih ich mich mal ein in die Danke-Schreier und sag auch „Danke“ an die Mannschaft und das Land, herrliche vier Wochen waren das, eine Urlaubsatmosphäre, vor allem in meiner Dortmunder Heimat, die zu beschreiben mir nur sehr schwer fällt, aber eine Erinnerung, die ich noch lange in mir tragen werde. Schade, dass nicht jedes Jahr WM ist.


2 Comments:
Grandios ! Dem ist nichts hinzuzufügen.
M.
Künstlergruppe war die Version von spiegel online, der Rest hat von einem friedrichshainer und einem weddinger geschrieben.
Hast Du eine quelle , welche künstlergruppe stützt?
Es gab allerdings auch einen Elfmeter Ball, welcher in ein "kunstwerk" integriert war.
streetart.info/concrete-ball
Es wird bei Gelegenheit auch einen Nachbau Invalid-_-beach Invaliden-16 geben.
6reetings
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