23.6.06

Pennys Wochenrückblick Folge 53: ein dicker Mann,ein Bikini,eine Frau darin…

So! Diese Woche also nur wenig Fußball. Der Trend kehrt ja auch schon um, neulich am Kiosk lag da zwischen Spiegel und Stern so ein Groschenheft.
„Zeigen sie der WM die rote Karte“, stand da, auf einer roten Karte, die aus dem Schundblatt heraushing.
„Der Anti-WM Roman, neunzig Minuten nur für mich!“
Was mag da wohl drinstehen? Wird Klinsmann ausgeweidet? Von Olli Kahn? Oder bekommt Lukas Podolski ein Hirn implantiert?
Man mag kaum glauben, auf was für absurde Ideen die Leute kommen, um aus der WM noch den letzten Cent herauszupressen und dann auch noch in Form eines Anti WM Romans.
Dabei ist das Leben gewisser Menschen doch schon lächerlich genug.

Da hätten wir in dieser Woche: Ottfried Fischer.
Ich könnte jetzt einige dumme Bemerkungen über das Gewicht von Herrn Fischer machen, so zum Einstieg, aber das ziemt sich nicht, das ist nicht politisch korrekt, da geht der Knigge kotzen und die Angie wedelt mit dem Zeigefinger hin und her.
Aber dick ist er ja schon.
Und ungemein beweglich, so beweglich, dass er genau zwei Gesichtsausdrücke drauf hat, der erste ist der normale und der zweite ist der, wenn er schläft und unterscheidet sich in seiner Signifikanz im Detail vom ersten nur durch die Tatsache, dass seine Augen geschlossen sind.
Der geübte Leser stellt fest, Witze über dicke und unbewegliche Menschen sind des Pennys Sache nicht.
Darum geht’s hier aber auch nicht.
Der Otti hatte nämlich eine Affäre.

Hui, jetzt muss ich erst mal Pause machen, damit Deutschland sich wieder erholt.
Ja, eine Affäre. Mit einer anderen Frau.
Diese strunzlangweilige Tatsache hält die BILD aber nicht davon ab, die Titelseiten mit eben dieser Geschichte die ganze Woche über vollzupflastern.
Wir sehen: den Otti, der in seiner Liege liegt und eine Frau, die nicht seine eigene ist.
Diese Frau trägt auf besagtem Bild einen Bikini und was macht das Käseblatt daraus?
Das „Bikini-Mädchen“!
Nein, wie originell.
Weil man jetzt aber noch nicht sofort weiß wer das ist, sprich der Heckenschützenfotograf noch BILD-Azubi ist und nicht sofort Otti oder besagte Dame nach der Knipserei befragt hat, nennt die BILD die Dame erst einmal:
„Das mysteriöse Bikini-Mädchen!“
So weit sind wir also schon in diesem Land, wenn eine nicht näher bekannte Frau im Promigarten hockt, dann ist sie gleich schon „mysteriös“ und womöglich noch „geheimnisumwittert“.
Huihuihui, macht da der langweilige Leser und denkt „In meinem durchorganisierten Alltag ist für mysteriöse Bikinimädchen kein Platz, ach wär ich doch dick und berühmt wie der Otti.“
Das mysteriöse Bikinimädchen.
Mysteriös sollte man eigentlich nur sein, wenn man beim Geheimdienst arbeitet oder ein äußerlich auffälliges Gesichtsmerkmal vorweisen kann, erst dann hat man sich so einen gewissen rätselhaften Touch verdient, wenn die Leute sagen:
„Och, schau mal da, das ist doch eine Schrotflinte, die da im Bikini steckt, was hat denn der Otti mit dem CIA zu tun“ oder aber „Boah, die hat ja ein Muttermal in der Form der Fidschi-Inseln auf ihrer linken Wange, wer ist sie, wo kommt sie her?“
Dem reinen Bikinitragen an sich haftet nun nichts schleierhaftes oder unfassbares an sich an, wär auch zu blöd, wenn’s so wär, die Männerwelt an den Weltstränden würde sich kollektiv die Unterlippe wegkneten, wenn jede Frau im Badkleid ein furchtbar geheimes Geheimnis mit sich herumschleppen würde.
Froh sein kann man, dass die Frau keine Stola und Gummistiefel trug, sonst hätte auf dem BILD-Redaktions-Flipchart bestimmt der Stola-Gummistiefel-Mädchen-Vorschlag ganz oben gestanden.

Abgesehen vom nicht gerade klug gewählten Adjektiv ist auch das Hauptwort an sich nicht gerade ästhetisch gewählt, denn wer hat schon 37-jährige Frauen in seinem Umfeld die in diesem Alter noch gern als „Mädchen“ bezeichnet werden wollen? Eben.
Da ein jeder von uns mit dem erworbenen Recht durch den Geburtskanal rutscht, schon ab dem ersten Lebenstag alles über Promis wissen zu dürfen, auch wenn`s noch so uninteressant ist, versicherte man der Leserschaft, dass „das nur eine gute Freundin von dem Otti“ sei.
So was würden wir auch gern mal glauben, denn durch empirische Erfahrungen haben Sprachwissenschaftler herausgefunden, dass „Das ist nur ne gute Freundin von mir“ das anerkannte Synonym für „Naja, geknallt hab ich sie schon, aber ich sags dir jetzt nicht“ ist.
Ganz ehrlich, an alle Prominente, die das hier lesen, lasst Euch was anderes einfallen, wenn ihr uns mitteilt, dass mysteriöse Frauen, die im Bikini durch euren Garten hoppeln „nur“ Eure Freunde sind, dann lachen wir da an Grillabenden ganz köstlich drüber.
Man könnte ja auch stattdessen mal kreativ agieren und behaupten, das wäre eine ein Mann Modenschau. Otti Jury, Bikini-Mädchen Model.
Oder man behauptet, dass es die Nachbarin wäre, die einen zu hoch geschossenen Federball sucht.

Wie auch immer, einen Tag später war es auch schon raus, es war des Ottis Geliebte und die Frau sagt: zieh aus, du Widerling.
Recht hat sie da.
Und dann – die Rechercheroboter der Bild waren wohl über Nacht repariert worden – fand man auch noch heraus, dass die Frau mit dem Bikini mal in nem Bordell gearbeitet hat. Sie sagt aber nicht, als was. Gut, viele Möglichkeiten, seh ich da jetzt nicht, Tanzstangenpolier, Kondomrecyclingsfachangestellte oder auch Türsteherin, eins davon wird’s schon gewesen sein. Mysteriös, nur weil man mal als Bezahldame sein Geld verdient hat, ist sie jetzt aber immer noch nicht, ein weiterer Irrtum, ein jeder weiß nämlich, was in Bordellen so passiert, da brauchen wir uns nix vormachen, es bleibt dabei, nix mysteriös.

Dann – als wenn das Tohuwabohu noch nicht tohuwabohuig genug wäre – platzt dem Otti auch noch ein Reifen auf der Autobahn, ab auf den Standstreifen, im Schock die Notrufsäule ankuscheln und dann nen Adler über die Leitplanke und Schulter auskugeln. An des Ottis Stelle wär ich spätestens ab diesem Zeitpunkt ziemlich geknickt.
Seine Noch-Ehefrau hatte da schon wieder ihren Humor wieder gefunden und konnte nicht anders: „Ich hab den Otti da aber nicht drüber gestossen!“
Soso.
Ins Krankenlaken gehüllt und mit wieder eingekugelter Schulter konnte Otti dann – den Blick auf die mit Sicherheit inspirierende Krankenhaustapete gerichtet – schon wieder über das Leben an sich sinnieren:
„Wenn man mit den Lenden denkt, dann endet das in einer Katastrophe.“
Gerüchteweise soll nur noch die Karikatur von Lukas Podolski auf Eins Live mehr Unsinn quasseln.
Ob dem Otti da die Krankenschwester unsinnige Drogen in den Pfefferminztee geschüttet hat?

Otti ist aber Optimist und beantwortet gleich zwei Fragen der BILD mit geradezu erquickender und lebensbejahender Fröhlichkeit:
„Wie haben sie die letzten Tage erlebt?“
„Ich war nicht Herr meiner Sinne, wenn ich jetzt an meine Zukunft denke, dann sehe ich nur ein schwarzes Loch!“
Ein paar Zeilen tiefer…
„Wie geht es jetzt weiter?“
„Wenn ich jetzt an meine Zukunft denke, sehe ich nur tiefe Dunkelheit…“
Warum nimmt denn in diesem Krankenhaus dem Spermabullen von Tölz nicht mal jemand die Augenbinde ab?
Aber nix da, Hellseherei war es, schon einen Tag später gesteht der Otti, dass er auch schon mal im Bordell war. Nun gut, da das „Bikini-Mädchen“ mal in einem selbigen gearbeitet hat, wundert uns diese Aussage jetzt ungemein.
Und BILD fragt sich: „Was kommt da noch alles ans Tageslicht?“
War Otti in seinem früheren Leben Sumoringer? Oder die Ur-Oma von Kate Moss?
Hat der Otti Helmut Kohl aufgefressen?
Guido Westerwelle geschwängert?
Suchen sie sich ruhig eine von diesen Fragen als Schlagzeile aus, unmöglich sind sie nicht.
Habe ich mich jemals eigentlich darüber beschwert, dass zuviel über die WM berichtet wird?
Alles ganz schnell vergessen.
Bitte, lasst den Otti, seine Schulter und seine Lenden in Frieden, es interessiert echt keine Sau. Stattdessen bitte wieder Geschichten von Michael Ballacks Fußnägeln, Podolskis Gehirn, Kloses gesundheitsgefährdendem Salto.
Bitte.

BITTÄÄÄ!!!

Danke.

2 Comments:

Anonymous Anonymous said...

Wunderbar ! Ich hoffe auch, dass diese Geschichte jetzt ein Ende hat. Ich kenne auch schon die nächste Trennungsschlacht. Markus Lanz und Birgit Schrowange. Da lässt sich doch bestimmt auch einiges rausholen. Man wird sehen. Ansonsten wieder sehr lustig.

23/6/06 14:42  
Anonymous Anonymous said...

besser spät als nie... da ich grad bissl luft hab auf arbeit, hab ich beschlossen so ein paar ältere einträge zu lesen... soso... mysteriös... das einzige, was ich mysteriös finde ist: eine mysteriöse reifenpanne gefolgt von nem mysteriösen leitplankenkuschelgrundkurs nachdem die bild die mysteriöse bikini-dame (denn mädchen is die ja wirklich nicht) als mysteriös bezeichnet hat...kürzt man nun die berichterstattung um "mysteriös", dann ist überhaupt gar nix passiert. und dies ist dann im endeffekt die erklärung für die verwendung des wortes "mysteriös". man braucht eben immer ein schlagwort, damit man viel reden kann, ohne was zu sagen...


<--- siehe meinen kommentar ;)

1/8/06 16:44  

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