26.5.06

Pennys Wochenrückblick Folge 49: 666 Points for Finland! Willkommen in Satans Vorgarten!

Schau mal einer an. Die Welt von morgen sieht irgendwie ein bisschen anders aus, als die Welt von heute.
Also im Gestern – es ist jetzt noch nicht ganz so lang her – da saß die Nicole auf einem Barhocker, knüppelte ihre frisch lackierten Fingernägel in die sich nicht wehrenden Saiten einer unschuldigen Holzklampfe und verklickerte der Welt etwas von „ein bisschen Frieden“
Diese Frau, die ihrem andauernd dauergewelltem Haar so gar keine Pause gegönnt hat, wusste schon damals ganz gut, wovon sie sang, schließlich gab es damals wie heute immer nur ein bisschen Frieden und dafür dann doch wieder ne Menge Krieg.
Damals fiel so viel Realitätssinn keinem auf, man verspeiste Blumen und gab sich ganz der romantischen Vorstellung hin, dass man nur ein oder zwei Grand Prix de Eurovision de la Schawasweissichwas voller dauergewellter Nicoles benötigt, um all die Diktatoren dieser Welt ins Koma zu jodeln.

Überhaupt: der Grand Prix!
Das waren noch Zeiten, sag ich Euch.
Da knistern Kindheitserinnerungen im Gebälk, für so manch siebenjährigen war das der einzige Tag im Jahr, wo man bis Mitternacht aufbleiben durfte, wenn man denn durchhielt.
Dafür bekam man auch allerhand geboten, Frauen, die lasziv und in schicken Kleidern folkloristisch über die Tanzfläche hoppelten, die sonore Stimme des Reporters, der immer eine kleine Vorstellung der Interpretenländer ablieferte (ach, der Eiffelturm steht in Paris…interessant!) und das sich bis in alle Ewigkeit hinziehende Wertungsprozedere, wo man sich gegenseitig die Punkte hin und herschob, bis mans nicht mehr aushielt und die Augen sich zur seeligen Schlummerei schlossen.
Der Grand Prix war früher für uns kleine die ideale Abwechslung, wenn wir von den ewig gleichen Dumpfbacken-Traktor-auf-rohen-Eiern-Spielchen in Wetten Dass genug hatten.
Aber wie schon erwähnt, das Heute sieht anders aus.
Das mit dem Frieden ist komplett gegessen.
Denn hier ist Lordi….Lordi ausm Fjordi.
Lordi, das hört sich eigentlich nach nem netten Namen für nen Golden Retriever an. Doch mitnichten: Lordi hielten nichts von knappen Kleidern und schon gar nicht von Folklore.
Ne, die Jungs und ein Mädel der finnischen Hardrockband waren mehr fürs „böse und brutal gucken“ zuständig und man sah böse Zeiten auf uns zukommen.

Ein bisschen Zukunftsmusik? Aber bitte schön:
Wir schreiben den 07.06.2006!
Einen Tag zuvor kam – stilgerecht, weil 06.06.06 – „das Omen“ in einer frisch gebügelten Schale neu in die Kinos. Die Kinobesucher an sich hatten leider nicht so recht Freude an dem Revival, was zum größten Teil daran lag, dass mitten in der Werbepause noch vor Beginn des eigentlichen Films die Welt es vorzog, einfach unterzugehen.
Außerhalb der Multiplex-Paläste war man über das plötzliche Auftauchen des Fegefeuers aber auch nicht begeisterter.
Das ist nur recht und billig, ein jeder flezt schließlich nicht auf dem Sofa herum und wartet in geduldiger Position auf das Armageddon, nein, man hat was zu tun, man föhnt sich die Haare, man duscht oder man wird ins Krankenhaus gefahren, weil man sich in der Dusche die Haare föhnt…mit anderen Worten, man ist immer beschäftigt.
Sauer sein darf man gern, wenn man sich gerad Nutella aufs frische Bauernbrot schmiert und ein Abgesandter des Teufels einfach so die Haustür eintritt und „Mitkommen!“ zischelt.
Das Brot darf man natürlich nicht mitnehmen ins Fegefeuer.
Dann geht’s in nem Aufzug nach oben, unter den eigenen Füßen zerfällt die Welt in tausend Trümmern, man steht nicht allein in diesem Aufzug und ja, es stinkt.
Nur die wenigsten bringen den Mut auf und bitten den Teufelsboten darum, sich noch schnell vor der Apokalypse eindieseln zu dürfen mit Chanel No. 5.
Nun, jetzt stehen wir hier alle. Mitten im Fegefeuer. Und ohne die Auswahl zwischen verschiedenen Aufgüssen, es gibt leider nur Pech und Schwefel.
Nicht sehr einladend.
Wir stehen also alle versammelt vor der richterlichen Anklagebank und ja, da ist er, Herr Satan höchstpersönlich, um uns alle zu richten, Einzelprozesse sind wohl nicht geplant.

Natürlich hätte es gar nicht so weit kommen müssen.
Schliesslich war dieser Weltuntergang auf Raten lange abzusehen, der Verfall des Grand Prix mit Guildo Horn und Stefan Raab wäre schon aufzuhalten gewesen.
Ein „Wadde hadde dude da“ und acht Stussecken später kam ein weiterer Abgesandter des Teufels und spielte Jury in „Deutschland sucht den Höllenfürsten“.
Heraus kam: Damien Küblböck.
Wer das nicht glaubt, der möge sich doch vorstellen, wie es so wäre in der dunklen Hölle, mit Damien Kübi in einem Raum gesperrt, er mit einer Gitarre und man selbst nur mit einer Zwangsjacke ausgestattet. Tja.
Aber wir wollten ja nicht hören und jetzt passierts eben, der Weltuntergang, nachdem Sakrileg wochenlang auf Platz eins war und nur zwei Tage vor der WM.
Aber gut, dass unser Planet ausgelöscht wird, man stelle sich das mal vor, Lordi und Konsorten würden Kult werden und in den Alltag glibbern, jeden Tag ne Ziege opfern und sich mit Blut einreiben, das würde den Rentnern und auch anderen Gesellschaftsteilen wenig gefallen.
Aber nein…die Welt wird doch nicht untergehen. Lordi müssen sogar ihre nicht allzu netten Masken beim nächsten Konzert abnehmen. Eigentlich unverständlich und unfair, Politiker und Menschen wie Tatjana Gsell müssen das ja auch nicht. Da fehlt es ein wenig an Gleichberechtigung.
Schon wenige Tage nach dem Skandal-Grandprix – die BILD wetterte vorher drauf los, ließ sich aber nach dem Sieg nicht davon abhalten, den Download zum Song im Internet zu bewerben - war die Aufregung auch schon wieder vorbei, nicht mal die Meldung, dass der Sänger der Band auf bitterbrutalsten Foltersex abfährt, konnte Deutschlandd großartig schocken.
Man konnte sich nun getrost auf Bären konzentrieren, die die unglaubliche Frechheit besaßen, durch die Gegend zu laufen und Schafe zu essen.
Gibt ja so Menschen, die jetzt sagen würden, solange wir uns über so einen Unsinn wie Lordi, Bären oder das von Petrus bestellte Wetter aufregen, kann`s uns gar nich schlecht gehen.
Würd so jemand kommen, würd ich sagen: Recht so!

1 Comments:

Anonymous Anonymous said...

Du hast es mal wieder auf den Punkt gebracht. Einsame Spitze !
Deine M.

27/5/06 17:20  

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