Pennys Wochenrückblick Folge 57: Ich darf doch „Du“ sagen, oder? Nein? Dann können sie mich mal!
Es rollt und rumpelt ein „Du“ durchs Land und im Gegensatz zu unerwünschten Braunbären und Weltmeisterpokalschleppenden Italienern wird es nicht sofort erschossen.
Es musste ja auch so weit kommen, denn das Sommerloch nahm schon bedrohliche Ausmaße an, bis die BILD kam, um es mit einer gehörigen Portion Unfug zu stopfen.
„Wollen wir uns alle duzen?“ las ich zu Beginn der Woche und spontan dacht ich:
„Nö!“, aber meine Meinung ist ja selten gefragt.
Oberbegrifflich rechtfertigt die Boulevardzeitung diese groteske Frage mit dem dritten Platz der WM und dem tollen Wetter, was das alles aber nun mit unverhohlenener geplanter Duzerei auf offener Strasse zu tun hat, wird auf der ersten Seite noch nicht klar.
Da kann man sich freuen, dass wir die WM nicht GEWONNEN haben, die Titelseite würde vermutlich: „Wollen wir alle miteinander schlafen!“ lauten, entstanden im Vollsuff harmoniesüchtiger BILD-Mitarbeiter. Auch hier würden wir „Nein Danke!“ sagen, weder fürs komplette-Volk-duzen, noch fürs komplette-Volk-poppen haben wir Zeit, der Alltag krümelt zurück in unser Leben und der Keks der Freude schwebt unerreichbar über unseren Köpfen im All.
Oder so.
Das war jetzt ein reichlich blöder Satz, aber auch ich habe das Recht, mal reichlich blöde Sätze zu schreiben.
Aber jetzt weiter im Text, es ist heiß und lesen ist anstrengend!
Im Innenteil der BLUT wird’s schon klarer, so wird das Sport-Du mit einem temporären Vorteil auf den Sockel der Duz-Glückseligkeit gehoben, denn „Herr Meier, bitte passen sie den Ball zu mir“ dauert viel zu lang, stattdessen also: „Meier gib ab!“
Gut, man kanns drehen und wenden wie man will, aber eins ist mal klar: Ein Sportverein, in dem sich die Leute bisher ersteren Satz zuriefen, um die Pille an die Flunken zu bekommen, soll und darf nicht und niemals existieren. Falls doch – in einem Parralleluniversum voller Eitelkeiten, eventuell – mag ich mir gar nicht die Fans vorstellen, die da ebenfalls siezend von der Tribüne aus Schirifehlentscheidungen kommentieren:
„Sie nicht allzu netter, Schiedsrichter, Sie! Dieser gelbe Faltkarton für unseren geschätzten Mitspieler war jetzt nicht nötig! Deswegen buhen wir sie jetzt ein wenig aus!“
Das stelle man sich mal im Chor vor. Da ist das „Schiri, Du Arsch“ doch wesentlich knapper und inhaltlich ebenso stimmig!
Also im Sportbereich hat das Du seine Berechtigung, weil alles andere am Rande der Lächerlichkeit herumtanzen würde. Aber das war schließlich vorher auch schon klar.
Auch das so genannte Theken-Du ist landauf und landab schon bekannt, doch Bild meint „spätestens nach dem fünften Bier“. Nun denn, wer ne Hand voll Finger Pils benötigt, um genug Mut zu haben, seine Mitmenschen zu duzen, der macht vielleicht sonst im Leben noch was falsch.
Als drittes dann das Party-Du: In von Lampions und Luftschlangen geschwängerter und verrauchter Partyluft sagt man: “Hallo, wir heißen Klaus und Ilona!“
Ich würd ja jetzt antworten: „Hi, ich bin der Penny und ihr habt scheißlangweilige Vornamen und bevor wir hier nicht fachmännisch Brüderschaft getrunken und uns die Zungen in den Hals geschoben haben – das gilt jetzt nur für Ilona – wird hier schon mal gar nicht geduzt!“
Aber nein, laut Bild bedeutet dieser harmlose Satz schon alles, er signalisiert „dass wir gern duzen, jetzt müsst ihr uns auch duzen“. Emotionale Erpressung auf höchstem Niveau, aber hey, im Knigge steht ja auch, dass man auf Partys als Nichtalkoholiker zumindest ein bis zwei Glas Sekt trinken MUSS, um nicht als ehemaliger Alkoholiker verschrien zu werden.
Herrlich bekloppte Welt.
Dann das Nachbarschafts-Du, das sich, so die Zeitung, ganz beiläufig auf Mieterversammlungen gibt:
„Jetzt sagen wir alle DU zueinander!“
Sollen wir uns das wirklich so vorstellen? Auf Versammlungen, wo die Menschen in sonnengelben Pullis und störrischen Augenbrauen auf die Post-Mieterversammlungs-Schnittchen warten, springt irgendein Freak auf und brüllt oben genannten Satz?
Ja, wir sind hier immer noch in Deutschland und bevor wir uns alle duzen, wird erstmal das Kirschbaumproblem der Nachbarn Müller und Krawutzke gelöst. Man muss auch Prioritäten setzen.
Ich überspring mal drei langweilige Du`s und geh direkt aufs Firmen-Du.
Zwischenzeitlich entschuldige ich mich für all die „Du`s“ in diesem Text, aber mein Synonymwörterbuch hat für „Du“ keine spannenden Alternativen auf Lager. I am sorry!
So, also, das Firmen-Du. Vorschlag der Bild?
„Ich bin die Angela, wir duzen uns hier alle!“
Ja wenn man so begrüßt wird als Neuling, hat man auch schon verloren, schliesslich lautet der komplette Satz:
„Ich bin die Angela, wir duzen uns hier alle, aber SIE werden wir nicht duzen, das verdient man sich hier erst…ach und da vorn steht der Kopierer!“
Ach und das Belohn Du!
Nach dem WM Sieg 1990 sagte Beckenbauer:
„Ihr dürft alle Franz zu mir sagen!“
Ja schick, da scheißt doch der Fußballer auf den WM-Pokal, auf Sportwagen und glitzernde Uhren, nix, all der Mammon, weg damit, ab heute duzen wir den Kaiser.
Man muss auch Prioritäten…na ja, sie wissen schon.
Fehlt noch das letzte Du und da haben sie wieder den hauseigenen Zeitungsclown mit nem Witzedefilibrator ins Leben zurückgebracht, der noch schnell den Gag der Woche riss.
Das Sex-Du.
Erste Frage danach: „Wie heißt DU eigentlich!“
Ja, wenn sie an dieser Stelle gelacht haben, verlassen sie sofort meine Website, sie haben keinen Sinn für Humor und das wird Ihnen hiermit bescheinigt.
Aber fällts auf? Auch ich weiss nicht ob ich DU oder SIE zu meinen Lesern sagen soll.
Ich sag: Mal so und mal so. Kommt vielleicht auch aufs Thema an. Da bin ich ganz 68er und nehm mir die völlige Anredefreiheit. Sauer war schließlich noch keiner, kam noch niemand um die Ecke, der geschimpft hat: „Hömma Penny, du alter Sack, siez mich gefälligst in deinen Texten!“
Die BILD wies übrigens noch daraufhin, dass in Ländern wie z.B. in Amerika sowieso nur geduzt wird und man verbessere mich, wenn ich jetzt klugscheisserisch daherquatsche, aber mit dem Kniggeneutralen „You“ bleibt dem Amerikaner auch nichts anderes übrig.
Gehen wir doch noch schnell den umgekehrten Weg, bevor wir jetzt alle duzend auf die Straße rennen und uns gehörig unbeliebt machen.
Warum nicht die Menschen siezen von Anfang an. Schon die Babys.
All die Eltern, ich kann sie hören:
„Hören sie, Frau Anna-Maria, dieses Fläschchen ist angefüllt mir feinster Hipp-Karotte-Spinat-Mischung für den kleinen Hosenscheisser ab drei Monaten! Würden sie die Freundlichkeit besitzen, dies Gemisch nicht auf meine blaue Bluse zu erbrechen, das korrespondiert farblich leider gar nicht miteinander!“
Klingt doch glich viel freundlicher als: „Kotz mir aufs Hemd und ich schalte heut Nacht das Babyphon aus!“
Oder?
Auch ein: “Herr Jan-Felix, würden sie bitte ihren in früheren Zeiten von mir häufig als Saustall bezeichneten Kinderpalast ein klein wenig aufräumen, damit wir hier wieder alle in Einklang und Ruhe leben können?“
Da steckt so viel Friedlichkeit drin, da können die Supernannys dieser Welt ihre schwarzen Klamotten ausziehen und sich auf dem Weg zum Arbeitsamt machen.
Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen, ich geh kalt duschen.
Macht`s gut, sie werden mich nächste Woche hier wieder antreffen.
Es musste ja auch so weit kommen, denn das Sommerloch nahm schon bedrohliche Ausmaße an, bis die BILD kam, um es mit einer gehörigen Portion Unfug zu stopfen.
„Wollen wir uns alle duzen?“ las ich zu Beginn der Woche und spontan dacht ich:
„Nö!“, aber meine Meinung ist ja selten gefragt.
Oberbegrifflich rechtfertigt die Boulevardzeitung diese groteske Frage mit dem dritten Platz der WM und dem tollen Wetter, was das alles aber nun mit unverhohlenener geplanter Duzerei auf offener Strasse zu tun hat, wird auf der ersten Seite noch nicht klar.
Da kann man sich freuen, dass wir die WM nicht GEWONNEN haben, die Titelseite würde vermutlich: „Wollen wir alle miteinander schlafen!“ lauten, entstanden im Vollsuff harmoniesüchtiger BILD-Mitarbeiter. Auch hier würden wir „Nein Danke!“ sagen, weder fürs komplette-Volk-duzen, noch fürs komplette-Volk-poppen haben wir Zeit, der Alltag krümelt zurück in unser Leben und der Keks der Freude schwebt unerreichbar über unseren Köpfen im All.
Oder so.
Das war jetzt ein reichlich blöder Satz, aber auch ich habe das Recht, mal reichlich blöde Sätze zu schreiben.
Aber jetzt weiter im Text, es ist heiß und lesen ist anstrengend!
Im Innenteil der BLUT wird’s schon klarer, so wird das Sport-Du mit einem temporären Vorteil auf den Sockel der Duz-Glückseligkeit gehoben, denn „Herr Meier, bitte passen sie den Ball zu mir“ dauert viel zu lang, stattdessen also: „Meier gib ab!“
Gut, man kanns drehen und wenden wie man will, aber eins ist mal klar: Ein Sportverein, in dem sich die Leute bisher ersteren Satz zuriefen, um die Pille an die Flunken zu bekommen, soll und darf nicht und niemals existieren. Falls doch – in einem Parralleluniversum voller Eitelkeiten, eventuell – mag ich mir gar nicht die Fans vorstellen, die da ebenfalls siezend von der Tribüne aus Schirifehlentscheidungen kommentieren:
„Sie nicht allzu netter, Schiedsrichter, Sie! Dieser gelbe Faltkarton für unseren geschätzten Mitspieler war jetzt nicht nötig! Deswegen buhen wir sie jetzt ein wenig aus!“
Das stelle man sich mal im Chor vor. Da ist das „Schiri, Du Arsch“ doch wesentlich knapper und inhaltlich ebenso stimmig!
Also im Sportbereich hat das Du seine Berechtigung, weil alles andere am Rande der Lächerlichkeit herumtanzen würde. Aber das war schließlich vorher auch schon klar.
Auch das so genannte Theken-Du ist landauf und landab schon bekannt, doch Bild meint „spätestens nach dem fünften Bier“. Nun denn, wer ne Hand voll Finger Pils benötigt, um genug Mut zu haben, seine Mitmenschen zu duzen, der macht vielleicht sonst im Leben noch was falsch.
Als drittes dann das Party-Du: In von Lampions und Luftschlangen geschwängerter und verrauchter Partyluft sagt man: “Hallo, wir heißen Klaus und Ilona!“
Ich würd ja jetzt antworten: „Hi, ich bin der Penny und ihr habt scheißlangweilige Vornamen und bevor wir hier nicht fachmännisch Brüderschaft getrunken und uns die Zungen in den Hals geschoben haben – das gilt jetzt nur für Ilona – wird hier schon mal gar nicht geduzt!“
Aber nein, laut Bild bedeutet dieser harmlose Satz schon alles, er signalisiert „dass wir gern duzen, jetzt müsst ihr uns auch duzen“. Emotionale Erpressung auf höchstem Niveau, aber hey, im Knigge steht ja auch, dass man auf Partys als Nichtalkoholiker zumindest ein bis zwei Glas Sekt trinken MUSS, um nicht als ehemaliger Alkoholiker verschrien zu werden.
Herrlich bekloppte Welt.
Dann das Nachbarschafts-Du, das sich, so die Zeitung, ganz beiläufig auf Mieterversammlungen gibt:
„Jetzt sagen wir alle DU zueinander!“
Sollen wir uns das wirklich so vorstellen? Auf Versammlungen, wo die Menschen in sonnengelben Pullis und störrischen Augenbrauen auf die Post-Mieterversammlungs-Schnittchen warten, springt irgendein Freak auf und brüllt oben genannten Satz?
Ja, wir sind hier immer noch in Deutschland und bevor wir uns alle duzen, wird erstmal das Kirschbaumproblem der Nachbarn Müller und Krawutzke gelöst. Man muss auch Prioritäten setzen.
Ich überspring mal drei langweilige Du`s und geh direkt aufs Firmen-Du.
Zwischenzeitlich entschuldige ich mich für all die „Du`s“ in diesem Text, aber mein Synonymwörterbuch hat für „Du“ keine spannenden Alternativen auf Lager. I am sorry!
So, also, das Firmen-Du. Vorschlag der Bild?
„Ich bin die Angela, wir duzen uns hier alle!“
Ja wenn man so begrüßt wird als Neuling, hat man auch schon verloren, schliesslich lautet der komplette Satz:
„Ich bin die Angela, wir duzen uns hier alle, aber SIE werden wir nicht duzen, das verdient man sich hier erst…ach und da vorn steht der Kopierer!“
Ach und das Belohn Du!
Nach dem WM Sieg 1990 sagte Beckenbauer:
„Ihr dürft alle Franz zu mir sagen!“
Ja schick, da scheißt doch der Fußballer auf den WM-Pokal, auf Sportwagen und glitzernde Uhren, nix, all der Mammon, weg damit, ab heute duzen wir den Kaiser.
Man muss auch Prioritäten…na ja, sie wissen schon.
Fehlt noch das letzte Du und da haben sie wieder den hauseigenen Zeitungsclown mit nem Witzedefilibrator ins Leben zurückgebracht, der noch schnell den Gag der Woche riss.
Das Sex-Du.
Erste Frage danach: „Wie heißt DU eigentlich!“
Ja, wenn sie an dieser Stelle gelacht haben, verlassen sie sofort meine Website, sie haben keinen Sinn für Humor und das wird Ihnen hiermit bescheinigt.
Aber fällts auf? Auch ich weiss nicht ob ich DU oder SIE zu meinen Lesern sagen soll.
Ich sag: Mal so und mal so. Kommt vielleicht auch aufs Thema an. Da bin ich ganz 68er und nehm mir die völlige Anredefreiheit. Sauer war schließlich noch keiner, kam noch niemand um die Ecke, der geschimpft hat: „Hömma Penny, du alter Sack, siez mich gefälligst in deinen Texten!“
Die BILD wies übrigens noch daraufhin, dass in Ländern wie z.B. in Amerika sowieso nur geduzt wird und man verbessere mich, wenn ich jetzt klugscheisserisch daherquatsche, aber mit dem Kniggeneutralen „You“ bleibt dem Amerikaner auch nichts anderes übrig.
Gehen wir doch noch schnell den umgekehrten Weg, bevor wir jetzt alle duzend auf die Straße rennen und uns gehörig unbeliebt machen.
Warum nicht die Menschen siezen von Anfang an. Schon die Babys.
All die Eltern, ich kann sie hören:
„Hören sie, Frau Anna-Maria, dieses Fläschchen ist angefüllt mir feinster Hipp-Karotte-Spinat-Mischung für den kleinen Hosenscheisser ab drei Monaten! Würden sie die Freundlichkeit besitzen, dies Gemisch nicht auf meine blaue Bluse zu erbrechen, das korrespondiert farblich leider gar nicht miteinander!“
Klingt doch glich viel freundlicher als: „Kotz mir aufs Hemd und ich schalte heut Nacht das Babyphon aus!“
Oder?
Auch ein: “Herr Jan-Felix, würden sie bitte ihren in früheren Zeiten von mir häufig als Saustall bezeichneten Kinderpalast ein klein wenig aufräumen, damit wir hier wieder alle in Einklang und Ruhe leben können?“
Da steckt so viel Friedlichkeit drin, da können die Supernannys dieser Welt ihre schwarzen Klamotten ausziehen und sich auf dem Weg zum Arbeitsamt machen.
Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen, ich geh kalt duschen.
Macht`s gut, sie werden mich nächste Woche hier wieder antreffen.


5 Comments:
Sehr geehrter Herr Penny,
[klugscheißmodus ein]
höflichst möchte ich SIE auf den weit verbreiteten Irrglauben hinweisen, dass sich die englischsprachige Welt generell duzt. Etymologisch betrachtet spricht sich die oben genannte Welt in der zweiten Person Plural an. Zur Übersicht hätte ich Euch, Herr Penny, eine Tabelle angefügt, jedoch ist mir dies nicht erlaubt.
[klugscheimodus aus]
gut, dann hätten wir das ja auch geklärt :D
und natürlich gibts hier keine Tabellen...hier gibts ja nicht mal Werbebanner ;)
„Hömma Penny, du alter Sack, siez mich gefälligst in deinen Texten!“
;)
ansonsten: weiter so der herr!
Sehr schön. Im übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass in früheren Zeiten die Kinder ihre Eltern siezen mussten. Wie wäre es denn damit mal wieder. Frei nach dem Motto: "Liebste Mutter, würden Sie mir bei meinem nächsten Besuch ein Krüstchen servieren ?" Und nicht wie bisher: "Wie, kein Schnitzel heute ? Du wusstest doch, dass ich komme."
M.
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