18.8.06

Pennys Wochenrückblick Folge 60: La Cucamaaaarcha und eine zünftige Darmmassage



Zollfrei, formschön und spottbillig: Motorradhelme auf Gran Canaria!


AYAYAYAYAYAYuuuuppiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii
Laut einem Prospekt für den Aquapark auf Gran Canaria ist dies genau das Geräusch, welches eine Person verursacht, die eine der 30 unterschiedlichen Rutschen runtergondelt, die sich in dem Spaßbad befinden.
Gut, ich kenne jetzt nicht allzu viele, die derartig herum rufen, wenn’s Rutschen hinuntergeht, die meisten schreien doch eher „Oooohh!!!“ und auch mal „Autsch“, wenn’s einen hinausschleudert in die rutschennachbarschaftliche Botanik.
Ich dagegen habe ziemlich laut Ayayayayuuupppiiii gerufen und zwar, als ich den Eintrittspreis gesehen habe. 22 Euro fürs rumrutschen, da fand ich den Hotelpool dann doch irgendwie reizvoller.

An dieser kleinen Einführung erkennt man`s schon:
ich war mit meiner Freundin im Urlaub und bin wieder da, mit anderen Worten, Hin und Rückflug sind soweit ohne Zwischenfälle über die Luftbühne gegangen, doch kurz nach der Landung auf Gran Canaria ein erster Zwischenfall:
Keine Koffer auf unserem Laufband.
Dieses hielt nämlich irgendwann an und wir warteten leider immer noch auf unser Gepäck. Das ist so ein bisschen, als wenn Dir einer nen Amboss gegen den Schädel donnert…man taxiert sogleich den geldlichen Wert des Inhaltes und stößt dann auf erste Erinnerungslücken, weil man leider nicht mehr weiß, wie viele Shirts man eigentlich mitgenommen hat. Und dann denkt man: was denn, ich muss jetzt den ganzen Tag in der langen Jeans durch 27 Grad Gran Canaria laufen?
Ins Meer springen kann man so auch nicht unbedingt.
Aber all diese Gedankengänge hatten sich erledigt, ne halbe Stunde später fand sich wieder alles vor, die Koffer waren nur mit ner anderen Maschine auf die Kanaren geflogen. Da war`s doch ein Wunder, dass wir dafür keinen Aufpreis zahlen mussten.

Eigentlich hatte ich mir hier ganz fest vorgenommen, einen vor Klischees nur so triefenden Wochenrückblick zum Thema Urlaub im Allgemeinen und Gran Canaria im Besonderen zu verfassen, ein Schwallschaschlik gespickt mit Sätzen wie „Schon am Flughafen wurden wir von einer Horde Kakerlaken begrüßt, erst bei näherem Hinsehen entpuppte sich das grausige Vieh als Reiseleiterin von Tui“ oder auch „Schon am Eingang des Hotels grätschte mir ein sonnenverbrannter Engländer von hinten in die Beine, scheinbar seine Art, unschuldige deutsche Touristen zu begrüßen.“
Aber das alles passierte nicht, Kakerlaken und Engländer versteckten sich bei der Ankunft und das möglicherweise am gleichen Ort.
Auch der Rest des Urlaubs verlief eher in gemäßigten Bahnen, was zu einem Großteil unserem Hotel zu verdanken war, welches wirklich von guter Qualität zeugte, schimmlige Duschtassen und haarige Ungetüme in Form von schrecklich großen Spinnen waren quasi nicht vorhanden und so waren wir nicht gezwungen, ein RTL-Kamerateam herbeizuwinken.
Also gibt’s hier eigentlich ja nicht viel zu schreiben, aber wie es häufig ist im Leben (siehe auch: Gebrauchtwagenkaufverträge bei Gebrauchtwarenhändlern, die Neonfabene Preisschilder auf ihre Autos kleben), der Teufel steckt im Detail.
Kleinigkeiten waren`s nur, zum Beispiel:

Eigentlich dachte man ja, die Handtuch-Liegen-Bestie wäre irgendwann im letzten Jahrtausend ausgestorben und man hätte den Umstand, dass manche Menschen scheinbar mit Nachsichtgeräten so gegen 3:45 um den Pool schleichen, um sich ihren rechtmäßig erworbenen Schwimmbadblickwinkel zu erwerben, endgültig von der Landkarte menschlicher Verhaltensweisen getilgt. Stimmte auch so weit. Schließlich wies ein Schild darauf hin, Liegen reservieren verboten, bis 10:00 werden alle Handtücher entfernt (und die kosteten im Hotel 10 Euro, wenn man die verlor).
Dies wiederum lässt Kreativität emporsteigen, der Deutsche ist ja nicht im Allgemeinen sondern nur im Speziellen ein bisschen doof, wenn’s aber ums Reservieren geht, wird man erfinderisch und schon legte so ein Aushilfs-Daniel-Düsentrieb welchen Gegenstand auf die Liege?
Eine Banane.
Vom Frühstücksbuffet.
Wahnsinn, oder?
Die schrie uns förmlich an, diese Frucht, sie schien zu brüllen:
“Schau her, Klugscheißer, seh ich aus wie ein Handtuch? Rubbelt man sich mit mir trocken? Ich bin so was von nich Frotee, das gibt’s gar nich!“
Als der deutschen Sprache nicht wirklich mächtiger Poolmitarbeiter wird die Situation natürlich prekär.
Da wühlt man dann erst mal in den Hotelrichtlinien, ob da was von Bananen steht, mit denen man keine Liegen reservieren darf. Da wohl kein Hotel dieser Erde sieben Trillionen Gegenstände in seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen aufnehmen kann, mit denen das horizontale vorbuchen illegal ist, lässt man das Obst liegen, auch, um der wirklich nicht schönen Diskussion mit dem deutschen Touristen aus dem Weg zu gehen. („Des isch kein Handtuch, Pedro, des isch a Banaan, verschdest?“)
Damit der Pool-Polizist sich solch quälende Fragen gar nicht erst stellen muss, haben wir die Banane entfernt, war ja noch früh.
Man muss auch helfen können.

Nun, aber die kleine Liste der Dreistigkeiten war hier ja noch nicht zu Ende.
Meine Obsession zum Frühstück im Urlaub lautet ja: Nutella.
Da stehen immer einige Gläser und daneben so kleine Miniglasschüsseln, in die man die kalorienreiche Sosse streichen kann. So kann man sich sicherlich meinen enttäuschten Gesichtsaudruck vorstellen, als ich mit Schrecken feststellen musste, dass es in unserem Hotel nur diese Schwarz-Weiss-Milky-Way-Pampe für Anfänger zu futtern gab. Und – das war noch schlimmer – die anderen Hotelgäste auch noch so dreist waren, das ganze schon IM GLAS zu verrühren, obwohl schwarz und weiss im ungeöffneten Zustand noch so schön getrennt war. Also ich bin da jetzt kein Brotaufstrich-Rassist, aber wenn wir alle vermischtes Milky-Way-Nutella gewollt hätten, hätts der Hersteller doch wohl in der Fabrik schon umgerührt, oder wie seh ich das?
Aber nein, die Gäste mischten im Glas drauf los, Multikulti schon beim Frühstück, mir doch egal, was der Penny frisst.
Einen Tag später – das war ein schöner Tag – stellte ich dann aber fest, gibt es auch normales Nutella. Ohne den weißen Rotz mittendrin, schick. Ein Glas war aber leider schon leer gekratzt und wo stand das andere? Auf dem Tisch eines Ehepärchens. Haben die also direkt das ganze Glas mitgenommen und ich muss sagen, das erfordert auch ein gewisses Maß an Dummheit, denn es gehört schon viel Phantasie dazu, zu denken, das Hotel halte Nutella-Gläser für alle 700 Zimmergäste bereit. Kein Ding.
Nach oben hin sind da selbstredend auch keine Grenzen gesetzt. Gibt man dem richtigen das passende Werkzeug in die Hand, dann schrauben die dir die Obsttheke vom Buffet weg, wo Du selber noch anstehst und platzieren sie direkt an ihren eigenen Tisch, ist ja Urlaub, da will man ja auch keine weiten Wege gehen.

Wenn man dann meint, man könne dem Wahnsinn einfach so und mir nichts Dir nichts entfliehen, indem man auf dem Hotel flüchtet, der steht flugs vor dem nächsten Problem:
Wohin soll ich? Mal im Supermarkt einkaufen und die Gastfreundlichkeit der Kanaren kennen lernen? Ja, viel Spaß dabei.
Wer der typischen Supermarktkassiererin mehr als drei Worte entlockt und noch ein Lächeln oben drauf bekommt, der kriegt nen Kasten San Miguel von mir. Die Mädels sind ein bisschen so karg wie die kanarische Landschaft im Allgemeinen.
Im Ortskern nahe den Diskotheken gegen Abends bekommt man dann feinstes Kontrastprogramm geboten. Da wird man dermaßen freundlich zugetextet, dass man nicht weiß wo einem der Kopf steht.
Wer schon immer traurig war, dass ihn keiner anspricht: Die Zettelanreißer der hiesigen Diskothekenszene quatschen dich voll, auch wenn du nur ein Auge und nen Holzbein hast. Happy Hour und freie Cocktails bis der Arzt kommt.
Dass dabei ein Viertel der Regenwaldbestände bei Bedrucken der Flyer draufgeht, juckt nur den WWF.
Der Rest wundert sich und denkt: “Och hätt ich meinen Koffer nun wirklich verloren, ich könnte mich mit Flyern einkleiden. Schön bunt.“
Schön bunt ist auch der Rest der Ortschaft, in der sich eine Housedisco an die nächste reiht, immer beflaggt von allerlei Neonröhren-Getöse. Wer also noch nie in einen Urlaubsort wollte, wo extrem viel bumm-bumm läuft, der liegt mit Playa del Ingles genau richtig und zwingt den Piloten irgendwie, bis nach Teneriffa weiterzufliegen (aber nicht mit Flüssigkeiten schütteln, das finden Saftschubsen in diesen Tagen gar nicht witzig).

Vielleicht kann man sich ja von all dem am Strand erholen, denkt man so bei sich, mietet Liegen für viel Geld und will in Ruhe wegdösen, als am Horizont eine rauchige Stimme erklingt: „FANTA, KOLLA, AGUA MINERAAAALÄÄÄ!“
Und wenig später, in einer überraschend höheren Tonlage: „CAAAALIIIIIPO! LEGGA, LEGGA!“
Diese Wörter ertönen, sie dröhnen über den Strand. Einmal. Zehn Mal. Dreizehntausend Mal. Innerhalb von 10 Minuten. Zumindest gefühlt. Und dann fragst Du Dich, wie Du es bei diesem Säusel-Mantra schaffst, dass Dir nicht dass Gehirn aus den Ohren raus läuft. Plötzlich wird Taubheit ein Segen und die Fähigkeit des Wegbeamens zur meistgewünschten Erfindung, seit dem es Schnürsenkel gibt. Dann schüttelst Du nur den Kopf, wie dieser Getränkeverkäufer mit seiner Box an dir vorbeitaumelt und man sucht und sucht, aber kein Aufziehrad prangt aus seinem Rücken hervor.
Wenn man dann doch was bestellt (und wenn’s nur ist, damit der Kerl bloß eine Sekunde seine Klappe hält, bloss eine kurze Sekunde), dann lallt man irgendwas wie „Una agua con Gas Porvavor“ oder so, worauf man tatsächlich eine Flasche Mineralwasser erhält.

Hier und an dieser Stelle ist nun ein guter Zeitpunkt, um endgültig und für alle Jahrhunderte die noch kommen mögen, endlich aufzuräumen mit folgendem Vorurteil:

Dass Touristen die Sprache des Landes, in das sie fliegen, perfekt beherrschen müssen.

Das bekommt man immer wieder gesagt. Wenn du nach Spanien fliegst, dann musst du unbedingt spanisch lernen, nicht nur, damit du dem Taxifahrer verraten kannst, wo du hin willst, wenn du mal gekidnappt wirst, sondern auch, um dem Volk den Respekt zu erweisen und damit man keinen primitiven Eindruck hinterlässt.
Bullshit.
Ganz ehrlich.
Die Hotelmitarbeiter haben weder Zeit noch Lust, sich mit deutschen Touristen im schönsten Volkshochschulspanisch darüber auszulassen, welches Tapetenmuster ihre Schwiegermutter für die neue Wohnung ausgesucht hat. Da fehlt die Zeit. Würd das jeder machen, ein jeder Tourist hätte seinen eigenen Kellner.
Und Taxifahrer?
Da tut man gut dran, kurze und knappe Anweisungen zu geben, wie Faro oder Playa und danach schön den Mund zu halten. Der weiß dann schon wohin und so kann er sich aufs fahren konzentrieren, was auf den Kanaren auch bitter nötig ist, da sowohl Taxi- als auch Busfahrer die nervenkitzelnde Angewohnheit haben, zwischen ihrem eigenen und fremden Rückspiegeln ungefähr 2 Millimeter Platz zu lassen. Und Vorfahrt hat nichts mit Verkehrsregeln zu tun, sondern mit der Dicke der Stoßstange.
Trotzdem wird kaum gehupt, faszinierend so was.

Abgesehen von all diesen Dingen ist Gran Canaria dann aber doch ne nette Insel, Kakerlakenhorden konnte ich keine ausmachen und eine Taxifahrt mit 4 Personen ist für den einzelnen billiger als ein Toilettenbesuch am Strand. Die Dünen von Maspalomas sind ebenfalls eine Reise wert, sehr majestätisch und wüstisch sieht’s da aus, wenn man an den gebrauchten Kondomen zwischen den Sträuchern einfach konsequent vorbeischaut.
Aber hey, das hier ist Satire und kein Reiseprospekt. Man kann da wirklich hinfahren, der Vogelpark ist schön und in der Stadt steht ein ziemlich guter Karikaturist, der aus Euren dicken Nasen in 5 Minuten noch dickere zeichnet. Ziemlich gut.
Mein einziger Kontakt zur Außenwelt war übrigens was? Genau. Die BILD. Die wird sogar extra auf den Kanaren gedruckt, damit man sich morgens auf der Bananenliege schon über den neuesten Unsinn informieren kann. Da fühlt man sich doch sofort wieder heimisch, wenn es dann am letzten Tag auf Seite 2 heisst:

„Tierheim-Irrsinn: Analmassage für Eichhörnchen…und wir zahlen dafür!“

In Hamburg gibt’s nämlich ein Tierheim, in dem Tiere besonders nett gepflegt werden. Knut, die Ratte eines Sträflings wird aufgepäppelt und jeden Tag wird sogar der Käfig saubergemacht (Sachen gibt’s, ts). Ja und ein Eichhörnchen, das Verdauungsprobleme hat, bekommt mit dem Zeigefingernagel eine Darmmassage, finanziert von UNSEREN Steuergeldern und BILD fragt empört: wie weit darf Tierliebe gehen?
Da wundert man sich dann doch, Bruno, der alte Kinderfresserbär (zumindest potentiell) bekam nach seinem Abschuss ein eigenes Poster, aber so ein kleines Eichhörnchen darf drei Wochen an Verstopfung leiden? Heuchelei. Ich sage: Lasst dem Hörnchen doch den Spaß. Hierzulande wird so viel Geld für so viel Unsinn ausgegeben, da kommt’s auf einen Waldbewohner, der endlich wieder regelmäßig kacken kann, nun auch nicht mehr an.
Stattdessen fragt man sich natürlich, ob der zuständige Bild-Reporter Tim Thorer nicht eher ein bisschen neidisch ist, aufgrund der bürgersubventionierten Darmpflege.
Antworten wird darauf aber leider keine geben, aber wenn der Tim ein so großes Problem damit hat, dann kann er sich ja mal verkleidet im Tierheim melden und auf eichhörncherisch über Verstopfung klagen.
Das Ergebnis wird dann natürlich ebenfalls wieder karikiert, vielen Dank im Vorraus.

P.S.: Ein dickes Dankeschön für den netten Urlaub gehen an meine bessere Hälfte*, Stephano* und Gundel*. Foiaaawääärk!

* die Namen wurden von der Redaktion - also von mir - geändert....aber nur geringfügig.






wenn so ein dressierter Kakadu Dir die Handtasche klauen will, obwohl er genau weiß, dass die nie durch den Käfig passt, gilt als erste Touristenpflicht: Reiseleiter nerven!

13 Comments:

Anonymous Anonymous said...

This comment has been removed by a blog administrator.

18/8/06 05:29  
Blogger MrPennywise said...

tsts, keine zweideutige Werbung hier.

18/8/06 05:42  
Anonymous Anonymous said...

juhu, penny is back^^ hab echt schon drauf gewartet!

klingt ja nach einem richtigen traumurlaub! das einzig nervige war scheinbar nur - wie immer - diese nervtötenden touristen ;)

18/8/06 12:10  
Anonymous Anonymous said...

Ein sehr schöner Rückblick :)

21/8/06 01:32  
Anonymous Anonymous said...

Stephano und Gundel (aka der Holländer&das Biest, äääh die Engländerin mein ich)bedanken sich für die Geheimhaltung ihrer Identität! Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass der liebe Penny alle Vorkommnisse wahrheitsgemäß wiedergegeben hat... Danke für den schönen Urlaub!
Foiawäääärk :-)

22/8/06 19:43  
Anonymous Anonymous said...

:)
sehr lustich!
gruesse aus LA

24/8/06 20:09  
Anonymous Anonymous said...

Lustige Seite.

Sehr schön!

26/8/06 11:15  
Anonymous Anonymous said...

Great article! Thanks.

18/8/07 08:50  
Anonymous Anonymous said...

Nice Blog!

18/8/07 14:44  
Anonymous Anonymous said...

Thanks for interesting article.

18/8/07 14:44  
Anonymous Anonymous said...

Thank You! Very interesting article. Do you can write anything else about it?

28/8/07 15:58  
Anonymous Anonymous said...

Very interesting site. Blog is very good. I am happy that I think the same!

4/9/07 14:03  
Anonymous Anonymous said...

Excellent website. Good work. Very useful. I will bookmark!

10/9/07 04:17  

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