Pennys Wochenrückblick 130: Ohne Triple ist alles doof! Bajuwarische Käseglockendepression!

Ohne Worte!
Der frühe Sonnenstrahl bricht durch luftdurchlässige Jalousienschlitze und verkündet:
Es ist ein neuer Tag, hinaus mit dir! Vollbringe Taten, von denen man noch in Jahrhunderten am Lagerfeuer spricht! Sei ein gleißendes Licht, welches andere aus ihren Schatten hervorzuziehen vermag! Sei ein Held, ein Titan, sei der Beste, den die Welt je gesehen hat!
So oder ähnlich wollen es uns die Verfasser von Lebensberatern ja schon weismachen. Jeder Tag ist ein Geschenk, jeder Tag bietet neue Chancen, um über sich hinauszuwachsen.
Die Realität sieht anders aus.
Wenn morgens der Wecker klingelt und uns aus unserer Nacht entreißt und der Wecker klingelt und wir unsere schlafsandverkrusteten Augen aufreißen und der Wecker klingelt und wir nicht wissen, wo wir sind und der Wecker klingelt und dieses verdammte Teil an die Wand donnern möchten und die erste Frage die wir uns an so einem Morgen stellen diejenige ist, warum um alles in der Welt wir uns einen Wecker mit einem Weckton gekauft haben, der auch Tote mühelos ins Leben zurückzuholen kann, ja wenn all dies passiert:
Ist uns dann danach, die Welt aus den Angeln zu heben?
Seien wir doch ehrlich, wir möchten uns doch lieber noch ein bis zweimal umdrehen. Sollen doch die Nachbarn von oben lieber aufstehen und den Planeten ändern.
Seien wir noch ehrlicher: eigentlich ergeht es ganz Deutschland so, wenn es früh morgens erwacht. Wir sind depressiv, wir stecken mitten in einer Finanzkrise, wir wachen abgewrackt auf und haben so gar keine Lust auf nichts. In ganz Deutschland sind die Ansprüche auf ein Minimum gesunken und man blickt der Realität ins Auge. Wir – kriegen – nix – hin!
In ganz Deutschland?
Aber nein!
Eine von unbeugsamen Bayern bevölkerte Münchener Fußballmannschaft hört nicht auf, der allgemein schlechten Stimmung im Lande Widerstand zu leisten.
Dort findet Aufwachen anders statt! Dort klingelt der Wecker nicht, er singt ein Lied! Ein kleiner, am Nachttisch befestigter Rasensprenkler spült mit lauwarmem Wasser den Schlafsand aus den Augen! Motivationstrainer stürmen das Zimmer und motivieren den frisch aufgewachten Fußballspieler, dass er und nur er es sei, der heute die Welt aus den Angeln hebt. Dass er siebzehn Tore schießt und zwar in einem Spiel. Dass er Meister, DFB-Pokalsieger, Champions–League–Gewinner, Weltpokalträger auf einmal werden kann. Und wenn er will auch gerne noch Tischkickerchampion und Oscarpreisträger. Er muss es halt nur wollen, an sich glauben und draußen auf dem Trainingsgelände die eine oder andere Brezel vor Buddhas Füßen ablegen. Dann klappt das schon.
Und bisher hat das auch immer alles wunderbar geklappt. Es mag der schier unbändige Glaube an sich selbst gewesen sein oder schlicht und einfach Angst davor, Oliver Kahn im Dunkeln zu begegnen, aber der Verein von der Säbener Strasse war die letzten Jahre erfolgreich wie kein Zweiter. Daraus erwuchs dann das Credo, dass man vor einer jeden Saison folgendes in die Welt hinausposaunte:
Ohne Triple ist alles doof!
Oder anders gesagt, man war ein bisschen pikiert im Süden Deutschlands, wenn nicht schon zu Beginn einer Bundesligasaison alle drei Titel vorab nach München geschickt wurden. Man hätte ja – die Post hätte sich gefreut – zur Not auch den einen oder anderen Pokal wieder zurückschicken können.
Diese Saison allerdings verläuft für den FC Bayern München alles andere als rosig. Im Gegenteil, man hat es mit einer mittelschweren Katastrophe übelsten Ausmaßes zu tun.
Der DFB-Pokal – eigentlich ja reserviert für die Bayern – ist weg.
In der Meisterschaft steht man aktuell gerade mal auf dem Posten des Vizemeisters und ist schon uneinholbare drei Punkte vom Tabellenführer aus Wolfsburg entfernt.
Und in der Champions–League? Ach ja, die Champions–League.
Es geschah vor knapp zwei Wochen, man fuhr nach Barcelona und man verlor knapp mit 0:4!
So ein Ereignis kann man sicherlich aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten, man muss das nicht toll finden, schon gar nicht als Bayern–Fan und auch nicht so unbedingt als Verantwortlicher des FC Bayern. Schon gar nicht wenn man denkt „Ohne Triple ist alles doof!“
Karl-Heinz Rummenigge allerdings sah sich genötigt, auf dem Festbankett das Mikro zu ergreifen und mit zitternder Stimme folgende Sätze von sich zu geben: „Ich muss ehrlich sagen, ich weiß nicht, was ich mehr bin: Schockiert, wütend, traurig über das, was wir hier eben heute Abend gesehen haben!“ Diese verbale Trauerorgie wurde von einem derart frustrierten Gesicht begleitet, dass man meinen könnte, ein böser Unhold hätte die gesamte Familie von Herrn Rummenigge ausgeweidet. Es gibt sicherlich eine Menge Anlässe, eine derartige Trauermine aufzusetzen: Beerdigungen, Weltkriege, Freikarten für ein Konzert von Britney Spears. Doch Herr Rummenigge war noch nicht fertig mit seinen Betroffenheitsbekundungen. Er musste ja noch einen draufsetzen und verkünden, dass er seinen alten Freund, den Lattek Udo in der Halbzeit getroffen hätte und…der hätte…geweint.
Ja, ein Mann wie Udo Lattek hat geweint, weil eine Fußballmannschaft ein Fußballspiel verliert. Wir wollen alle gemeinsam ganz doll hoffen, dass es sowohl für einen Herrn Rummenigge als auch für einen Herrn Lattek noch andere Momente tiefer Trauer im Leben gibt. Seitdem ist irgendwie die bajuwarische Käseglockenwelt in eine tiefe Depression gestürzt. Karl-Heinz Rummenigge verkündete direkt nach dem Hinspiel, dass es ja nun klar sei, dass man ausgeschieden ist. Ein Moment in dem ich recht froh war, dass Oliver Kahn nicht mehr Torwart bei den Bayern ist, denn der hätte dem Rummenigge direkt den Kopf von den Schultern gebissen und mit vollem Mund ins Mikro gerülpst, dass es erst vorbei ist, wenn es vorbei ist. Stattdessen ersoff man lieber im Selbstmitleid, man gewann gerade mal 4:0 gegen Eintracht Frankfurt und war sich trotzdem nicht zu schade, „Klinsmann raus!“ zu brüllen. Denn auch hier kamen sie wieder aus ihren Ecken gekrochen, die Fans, die es halt schon immer gewusst haben, dass das mit dem Jürgen nichts wird. Aber mit einem neuen Trainer und noch teureren Spielern kann man es nächste Saison wieder erschallen lassen:
„Ohne Triple ist alles doof!“
Man ist sich auf Seiten der Ratgeberbücherschreiber noch nicht ganz sicher, ob man nun lieber ein Leben führt, in dem man sich jeden Morgen selbst sagt, man wird der Beste sein und was für Folgen es hat, wenn man das dann nicht schafft. Oder ob man es vielleicht lieber ein bisschen ruhiger angehen lässt und sich über den einen oder anderen Teilerfolg dann umso mehr freut.
Da wird wohl jeder seine eigene Meinung haben!


1 Comments:
Einfach genial!!!
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