14.9.06

Pennys Wochenrückblick Folge 64: Kreisverkehr vorm Möbelhaus bremst sogar den Schumi aus!

Schon weit vor dem Parkplatz erwischt einen der pure Wahnsinn und Zeitvergeudungsschweiß fließt die Stirnfalten hinab Richtung Augenlid, um kurzfristige Erblindung zu erzeugen.
Da steht Karosse an Karosse und man fragt sich: haben die denn alle wirklich keinen Schrank daheim? Kein Bett? Keine Teelichter?
Und dann muss man auf sich selbst hinabschauen und nach hinten über die Kopfstütze, man sieht noch mehr Karossen und wird dem Geheimnis gewahr, dass man selber nur ein Mosaiksteinchen eines nicht sehr hübschen Bildes ist.
Man kann’s drehen und wenden wie einst den bunten Zauberwürfel:

Normalerweise fährt man nun mal nicht an einem Samstagmittag ins Möbelhaus.

Aber es ist hier wie mit so vielen Dingen im Leben, man weiß genau, es bringt einen nicht weiter und man macht es trotzdem, das nackte Surfen auf S-Bahnen gehört für manche Menschen dazu.
Natürlich ist er geschlechterabhängig, der Gemütszustand beim Wochenendgang ins Möbelhaus.
Aus Frauensicht ist das nämlich egal, da ist so ein Besuch im fünfstöckigen Holztempel ein Hort der Glückseligkeit und ein Quell unendlicher Anschauerei. Im Erdgeschoss ist’s am schlimmsten, da gibt’s Plunder. Den können Frauen in die Hand nehmen und drehen, bis dem Plunder übel wird und man als Mann sanft einschlummert. Deswegen gefällt es den Herren der Schöpfung in den oberen Etagen besser, nur sehr kräftige Damen heben die Wohnwand „Herkules“ hoch und betrachten Winkel und Scharnier. Aber – und das muss man der Fairness halber auch mal sagen – in den oberen Etagen wird man als Macho schnell zur Frau, denn nirgends verläuft man sich so schnell, wie in einem gut ausgestatteten Möbeltempel. Eigentlich müssten am Eingang Navigationsgeräte verteilt werden.
Ohne denkt man hoffnungsfroh, dass hinter der nächsten Wohnwand die rettende Rolltreppe erscheint, stattdessen stolpert man über die nächste Ledercouch.
Hoffentlich ist die nicht von Rolf Benz.
Denn die kosten richtig viel Knete und wenn man da ne Macke rein macht, hat man sofort die gesammelte Rechtsabteilung am Hintern. Wobei eigentlich ein derartig rüpelhaftes Verhalten einem Sofa von Herrn Benz gegenüber nur recht und billig ist, denn mit welcher Berechtigung die Möbelhauskassiererin für einen derart ungemütlichen Lederklotz eine Fünf mit drei Nullen in die Kasse tippt, das weiß wohl nur der Diwan-Heiland.
Gut, man kann prima mit so was angeben und behaupten: „Ich hab ein Sofa von Rolf Benz!“ und furchtbar reich gucken, aber für den gemütlichen DVD-Abend muss man sich dann auf den Weg zu Menschen machen, die intelligenter waren, was die Garniturauswahl anging.
Auf einem Benzschen Sofa bekommt man schon Rückenschmerzen, da ist der Vorspann nicht mal vorbei.

In Möbelhäusern kann man übrigens noch zwei interessante Entdeckungen machen.
Zunächst muss man sagen, dass man von gescheiterter Existenz sprechen kann, wenn von einem Autor Bücher als Lückenfüllern in den Regalen der Wohnwände stehen. Also nicht diese zusammengeklebten Pappbücher, sondern die mit echten Seiten, auf denen Geschriebenes steht.
Schlimmer geht es eigentlich kaum.
Gut, die Plastik-Flatscreens und all das Fake-Obst machen einen auch irgendwie depressiv, aber die wurden ja nun extra zu diesem Zweck konzipiert und überhaupt:
Echte Plasma-Fernseher wären viel zu teuer und die Besucher würden mit seltsam ausgebeulten Pullis den Laden verlassen. Aber ein Buchautor, der sich mal vor langer Zeit niedergesetzt hat, um leere Seiten mit vermeintlich spannender Handlung zu füllen, träumte wohl kaum von einer Veröffentlichung zwischen Pressspanplatten.
Trotzdem existieren sie, Bücher die keiner lesen will und in Wohnwänden schlummern. Die werden von der zweiten interessanten Beobachtung auch nicht entfernt, den Verkäufern in Möbelhäusern. Vielleicht liegt es am mangelnden Sauerstoff oder an der nervigen Kundschaft, aber Verkäufer in Möbelhäuser haben einen recht unfreundlichen Touch. Das ist natürlich brutales-über-den-Klischee-Kamm-Geschere, doch für differenzierte Betrachtungen und Hervorhebungen einzelner engagierter Möbelverkäufer fehlt es hier an Platz und (Lese-)zeit. Der durchschnittliche Möbelverkäufer mustert erstmal die Kleidung des Kunden mit dem sogenannten Economic-Scan, der dann folgend im Hirn abläuft:
Turnschuhe, Tattoo am Bein, kurze Jeanshose, T-Shirt mit Totenkopf, Cappie aufm Kopp.
Das Scanergebnis: kein potentieller Rolf-Benz Kunde.
Nun kann man sich nicht jedes Mal in Schale kippen, wenn man sich nen Schlafzimmerschrank anschaut, doch will man Rabatte jagen, muss man’s tun.
Tut man’s nicht, drohen Phrasen: Aber natürlich, das dunkle Grün dieser Couch passt farblich ganz hervorragend zu ihrem gelben Teppich.
Fällt man auf diesen Quatsch herein und lässt sich von den geschulten Verbalkuscheleien der Verkäuferin ins Möbeldelirium einlullen, brauch man sich nicht wundern, wenn Verwandte und Freunde später in der Ortschaft lästern, man wohne ja wie Spinat und Rührei und mache einen auf Pseudo-Brasilien.
Nein, Farb- und Holzverstand muss mitgebracht werden, sonst bekommt man Zeugs angedreht, welches dreizehnjährige Teenies auf dem örtlichen Abenteuerspielplatz besser zusammengezimmert hätten.
Deswegen fordert Pennys Wochenrueckblicke:

Neue Verkäufer in Möbelhäusern. Und dann bitte nur das Beste vom Besten. Der allerbeste wäre natürlich ganz klar Michael Schumacher. Der hat schließlich bald ne Menge Zeit. Und nur im heimischen Garten abhängen und die eigenen Kinder davon abhalten, ebenfalls Rennfahrer zu werden, das macht auch den reichsten Sportler nach ein paar Wochen nicht mehr glücklich.
Als Möbelverkäufer könnte der Michael schön polarisieren, wie er es auch in der Formel Eins getan hat. Kritiker sprechen ja häufig von ihm und beschreiben ihn als Menschen, der nun nicht besonders nett und seltsam gesichtslos ist. Beidem muss energisch widersprochen werden, denn mit so einem Kinn ist man alles, nur nicht gesichtslos und was die Nettigkeit angeht, hat man noch von keinem Formel-Eins-Weltmeister gehört, der seine Gegner charmant gebeten hat, doch bei dreihundert Stundenkilometern kurz rechts ran zu fahren, damit man selber überholen kann. Faszinierend, dass Medien immer wieder eine unumstößliche Meinung haben, wie gewisse Menschen funktionieren sollten.
Aber wie schon erwähnt, als Möbelverkäufer hätt’s der Micha drauf, würde acht mal hintereinander Mitarbeiter des Monats werden, Nachttischchen selbst zusammenschrauben, aus Möbelstücken bei Unfällen Quetschkommoden machen und einen „schnellster Verkaufsrekord“ nach dem anderen brechen. Wird er von seinem Chef gefragt, welcher Verkäufer noch gute Fähigkeiten besäße, minderwertiges Tischlergut an ahnungslose Konsumenten zu verticken, antwortet Schumi selbstbewusst:
„Also da gibt’s noch den Eduard bei den Küchen, der hat was drauf und die Gisela bei den Sesseln ist auch ganz gut.“ Bruder Ralf, der nach seinem Formel-Eins-Aus in der Werkzeugabteilung des Möbelhauses Schrauben nach Größe und Farbe sortiert, wird ebenso wenig erwähnt, wie seine Frau Cora, die in der Cafeteria lauwarme Schnitzel mit Zitronen raus gibt.

Aber nach einigen Jahren ist auch diese Herausforderung Geschichte und wieder kann man’s in den Zeitungen lesen, neben einigen Erfolgen steht so manch zertrümmerte Schrankwand als Symbol für den unbändigen Erfolgswillen. Erneut werden Fans ihre Ahorn-Mützen abnehmen, ihr Haupt in Demut senken und sich fragen, was für einen Sinn ein Leben ohne Schumi eigentlich haben kann.
Zum Glück muss man sich da aber keine Sorgen machen, denn es steht außer Frage, dass Männer nachrücken, die einen ganzen Nachmittag im Kreis fahren oder nicht sehr schöne Designermöbel für viel Geld verkaufen.
Natürlich nur, solang kein Komet die Erde trifft, aber wie man in Fachkreisen so hört, sind Möbelhäuser und Formel Eins Rennen dann das letzte, worüber man sich Sorgen machen müsste.

2 Comments:

Blogger MrPennywise said...

Hey, das ist nice, vielen leiebn Dank :D

Penny :)

15/9/06 07:16  
Anonymous Anonymous said...

mal abgesehen von dem statement, dass frauen in der "sinnlose staubfänger, die keinerlei praktischen nutzen haben"-abteilung versumpfen, hab ich mal wieder nix auszusetzen ;)
freu mich schon auf nächsten freitag^^

15/9/06 11:01  

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