1.9.06

Pennys Wochenrückblick Folge 62:Hüftschmerzen,Ekelhände,nur Müll in der Hose!

Natürlich, die nicht ganz so vergesslichen Zeitgenossen aus der letzten Woche haben es nicht verdrängt, wissen’s heut noch, als wär’s wie gestern. Der Rückblick begann mit einem Zitat.
Das soll aber nicht die Regel werden, weil es nun mal fürchterlich gestelzt und anbiedernd wirkt, vor allem in bemüht lustigen Texten. Immerhin kann man aber, wenn man möchte und das ist dann doch ein toller Grund für die Sprache an sich – ganz im Gegensatz zum hineinblöken in Mobiltelefone – ruhig Zitate verwenden, dafür wurden sie schließlich mal gemacht, oder? Wurden sie gemacht? Weiß man viel über’s Zitate erfinden? Also, ich stell mir das so vor, dass all die berühmten Dichter und Denker in ihren Tee- oder Kokspausen (so abwegig ist das ja nicht) sich hingesetzt und ihren Butler vor die Tür gesetzt haben mit dem Hinweis „Albert, ich muss Zitate schnitzen!“ Dann schauten sie zum Fenster hinaus in den wilden Garten, die Schnüss voller Tee oder der Zinken voller Schnee und sie begannen mit der Satzschnitzerei.
So viel Engagement im Erfinden neuer Sätze muss man zu würdigen wissen, denn ich glaube kaum, dass einst ein Winston Churchill sich hinsetzte und denkwürdige Sätze erdachte, nur damit der Penny irgendwann pfeifend um die Ecke biegt, um sie in seinen Wochenrückblick zu stopfen.
Deswegen keine Zitate mehr.
Erstmal nicht.
Aber ich muss noch anmerken, wenn ich hier, ja wenn ich hier jetzt ein Zitat benutzen WÜRDE, also wenn ich gar nicht anders könnte, ja dann wär’s eins über Mode.
Mode ist - Achtung, jetzt kommts, das Zitat, das eigentlich gar nicht da ist - jener seltsame Vorgang, bei dem allen plötzlich etwas gefällt, was ihnen gestern noch nicht gefallen hat und was ihnen morgen nicht mehr gefallen wird.
Auch wenn Ihr dieses Zitat nun gar nicht gelesen habt – offiziell ist es schließlich nicht Bestandteil des Rückblicks – ist nun doch was Wahres dran.

Im Kontext der Mode wurden schon mehr Sünden begangen als in so manchem Weltkrieg, Buffalo-Schuhe und einige bunte Frisuren singen da ein Klagelied aus rauen Hälsen.
Dann gibt es noch nen Nebenzweig der Mode, einen, der seit geraumer Zeit im Kommen ist:
Accessoires.
Als Accessoire versteht sich in der Mode ein schmückendes Beiwerk zur Kleidung. Dass dies in den letzten Jahren schon mal gründlich danebengegangen ist, kann jeder bestätigen, der in südländischen Urlaubsländern in den Neunzigern einen dieser beknackten neonleuchtenden Plastikschnuller erworben hat.
Na? Kommt die Erinnerung hoch?
In jeder Farbe des Regenbogens und in allen Größen zwischen „hui, aufpassen, Einatmungsgefahr!“ und „Joa, kann man bei ner Demo gut als Faustwaffe benutzen“ sah man die Dinger, sie baumelten an Halsketten, an Rucksäcken, an Schnürsenkeln und kein Mensch wusste, warum.
Schon damals mussten normal denkende Individuen den eigenen Schädel stundenlang gegen einen Schrank klopfen, um herauszufinden, warum sich ein gewisser Teil der Menschheit mit bunten Babylutschern ausrüstete und sich damit auch noch cool fand. Das Ergebnis war ein kaputter Schrank und ein ungelöstes Geheimnis.
Aber es ist wie mit Epidemien, Accessoires kommen und gehen, auch wenn sie verheerenden Schaden (beim Betrachter) anrichten.
Läuft die Evolution nun in richtigen Bahnen, kann man davon ausgehen, dass sich die Menschen weiterentwickeln und in Gegenwart und Zukunft darauf verzichten, sich bunten Unfug um den ungewaschenen Hals zu hängen, aber das einzige, was Fortschritte macht, sind die Accessoires an sich.
Drei aus der heutigen Zeit hab ich mitgebracht und wir wollen – nicht nur im Sinne des Spannungsbogens – harmlos anfangen mit dem (kleiner Trommelwirbel, ein Tusch, ein Leser in der hinteren Bank applaudiert – leider ein bisschen zu früh):

Doggy-Bag

Menschen, denen die englische Sprache und das logische Denkvermögen nicht fremd sind, wissen in etwa, was jetzt kommt.
Ne Tasche für Hunde.
In der guten alten Zeit, also ungefähr vor drei Wochen, da wusste man ganz genau wie das so geht mit den Vierbeinern. Wollte man mit dem Fiffi eine Runde um den Block hetzen, kam die Leine, die wurd um des Bellos Hals geschlungen und dann ging die Post ab, Zwei- und Vierbeiner bewegten sich im gleichen Maße an der frischen Luft und letzterer konnte ungehindert Bäume begatten und andere Köter bepinkeln – vielleicht auch umgekehrt, je nach Benimmstufe.

Das hat aber nun ein Ende, denn der Wauwau muss nun nicht mehr laufen, der kommt in ne Tasche und die Tasche kommt um die Hüfte des Trägers. Das sieht natürlich ganz doll schick aus und läuft der Evolution des Hundes auch kaum entgegen, wozu vier Beine haben, wenn man sie auch bequem in der Luft baumeln lassen kann?
Wozu nun der Tölentornister da sein soll, will sich auch nach längerer Überlegung (wie bei den Schnullern) nicht erschließen, offizielle Zielgruppe sind Jogger und Nordicwalker. Gut, wenn wir bedenken, dass so ein durchschnittlicher Kläffer mindestens 2-3 Kilo wiegt, muss man sich schon an jede Hüfte so einen Pitbull-Pompadour schnallen, damit nach vier Monaten nicht schon die Hüfte nach Austausch-Operation schreit. Abgesehen davon, wie albern mag es wohl aussehen, wenn man durch den Park joggt und einem beim Laufen die Köter auf die Hacken kacken? Eben. Von der Ackerspur, die man beim Tragen von ponygroßen Doggen hinterlässt, fangen wir hier gar nicht erst an.
Ist die Hüfte dann in der OP ersetzt, muss die Tölentasche aber nicht in die braune Tonne, denn laut Hersteller kann man sie auch bequem bei einer Kneipentour tragen, damit man also beide Hände frei zum saufen hat. Na da sagen wir doch Glückwunsch, wer wollte nicht schon immer ZWEI Caipis auf einmal schlabbern, während Hasso bequem aus der Hüfte bellt.

Erfolgsgarantie dieses Accesoires: Einer von zehn Hundeknochen.


Hier hätten wir nun Accessoire Numero zwei und ich sehe, wie die Frauen in den vorderen Reihen ein wenig angeekelt zurückweichen.
Und womit? Mit Recht.
Denn so ein Kakerlak, das ist nichts Erstrebenswertes, es sei denn, man hat ganz viele davon, die man in den Briefkasten des Nachbarn stecken kann, weil der Apfelbaum mal wieder auf dem eigenen Grundstück drüberhängt.
Das Problem bei Kakerlaken ist nicht nur die nichtvorhandene Ästhetik, die viele abschreckt, sondern auch die Tatsache, dass so ein Vieh 1000 Kinder im Bauch haben kann, eine im Baby-Boom-Land Deutschland keine allzu angenehme Vorstellung von „Nachwuchs in die Welt kippen“.
Aber dies hält nun einen gewissen Jared Gold nicht davon ab, schicke Kakerlakenmännchen zu züchten, sie mit Swarovski-Steinen zu bekleben, an ein Kettchen zu legen und diese lebend als was zu verkaufen?
Jau. Als Accessoire.
Die Kette wird an der Kleidung befestigt, so dass die Kakerlake nicht fortlaufen kann und wenn man seine Schmuck-Schabe regelmäßig mit Bananen füttert, würd sich das gute Tier bis zu einem Jahr halten. Ich denke schon, dass man auf einer mittelguten Promiparty mit so einem Modeding wesentlich mehr Spaß hat als mit Hund an der Hüfte. Allein schon der Platz, der einem auf einmal am Buffet zugestanden wird.
Aber vielleicht reagiert man mit einer Portion Unverständnis auch einfach über, wenn es Leute gibt, die Ratten in ihre Jackenärmel stopfen, was gibt es dann gegen einen Ketten-Kakerlak auszusetzen? Wenn er dann auch noch schön blinkt!
Wenn sich das natürlich durchsetzt, dann hat man auch endlich wieder ein paar ordentliche Gesprächsthemen in der Welt der Reichen und Schönen, „ach deine Schabe hat soundsoviel gekostet? Interessant, also meine bekommt Chiquitabananen, nur das Beste für meinen Hans-Dieter!“
Das nun jemand seine Swarovski-Schabe Hans-Dieter nennt, ist vielleicht genauso unwahrscheinlich wie die Swarovski-Schabe an sich, mit anderen Worten: möglich ist alles.

Ansonsten bleibt einem die Ausbreitung des Geschäftsfeldes auf glattrasierte und Dali-mäßig-bemalte Vogelspinnen, ihrer Giftzähnchen beraubt, die man sich ins Haar setzen kann. Der Renner auf den nächsten Pferderennen, wo man ja gern mal kopfbedeckungsmäßig ein bisschen auffällt.
Erfolgsgarantie dieses Accessoires: sagen wir, hm, drei von 10 Schreikrämpfen.


Welche man auch beim letzten Accessoire dieses Rückblicks bekommen kann:
Die Hightech Gürtelschnalle Egokast.
Hierbei handelt es sich um einen – da red ich jetzt nicht lang drum rum – Gürtel mit TFT Flachbildschirm. Auf dem kann man dann Videos wieder- und in der Disko fürchterlich angeben. Das wird durch coole vorinstallierte drehende Totenschädel oder psychedelischen bunten Drogenfilmchen erreicht. Wenn einem dann die Leute alle in den Schritt schauen, kann man sich da an nem Abend immerhin ne Menge drauf einbilden.
Abstruse Zeitgenossen sind natürlich lässiger und schneiden einfach sechs Stunden Neun-Live-Vollhonk-Quiz mit. Damit ist man auf jeder Party der letzte Schrei…oder der letzte, der schreit, wenn der Rest der Partygesellschaft bei Verstand ist und sich räuspernd vom Gürtelträger abwendet.
Erfolgsgarantie dieses Accessoires: 5 von zehn Schnallen (also, vom Gürtel).

Eigentlich braucht man gar nicht weiter zu lesen, die Befürchtung, dass die TFT-Gürtelschnalle massenkompatibel wird, Männer also derart begürtelt in Kneipen auf die Frauen zusteuern und diese mit den Worten „schau ma da unten, is'n Touchscreen“ angraben sind ebenso unbegründet wie die Annahme, dass sich auf diesem Planeten auch nur mehr als acht Frauen finden, die sich ne Schabe auf die Handfläche legen, Edelsteine hin oder her.

Freaks gibt es natürlich trotzdem und Oberfreaks legen’s drauf an, besorgen sich alle drei Accessoires auf einmal, nur um auf der Polterhochzeit von Manni und Dagmar auch bloß nen Eindruck zu hinterlassen. Schleppt sich der King of Freaks also mit Hüftenhund, schicker Schabe und drei Folgen Alf am Gürtel auf die Tanzfläche, um dem zukünftigen Brautpaar viel Glück zu wünschen, so gewinnt man bestimmt einiges, wenn auch nicht viele Freunde, so doch zumindest ein bisschen an Erfahrung und die Erkenntnis, für’s lächerliche Aussehen eine Menge Geld hingelegt zu haben. Das kann heilsam sein und ein Lerneffekt kommt vielleicht auch bei raus und wenn’s nur die Bestätigung des Zitats ist, welches ja gar nicht existiert, zumindest nicht in diesem Rückblick:
Mode, das ist jener seltsame Vorgang, bei dem allen plötzlich etwas gefällt, was ihnen gestern noch nicht gefallen hat und was ihnen morgen nicht mehr gefallen wird.
Eine schöne Woche noch.

4 Comments:

Anonymous Anonymous said...

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14/11/06 10:38  
Anonymous Anonymous said...

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14/11/06 10:38  
Anonymous Anonymous said...

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14/11/06 10:39  
Blogger MrPennywise said...

^^ Sorry Leute, aber Werbung gibts auf dieser Seite immer noch nicht.

14/11/06 13:52  

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