23.3.07

Pennys Wochenrückblick Folge 90: Zitronenförmige Zitronensaftfläschchen!



Ungeniessbarem Flugzeugfutter kann man entgehen, indem man nicht in den Urlaub fliegt und sich aus hochwertigen Zutaten daheim etwas eigenes köchelt.



Es gibt viele Dinge, deren Nutzen den Rand der Fragwürdigkeit wie Wile E. Coyote – seinerzeit größter Intimfeind des Meep-Meep-Roadrunners – meterweit überschreiten, um dann zischend und kleine Rauschschwaden hinterlassend dem tiefen Abgrund der Bedeutungslosigkeit entgegenzurasen
Die kunterbunten Werbeblätterklumpen, die eine ganz normale Tageszeitung auf Telefonbuchmaß anschwellen lassen, bilden da schon mal eine gute Basis.
Menschen mit extremen Durst nach Wissen kaufen sich Zeitungen ja zumeist um sich darüber zu informieren, in welchem Land Angela Merkel gerade eines ihrer schönen pastellfarbenen Sakkos spazieren führt und warum der FC Bayern nun auf jeden Fall wieder deutscher Meister wird (wenn man am Wochenende gewonnen hat) oder warum der Meisterschaftszug nun endgültig abgefahren ist (weil man nicht ganz so erfolgreich war).
Steht man nun in der Küche, um das geballte Wissen aufzuklappen, flattern die Werbeblätterklumpen heraus wie befreite Papageien, sie verwandeln sich in fliegende Einzelteile voller angebotener Abwechslung und versauen den Küchenboden.

Nicht selten muss man dann Prospekte speziell von Supermärkten aufklauben, die mit an Produkten angeordneten und angehefteten „25 % billiger!!!!“ – Schildchen nicht gerade sparsam umgehen.
Es ist schon komisch: Immer sieht man in Supermarktprospekten nur, was billiger geworden ist, hat man denn noch nie darüber nachgedacht, dass es Menschen gibt, die so was nicht wollen? Dürfte doch bestimmt genug Leute geben, die der Dekadenz anheim fallen und sich dafür interessieren, was denn im Supermarkt alles teurer geworden ist. Man holt sich unbestritten einen Hauch Exklusivität ins Haus, wenn die Dessertgrütze – laut Prospekt heiß und kalt, also nicht lauwarm genießbar – einen teurer zu stehen kommt als den Nachbarn.
Könnte man ruhig mal ausprobieren, so ein subversives Prospektprinzip. Sonderangeboten wird meist sowieso nicht über den Weg getraut, erhaschen skeptische Blicke in die Höhe geschraubte Prozentzahlen, die auf die Verbilligung eines Produktes hinweisen, errötet der Kopf und erdunkelt der Zeigefinger. Die Stimme wird barsch und es wird energisch auf dem Prospekt herumgetatscht, bis die Druckerschwärze nicht mehr Teil des Papiers, sondern Teil des eigenen Körpers geworden ist.

„HA!“, ertönt es grollend.
„Von wegen Sonderangebote, die ham die Preise raufgeschraubt und jetzt versuchen sie’s uns als billig zu verkaufen. Verarscherei!“
Die nahrungsmittelproduzierende Industrie ist an solcherlei Geisteshaltung sicherlich nicht ganz unschuldig, kommt es doch nicht selten und zum Ärger der Bemerkenden vor, dass mehrere kleine Packungen eines Milcherzeugnisses billiger sind als eine große Tüte selbiger Flüssigkeit, in der aufaddiert auch noch weniger drin ist.
Nun, man kann’s nicht ändern und es ist bei vielen so, dass sie den Supermarktprospekt gelangweilt durchblättern, nur um festzustellen, dass der Linsentopf im Angebot ist, den man ja eh nicht mag.
So richtig ärgerlich wird es aber, wenn so ein Wurfblatt auch noch krampfhaft versucht, umfassend zu informieren. So hatte ich letzte Woche einen Prospekt in der Hand, wo man sich auf einer Seite nicht zu schade war viel Geld an die Druckerei zu überweisen, um uns neben Sonderangeboten auch noch mit Haushaltstipps zu konfrontieren.

Ein Beispiel? Aber gern. Margot S. weiß zu berichten:
„Gerade jüngere Schüler kommen mit dem einen oder anderen Tintenfleck nach Hause. Ich habe Zitronensaft immer griffbereit. Den Fleck auf der Kleidung einfach damit beträufeln und ausspülen.“
Schön, dass Margot S. da so gut Bescheid weiß, dass junge Teppichrutscher das Herumsauen mit dem Pelikan zur obersten Schülerpflicht machen, bevor es wenige Monate später an den ersten Alcopop geht. Ich muss mich an meine eigene schon ein paar Jahre zurückliegende Schulzeit zurückerinnern und kann mich nicht entsinnen, dass feuchtblaue Flecken auf meinen Textilien an der Tagesordnung waren. Und man sollte doch meinen, dass sich die Füller seitdem im Wesentlichen so weiterentwickelt haben, dass sie nicht bei jeder harmlosen Erschütterung das Klassenzimmer in ein blau-schimmerndes Tsunami-Tinte-Inferno verwandeln.
Dies lässt den Schluss zu, dass sich die Kinder von Margot S. die Tintenflecke mit Absicht aufs Hemd hauen, weil Mami mit ihrem zitronenförmigen Zitronensaftfläschchen und den gefletschten Zähnen und dem genervten Gesichtsausdruck so ulkig ausschaut. Es wird gezetert und gemeckert und mit der Supernanny gedroht, doch der Sohn sagt nur:
„Ach Mami, du hast doch das zitronenförmige Zitronenfläschchen voller Zitronensaft, damit bekommst du den Fleck doch locker weg.“
Viele Familientragödien haben in solchen Äußerungen ihren Anfang, manch ein Erziehungsberechtigter startet nach so was einen Amoklauf, doch die, die sich im Griff haben, schreiben Haushaltstipps an Supermarktprospekte.
Es geht doch auch anders, statt den lieben langen Tag damit zu verbringen, mit Zitronensaft bewaffnet an der Haustür hinausstarrend darauf zu warten, dass die Brut von oben bis unten mit Tintenflecken besaut das Heim betritt, kann man sich doch auch bequem in den Sessel setzen und ein Büchlein schmökern. Kommt der Knirps nun nach Haus und wusste erneut nicht, wie er seinen Füller ordnungsgemäß zu benutzen hat, fängt man nicht an, die Klamotten einzureiben, nein, ein kleiner Spritzer Zitronensaft in die Pupille des Kleinwüchsigen dürfte zur Konditionierung schon ausreichen, man muss auch mal ungewöhnliche Wege gehen.

Aber Sandra S. ist auch nicht schlecht, denn sie weiß zu berichten, dass sie „statt teures Füllmaterial zu kaufen, zum Ausstopfen von Päckchen Erdnüsse benutzt.“
Denn, so folgert sie weiter, „Erdnüsse gibt es günstig zu kaufen und der Empfänger hat noch eine schöne Überraschung, die er knabbern kann.“
Abgesehen davon, dass Erdnüsse an sich in ihrer Konsistenz recht hart sind und auf wüsten Demonstrationen wesentlich besser als Wurfgeschosse zu missbrauchen sind als Styroporkügelchen oder zusammengeknüllte Supermarktprospekte voller unsinniger Haushaltstipps, dürfte die Freude recht begrenzt sein, wenn Erdnusspäckchen während des Päckchentransports aufbrechen und der Inhalt wie wildgewordene Hooligans das zu versendende Produkt belästigt. Einen DVD-Player aufzuschrauben, um diesen dann von fettigem und salzigen Knabberkram unter Zuhilfenahme eines Q-Tips zu reinigen, hat sicherlich keine positive Ebay-Bewertung zur Folge.
Hat der Empfänger der Ware dann auch noch ne Nussallerrgie, sitzt man als Schickender schneller im Gerichtssaal, als man „Bewertungsprofil“ schreien kann.
Dass nun die Erdnüsse wirklich billiger sein sollen als normales Füllmaterial, ist nur schwer zu glauben. Alte Zeitungen und – ich wiederhole mich da gern -Supermarktprospekte mit Haushaltstipps sind recht kostengünstig zu erstehen, wogegen man für Erdnüsse erst mal einen Supermarkt an sich betreten müsste.
Vermutlich sind nur die ganz billigen und von jeglichem Gewürz nicht betroffenen Erdnüsse, die von No-Name-Marken (und ich meine jetzt richtige No-Name-Marken und nicht eine von diesen Herstellern, hinter denen sich namenhafte Firmen verstecken, die aus was für Gründen auch immer Discountfutter erzeugen) hergestellt werden genauso teuer wie nicht essbares Füllmaterial. Aber will man sich wirklich beim Warenempfänger derart unbeliebt machen? Wir wissen doch alle, was man über Menschen mutmaßt und munkelt, wenn sie preiswertes Knabberzeug auf den Partyteller schmeißen.
„Soso, für den Kronleuchter an der Decke hat es gereicht, aber für echte Pringles fehlte das Geld!“
Nicht viel anders wird es beim Päckchenempfänger laufen.
„Herrgott noch mal, ich hab den DVD-Player bestellt, damit ich Füllmaterial bekomme, mit dem ich mir stundenlang die Zeit vertreiben kann, in dem ich jedes einzelne warenschützende Bläschen mit dem Zeigefinger ploppen lasse und was hab ich bekommen? Erdnüsse von ‚JA’…Beschiss!“
Tja, da meint man, man hat nen praktikablen Haushaltstipp, dabei hat man nur Grütze, der auf der Grützeleiter nur knapp vor dem Tipp steht, dass man Schokoflecken aus Hemden am besten mit Ketchup rauskriegt.

Richtig kriminell wird aber erst Claudia H., die folgendes parat hat:
„Die verschiedensten Kabel von Videokamera, Handy und Ähnlichem finden ihre praktische Ordnung, indem man diese zusammenlegt und eine leere Toilettenrolle darüber schiebt. Hat man kleine Kinder, können diese die Rollen auch noch hübsch gestalten.“
Wie sich das liest. Man muss ich das mal auf der Zunge zergehen lassen.
Es rückt der Eindruck näher, dass es in den dunkelsten Gegenden Deutschlands Paare gibt, deren Kinderwunsch vor allem darin begründet liegt, dass man da nun endlich jemanden hat, der die Kabel-Klorollen anpinselt.
Zeugung, Schwangerschaft, jahrelange Erziehung, bis die Kleinen einen Buntstift halten können und den Sekundenkleber nicht mehr verschlucken. Dann wird ein Familien-Palaver abgehalten, in denen die Väter ihren Kindern in ruhigem Ton erklären, wozu sie auf der Welt sind:
„Anna-Lena, du bist nun groß genug, um die Wahrheit zu erfahren. Du darfst keine Astronautin werden, auch wenn deine Schulfreunde das noch so toll finden. Doch schau, ich hab hier was schöneres, zum Beispiel dieses Scartkabel meiner XBox. Und hier habe ich eine Klorolle und einen Kasten Buntstifte."
Ist das Kind groß genug, wird es fortgebildet und darf dickere Kabel verstecken und sich an Zewarollen auslassen.
Von der Latrine in die Vitrine.
Hauptsache, der Umstand von in Nachttischschubladen lauernden Handyaufladungskabelschlangen hat nun endlich ein Ende.

Man sieht schon, Haushaltstipps haben etwas schrecklich peinliches an sich und man kommt nicht umhin, es für eine typisch deutsche Eigenschaft zu halten, Halsketten vor dem Zerknotungstod zu bewahren, indem man sie getrennt an Kleiderbügel-Enden aufhängt, wo sie bis zur Benutzung am Besitzerhals ein einsames Dasein im dunklen Wandschrank fristen.
Doch das ist Unsinn, auch in anderen Ländern der Erde dürfte manch alte ausgehöhlte Melone als Motorradhelm zweckentfremdet werden. Doch im Gegensatz zu Deutschland ist man dort vermutlich nicht stolz auf so viel alternatives Bewusstsein und man geht schon gar nicht dazu über, dieses auch noch mit Enthusiasmus zu veröffentlichen.
Aber schön zu sehen, dass es auch unpeinlich geht, denn ein mir namentlich leider nicht mehr bekannter Comiczeichner hat einmal einen Mann in einem Cartoon folgenden Satz sagen lassen, der sich fortan „König der Haushaltstipps“ nennen darf und sollte:
„Kacke mit Senf schmeckt viel besser, wenn man die Kacke gegen ein warmes Croissant und den Senf gegen Erdbeermarmelade austauscht.“
Da ist was dran.

P.S.: Auch die in Supermarktprospekten neben den Haushaltstipps erscheinenden Horoskope wären einen eigenen Rückblick wert, denn den Krebsen schreit man entgegen, dass sie zuviel essen, zuviel trinken und zuviel Kleinkram kaufen, verbunden mit der Hohlphrase, dass weniger oft mehr sei. Gut, dass ich Stier bin, sonst wäre die Woche launetechnisch bis zur nächsten Wurfsendung aber gehörig im Eimer.


Der Haushaltstipp für diese Woche dürfte klar sein: Wochenrückblicks-Newsletter per Mail an pennysworue@gmx.de bestellen und benachrichtigt werden, wenn der neue Rückblick erscheint.

11 Comments:

Anonymous Anonymous said...

0 Kommentare? Das geht ja gar nicht...jetzt haste einen :D

28/3/07 07:26  
Anonymous Anonymous said...

sehr nice!

25/5/07 21:35  
Anonymous Anonymous said...

Nice design of blog.

13/8/07 21:47  
Anonymous Anonymous said...

Thanks for article!

17/8/07 19:50  
Anonymous Anonymous said...

Thanks for interesting article.

18/8/07 06:33  
Anonymous Anonymous said...

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28/8/07 13:46  
Anonymous Anonymous said...

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2/9/07 14:31  
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6/9/07 10:51  
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Anonymous Anonymous said...

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9/9/07 18:31  
Anonymous Anonymous said...

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11/9/07 13:11  

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