6.4.07

Pennys Wochenrückblick Folge 92: Diagnose Osterbeklopptheit!



Hier ein ausgeprägtes Krankheitsbild von Osterbeklopptheit. Nicht mehr zu retten. Irreversibel.




Man macht sich ja so seine Gedanken…oder auch nicht!
An ca. 49 von 52 Wochenenden ist die Menschheit speziell in unserem Lande durchaus dazu in der Lage, sich normal zu benehmen. Fünf Tage hart und ehrlich arbeiten, zwei Tage ausruhen, das Couchkissen vollsabbern oder im Haus Handwerksarbeiten erledigen oder einen Braten in den Ofen bugsieren. Damit kommen die meisten Menschen ganz gut zurecht.
Kommen allerdings Feiertage nebst Ferien hinzu, flippen die Leute aus. Wer Weihnachten genau hinschaut, kann’s beobachten: Dem miesen Wetter und der Geschenkehektik weit überdrüssig stöhnen sie in eigentlich nicht zuhörenwollende Ohren, dass „man endlich raus müsse, man müsse weg, all der Stress, man brauche Sonne und Ruhe.“
Menschen, die wenige Monate zuvor fröhlich durchs Leben wankten, verwandeln sich kurz vor Weihnachten in schönster Regelmäßigkeit in depressive Wracks und nur der nächste Linienflug in die DomRep kann sie vor dem drohenden Suizid bewahren. Als Quell unendlicher und alltagsgebräuchlicher Lebensweisheiten möchte man den Kofferschleifenden Kranken hinterher rufen, dass ein Besuch auf einer Sonnenbank und ein besseres Timing das Geschenkekaufen betreffend durchaus helfen würde, den Fernwehdrang zu unterdrücken, doch sie hören nicht, sie klagen und checken ein.
Irgendwann wurde das dann ne Trendsache. Auch Menschen, denen es eigentlich gut ging im Leben, flogen plötzlich weg an Weihnachten oder machten rüber zum Snowboarden in die Schweiz. Schlimme Fälle von Realitätsflucht, wenn man mal von denen absieht, die wirklich einfach nur aus Spaß an der Freude in den Urlaub fahren wollen. Doch Weihnachten ist nur die Generalprobe, nur der Vorturner für das, was ein Quartal später stattfindet.

Ostern.

Kann’s an Weihnachten passieren, dass der erste und der zweite Feiertag auf ein Wochenende fallen und man somit der Weihnachtsdepression fast entgeht, ist Ostern unerbittlich. Das Osterwochenende wird seit Jahren eingerahmt und vollgekuschelt von Karfreitag und Ostermontag. Und jedes, aber auch wirklich jedes Jahr erkranken die Menschen an der gleichen Seuche.

Osterbeklopptheit.

Osterbeklopptheit hat eine Menge nicht vorher abzusehende Symptome, die für sich gesehen schon kein Vergnügen, in der Addition aber sogar zum sicheren Ostertod führen können.
Zunächst muss man, um der eigenen Gesundheit vorzubeugen, sich von der romantischen Vorstellung verabschieden, dass der wohlgekleidete Nachwuchs durch einen saftig-grünen und sonnendurchfluteten Garten taumelt, um bunt bepinselte Huhnerzeugnisse aus dem Gebüsch zu entfernen. Denn wenn auch die Klimakatastrohpenheraufbeschwörer noch nicht so weit sind, an Ostern von schwimmenden Eiern auszugehen, so klebt doch eine nicht unbeträchtliche Patina Feinstaub auf ihnen, welches den Spaß an der Suche trübt und das vorherige Bemalen sinnlos macht.
Es kommt die aufgrund von Jahreszeitenverschiebungen recht unfreundliche Eiersuchtemperatur hinzu, die schon manchen Dotter in zittriger Kinderhand zerplatzen ließ.
Mit dem Osterwetter – dem ersten Symptom von Osterbeklopptheit – ist es ja eh so eine Sache.
Ein tückisches Symptom. Denn kaum winden sich die ersten Sonnenstrahlen durch nachgebende Wolken, reicht ein Gang durch die Innenstadt, um die Kranken auszumachen. Es wird die Sonnenbrille aufs Gesicht geklebt, monatelang unter Pullischichten versteckte Ausschnitte werden der Öffentlichkeit präsentiert und Hosenbeine werden abgeschnitten, auf das man fransig durch die Straßen schwelgt. Dass sich die Temperatur da noch im einstelligen Bereich befindet, tut erst Mal nix zur Sache, Frühling und Ostern sind schließlich ein Gefühl, da will man sich bestimmt nicht von so etwas nebensächlichem ablenken lassen. Celsius und Fahrenheit, husch, husch, lass den Schnupfen doch in einigen Tagen kommen, doch hier und jetzt zeige ich meine von Gänsehaut bevölkerten Arme und Beine. Man merkt, wie tückisch das Symptom Osterwetter sein kann, wenn man nicht aufpasst, man kann den Leuten da auch gar keinen Vorwurf machen.
Doch trotz gleißender Sonne und niedrigen Temperaturen haben die Menschen den unwiderstehlichen Drang, brückentagenutzend aus Deutschland zu fliehen, so dass dem nächsten Symptom Osterstau nichts im Wege steht.
Auch hier müsste man eigentlich im Laufe der Jahre gemerkt haben, dass man es immer wieder mit demselben Zustand zu tun hat. Man packt die Koffer, streitet sich mit den Angehörigen, wohin die Reise geht, packt die Koffer wieder um, hievt die Bagage in die Karre, donnert los und schon auf der verstopften Bundesstrasse – einige Kilometer von der zum Ziel führenden Autobahn entfernt – wird man gewahr, dass ungefähr vier Millionen Mitmenschen denselben genialen Schlachtplan in der Tasche hatten. So steht man – den Ellbogen auf der Türleiste und die Hand gegen den Kopf gestemmt – dann also ab und zu kriechend vorwärts rollend auf der Strasse, während der Entfernungen und Zeiten noch nicht abschätzende Nachwuchs vom Rücksitz her die amoklaufauslösende Frage stellt, ob man denn nun schon da wäre. Dass zu diesem Zeitpunkt das Osterwetter sich dazu entschieden hat, auf volle Pulle 30 Grad aufzudrehen bei gleichzeitig defekter Klimaanlage, das passt eigentlich nur ins Bild.

Wenige Minuten zuvor an der vom Stau noch nicht betroffenen Tankstelle war es auch nicht viel besser. Da Ostern im Allgemeinen und die dazugehörigen Ferien im Speziellen leider nicht überraschend eintreffen, wird von den Mineralölkonzernen fröhlich an der Preisschraube herumgedreht. Wirft man diesen dann Preistreiberei vor, zaubert man irgendwo einen Chilenen hervor, der in der Nähe einer Ölförderpumpe dumm genug war, seine Zigarettenpause zu zelebrieren und schon ist Ruhe im Preisdiskutier-Karton.
So ist das Bild des an der Zapfsäule schimpfenden und im Stau stehenden meckernden Familienvater kein fremdes und man fragt sich, warum Menschen sich so etwas freiwillig antun und ob der Masochismus nun doch salonfähig wird.
Vielleicht wägen diese armen Männer auch nur die Katastrophen gegeneinander ab, denn wer meint, an Ostern schlau genug zu sein und zu Haus verweilt, den erwartet eventuell die schrecklichere Alternative.
Der Ostereinkauf.
Dieser ist das fatalste Symptom der Osterbeklopptheit. Sie äußert sich durch stark erhöhten Blutdruck der dadurch entsteht, dass man an Ostersamstag wie eine besengte Sau vom auf dem Supermarktplatz parkenden Auto die drei bis vier Kilometer bis zum Eingang spurtet, um den Euro oder den Einkaufschip in einen Einkaufsgefährt zu schmeissen, nur um festzustellen, dass der Euro oder der Chip auf Pflastersteine fällt, schlicht und einfach, weil kein einziger Wagen mehr da ist.
In den Laden an sich kommt man auch nicht rein, weil da auch schon Stau herrscht und der letzte in der Reihe sich enorm dagegen wehrt, von der immer wieder zugehenden Schiebetür zerquetscht zu werden. Also stellt man sich auf die Zehenspitzen und ja: es wird wieder geschimpft. Auf die paradoxe Art:
„Was wollen die denn alle hier, können die denn nicht an normalen Tagen einkaufen gehen so wie andere Menschen auch? Als wenn’s morgen nix mehr geben würde.“
Tja.
Nach knappen fünfundvierzig Minuten steht man ohne Einkaufswagen und Hoffnung in der Obst und Gemüseabteilung, um den kümmerlichen Reste grasgrüner Bananen und zertretener Paprikas aufzuklauben und sich wieder in die Schlange einzureihen. Kurz vor Mitternacht steht man an der Kasse und darf bezahlen, einem fröhlichen Ostersonntag steht so ziemlich alles im Weg, was man sich so vorstellen kann und gekrönt wird der Augenblick davon, dass man seine EC-Karten-Geheimnummer überall hat, nur nicht mehr im Kopf.
Dank Mitleid oder Vorsichtsmassnahmen der Supermarktgeschäftsleitung darf man aber die Einkäufe mitnehmen und so gibt es am nächsten Tag einen leckeren Paprika-Bananen Auflauf.

Man kann es also drehen und wenden, wie Plunder im Möbelhaus:
Osterbeklopptheit ist eine schlimme Krankheit.
Diagnose? Schwarze Ränder unter den Augen, nassgeschwitzte Pyjamas in der Nacht, erhöhte Aggressionsbereitschaft gegenüber Menschen mit langen Ohren.
Therapie? Acht Wochen Urlaub mit anschließender Mutter-Vater-Kind-Kur in Bad-Ovolacto auf den Osterinseln.
Vorbeugung? Wie soll das denn gehen, es gibt kein Entkommen.
Prognose? Jedes Jahr vermutlich der gleiche Scheiß.

Frohe Ostern.

Statt nun doch in den Garten zu hopsen und in der Tanne nach Eiern zu wühlen, abonniert lieber den Rückblicks-Newsletter mit ner einfachen Mail an pennysworue@gmx.de. Garantiert ohne Nebenwirkungen.

3 Comments:

Anonymous Anonymous said...

Ist mal wieder richtig gut gelungen...Und ich muss nachher noch einkaufen für heute Abend...HEUL!Mal sehen was für ein Chaos mich erwartet...Mach weiter so und liebe Grüße auch von dem noch schnarchenden Bullen, der noch von seiner Nachtschicht k.o. ist!

7/4/07 10:49  
Blogger MrPennywise said...

na, wenn er viele Verbrecher gefangen hat, dann darf der auch ruhig k.o. sein ;) Nimm ne Schutzweste mit, wenn Du in den Supermarkt gehst :D

7/4/07 11:01  
Anonymous Anonymous said...

Du hast die 2 Osterterroisten nicht erwähnt... Ostaaahaaaasseeee und Ostaaafissssshhhhh... die mischen doch auch immer kräftig mit.
Bussi!

7/4/07 12:24  

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