17.5.07

Pennys Wochenrückblick Folge 98: Muddis Bollerwagen und Papis Blumenstrauß!



An 364 Tagen im Jahr ein recht idyllisches Landschaftsbild...und dann kommt der Vatertag!



Bitte, mich kann man für diese Sache nicht verantwortlich machen, ich bin nur ein stiller Betrachter dieser geschlechtlichen…ähm…Evolution.
Schuld ist der Rest, der diesen Quatsch mitmacht, das muss auch mal gesagt werden.
Nun, so geschah es auf jeden Fall:


Sonntag 13.05.2007 Muttertag


Schon in der Früh standen sie auf, die Brigittes, die Elviras, die Ulrikes und wie sie alle heißen mögen. Schnodderten ins Waschbecken, pinkelten womöglich im Stehen und wuschen sich danach nicht mal die Hände. Dann wieder hinein ins Schlafzimmer mit einem lauten
„Hoar, Hoar!“.
Ausladend schreitend wurde der Kleiderschrank vergewaltigt und schon standen sie da, die Brigittes, die Elviras, die Ulrikes und wie sie alle heißen mögen. Festes Schuhwerk, ne graue Jogginghose, n dicker Pulli, ne Pfeife im Mund und auf dem Kopf? Ein Bierhelm.
Wir schreiben das Jahr 2007 und es ist Muttertag.
Aus der Satellitenperspektive betrachtet strömten Rinnsale kleiner Flüsse auf einen Punkt zusammen. Das waren – nun mal von ganz weit oben betrachtet – die bierbehelmten Brigittes, die Elviras, die…na, Sie wissen schon. Die erste Marianne vergaß schon sämtliche Contenance, flößte sich den schäumenden Gerstensaft durch die Nasennebenhöhle ein und fand das alles auch noch urkomisch.

Harleys und andere luftverpestende Zweiräder voller Weibsbilder konterkarierten die weltweiten Bemühungen, das Packeis am Schmelzen zu hindern, in dem sie mit einhundertzweiundachtzig Sachen jodelnd durch eine verkehrsberuhigte Strasse donnerten.
Uschis, Juttas und Karins rotteten sich in Horden zusammen, schmissen Diätzeitschriften und eine Jahresration Actimel auf einen Haufen und zündeten das ganze unter lautem Jubel mit Hilfe von Brennspiritus an. Auch hier durfte der Gerstensaft nicht fehlen. Man fasste sich an den manikürten Händen und tanzte im Kreis.
Jede zweite Verena und jede achte Brunhilde hatte eine Zigarre im Mund.
Die Obermutti Gundel stieg auf einen rosa gestrichenen Bollerwagen und hielt vor siebzehntausend halbbetrunkenen Frauen eine Rede. Um sieben Uhr in der Früh!
„FRAUEN! MÜTTER!“
Die Menge grölte. Oder rülpste, man konnte den Unterschied nicht ganz erkennen.
„Heute ist der Tag. Der Tag…also…!“
Gundel wankte. Man konnte sie gut als Obermutti identifizieren, wenn man neben dem Bierhelm auch das Dreiliter Umschnallfass Veltins Extrastark auf ihrem Rücken registrierte.
„Also, waschich….wasch ich….nein, nicht waschen…was ich Eusch eigntlich sagen will: Heu…also heu…Hoitä…..HOITÄ…“
All die Brigittes, die Elviras, die Ulrikes, all die Frauen lauschten gespannt auf Gundels Botschaft, nur Marianne war einen Moment lang unkonzentriert und musste sich das erste Mal übergeben – um Sieben Uhr Fünfzehn – weil sie festgestellt hat, dass der Bierschlauch auch in ihr zweites Nasenloch hineinpasste.
„Hoitääääää….da wird nicht auf die Blagen aufgepasst!“ Grenzenloser Jubel.
„Hoitäää….bleibt das Licht am Herd aus!“ Fäuste reckten sich in die Höhe. Noch mal grenzenloser Jubel!
„Hoitäää….werdet ihr auch keinen Sex haben….zumindest nicht mit euren Männern!“
Kollektive Ausrasteritis.
„HOITÄ MÄDELS….WIRD GESOFFEN!“
Jubel, Trubel, ein paar Bierhelme flogen hoch. Aber nur weil die Dosen leer waren.
Dreitausend Hannas, Annas, Nannis und auch ein paar Kunigundes steuerten die Kneipe „Zur fruchtbaren Lende“ an und traten die Tür ein. Mit einem gezielten Bierhelmwurf schmiss Louise die Musik-Box an, während der Rest der Flotte in den zitternden Hafen in Form von Wirt Kalli zusteuerte.
„WIRWOLLNBIER!“
Ein käsebleicher Kalli sprach die letzten Sätze seines Lebens.
„Ich hab kein Bier. Ich hab nur Blumen!“
Während die Frauen die Theke zerlegten, zog Gundel auf ihrem rosa Bollerwagen mit den anderen 14.000 durch die Gemeinde.
„Da isn Getränkeladen, Sarah, hast Du die Brechstange dabei?“
Sarah hatte die Brechstange dabei und wenige Minuten später konnten die Jungfrauen in den Laden eilen, um den Müttern die Fässer hinauszuschleppen.
In aller Eile wurde ein Grill aufgebaut und auch wenn man dabei war, den Muttertag gehörig zu revolutionieren, war man noch nicht soweit, dass man Wirt Kalli auf den Grill schmeißen würde.
Wenig später – Marianna hatte zwischenzeitlich herausgefunden, dass man den Bierschlauch auch in den Gehörgang stecken konnte – kam es noch zu einem tragischen Zwischenfall, als eine gewisse Frau Hilton beim Rückwärts-Einparken siebenhundertdreiundfünfzig Frauen schwer verletzte.
Gegen Abend fuhren die städtischen Reinigungsdienste durch die Strassen und hatten erstaunlich viel Mühe, den Mischmasch aus Glasscherben, Erbrochenem, Mariannes Ohrenschmalz und den Überresten von Wirt Kalli zu entfernen.
Der Umsatz von Kopfschmerztabletten stieg am nächsten Tag um 1500 % an, verglichen mit Nicht-Muttertagen.


Donnerstag 17.05.2007 Vatertag


Während die Mütter noch immer mit Schädelfeuerwerk im Bett lagen und einige sich krampfhaft versuchten, an ihren Vornamen zu erinnern, stiegen sie aus dem Bett, die Wolfgangs, die Erichs, die Klausis.
Aufgeregt wie kleine Kinder ließen sie sitzend dem Morgenurin freien Lauf, es wurde abgezogen, man wusch die die Hände (auch die Zwischenräume) und schlich zurück ins Schlafzimmer, um sich für den Tag geeignet einzukleiden.
Slipper, schwarze Socken, gebügelte Hose, ein weißes Hemd mit einem rosa Pullover darüber, ein kecker Hut.
Derart bekleidet legten sie sich wieder ins Bett, um auf ihren großen Augenblick zu warten.
All die Wolfgangs, die Erichs und die Klausis waren schon wieder eingeschlafen, als eine Meute von Jaquelines, Anna-Marias und Klausi-Juniors die Schlafzimmertür mit einem lauten „Früüüüööööörstööööck“ eintraten. Sodann hüpfte der keck bekleidete Vati im Bett herum, während der Restalkohol in Muttis Blut wieder Betriebstemperatur erreichte.
„Papi, alles Gute zu deinem Ehrentag“, schallt es durch die Mauern und es wurden selbstgebackene Croissants aus feinstem Spielplatzsand, Erdbeermarmelade aus Ketchup und Orangensaft aus der Kanalisation kredenzt, der sich von normalen Orangensaft lediglich in seiner Kolorierung unterschied. Es wurden Geschenke ausgepackt, Bilder, die Picasso auf Koks so nicht hinbekommen hätte, Bilder, die von nun an eingerahmt über Äonen in Artpraxen und Büroräumen hängen und die heuchelnde Kollegen mit einem „Ach das haben ihre Kinder gemalt, das ist ja toller Glibber!“ kommentieren.
Und der konsternierte Vater wird nur antworten können:
„Das sind Wolken!“
Wenig später gab es Blumen für Papi in Form von geklauten Kakteen aus der Nachbarschaft und einen Gutschein für eine Wellnessfarm in Thannhausen inklusive Sauna mit Spinataufguss, Ganzkörpermassage von Guildo Horn und Barthaarentfernung mit der Pinzette.
Ebenfalls im Wohnzimmer präsentiert wird der von den Kindern eigens gebackene Vatertagskuchen und er wird nur deswegen nicht in der Küche hergezeigt, weil dort die Feuerwehr noch das letzte Glimmen im verbrannten Ofen mit einem Schaumteppich zu besiegen versucht.
Dann noch ein Gedicht:

Der Papi, der ist wunderbar,
Er ist der tollste Superstar,
er geht ins Büro, kommt nachts erst heim,
und isst dann Muttis Haferschleim,
der in einer ollen Schale,
die einst stand im Ikea-Regale,
nun präsent auf bestickter Decke,
auf dem Tisch steht, ohne Flecke.
Der Haferschleim läuft aus dem Mund,
Mensch Papi, das Zeug, das ist gesund,
sagt auch die Frau von der Leyen,
die wird hier auch noch reinschneien,
und dir sagen wie’s läuft auf der Welt,
bleib raus ausm Büro, kassier Elterngeld.

Waren die Wolfgangs, die Erichs und die Klausis gerade dem Freudentaumel anheim gefallen, waren gerade heiße Freudentränen in väterliche Gesichter geschossen ob all der vielen schönen Gesten und Geschenke, da machen die Jaquelines, die Anna Marias und die Klausi-Juniors diese wundervolle Szenerie mit einer einzigen Frage kaputt:
„Du Papi, dürfen wir auf der PS3 jetzt wieder Gliedmaßen zu Klump schießen? Affenzombies in der Gorgonzolafabrik ist einfach ein geiles Spiel, dürfen wir? Bitte, sag doch ja!“
So erlaubten es die Väter, entledigten sich der Vatertagskleidung, legten sich hinter Mutti, setzten einen Bierhelm auf und während sie den Schaum durch den Plastikschlauch laufen ließen, nahmen sie sich fest vor, das Ganze im nächsten Jahr wieder richtig herum zu machen.





Mutter und Vatertag schnell abhaken, lieber den Rückblicks-Newsletter mit einer Email an pennysworue@gmx.de abonnieren.

2 Comments:

Anonymous Anonymous said...

also, eigentlich hatte ich ja einen
detaillierten rückblick auf dieses wunderschöne letzte weekend mit den heulenden uschis aus herne-west erwartet ( so als dortmunder ), aber meine erste enttäuschung wich bereits kurze zeit später einem dauergrinsen.
( fast ) authentisch und geil geschrieben! mir bleibt ne pulle bier aber trotzdem lieber als ein unkrautstrauß! also lassen wir es lieber so wie es ist!
ps: und falls der alptraum morgen nicht wahr wird ......... ich erwarte den nächsten freitag!

18/5/07 12:35  
Anonymous Anonymous said...

Hehe, als kinderloses Wesen versüßt mir das aber den Ausblick auf die Zukunft, ich fänd das echt super so ;-)
Und der Dirki kriegt nächstes Jahr nen Unkrautstrauß in ner leeren Bierpulle von mir...!

18/5/07 21:32  

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