19.4.07

Pennys Wochenrückblick Folge 94: "Heute: Große dicke Sänger und das Hummel-Kampfschrei-Geschwader!"



Kakerlaken singen nicht, Kakerlaken summen nicht, Stranden und Blüten bestäuben fällt auch aus. Im Chillen dagegen sind sie wahre Künstler der Tierwelt.


Da Forscher das Forschen nicht lassen, schon gar nicht, wenn ich darüber schreibe, forschen die Forscher weiter, sodass ich stets ein Thema mein Eigen nennen kann. So ergänzt man sich recht prima auf den Feldern der Wissenschaft und der Literatur, finde ich.
Forsche Forscher australischer Herkunft haben nun gar Spezielles und Vortreffliches herausgefunden, es geht um Wale.
Deren Töne sollen nun also keine Zufallsfolge bilden, nein man könne aufgrund von Wiederholungen in einer bestimmten Reihenfolge – Strophen und Refrains nicht unähnlich - sogar von einem Lied sprechen.

Walgesang halt.

Brandneu ist diese grandiose Erkenntnis nun nicht, schließlich war bereits 1971 von Walgesängen die Rede. Mit dem Forschen ist es aber wie mit dem Leben im Allgemeinen, man spezialisiert sich, also fanden die Forscher forschend heraus, dass Wale jedes Jahr ein neues Lied singen – was nur recht und billig ist, Tag für Tag und Jahr für Jahr ein und dasselbe Meeresoratorium ins Wasser zu quäken macht auch dem fröhlichsten Wal nur wenig Spaß – und dass die Wale, egal ob sie kämpfen oder flirten, immerzu singen.
Das hat für uns Menschen weitreichende Konsequenzen. Wenn nämlich ein bis zu 30 Tonnen schwerer Buckelwal eines Tages einen Abstecher in den bayerischen Wald macht und ein mit rauchiger Stimme vorgetragenes nettes Liedchen trällert („Henry Walentino: Der Wal da vor mir frisst ein junges Mädchen“), während er sich die bajuwarische Prachtlandschaft vors von vielen Kämpfen vernarbte Auge führt, wie soll dann der bayerische Durchschnittsbürger herausfinden, ob der Wal einem nun Gutes will oder auf Krawall gebürstet ist?
Gar nicht, und so hallt es unaufhörlich aus der Staatskanzlei: „Problemwal, lasst die Hunde los!“
Zum Glück ist ein solches Szenario eher unwahrscheinlich, weil Wale höchstens stranden, was bedeutet, dass sie höchstens mal an Land gehoppelt kommen, ein Eis bestellen und im warmen Sand liegen bleiben. Ein mit einem Rucksack bewehrter Tümmler, der den bayerischen Wald auf der Suche nach schmackhaften Pilzen durchforstet, ist nicht zu befürchten.
Nicht, dass es Wale nicht vielleicht sogar könnten, bräuchten sie doch nur mehr Schwung beim Stranden, dann würds schon reichen bis in den Wald bei München, aber vielleicht mögen sie einfach keine Pilze.
Im Endeffekt muss man froh sein, Wale sind groß, Wale sind schwer und ein schwungvolles Stranden hätte Gemecker auf Campingplätzen und einige umgeknickte Bäume zur Folge.
Deswegen halten auch die wenigsten Menschen Wale in ihren heimatlichen Aquarien, weil es den restlichen Fischen Platzangst macht und leicht überschwappendes Wasser den Parkettboden einsaut.

Man sieht schon, den meisten Menschen bleibt eine persönliche Begegnung mit einem derartigen Meerestier erspart, darüber sollte man auch ganz froh sein. Viele (besonders Frauen) bekommen ja schon eine mittlere Panikattacke, wenn eine Qualle ihren Knöchel streift, da ist die Begegnung mit einem schief singenden Buckelwal garantiert nicht herzfrequenzfreundlicher.
Trotzdem – das Thema lässt die Menschen nicht los - möchte man den Wal an sich als Tierart retten, das ist löblich angesichts der Tatsache, dass die meisten noch nie so einem Tier „in Echt“ begegnet sind.
Man will sie schon noch ein paar Jährchen bis zur völligen Ausrottung singen hören und da gibt es einen interessanten Konflikt zwischen Walfängern und Walfanggegnern zu beobachten:
Walfanggegner sind natürlich grundsätzlich dagegen, Wale mit Harpunen kaputtzuspießen und kaputtzuschießen, damit sie klein gehackt in Japan als potenzsteigernde Delikatesse auf dem Essteller landen. Eine recht schlüssige Logik der Gegner, wenn im Land der aufgehenden Sonne ein kleiner Mann den Liebesakt versaut, sollten keine Meeresbewohner diesen geschlechtlichen Fauxpas ausbaden müssen. Außerdem singen die doch so schön…das sagen zumindest die Walfanggegner. Da der Walfänger an sich für derart schlüssige Argumentationen nicht zugänglich ist, baut er sich plusternd auf und zeigt mit dem Finger auf den Walfanggegner und wirft ihm vor, den Gesang der Tiere zu vermenschlichen und somit eine emotionale Bindung aufzubauen, die gar nicht existiere.
Mit anderen Worten, der Umweltakivist sagt:
„Nun lausche doch den lieblichen Tönen, kannst du wirklich etwas töten, was singt?“
Und der Fischkiller antwortet:
„Das ist kein Gesang, das ist irgendwas zwischen Rap und Rülps und nun geh von meiner Harpune runter!“
Um die musikalischen Fähigkeiten der Wale wird also schon ein ziemliches Geschrei gemacht, dabei ist man sich doch nun wirklich unschlüssig, was Wale wirklich singen. Vielleicht summen oder pfeifen sie nur oder ihnen kommt lediglich ein „Düpdüdüdüdüüü“ über die Lippen, weil’s tief im Meer so trist ist und Musik da die einzige Heiterkeit bietet.

Um Tiere, denen wir jeden Tag begegnen, machen wir nicht so ein Aufsehen. Zumindest ist mir keine Studie bekannt, die sich mit dem Summverhalten der Hummel auseinandersetzt.
So ist er der Mensch, macht sich Gedanken um weit entfernt jodelnde Buckelwale, ist aber nicht in der Lage, das schnieke Brummen einer Hummel in seinem Vorgarten zu genießen.
Wenn so eine Hummel summsebrummend auf eine Blüte losstürzt, um ihr den gar fruchtigen Nektar zu entlocken und dabei richtig laut aufbrummt, welch Narr wäre man, wenn man nicht wissen wollen würd, ob dieses Brummen jetzt ein Kampfschrei oder ein euphorischer Seufzer ist? Als den Hummelgesängen wohlgestimmter und protestbereiter Hummelfanggegner wäre man dann allerdings arbeitslos, weil es nur wenig mafiös-aufgestellte Hummelfänger auf der Welt gibt (schon gar nicht mit Harpunen), man würde also mit seiner Forderung, den Hummeln Leben und Gesang zu lassen, ins Leere brüllen.
Doch noch einmal die Frage: warum sich nicht mit Hummeln beschäftigen?
Hummeln fliegen täglich 18 Stunden lang bis zu 1.000 Blüten an, da können sich globalisierungs-panische Deutsche mal ein Beispiel dran nehmen. Außerdem wäre da noch die Frage zu klären, ob die dicken Bienen jetzt eigentlich stechen und beißen oder nur beißen oder nix von beidem? Wäre doch schon nett, da mal genauer Bescheid zu wissen für den zukünftigen Umgang mit den Blütensäugern. Können wir uns gefahrlos bücken und betrachten, wie so ein Summsebrumm sich über eine Blume hermacht oder laufen wir Gefahr, aufgrund von Honigbrötchenresten im Mundwinkel von der Hummel überwältigt und kaputtgebissen zu werden?
Natürlich würde es ein Weilchen dauern (wie bei den Matratzenmilben vom letzten Freitag), bis die Hummel eine – sagen wir mal – menschliche Hand komplett aufgegessen hat, aber von Interesse wär’s schon. Da so eine wissenschaftliche Abhandlung in Zukunft nicht zu erwarten ist, möchte ich Aufklärungsarbeit leisten. Hummeln beißen UND stechen, aber beides nur unter Gefahr. Hummel zwischen Daumen und Zeigefinger einzuquetschen oder sie blöd von der Seite anzupöbeln („Runter von meiner Hortensie, du fette Flocke!“) sollte also tunlichst vermieden werden. Da die Hummel aber im Allgemeinen nicht über ein Weiße-Hai-ähnliches Gebiss verfügt, ist der Schmerz nur von temporärer Dauer.
Putzig ist noch der menschliche Angriff auf das Nest der Hummeln, denn in diesem Fall „legen sie sich bedrohlich brummend auf den Rücken. Wenn darauf kein Rückzug erfolgt, kann es auch zu Attacken mit Bissen und Stichen kommen.“ Ein Schelm, wer hier dabei einer Parabel gleichend an Frauen mit Kopfschmerzen und zum Geschlechtsakt bereite Männer denkt.
Doch gut, das Desinteresse an den schwarz-gelben Hummeln mag auch in ihrer Unfähigkeit zur Politisierung herrühren. Mit Hummeln lässt sich schlecht das Parlament stürmen, da braucht man nen medienwirksamen Knut oder aber – Pennys Vorschlag – der Gabriel zimmert sich ein schickes Aquarium auf die Bundestagskuppel, füllt dieses mit Wasser und Meeresleben und schon hätte man was? Genau.
Nen Bundestags-Wal.
Düpdüdüdüdüüüüüüü.

Wer sich mit tierischen Gesängen und gewalttätigen Verhaltensweisen nun nicht mehr auseinandersetzen will, kann die gewonnene Zeit nutzen und den Wochenrückblicks-Newsletter auf pennysworue@gmx.de abonnieren. Ich beißauch nicht.