13.4.07

Pennys Wochenrückblick Folge 93: Na, heut schon Pech gehabt?



Puh, Glück gehabt. An einem Freitag, den Dreizehnten wär der Turm umgefallen und hätt uns ne Falte ins T-Shirt gemacht.




Ja, heut ist wieder so ein Tag, wo man sich selbst dem Schicksal hingibt. Wir meinen ja, ständig alles im Griff zu haben und unsere Bestimmung lenken zu können, aber wenn der Kalender „Freitag, der Dreizehnte“ schlägt, sacken Schultern mutlos nach unten und wir klagen gen Himmel: „Mach dass es schnell vorbei geht!“
Besonders ängstliche Zeitgenossen gehen nun jeglicher Konfrontation mit diesem Datum aus dem Weg, in dem sie das Bett überhaupt nicht verlassen, aber das kann es auch nicht sein, wer will schon, dass sein schlotternder Körper von Matratzenmilben vertilgt wird? Nun ist man sich in der Naturwissenschaft noch nicht ganz einig, ob Matratzenmilben dazu in der Lage sind, einen bettlägerigen Triskaidekaphobiker innerhalb von 24 Stunden zu verputzen, aber ausprobieren möchte man es ja wohl auch nicht.
Triskaidekaphobiker sind die Menschen, die Freitag, den 13. so viel Angst haben, dass sie das Haus nicht verlassen und sich so selten wie möglich rühren, könnte ja sein, dass man Kopfüber in den Wandschrank fällt, wo die Speiseröhre wegätzende Putzmittel nur darauf warten, sich selbst aufzuschrauben und Menschen zu vernichten.
Aber man kann es drehen und wenden, die meisten sind von ihrem Aberglauben nicht abzubringen und das nur, weil Judas seinerzeit nicht zu Haus bleiben konnte.
Das hatte Konsequenzen, bis heute finden sich nur wenige Hotels auf der Welt mit der Zimmernummer 13 und auch bei mancher Fluggesellschaft hat man die 13. Sitzreihe kurz vor Fertigstellung der Flieger noch schnell herausgerissen (und dort vermutlich einen Wendekreis für die Saftschubsenwagons eingerichtet). Dass das Fehlen der 13 nun nicht gerade vor Flugzeugabstürzen und kaltblütigen Morden in Hotelzimmern schützt, ist bisher wohl noch niemandem aufgefallen, aber gut.
Auch die besondere Aufmerksamkeit, die dem Tag widerfährt, sollte miteinbezogen werden. Wer sich an so einem Freitag den 13. im rutschigen Badezimmer die 6. und 7. Rippe bricht, der ist bereits auf Jahre geeicht, was Unglückszahlen angeht, da werden Frakturen an anderen Tagen weder wahr- noch ernst genommen. Autounfälle werden hingenommen, haut einem ein Laster den kompletten Kofferraum weg, erklärt man sich das einfach mit der Unglückszahl, statt mit rudimentären Kenntnissen im Bereich der Einparktechnik.

Um für den nächsten Freitag den 13. gerüstet zu sein (wir haben bis Juli Gelegenheit, uns vorzubereiten), werden wir einen Schlachtplan ausarbeiten und einen Trainingstag bestreiten, auf dass wir vorbereitet sein mögen. Trainingsbedingung: ein ganz normaler Urlaubstag mit Einkauf in der Innenstadt.
Zunächst besprühen wir das Bad mit dem Schaumfestiger unserer Ehefrauen und Freundinnen, damit auf der Gesamtfläche ein riesiger Rutschefleck entsteht. Dieser Fleck ist schon jetzt bei vielen vorhanden, nur kleiner, es ist die Stelle, an der sich die Frau im Bad das Haar richtet und dabei fallen stets ein paar Krümel des Sprays auf den Boden, was diesem seine rutschige Konsistenz verleiht. Torkeln und wanken wir also morgens benommen ins Bad und knallen lang hin, lässt sich so allein schon über empirische Versuche ganz gut das Landeverhalten trainieren, spätestens nach dem 17. Mal tut so eine Steißbeinprellung auch nicht mehr weh. Die Zahnpasta haben wir schon Tage vorher gegen Motoröl ausgetauscht und die Klingen im Rasierer glänzen vor Rost. Mit schwarzen Zähnen und blutigem Hals betreten wir die Dusche und lassen uns von brühendem Wasser die Haut vom Körper schälen. Da wir vergessen haben, ein Schälhautschälchen bereitzustellen, spülen wir den ganzen Mist die Toilette hinunter. Wieder raus aus der Dusche fangen wir den nächsten Sturz gekonnt ab, mittlerweile wissen wir es ja. Den Gürtel lassen wir konsequent aus der Hose, denn wenn wir in die Innenstadt fahren, soll stets gewährleistet sein, dass die Mitmenschen die eigene Unterwäsche zu sehen bekommen. Im Auto auf dem Weg zur Stadt legen wir eine Augenklappe an, mit „rechts vor links“ ist es schließlich wie mit dem Bremsen: wer’s tut, verliert. Verärgerte Hupkonzerte dirigieren wir im Takt mit dem Mittelfinger, auch dann, wenn sich in das Hupen ein Tatütata mischt. Ist man den humorbefreiten Ordnungshütern entkommen, gilt es im innenstädtischen Parkhaus die engste Lücke zu wählen, auf dass drei Autos eine neue Lackierung verdient haben. Ausgestiegen wird durchs Schiebedach, wenn man keins hat, wird Tage zuvor ein Schweißbrenner im Handschuhfach platziert (mit dem man sich auch wahlweise die Zigarette anzünden kann, wenn man fortgeschrittenes „Freitag-der-Dreizehnte-Training“ betreiben möchte).
Auf dem Weg ins Kaufhaus rempeln wir jeden an, der dumm genug ist, sich uns in den Weg zu stellen, den muskelgestählten Mitmenschen rufen wir noch ein „Ausm Weg, Kleiner!“ hinterher. Die Rolltreppe wird überquert, ohne dass wir sie mit den Füssen berühren, man weiß ja, was alles passiert, wenn sich an den kruppstahlgehärteten Kanten die Füße verharken. Wir nehmen eine Stichsäge und einen Lötkolben aus dem Regal und verlassen das Kaufhaus ohne vorherige und lästige Bezahlung, es könnt schließlich die EC-Karte geklaut werden. Erschöpft rennen wir in den nächsten Supermarkt und kaufen uns eine rohe Bratwurst, einen Becher Magerquark und eine zweite Augenklappe, die wir draußen sogleich galant überziehen, um mithilfe von Lötkolben und Stichsäge ein imposantes Dinner zu zaubern. Hat man sich die Blutstumpen mit den Schnürsenkeln abgebunden und die Brandwunden mit dem Quark versorgt, kann es stolpernd weitergehen. Mit den restlichen drei Fingern, die noch übrig sind, gilt es einen Lottoschein auszufüllen, weil wir wissen, dass Menschen in Japan die 13 als Glückszahl sehen und uns nicht vorwerfen wollen, etwas unversucht gelassen zu haben.
Nun kann man wieder nach Haus fahren (natürlich: mit beiden Augenklappen, man kennt den Weg, ist ihn oft genug gefahren) und sich medizinisch vom Notarzt versorgen lassen. Dieser fährt aber erbost wieder weg, nachdem wir ihm erzählen, dass wir für die Praxisgebühr leider kein Geld im Haus hätten.
Doch da ist ja noch die Regenrinne, die schon furchtbar lang nicht mehr saubergemacht wurde, also auf geht’s, Leiter an die Wand und hoch das Bein. Dass der Schornsteinfeger gerade vom Dach hinunter kommt ist purer Zufall und dass er uns auf den Schädel tritt, auch. So sinken wir darnieder in einer schicken Zeitlupe gen Betonboden und klopfen uns selbst noch mal mit drei restlichen Fingern auf die Schulter, dass wir das Training für den nächsten „Freitag, den 13“ so gut abgeschlossen haben. Sind wir bis dahin aus dem künstlichen Koma wieder erwacht, wird das ein richtig toller Tag zum Genießen.

Wer dem Unglück entgehen will, abonniert den Wochenrückblicksnewsletter mit einer Email an pennysworue@gmx.de

11 Comments:

Anonymous Anonymous said...

Mir is auffa Arbeit heute alles hingefallen, schnüff... Lieg jetzt im Bett, laß mich von den Milben anknabbern und genieß den Wochenrückblick ;-)

13/4/07 21:23  
Anonymous Anonymous said...

Genial.... echt klasse geschrieben... und dank Dir habe ich auch noch ein neues Wort gelernt: "Triskaidekaphobiker"!! Hab natürlich bei wikipedia nachgeguckt ;-)
Ich schau bestimmt mal öfter vorbei
Gruss Jeany

13/4/07 21:46  
Anonymous Anonymous said...

ja, wiedermal genial zusammengefasst, penny! aber ich glaub ich lass das mit dem trainingstag lieber :D hab auch gar kein quark im haus für die blutstumpen und die brandwunden! :D
grüssel, conny

14/4/07 12:35  
Anonymous Anonymous said...

This comment has been removed by a blog administrator.

13/8/07 21:49  
Anonymous Anonymous said...

This comment has been removed by a blog administrator.

17/8/07 19:52  
Anonymous Anonymous said...

Thanks for interesting article.

18/8/07 06:35  
Anonymous Anonymous said...

Glad to read articles like this. Thanks to author!

28/8/07 13:48  
Anonymous Anonymous said...

Very interesting article, I have long sought. It is in front of me. I agree with you!

6/9/07 10:53  
Anonymous Anonymous said...

Very interesting article, I have long sought. It is in front of me. I agree with you!

6/9/07 12:33  
Anonymous Anonymous said...

Excellent website. Good work. Very useful. I will bookmark!

9/9/07 18:34  
Anonymous Anonymous said...

Hello! Interesting article, thanks to author!

11/9/07 13:13  

Post a Comment

Subscribe to Post Comments [Atom]

<< Home