4.5.07

Pennys Wochenrückblick Folge 96: Plappernde Polarplagen und eine delphinvernichtende Thunfischdose!

Der Trailer zu Rückblick Nummer 96 (einfach auf "Play" klicken):





Eigentlich ist es nur noch an wenigen Orten der Welt möglich, nörgelfrei eine Portion Thunfisch zu verzehren. Vielleicht in den Pyramiden von Gizeh. Eine Mumie wird wohl kaum aus ihrem Sarkophag herausgewankt kommen, mit bereits ausgestreckten und zerfledderten Armen auf die Fischdose zeigen und mit staubiger Stimme unseren nicht vorhandenen Sinn für Meerestierschönheiten anprangern.
Außerhalb der uralten Bauwerke jedoch wird energisch gezetert.
„Denk doch mal an die Delphine, Herrgott noch mal!“
Dies und ähnliches wird gerufen, ordert man sich die Thunfischpizza auf die Tischdecke.
Statt nun dem Gaumenschmaus zu frönen, wird mal wieder das ökologische Gewissen strapaziert. Mit Fischresten zwischen den Zähnen kann man sich dann einen mindestens fünf Minuten andauernden und die Nerven stark belastenden Vortrag darüber anhören, dass der Thunfisch mit bösen Netzen gefangen wird, in denen sich auch hin und wieder einer von Flippers Verwandten verfängt.
Nun haben die wenigsten Tümmler einen Werkzeugkasten dabei, um sich aus dieser misslichen Lage herauszuschneiden und so endet hier das ein oder andere Delphinleben, ganz im Gegensatz zum Anti-Thunfisch-Vortrag.
Der endet noch lange nicht.
Vortreffliche und rhetorisch ausgefeilte Reden werden geschwungen auf der Bühne des Umweltbewusstseins, es werden Thunfisch-Delphin-Quoten an Flipcharts gezeichnet und vorgerechnet, mit wie vielen Pizzen man einen Delphin tötet. Alle acht Italienerbesuche soll uns schlecht werden, während wir im Prinzip statt der Thunfischtorte einen Meeressäuger verdauen.
Interessanterweise würde man sich umgekehrt nicht so verhalten.
Nur mal so, zum vorstellen:
Wir ordern uns eine schmackhafte Pizza „Flipperius“ mit allerlei Delphinfleisch darauf.
Plus doppelt Käse. Noch vor dem ersten Gabelhub kommt die Körnerfresser-Front protestschildertragend in das Lokal gestürmt und fordert uns energisch (also mit etwas lauterer Stimme) dazu auf, das Besteck fallen zu lassen und uns zu fragen, wie viele tausend Thunfische sterben müssen, nur damit wir eine einzige Delphinpizza genießen können. Wenn man nur lange genug darüber nachdenkt, wäre dies eigentlich der logischere Ansatz für ökologisches Unverständnis, aber gut, Delphin in Dosen verkauft sich bestimmt schlecht und Thunfische haben einfach keine Lobby. Die grinsen auch nicht soviel, balancieren keine bunten Bälle auf der Nase und hüpfen auch nur selten durch Reifen, schon gar nicht durch brennende.
Hieraus kann man schon mal die Lehre ziehen, dass es sich lächelnd leichter durchs Leben taumeln lässt, man sich aber trotz der guten Laune auch gut und gern mal in einem Thunfischnetz verheddern kann.
Pinguine sind eigentlich fast so wie Delphine, nur mit dem Unterschied, dass man deren Tod nur selten mit dem Ableben von Thunfisch in Verbindung bringt.
Könnte daran liegen, dass Pinguine sich am Südpol den Arsch abfrieren und Ihre Eier wärmen, während die Pinguinfrau nichts anderes tut, als meilenweit zu latschen, Futter für den Kleinen zu besorgen, um danach den gleichen Weg zurückzulatschen.
Trotzdem haben die flugunfähigen Seevögel eine starke Lobby und dass nicht nur, weil sie stets so gut gekleidet sind.

Nein, Pinguine passen toll in unsere Zeit, da wir uns alle stets um den Schmelzgrad von Eisschollen und nicht mehr um den von Hüttenkäse kümmern, geraten die Eisrutscher in den Fokus globaler Aufmerksamkeit. Angefangen bei „Madagaskar“, in denen ein paar der Viecher ein ganzes Schiff gekapert haben, über „Die Reise der Pinguine“, in der die Pilger-Futter-Reise dokumentarisch dargestellt wurde bis zu „Happy Feet“, wo ein kleiner mit den Füßen steppender Pinguin lernt, dass Anders-Sein eine schwere, aber auch tolle Sache sein kann.
Ganz schön viele Pinguine in so kurzer Zeit. Den Trailer für den nächsten Film hab ich heute im Kino bewundern dürfen.
Schneehasen, Gespenstschrecken und Chamäleons erfahren nicht mal annähernd eine solche Fürsorge, aber die leben auch nicht am Südpol. All das würde uns nicht Bange machen vor der Zukunft, doch aufgrund eines Hörerlebnisses am Wochenende bin ich mir meiner Sache relativ sicher:
Die Pinguine wollen die Weltherrschaft übernehmen.
Denn propagandistisch ist er nun auf jeder „Bravo Hits 57“ zu finden:

Der Pinguin – Rap.

Zur altehrwürdigen und in verschiedenen Folterkammern der Welt bereits ausführlich verwendeten Melodie von Ralph Siegel’s Ententanz wird im „Pinguin-Rap“ ragga-rasselnd erklärt, dass „Pinguine im Kreis tanzen, Spaß haben, auf ihren Bäuchen rutschen und aufgrund von zu kleinen Flügeln nicht mal bis zur Insel Rügen kommen.“
Erschreckenderweise wird das alles mit einer derart hohen Stimme vorgetragen, das man Angst haben muss, dass Klischeehaft Gläser zerplatzen, in denen normalerweise Erzeugnisse aus der Champagne gegossen werden.
So schafft es der Song spielend, das an sich schon erschreckende Niveau einer durchschnittlichen „Bravo Hits“ noch tiefer in den Keller zu reißen, was zu glauben mir schwer fiel, bevor ich den Pinguin-Rap zum ersten Mal vernahm. Ein Freund von mir, den ich am 1. Mai von der Mayday abholte und dem ich den Song zwecks Beurteilung seinerseits auch direkt in seinen Technotinnitus hineinschoss, versuchte bei 70 Sachen schreiend, mein Auto zu verlassen. Nur mit Mühe konnte ich ihn davon abhalten:
Berni, ich hoffe, Deinen Ohren geht es wieder besser.

Was man sich nun generell in den heiligen Hallen der deutschen Musikindustrie dabei gedacht hat, einen solchen Song auf die Menschheit loszulassen, ist ohne Hinzunahme der Pinguin-Mafia nur schwer zu erklären. Da scheinbar nur noch die ganz kleinen Käufer in Läden stürmen, um überteuerte Maxi-CDs zwecks Regalkolorierung an die Kasse zu tragen, haben sich die Labelbosse wohl gedacht, dass man hier tatsächlich ein Vermögen machen könnte.
Der Plan scheint aufzugehen, antwortet doch eine Userin auf einer Internetseite den zu 99 % das Lied verspottenden Beiträgen, dass diese Flut an negativen Kommentaren ein Zeichen für die Ver-Singeleung unseres Landes in einer immer kinderfeindlicheren Welt sei, die sich gern als Mittelpunkt der Welt nimmt.
Ist ja auch schön und politisch korrekt gesprochen, aber werfe ich der Userin den Fragenball zurück und würde gern wissen, ob man wirklich Kinder in eine Welt setzen sollte, deren Plattenbosse derartige Lieder veröffentlichen. Viele kinderfreundliche und geschlechtsverkehrwillige Paare verlieren doch von Hundert auf Null die Lust am Sex, wenn sie im Radio den Pinguinrap hören, sie sitzen depressiv bei Tisch und sinnieren.

Sie: Ist dir klar, dass unser Kind, wenn es erstmal in der Lage ist, selbsttätig einen Kassettenrekorder respektive deine Stereoanlage zu bedienen in der Lage ist, wir uns den ganzen Tag Songs wie diesen anhören müssen? Ist dir das klar?

Er (wirr ins Leere starrend): Ich zieh meine Boxershorts wieder an.

Vielleicht sollte man auch mal dazu übergehen, Kinder ernster zu nehmen. Da die frechen Früchtchen immer früher immer reifer werden und Begriffe wie
„Diplomierter Arschkuhauslecker“ zur Einschulung bereits fehlerfrei zu Papier und Gehör gebracht werden, sind rappende Polartiere vielleicht nicht der richtige Erziehungsweg. Vielleicht sollte man stattdessen Sido aus einem Märchenbuch vorlesen lassen:

“Der fesche Prinz machte sich mit Schild auf Weg aus Burg. Als der Oberchecker des Königreichs ihn voller Furccht fragt, wohin der fesche Prinz hinchillen will, antwortet dieser nur: Isch geh Drachenhöhle, Bitch retten!“

Würde ich diesen Vorschlag nun ernsthaft platzieren, die Userin würde empört auf ihre Maustaste hauen und mir bitterbös antworten, dass man Kindern nicht die Kindheit rauben dürfe mit so einem Schlamassel-Schund.
Ich würde dann selbstsicher entgegnen, dass rappende Pinguine, jodelnde Krokodile und anderes singendes Getier Kinder zwar herzhaft auflachen lassen, dies zum Kindwerden und Kindbleiben nicht ganz so viel beiträgt, wie das miteinander Essen oder Spielen und dass man für 6,79 Euro statt einer bunten CD voller ohrenknorpelvernichtender Musik auch gut und gern zwei satt machende Kidsmenüs bei Burger King bekommt.

Da ist das Kind zwar fett, aber wenigstens nicht taub und das ist doch auch schon mal was.

9 Comments:

Anonymous Anonymous said...

Hihi, sehr witzig! Da hast du auch recht... Schoenen Tag noch. :)

4/5/07 08:00  
Anonymous Anonymous said...

Penny i luv ya xD

Wie jeden Freitag wat nettes zum Wochenende :D

Allerdings blieb das posten meinerseits dieses mal nicht aus ...

Da eine Freundin von mir den perfiden Plan der kleinen Frackträger schon seit einiger Zeit vermutet und uns allen wohl dank einer per Madagaskar durch geführten Gehirnwäsche als nicht sehr wahrscheinlich vorkam ...

Doch der Rap hat meinen Geist wach gerüttelt!

Vote 4 Pizza de la Pingu

MfG
Keksmonsta

4/5/07 08:26  
Anonymous Anonymous said...

Richtig so! Nur Känguruhs sollten das Privileg haben, sexwillige Paare vom Kinder kriegen abzuhalten ;-)
Hab mal wieder richtig gelacht, mein Favorit ist übrigens der Auszug aus Sidos Märchenbuch, alles gar nicht so unrealistisch... leider!

4/5/07 10:46  
Blogger MrPennywise said...

@caroguruh

Ja, das mit dem Sido konnte ich mir wirklich auch so vorstellen...und dass er Bademantel und seine Totenschädelmaske trägt, harhar...

4/5/07 11:04  
Anonymous Anonymous said...

Hi Penny!

Es sei mir verziehn, dass ich aus dem Auto hüpfen wollte ;-). Nur mit einem vorgeschädigten Tinitus ist das echt die härt so einen Song zu hören ;-)! Aber so bekommt mann eine Namentliche Erwähnung, und den Schock seines Lebens Hi Hi - war eine geniale Anreggung!

Wieder mal ein Genialer Text!

Bis zum nächsten RL treffen, eine Fan;-) ME Berni LG!

5/5/07 10:54  
Anonymous Anonymous said...

Thanks for article!

17/8/07 23:22  
Anonymous Anonymous said...

Thanks for interesting article.

18/8/07 09:33  
Anonymous Anonymous said...

Glad to read articles like this. Thanks to author!

28/8/07 17:09  
Anonymous Anonymous said...

Excellent website. Good work. Very useful. I will bookmark!

9/9/07 22:23  

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