29.9.06

Pennys Wochenrückblick Folge 66: Wenn wir nach Entenhausen fliegen, will ich auch was Warmes essen!

Ach, ich weiß schon gar nicht mehr, wo ich es genau gelesen habe, in welcher Lokalität! Da stand es Kreide auf Tafel, angekündigt wurde ein Loriot-Leseabend und darüber stand das Zitat:

„Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das während des Fluges eine warme Mahlzeit zu sich nehmen kann!“

Ob nun dies weise Sprüchlein wirklich von Loriot stammt, ließ sich an Ort und Stelle nicht überprüfen und auch ob der große Komiker selbst zu dieser Lesung erscheinen würde, war nicht rauszubekommen.
Aber darum geht es hier auch nicht, sondern um den Eindruck, den derartige Sätze hinterlassen.
Der ist zunächst gewaltig.
Huihuihui, denkt man, warum bin ich bloß nicht so clever, derart essentielle Sätze auf die Menschheit loszulassen. Aber lässt man so ein Zitat ein bisschen in der mit schweren Eisenrahmen beschlagenen Mottenkiste des Kopfes versauern, um ihn später rauszufischen und gegen das Licht zu halten, wundert man sich. Man stellt fest, dass so ein Satz auch viel Unsinn beinhaltet und man nicht drum rumkommt, ihn differenzierter zu betrachten.

Zunächst ist er viel zu allgemein gehalten. Als Beleg für diese These soll doch bitte ein Manager eines großen Konzerns vortreten, am besten einer dieser beliebten Firmen, die sieben Trilliarden Euro Gewinn im ersten Geschäftsquartal gemacht haben, nun aber aus Wettbewerbsgründen leider den Hausmeister der Tiefgarage entlassen müssen.
Dieser agile Manager, hoch gewachsen, mit einem Aktenkoffer voll wichtiger Dokumente und einer Schrittfrequenz von 260 Metern in der Minute stürmt auf eine nach unten fahrende Rolltreppe hinzu, um eine alsbald hinfort huschende U-Bahn zu erhaschen. Ich weiß, ich weiß, Manager fahren keine U-Bahn und „huschen“ und „haschen“ in einem Satz klingt gewöhnungsbedürftig, aber der Dienstwagen des Herrn Managers war kaputt und zusammen mit meinem Synonymwörterbuch in der Werkstatt.
Blöd, dass sich auf der ersten Stufe in all der Hast die recht teuren Schuhe des Managers furchtbar ineinander verkeilen wie verliebte Footballspieler und er sich nun auf einen nicht erfreulichen Weg nach unten machen muss, wo er an scharfen und kruppstahlgehärteten Rolltreppenkanten Bekanntschaft mit einigen Gesetzen der Physik machen wird.
Da unser Manager-Dummy vor dem Aufprall nur geschätzte anderthalb Sekunden in der Luft verweilen dürfte, verlangsamen wir die Situation, er segelt also horizontal durch die Luft, wirbelt mit den Armen, die Krawatte flattert und der Gesichtsausdruck ist nicht gerade von fröhlicher Natur. Hier drücken wir die Pause-Taste und wollen nun die Blaupause von Loriots Zitat drüber legen:

„Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das während des Fluges eine warme Mahlzeit zu sich nehmen kann!“

Ich will nicht ungebührlich, respektlos oder über alle Maßen pessimistisch erscheinen, aber die erste warme Mahlzeit des Managers könnte vermutlich erst nach einer hohen Schlagzahl komplizierter zahnärztlicher Behandlungen erfolgen und bis dahin gibt’s wohl Astronautenzeug aus einem Plastikschlauch.
Loriotanhänger, die nun ihr Idol bis aufs Blut verteidigen wollen, können natürlich gern eine Hostess im Bild installieren, die auf der gegenüberliegenden und nach oben schleichenden Rolltreppe mit einem Teller Dampfenden bereitsteht, auf dass der fliegende Manager während seiner Flugphase flugs Allzweckbesteck aus dem Sakko zieht, um der mild lächelnden Hostess das Schnitzel vom Teller zu entfernen, hinein zu beißen und dann mampfend weiter nach unten zu stürzen.
Naja.
Eine nette Theorie, allerdings weniger wahrscheinlich als kreativ.
Trotzdem: Bestünden die Fans des Komikers auf ihre Hostessentheorie, die sie auch deswegen schon verteidigen würden, weil so ein Manager mit Trilliardengewinn bestimmt keine Probleme damit hätte, an allen Rolltreppen der Welt für den Extremfall Hostessen mit warmem Futter zu platzieren, würde ich mein nächstes rhetorisches As aus dem Hut logischer Erklärungen hervorziehen.
Denn wer will widersprechen, wenn ich – aufgepasst - behaupte, dass eine Ente durchaus in der Lage wäre, während eines Fluges eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen?
Hoffentlich niemand.
Denn man bräuchte dazu lediglich eine Ente, eine nette und tolerante Fluggesellschaft, wenig schreckhafte Saftschubsen und eine auf Enten abgestimmte Plastikschale, die das Erpel-Essen enthält, welches das Tier während eines Linienfluges zu sich nimmt.
Schon müsste man den Satz ummodellieren, Loriot wäre in der Pflicht anzurücken, mit Vokaltütchen, Konsonantenpakten und Kommata-Behältnissen, um den Satz gehörig zu überarbeiten.
„Der Mensch, ja und auch die Ente sind die einzigen…!“
Hätten sich die Gemüter beruhigt, würde ich wieder den Finger heben und nur lässig sagen:
„Und was ist mit Katzen?“
Tja, und schon hat es sich mit dem schönen und essentiellen Zitat.

Ach und wo wir gerade bei Enten sind. Da gibt es auch so einen Satz. Stand sogar im FHM-Minijahreskalender, neben der halbnackten Lucy aus Schweden, 22 Jahre alt.
Das Quaken einer Ente erzeugt kein Echo.
Ist das nicht der Hammer?
Ein Knüller?
Ich hatte dann immer so ein Ganter vor Augen, der vor einer furchtbar großen Höhle hockt, fröhlich in diese hineinquakt und das Ausbleiben eines Echos mit einem kecken Kichern quittiert.
Schöne Vorstellung, doch an Erklärungen mangelte es mir trotzdem, lediglich die hastig zusammengeschnitzte Theorie, dass es der Ente irgendwie gelingen würde, ihren Quak-Schall nach innen zu leiten, hielten mich davon ab, einfach nur mit den Schultern zu zucken und zu sagen „Sie produziert nun mal kein Echo und gut ist!“
Was mich aber nicht müde werden ließ, den Quak-Echo-Satz überall breitzutreten:
„Hey, wusstest du schon das neueste, das Gequake von Enten produziert kein Echo!“ fiel recht häufig und die Gesichter warfen den erwartet staunenden Ausdruck gegen meine Augen.
Und jetzt muss ich lesen, dass das nicht stimmt. „Quak“ gibt’s doch als Echo, so wie „Muh“ oder „Scheiß Mehrwertssteuererhöhung“ auch. Bei der Ente sei es aber nun mal so, dass ihr Geschnatter ein Ton ist, der nicht abrupt endet, sondern sanft ausläuft und dieser somit eine Vereinigung ein- und letztlich damit untergeht.

Da hab ich nun den Salat, auf Partys oder sonstigen Veranstaltungen werden die Menschen bei meinem Erscheinen komisch gucken, hinter vorgehaltener Hand werden sie gackern und auf mich zeigen wenn ich gerade mal nicht hinschaue
„Da ist doch der Typ, der die bekloppte Ententheorie hat. Wegsperren sollte man so was!“
Nun gut, ich zuck noch mal mit den Schultern und nehme alles zurück. Auch gegenüber allen Liebhabern von Flussvögeln.
Sorry.
Man sieht also, es lohnt sich häufig, ein bisschen genauer hinzuschauen, Dinge zu hinterfragen, damit man dann auch mal andere Schlüsse ziehen kann.
Da hier nun heute aber ein Zitat von Humor-Großmeister Loriot ad acta gelegt wurde, muss ich flugs ein neues erfinden, bevor die Menschen mir Pillenrezepte gegen Größenwahn ausstellen möchten, weil ich es gewagt habe, ungefragt an Sätzen berühmter Menschen herumzumauscheln.
Na gut. Hier ist eins von mir:
„Der Mensch ist vermutlich das einzige Lebewesen, welches blöd genug ist, scharfkantig glitzernde Rolltreppen nicht mit weichem und kuscheligem Fell zu überziehen, um das Verletzungsrisiko des Einzelnen auf ein Minimum zu beschränken!“
Blöd hier ist nur: So ein Satz passt auf keine Tafel, wenn ich mal irgendwann ne Lesung halten sollte.
Also fällt die Lesung aus und Loriot hat nun doch am Ende gewonnen.
Glückwunsch.

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