6.10.06

Pennys Wochenrückblick Folge 68: Sechs Zahlen für ein Halleluja und das Kreuz mit dem Tippschein!

Deutschland schlendert in dieser Woche nicht!
Wirklich nicht!
Nein, Deutschland hetzt und rennt, man rammt sich gegenseitig entschlossen die Nordic Walking Stöcke in die künstlichen Hüften und legt dem einen oder anderen auch mal eine Bananenschale vor den Schuh!

Wir sind Lotto!

Fünfunddreißig Millionen Euro aus einem Topf, dessen Deckel die meisten von uns niemals öffnen werden, lassen unser Volk in eine Art Tipp-Starre verfallen, in der nur noch die Kreuzchenbewegung mit dem Kuli möglich ist.
Landauf und landab setzt jegliches rationale Denken einfach aus, wir rennen in die Lottobüdchen und schmieren die Zettel voll, als gäbe es kein Morgen mehr.
Damit hier gleich keine Missverständnisse aufkommen:
Die Wahrscheinlichkeit, diesen 35 Mio-Pot zu knacken, sie ist nicht gerade groß. Das muss im Wahn ja auch mal gesagt werden. Im Lottofieber. Eins zu 135 000 000.
Viele haben einfach keine Vorstellung davon wie ungeheuer klein diese Wahrscheinlichkeit ist, dieses schreckliche Unwissen gipfelt darin, dass sehr viele dann das alte Erklärungsklischee aus der muffigen Tasche faltiger Definitionen herausholen, in der man beim „Kacken“ vom Blitz getroffen wird. Wenn wirklich mal ein derartiges Unglück geschieht, kann man nur beten und den Blitz kurz bitten, einen wenigstens noch abputzen zu lassen. Sonst stehen peinliche Sachen auf dem Grabstein.

Ein Matheprofessor drückte es plastischer aus:
Man setze sich in eine Stretchlimousine lasse sich mit verbundenen Augen und einem Kieselstein in der Hand von Hamburg bis nach Mailand kutschieren. Irgendwo auf dieser ja doch recht langatmigen Strecke von der Hansestadt ins italienische Modeparadies steht ein dünner Stab am Straßenrand herum. Die Wahrscheinlichkeit, den Lottopot zu knacken entspricht der Wahrscheinlichkeit, mitten auf dieser Strecke das Fenster hinunterzukurbeln, den Stein rauszuschmeißen und den Stab zu treffen. Faszinierend, nicht wahr? Manche haben aber selbst da Pech und treffen stattdessen den Kopf eines Polizisten und schon verbringt man die Nacht in einer nassen Zelle, Stretchlimo hin oder her. Und dünne Models in Mailand mit dem Kieselstein zu bewerfen, das zählt leider auch nicht.
Aber ist Latte, wir sind Lotto und flippen aus. Was sehr interessant ist, weil das Austickverhalten sich bei – wie drück ich’s aus, ohne von Globalisierungsgegnern geteert und gefedert zu werden – „Peanut-Jackpots“, die sich so um die lächerlichen 5 Millionen Euro bewegen, im Ruhebereich befindet. Frei nach dem Motto: Für fünf Millionen Euro mach ich doch keine Kreuze aufs Papier.
Was aber immer alle ganz genau wissen ist, wie sie den Zaster unter die Leute bringen.
Ich würde da auch nicht lange zögern und dem Siemensvorstand direkt sein Gehalt erhöhen, auf das er ja in der letzten Woche so leidvoll verzichten musste. Da ja dann immer noch 34 Millionen übrig bleiben, gräme ich mich aber nicht und durchforste den Dax nach weiteren Not leidenden Firmen mit bettelarmen Vorständen. Aber ich bin ja kein Maßstab. Eine zwölffache Mutter würde vielleicht für 35 Millionen Ocken 17,5 Millionen Babystrampler bei Kik kaufen. Nur für den Fall der Fälle, dass man mal wieder die Pille vergisst.

Aber es gibt auch Promis, die das Geld wohlüberlegt investieren würden:
Der Ministerpräsi von Schleswig Holstein, Herr Carstensen, würde sein eigenes Treibhaus mit Schmetterlingen bauen. Und darin würde er dann Erdbeeren und Kiwis anbauen.
Gut, vollgekotetes Obst gäbe es aber für sehr viel weniger Geld beim Bauern um die Ecke oder in nicht ganz so hygienischen Supermärkten.

Daniel Küblböck dagegen würde eine Astronautenbildung machen und dann mit ein paar heißen Mädels auf den Mond fliegen und dann auf die Erde runterspucken. Diese Entscheidung wäre aus mehreren Gründen zu begrüßen, auf dem Mond gibt es nämlich keine Gurkenlaster, der Gesichtsausdruck von Herrn Kübi wäre entzückend, wenn er merkt, dass es vom Mond aus recht schwierig ist, die gute alte Mutter Erde anzurotzen und noch gespannter wäre ich auf die Reaktion, wenn er hört, dass die Restkohle für die Rückreise zur Erde leider nicht mehr reicht.

Wolfgang Lippert, der sich nun endlich auch mal wieder zu irgendwas äußern dürfte – lang genug hat’s ja gedauert – würde ganz uneigennützig und kaum selbstverliebt einen Film drehen, in dem nur die mitspielen, die er gut leiden kann. Und wenn die nichts dagegen haben, würde er auch mitmachen! Gut, das eine schließt das andere schon mal aus. Vielleicht könnte man ja eine 5 Minutenversion von Herr der Ringe 4 abdrehen. Hobbit Lippert findet den Ring am Wegesrand, Sauron kommt gerade mit Nordic Walking Stöcken den Bordstein entlang (richtig: er will zu Lottobude) und dann macht es Klatsch und Platsch und schon hat das Böse die Macht. Klasse.

Kai Sander, ein Elektriker und Nichtpromi wollte schon immer mal ins Weltall, müsste dann aber aufpassen, dass er nicht mit den frei schwebendem Körperflüssigkeiten des Herrn Küblböck in Kontakt gerät, weil dann eine Rückkehr zur Erde aufgrund erhöhter Infektionsgefahr – ein kleiner Daniel könnte kreischend aus dem Bauch herausstoßen – ebenfalls ausgeschlossen ist.

Coleen Fernandez, die bei RTL Explosiv zu gut und gerne siebentausend Themen ihre Meinung abgeben darf, würde das Geld gar überhaupt nicht annehmen wollen, weil sie ja jetzt schon keine Männer kennen lernen würde, die nicht ein Problem damit hätten, dass die Frau mehr verdient als der Kerl. Ja, ich gebe zu, da wäre ich auch total Macho. Wäre ich Single und die frisch geröstete Lottomillionärin Fernandez würde vor mir stehen, ich würde sie wegstoßen mit den Worten:
„Hinfort, holde Maid, sie…ja sie sind mir wahrlich einen Tacken zu reich. Selbst wenn ich nur ein paar Wochen später 28 Millionen Euro so mir nichts dir nichts gewinnen würd, ich könnt nicht mit einer Frau zusammenleben, die 7 Millionen mehr hat als ich.“
Was zu der Frage führt: Dürfen Prominente Menschen ihre Antworten nicht noch mal überdenken, bevor siein der Zeitung veröffentlicht werden?
Scheinbar nicht.
Am Ende gewinnt den Pot aber irgendeine allein erziehende Mutter aus Köln-Holweide, die „ganz normal weiterleben“ und am nächsten Morgen „pünktlich wieder zur Frühschicht gehen“ würde.
Da haben dann alle Nichtgewinner ihren wunderbaren und sonnendurchfluteten Auftritt.
„Der gönnen wir es aber, oder?“
„Ja, der gönnen wir’s!“
„Also, der gönnen wir es so was von doll. Das gibt’s gar nicht, wie wir der das gönnen!“
Und ganz tief in uns drin, in einer echt versauten und unaufgeräumten Ecke unserer schwach beleuchteten Seele denken wir heimlich still und leise, wenn keine andere Seele zuhört:
35 Millionen und dann pünktlich zur Frühschicht?
Mann, ist die vielleicht bekloppt!

Ich geh jetzt mal nen Schein ausfüllen

Bis nächste Woche

5 Comments:

Anonymous Anonymous said...

getreu dem motto "einer muss es ja gewinnen" rennen die leute - ich nich, ich heb mein glück auf für den neuen jackpot, wenn dieser hier nicht geknackt wird - dann bin ich noch reicher als reich *muahaha*

mal wieder eine sehr informative sozialstudie ;)

6/10/06 15:31  
Anonymous Anonymous said...

Seit 35 Jahren warte ich auch schon auf den großen Lottogewinn, der, wie Du ja richtig erkannt hast, im Prinzip jede Woche ausgeschüttet wird. Eigentlich würden mir auch schon 100.000 € genügen. Aber selbst das will mir einfach nicht gelingen. Eigentlich wollte ich vorhin auch noch ein Scheinchen abgeben. Habe meinen Versuch aber aufgegeben, da zig Leute vor mir dran gewesen wären und die Hälfte davon bestimmt diejenigen, die sich erst einmal beraten lassen, weil sie keine Ahnung haben, wie man diese Reihen ausfüllt. Das ist wie bei einem Räumungsverkauf. Am ersten Tag des Ausverkaufs stehen grundsätzlich die Leute vor der Tür, die vorher noch nie in besagtem Laden eingekauft haben. Also habe ich es aufgegeben und begnüge mich mit meinen vier Scheinen, die ich am Anfang der Woche schon abgegeben habe. Ich wünsche mir auf diesem Wege Glück und würde Dir im Falle des Gewinns natürlich die Schlüssel für das unten gezeigte Haus übergeben als Dankeschön dafür, daß ich im ganzen Jahr freitags immer etwas zu lachen hatte.
M.

6/10/06 17:41  
Anonymous Anonymous said...

danke ds ich so lchen durfte..^^
lg lisa

7/10/06 10:43  
Anonymous Anonymous said...

Dieser Wochenrückblick kommt mal wieder auf etwas aktuelles zu sprechen, danke. hatte das in letzter zeit schon ein wenig vermisst, was nicht heißt dass ich mich jeden Samstag auf einen neune Rückblick gefreut habe.

7/10/06 11:01  
Anonymous Anonymous said...

ich liebe nordic walking... xD
und der part : "lippi the hobbit" war köstlich

7/10/06 11:33  

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