Pennys-Pausen-Plauderei Folge 8: Pril, Facebook und andere Netzkatastrophen
Tilly, die alte Spülmittel-Sadistin, quält ab Minute 1:16!
Viele mögen sich nicht erinnern, andere können's gar nicht, fungierten sie doch damals noch als Quark in der Auslage, wie es der Volksmund so schön formuliert.
Anfang der 80er geisterte sie durch deutsche Werbeblöcke, eingeklammert vom kräzchenden Geröhre der Mainzelmännchen:
Tilly, in ihrer Funktion unterwegs als Zwingnatur, patschte fremder Frauen Hände in Palmolivebefüllte Glasschälchen, das pflegt die Pfote schon beim Spülen.
Welch sorgenfreie Zeit: man musste sich nicht mehr so viele Gedanken machen, wie man nach der Hausarbeit die Griffel wieder weich bekommt, die bei "normalem" "08/15" Spülmittel schnell Ähnlichkeit mit einem ausgedörrten Dürre-Acker aufwiesen.
Sogar Proteine sollen drin gewesen sein, zum Glück war damals keiner so dumm, das Zeug zu saufen, es sei denn, man füllte das Zeug in alte Waldmeisterbowle-Flaschen um, stellte es in den Keller und wunderte sich Abends, wenn der Nachwuchs blau anlief.
Marketingkritisch, wie man damals war, dachte man: "Naja!"
Pflegt die Hände schon beim Spülen, Hokuspokusfidibus.
Erzähl uns doch keinen vom Pferd.
Und so verschwand die Werbung im Lokus des Reklameblödsinns und die Paarreime-Kreuzritter mussten sich neue sinnbefreite Jingles ausdenken.
Und heute?
Es scheint vermeintlich nicht viel besser zu sein.
Henkel, Hersteller von "Pril" dachte sich, heeey, komm wir gehen jetzt mal auf Facebook und schalten ne schicke Kampagne.
Dass so ein PR-Gang nicht immer von Erfolg gekrönt sein muß, bewies ja unlängst Felix Magath, der als Ausbund purer Lebensfreude ganze anderthalb Gesichtszüge ziehend Volks- und Fannähe demonstrieren wollte.
Seitens Henkel wollte man nun die Community einbinden in die Geschäftsgebahren.
Scheinbar angeödet von der ollen blauen Pril-Pulle sollten sich Facebook-Spülmittel-Fans hinsetzen und Pril-Flaschen gestalten, die Beste ginge dann in den Verkauf.
Da hatte man aber nicht mit der Facebookmasse gerechnet, denn die war äusserst kreativ: Weit vorn im Voting lag zB eine Prilflasche, die in schönstem Knusperbraun versprach: "Schmeckt lecker nach Hähnchen!" Ein anderes Design zeigte eine doch recht alberne Comicfratze, die PRIIIIIIIIIIIIIIIIIIIL brüllte.
Beide Designs - obwohl vorn liegend - wurden vom Henkelkonzern entfernt und das Ergebnis beeinflusst und ab da hing der Social-Network-Haussegen gehörig schief. Proteststürme ergossen sich in den Kommentarbereich, man könne doch nicht, was das denn nun solle und überhaup, SO NICHT!
Was nun tun?
Einfallen in den Chor der Möchtegerndemokraten auf Facebook, die sich um ihre Grundrechte betrogen fühlen, nur weil eine Spülflasche nicht in den Handel kommt, auf der draufsteht, sie schmecke nach Hähnchen?
Dass dabei eventuell wieder steife Kinderleichen mit grünem Schaum vorm Mund in Muttis Küche liegen, wird bestimmt als Kollateralschaden auf dem Weg zum vollkommenen Mitmachbürger in Kauf genommen.
Und überhaupt, so ein Konzern, der muss ja schon per se böse sein also von Grund auf und im Aktienrecht verankert. War ja klar, dass die Designs zensiert werden, da wird Kunst zunichte gemacht und Kreativität im Keim erstickt.
Ich weiß nicht. Menschen, die sonst mit den Grundrechten nicht viel am Hütchen haben, bei der wertvollsten Marke der Welt mit Namen "Facebook" angemeldet sind, um dann die Faust nach oben zu recken und sich über zensierte Spülmitteldesigns aufzuregen, hat was tiefgründig provinzielles und ist von reflexhafter Beleidigung nicht weit entfernt.
Dafür aber recht nah an formvollendeter Beschränktheit sind die Kommentare der Leute, die da schreiben: "Ach, ich finde es eine Frechheit von Henkel, ich wollte mir die abgewählten Kreativitätsfläschchen doch so gerne kaufen und in den Schrank stellen."
Aha!
Facebook-User, die sich dämlich bemalte Spülmittelflakons in die Vitrine stellen, die dann auf der nächsten In-Party schön ausgeleuchtet werden?
Da wirds wohl Zeit für die nächste Henkel-Marketing-Offensive.
Palmolive für's Hirn, pflegt den Schädel schon beim Denken.
Euer Penny.
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