Pennys Wochenrückblick Folge 72: Wer hat an der Uhr gedreht? Na, hoffentlich alle…
Sonntagmorgen war es mal wieder so weit.
Die Uhr!
Sie wollte und musste bewegt werden, zumindest der kleine Zeiger. Doch wohin bloß? Zum Glück stehen nur zwei Richtungen zur Auswahl, das hebt die Trefferchance zumindest auf fünfzig Prozent und das ist ja auch schon mal was Schönes.
Es ist erstaunlich:
Die Menschheit ist in der Lage auf den Mond zu fliegen, kommt aber in schwere Erklärungsnöte, wenn es alle halbe Jahre darum geht, am Zeitwerkzeug herumzumanipulieren. Wobei es ebenfalls erstaunlich ist, dass wann immer die menschliche Spezies sich mal wieder ein bisschen behämmert benimmt, die astronomische Fähigkeit unseren Erdtrabanten zu besuchen aus der Mottenkiste der Vergleiche gezogen wird.
Wenn man nämlich behauptet, dass die Menschheit auf den Mond fliegen kann, dann ist das nur teilweise richtig, denn den meisten von uns bleibt so ein Raketenflug mit vollgespuckten Raumanzügen ein liebes und langes Leben lang erspart.
Warum auch nicht?
Auf Luna gibt es nichts, aber auch wirklich nichts zu entdecken, was die monatelange Vorbereitung in der Kotz-Zentrifuge inklusive abschließendem strapaziösen Flug rechtfertigen würde. Da kann man ja nicht mal Lottoscheine ausfüllen, einen Fernseher gibt es nicht und Gerüchten zufolge ist die Temperatur dort alles andere als Bikinifreundlich, zumindest auf der Nachtseite. Und eine mysteriöse Maschine mit Ebbe/Flut – Hebeln gehört auch nicht zum Interieur.
Wir können also festhalten, dass dieser „wir können auf den Mond fliegen, sind aber zu blöd um eine Glühbirne richtig herum einzuschrauben“-Vergleich überflüssig wie ein weiterer
TV-Sender ist, der Prominenten Schlittschuhe anzieht. Und diejenigen, die wirklich in der Lage sind, unserem Erdtrabanten einen Besuch abzustatten, die wissen auch, in welche Richtung die Uhr am letzten Oktobersamstag gedreht werden muss.
Der Rest reimt es sich nur irgendwie zusammen. Aber zum Glück gibt es genug Medien, die schon viele Tage zuvor keine Schläfrigkeit zeigen bei dem Versuch, den Menschen in Deutschland klarzumachen, was die Stunde geschlagen hat und vor allem, wann sie wie viel schlägt.
Trotzdem wollen oder können es einige bis heute nicht verstehen und auch die Begleitumstände hinterlassen nur Verwirrung und stiften nicht wenig Unfrieden. Schon die viel geführte Diskussion, ob es nun abends länger hell oder morgens weniger dunkel ist, lässt viele lippenknetend zurück. Viele kneten so lange, dass sie das Umstellen der Uhr verpassen und sich montags auf der Arbeit verspäten und in einen furchtbaren Streit mit jenen geraten, die den Zeiger sogar in die falsche Richtung gedreht haben.
Einen ganzen Planeten in eine derartige Verunsicherung zu stürzen, dahinter verbarg sich einmal das ehrenhafte Ziel, Energie zu sparen, weil es abends ja länger hell bleibt, wenn aus 19 Uhr Realzeit plötzlich 18 Uhr Fake-Zeit wird. Da die Polkappen aber nach wie vor fröhlich vor sich hinschmelzen, kann man das Ganze wohl mittlerweile als gescheitert betrachten. Stattdessen gibt’s sogar Menschen mit Schlafdiskrepanzen, die sich von der Zeigeverschieberei derart gestört fühlen, dass es zu weiteren gesundheitlichen Problemen kommt. Schon hat man einen Bett-Lag und kommt abends gar nicht mehr in den Schlaf trotz hinzugewonnenen Stunde.
Überhaupt, hinzugewonnen.
Man musste in dieser Woche wieder höllisch aufpassen, dass man kein Radiomikro vors Gesicht gehalten bekam, von der Frage des Reporters überrumpelt, was man denn mit dieser „hinzugewonnen“ Stunde so alles anfangen würde. Nicht wenige ließen sich zu der Aussage hinreißen, dass man „endlich mal ausschlafen könne!“.
Leider auch Nonsens, ein Großteil der Menschen schläft sowieso Sonntags aus und nur, weil jemand am Chronometer herumschraubt, schläft ja keiner länger, sondern man wacht auf, wie sonst auch und dann ist es eine Stunde früher. Viele sind auch einfach überfordert mit dieser ganzen zusätzlichen Zeit, etliche sitzen auf der Bettkante, warten, bis sie vorbei ist, um dann den normalen Tagesablauf zu beginnen. Man muss aber nicht auf der Bettkante sitzen, sondern man kann auch die Stunde nutzen, in dem man all die Zeit-Zwiebeln umstellt, die sich einem falsch tickend in den Weg schmeißen.
Radiowecker, Standuhr im Kaminzimmer, die Sportuhr, die Uhr im Palm, die Zeitschaltuhr für die Heizung, die Zeitanzeige im Fahrzeug, all das will umgestellt sein und das möglichst genau. Dafür geht schon mal ne Stunde drauf und schon fühlt man sich verarscht. Vor einigen Jahren schlug die an nicht gerade intelligenten Ideen ausscheidende EU vor, das Zeigerprozedere um eine Stunde zu erweitern, also nicht – wie es der gesunde Menschenverstand jedes halbe Jahr beharrlich fordert – eine Rücknahme dieses Unfugs, sondern eine Ausweitung.
Warum nicht gleich ein ganzer Tag? Wachen wir dann am Sonntagmorgen auf, ist es auf einmal wieder Samstag und man kann erneut ins Stadion tingeln, um der Lieblingsmannschaft beim Verlieren zuzuschauen. Viele Männer gehen dann abends in die Kneipe und zwar mit dem Kater, den sie sich am Tag zuvor beziehungsweise am selben Tag angetrunken haben.
Also alles klar?
Gestern war heute schon morgen oder war vorgestern noch ein Tag Zeit bis heute? Zu verwirrend? Von mir aus, dann machen wir es eben mit Monaten, am besten, der erste Januar wird zum 15. Dezember. Zweimal Weihnachten, das würde den Halbwüchsigen doch bestimmt gefallen. Ach hören wir doch auf mit diesen halben Sachen, drehen wir doch die Zeit direkt um Epochen zurück und huschen wieder ins Industriezeitalter, in denen es noch genügend Arbeitsplätze im produzierendem Gewerbe gab und turnhallengroße Computer noch Utopie waren. Wem das zu einfach ist, der darf auch gerne mischen, warum soll nicht die Uhr am 28. Oktober so zurückgestellt werden, dass wir wieder den 04.07.2006 schreiben. Wir würden in dicken Mänteln gehüllt auf den Public Viewing Plätzen dieser Republik stehen und mit rotzigen Nasen ein weiteres Mal unsere Nationalmannschaft anfeuern. Da die Italiener aber aufgrund ihrer geografischen Lage ein wenig kälteempfindlich sind, schlagen wir sie mit 7:0 und die Sportfreunde Stiller müssen keine zweite Version ihres Songs herausbringen.
Zeitumstellung könnte eine so tolle Sache sein…man bräuchte nur die richtigen Gesetze.
Die Uhr!
Sie wollte und musste bewegt werden, zumindest der kleine Zeiger. Doch wohin bloß? Zum Glück stehen nur zwei Richtungen zur Auswahl, das hebt die Trefferchance zumindest auf fünfzig Prozent und das ist ja auch schon mal was Schönes.
Es ist erstaunlich:
Die Menschheit ist in der Lage auf den Mond zu fliegen, kommt aber in schwere Erklärungsnöte, wenn es alle halbe Jahre darum geht, am Zeitwerkzeug herumzumanipulieren. Wobei es ebenfalls erstaunlich ist, dass wann immer die menschliche Spezies sich mal wieder ein bisschen behämmert benimmt, die astronomische Fähigkeit unseren Erdtrabanten zu besuchen aus der Mottenkiste der Vergleiche gezogen wird.
Wenn man nämlich behauptet, dass die Menschheit auf den Mond fliegen kann, dann ist das nur teilweise richtig, denn den meisten von uns bleibt so ein Raketenflug mit vollgespuckten Raumanzügen ein liebes und langes Leben lang erspart.
Warum auch nicht?
Auf Luna gibt es nichts, aber auch wirklich nichts zu entdecken, was die monatelange Vorbereitung in der Kotz-Zentrifuge inklusive abschließendem strapaziösen Flug rechtfertigen würde. Da kann man ja nicht mal Lottoscheine ausfüllen, einen Fernseher gibt es nicht und Gerüchten zufolge ist die Temperatur dort alles andere als Bikinifreundlich, zumindest auf der Nachtseite. Und eine mysteriöse Maschine mit Ebbe/Flut – Hebeln gehört auch nicht zum Interieur.
Wir können also festhalten, dass dieser „wir können auf den Mond fliegen, sind aber zu blöd um eine Glühbirne richtig herum einzuschrauben“-Vergleich überflüssig wie ein weiterer
TV-Sender ist, der Prominenten Schlittschuhe anzieht. Und diejenigen, die wirklich in der Lage sind, unserem Erdtrabanten einen Besuch abzustatten, die wissen auch, in welche Richtung die Uhr am letzten Oktobersamstag gedreht werden muss.
Der Rest reimt es sich nur irgendwie zusammen. Aber zum Glück gibt es genug Medien, die schon viele Tage zuvor keine Schläfrigkeit zeigen bei dem Versuch, den Menschen in Deutschland klarzumachen, was die Stunde geschlagen hat und vor allem, wann sie wie viel schlägt.
Trotzdem wollen oder können es einige bis heute nicht verstehen und auch die Begleitumstände hinterlassen nur Verwirrung und stiften nicht wenig Unfrieden. Schon die viel geführte Diskussion, ob es nun abends länger hell oder morgens weniger dunkel ist, lässt viele lippenknetend zurück. Viele kneten so lange, dass sie das Umstellen der Uhr verpassen und sich montags auf der Arbeit verspäten und in einen furchtbaren Streit mit jenen geraten, die den Zeiger sogar in die falsche Richtung gedreht haben.
Einen ganzen Planeten in eine derartige Verunsicherung zu stürzen, dahinter verbarg sich einmal das ehrenhafte Ziel, Energie zu sparen, weil es abends ja länger hell bleibt, wenn aus 19 Uhr Realzeit plötzlich 18 Uhr Fake-Zeit wird. Da die Polkappen aber nach wie vor fröhlich vor sich hinschmelzen, kann man das Ganze wohl mittlerweile als gescheitert betrachten. Stattdessen gibt’s sogar Menschen mit Schlafdiskrepanzen, die sich von der Zeigeverschieberei derart gestört fühlen, dass es zu weiteren gesundheitlichen Problemen kommt. Schon hat man einen Bett-Lag und kommt abends gar nicht mehr in den Schlaf trotz hinzugewonnenen Stunde.
Überhaupt, hinzugewonnen.
Man musste in dieser Woche wieder höllisch aufpassen, dass man kein Radiomikro vors Gesicht gehalten bekam, von der Frage des Reporters überrumpelt, was man denn mit dieser „hinzugewonnen“ Stunde so alles anfangen würde. Nicht wenige ließen sich zu der Aussage hinreißen, dass man „endlich mal ausschlafen könne!“.
Leider auch Nonsens, ein Großteil der Menschen schläft sowieso Sonntags aus und nur, weil jemand am Chronometer herumschraubt, schläft ja keiner länger, sondern man wacht auf, wie sonst auch und dann ist es eine Stunde früher. Viele sind auch einfach überfordert mit dieser ganzen zusätzlichen Zeit, etliche sitzen auf der Bettkante, warten, bis sie vorbei ist, um dann den normalen Tagesablauf zu beginnen. Man muss aber nicht auf der Bettkante sitzen, sondern man kann auch die Stunde nutzen, in dem man all die Zeit-Zwiebeln umstellt, die sich einem falsch tickend in den Weg schmeißen.
Radiowecker, Standuhr im Kaminzimmer, die Sportuhr, die Uhr im Palm, die Zeitschaltuhr für die Heizung, die Zeitanzeige im Fahrzeug, all das will umgestellt sein und das möglichst genau. Dafür geht schon mal ne Stunde drauf und schon fühlt man sich verarscht. Vor einigen Jahren schlug die an nicht gerade intelligenten Ideen ausscheidende EU vor, das Zeigerprozedere um eine Stunde zu erweitern, also nicht – wie es der gesunde Menschenverstand jedes halbe Jahr beharrlich fordert – eine Rücknahme dieses Unfugs, sondern eine Ausweitung.
Warum nicht gleich ein ganzer Tag? Wachen wir dann am Sonntagmorgen auf, ist es auf einmal wieder Samstag und man kann erneut ins Stadion tingeln, um der Lieblingsmannschaft beim Verlieren zuzuschauen. Viele Männer gehen dann abends in die Kneipe und zwar mit dem Kater, den sie sich am Tag zuvor beziehungsweise am selben Tag angetrunken haben.
Also alles klar?
Gestern war heute schon morgen oder war vorgestern noch ein Tag Zeit bis heute? Zu verwirrend? Von mir aus, dann machen wir es eben mit Monaten, am besten, der erste Januar wird zum 15. Dezember. Zweimal Weihnachten, das würde den Halbwüchsigen doch bestimmt gefallen. Ach hören wir doch auf mit diesen halben Sachen, drehen wir doch die Zeit direkt um Epochen zurück und huschen wieder ins Industriezeitalter, in denen es noch genügend Arbeitsplätze im produzierendem Gewerbe gab und turnhallengroße Computer noch Utopie waren. Wem das zu einfach ist, der darf auch gerne mischen, warum soll nicht die Uhr am 28. Oktober so zurückgestellt werden, dass wir wieder den 04.07.2006 schreiben. Wir würden in dicken Mänteln gehüllt auf den Public Viewing Plätzen dieser Republik stehen und mit rotzigen Nasen ein weiteres Mal unsere Nationalmannschaft anfeuern. Da die Italiener aber aufgrund ihrer geografischen Lage ein wenig kälteempfindlich sind, schlagen wir sie mit 7:0 und die Sportfreunde Stiller müssen keine zweite Version ihres Songs herausbringen.
Zeitumstellung könnte eine so tolle Sache sein…man bräuchte nur die richtigen Gesetze.


2 Comments:
Witzig, witzig ! Du hast mal wieder meine Lachmuskeln strapaziert.
M.
Gruesse aus Australien. Bin gerade im Bundesstaat Western Australia. Hier gabs noch nie ne Zeitumstellung. Die haben sich bis jetzt beharrlich geweigert da mitzumachen. Bis jetzt. Vor kurzem gabs nen Volksentscheid zum Thema "Daylightsaving". Und ? Abgelehnt. Nutzte aber nix ! Irgendwelche Politiker haben sich ueber den Wunsch des Volkes hinweg gesetzt und naechste Uhrenumstellung, naechstes Jahr, ist auch western australia mit von der Partie !
Gruss, Magnus
P.s.: Wie lief das 6-Tage Rennen ? Wer hat die Technik gemacht ?
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