10.11.06

Pennys Wochenrückblick Folge 73: Düppdüdüdüüü...hier kommt die Laus!

So langsam wird es eng.
Also mit den Erfindungen.
Denn verwirrte limbische Systeme haben schon so manch krudes Zeug erdacht und zusammengeschraubt, der Ganzkörperregenschirm ist noch eines der harmloseren düsentriebschen Gerätschaften zur Erleichterung alltäglicher Lebenssituationen.
Bei größerer Not Erfindungen betreffend muss man also umso größere Kreativität walten lassen, um fiepsenden und schnurrenden Schnickschnack an dem Mann oder die Frau zu bringen.
So wäre eine Maschine nicht schlecht, die Nikolausgeschenke aus den Schuhen hinein in die Wohnung zum Beschenkten befördert, das würde natürlich die morgendliche Spannung am 6. Dezember auf ein Mindestmaß reduzieren, aber eventuell ist die Freude trotzdem groß, wenn die Schokolade nicht über den Beigeschmack ungewaschener Mauken klagen muss.

Manche Menschen haben aber nicht nur an den Füßen Probleme sonder auch Obenrum.
Also in der Denkregion beziehungsweise deren Oberflächenstruktur.

Genau.

Es geht um die Kopflaus.
Zunächst Äußerlichkeiten:
Die gemeine Kopflaus verfügt über einen kurzen Rüssel und fünfgliedrige Antennen, von denen man nur hoffen kann, dass sie nicht in der Lage sind, gewisse Fernsehprogramme zu empfangen. Ihre Beine sind gut für das Klammern und Fortbewegen auf menschlichen Wuschelköpfen geeignet, wäre ja auch zu blöd, wenn’s nicht so wäre, würde das Insekt doch ansonsten ständig an ein und derselben Stelle auf des Menschen Kopfe hocken und Rollstühle bei der Läuse-Gewerkschaft erklagen. Der sehr druckfeste Körper der Kopflaus widersteht einer Belastung von bis zu einem Kilogramm, sich mit Eisen-Hanteln das Zeug vom Kopf zu klopfen, führt also leider nicht zu juckfreien Zonen.
So eine Laus ist aber nicht nur zu ihrem Vergnügen auf mancher Rübe unterwegs, sondern ausschließlich, weil’s da was zu futtern gibt. Viele haben ja keine Vorstellung davon, warum man sich da jetzt in einer Tour den Schädel wund kratzt und diesen Menschen muss einfach die Vorstellung genommen werden, dass die Pediculus humanus capitis zu den lustigen Gesellen gehört und aus reinem Spaß an der Freude die Kopfhaut seines Wirts kitzelt.
Nix da, der zu kurz geratene Rüssel ist es, der einem Schlagbohrer gleich von der Laus in den Schädel gebohrt wird, bis sie auf Blut stößt. Das wird dann fröhlich gesaugt und natürlich bleibt dabei auch Läuserotze in der Wunde hängen, triefend und schleimend.
Die verursacht dann den Juckreiz.
Nach der Völlerei haben die Weibchen auch noch die unangenehme Eigenschaft, täglich Eier zu legen, so vier bis zehn am Tag können es sein und wer da nicht gegensteuert, sieht Obenrum schnell wie ein Afro-Schneemann aus.

Erst ab zwölf Grad hört eine Laus auf, Eier abzulegen, aber so was darf sich nicht herum sprechen, weil sonst weniger intelligente Eltern ihre Kinder fortan ins Tiefkühlfach sperren, wenn mal kurz der Kopf juckt und das ist bei Dauerbehandlung nicht nur blöd für die Laus.
Das panische Gesicht vieler verzweifelter Eltern belauster Teppichrutscher hat heutzutage auch viel damit zu tun, dass der Schädelparasit gesellschaftlich "stigmatisieren tut", wie man’s im Ruhrpott salopp formuliert.
So eine Großfamilie krabbelnder Gesellen auf der Birne stehen flugs auf einer Stufe mit Hartz Vier und Menschen, die gerne Sendungen auf RTL II schauen. Mit anderen Worten, viele denken auch heute noch, dass sich ein Belauster nicht oft wäscht. Leider nun mal ein Irrtum, die Seife-auf-Haut-Frequenz hat rein gar nichts mit der Laus-auf-Kopp-Quote zu tun. Vielmehr ist es das „Kuscheln“ und zusammenstecken der Köpfe in illustrer und kindergefüllter Runde, welches Kopfläuse zu Jubelrufen animiert.

Bisher gab es ein paar unzulängliche Möglichkeiten, gegen die unerwünschten und nichteingeladenen Parasiten vorzugehen. Zunächst sei da der Nissenkamm genannt, ein engmaschiges Gebürst, mit welchem man das Haar der Geplagten Stunde um Stunde wochenlang traktiert, bis man sich wünscht, niemals im Leben wieder einem Kamm zu begegnen. Da man aber früh erkannte, dass Kopfläuse von hartnäckiger Natur sind und sich ganz nah an des Haares Wurzel verstecken gibt’s auch Kämme mit Strom drin. Das erzeugt gleich nebenbei auch eine trendige Frisur im punkigen Bereich, so lässt sich das Nützliche prima mit dem Rebellischen verbinden.
Wem das alles zu unsicher ist, der kann sein Kind auch kopfüber in ein Chemiebad tauchen. Weil das aber laut Ökotest auch nicht so dolle, weil eventuell toxisch ist, sollte man das auch unterlassen, wenn man seine Nachgeborenen lieb hat.
Als letztes bleibt natürlich Schädel scheren, ratzekahl und polierglatt muss er sein und schon ist’s aus mit der Laus, wer sich das nicht vorstellen kann, möge sich in die Rolle eines Baumfällers begeben, der auf einem Feld voller Baumstümpfe steht.
Kein Baum zu fällen, der Baumfäller fällt nach Haus. Aus die Laus.
Eine Universallösung kann das aber auch nicht sein, vom Friseur für teuer Geld erstandene Kopfkunstwerke wollen nur wegen Lausbefall nicht einfach einer Schermaschine zum Opfer fallen, Geld bleibt Geld und Laus bleibt Laus, da beißt die Maus kein Loch in den Käse.
Selbst wenn man sich dann überwinden kann und dem Kleinsten eine Fleischmütze verpasst, muss man sich darauf gefasst machen, dass es in der Schule schnell heißt, man wäre Deutschlands jüngstes Mitglied in der NPD. Das wollen natürlich auch nur die wenigsten.
Man merkt es also schon, gepeinigte Menschenbirnen sind nicht leicht zu befreien von der Knechtschaft der Laus, doch hey, die Erfinder stehen nicht still haben ihn erdacht und gebaut:

Den Lousebuster.

Also zu neudeutsch: Läusefön.
Der Läusefön sieht aus wie eine überdimensionierte Ghostbusterkanone und bläst Turboluft auf Kinderköpfe. Natürlich funktionierten die ersten Prototypen nicht einwandfrei und so manch zerwirbeltes Kind musste mit Tapetenkratzern mühevoll von der Wand entfernt werden. Aber als man dann die richtige Dosis hatte, war alles Roger, mit dem Vielfachen der normalen Fönluft wird sie ausgetrocknet, die Kopflaus und dann ist Ruhe im Kratz-Karton.
Schade, dass die Luft aus dem Läusefön nur halb so kalt ist, wie Luft aus normalen Haartrocknern, bei doppelter Hitze könnte man manchem Kind im Winter eine gesunde Gesichtsfarbe verpassen, während ältere Semester den Spaß am Leben wieder entdecken, wenn man mal wieder die Nasenhaare flambiert.
Und richtig blöd ist es, dass der Parasitenprügler in Serie über tausend Dollar kostet. Da wird sich manch mittellose Familie die Anschaffung dreimal überlegen und im Endeffekt heißt’s nur:
„Einfach weiterkratzen, Jan-Lukas, dann wird das schon!“
Schulen könnten sich natürlich einen Lousebuster anschaffen und so wird die Meute jeden Morgen präventiv durchgefönt.
Wenn man da ein paar Jahre weiterdenkt und der Evolution freie Hand lässt, ist es bis zu Lippentackern nicht mehr weit und schon ist die Welt um Kinderfreundlichkeit ärmer, dennoch um Erfindungsgeist reicher geworden.
Viva la Fortschritt.

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