24.5.11

Pennys-Pausen-Plauderei Folge 9: Komm, Lucas, sooooo schwer ist die Relativitätstheorie nun auch nicht...


Wird ein gefeierter Pandabärentierfilmforscher. Was auch sonst!?!



Wenn ich meinen Text mit den Worten "Damals, als ich noch ein Kind war..." beginne, wieviele Leser springen dann wohl ab? Einige? Viele? Alle?
Na zum Glück beginnt er ja anders und zwar mit den Worten "Wenn ich meinen Text...", von daher: alle hier geblieben und hinsetzen.
Damals, als ich noch ein Kind war (ich hab gesagt: sitzen bleiben), da waren die Erwartungen an meine Person hübsch übersichtlich. Sicherlich, eine vollgekrakelte Seite im Hausaufgabenheft wurde von mir so lang Bart-Simpson-like nochmal geschrieben, bis auch meine Eltern es anstandslos lesen konnten und zwar ohne, dass sie sich dabei fragen mussten, ob sie das Heft verkehrt rum hielten.
Ansonsten war es eine tolle Welt, ich konnte ja machen, was ich wollte.
Ab ins Kinderzimmer, die Bettdecke zu einem Bergmassiv zusammenknubbeln und schon hatten die Action-Figürchen von MASK ein neues Einsatzgebiet.

Und heute? Nun, wenn derlei 2011 in deutschen Kinderzimmern beobachtet wird, fasst man sich ans Kinn, geradewegs so professionell wie es die Super Nanny im Fernsehen tut und dann wird gehandelt.
"Guck, der Lucas, was er da macht. Amokläufertendenzen sind das."

Flugs wird ein Terminplan zusammengeschraubt, der problemlos mit dem Filofax von Josef Ackermann konkurrieren könnte, Kleinstlebewesen, die von sinnlosen Zellhaufen nur durch einen Schnuller zu unterscheiden sind, bekommen plötzlich Klavierunterricht.
"Du, der Lucas macht das ganz toll, ich hab ja die Bach Sonate in G-Moll rausgehört, Du nicht auch Wolfgang?", heisst es dann auf Lucas siebtem Geburtstag und Wolfgang weiß sich nicht anders zu helfen als "Naja, könnte auch Sido gewesen sein" zu antworten.
Die Ehefrau schnaubt und der Beischlaf steht auf Stand-By bis zum nächsten Quartal.

Dienstag dann gehts aber mit Lucas aufm Platz, Freistöße üben. Den Ball in die Mauer semmeln oder ans Lattenkreuz nageln, das kann heute jeder Viertligaspieler, es gilt, früh anzufangen.
"Der Lucas macht das ganz toll, wie er sich auch schon so niedlich albern wie der Ronaldo hinstellt, oder Cindy?", heisst es ebenfalls auf dem siebten Geburtstag und Cindy weiß auch nichts anderes als "Naja, eher wie Udo Lattek nach dem siebten Weizen."
Kein Schmuckladen, dieses Quartal, was für eine freudlose Zeit.

Am nächsten Tag sind sich aber beide einig, denn Englisch als erste Fremdsprache ist in der heutigen Zeit einfach nicht mehr zu gebrauchen, in der sich die USA auf dem absteigenden Ast befindet.
Wer also im Alter von neun Jahren noch nicht in der Lage ist, auf Mandarin fließend die neuesten Kalauer über die europäische Binnenwirtschaft zum Besten zu geben, der wird eines Tages unbrauchbar sein für den asiatischen Arbeitsmarkt.

Donnerstags gehts dann zum Profischwimmen auf Zeit gegen all die anderen terminkalendergequälten Wesen aus der Nachbarschaft. Mit ner Plecke um die Platte rennen und nem weißen Ball hinterherhechten, das war gestern. Heute wird auf Millisekunde gekrault und wenn die Lippen nicht blau sind nach dem Wettkampf, dann lief auch was falsch.

Am Freitag dann endlich Wochenende und es wird nicht klassisch ausgeruht, so wie früher (Kopp auf Kissen), nein, es muss Kraft getankt werden für die neue Woche, also ab zur Kleinkindmassage mit Ayurvedabeträufelung rücklings. Danach noch 10 Stunden Arte gucken für die kultursüchtige Hirnanhangdrüse und fertig ist der Wochenprofessor im Kleinformat.
Viele werden sagen: Naja, lieber Penny, es gilt doch, aus der Fülle der heutigen Möglichkeiten zu schöpfen, wer später mal ein IT-Experte werden will, kann seine Kindheit nicht mit Wachsmalstiften vergeuden.
Denen entgegne ich, dass meine Eltern mich anno dazumal nicht gleich zum Grundstudium Architektur angemeldet haben, nur weil ich mal ein Legohaus gebaut habe und Bolle von nebenan ist heute auch nicht Inhaber einer Landschaftsgärtnerei, nur weil er früher häufig in Bäumen hauste.
Eine schlimme Sache, dass der Fachkräftemangel heutiger Tage sich auf die Freizeitgestaltung von Kleinstzwergen auswirkt und wer mit neuneinhalb immer noch auffällig wird ("Papa, wir gehen jetzt Räuber und Gendarme spielen"), kommt direkt zum Steineklopfen nach Irkutsk.
Was bleibt, ist die Resthoffnung auf eine Karriere als gefeierter Bildhauer.

Schöne Pause

Euer Penny




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